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Der erste Verdacht / Kriminalinspektorin Irene Huss Bd.5

Roman

Kriminalinspektorin Irene Huss Band 5

Helene Tursten

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Beschreibung

Mord aus Leidenschaft oder eiskaltes Verbrechen? Die Göteborger Polizei stochert im Nebel. Als der fünfzigjährige Hotel- und Restaurantbesitzer Kjell B. Ceder in seiner luxuriösen Villa in den Schären tot aufgefunden wird - niedergestreckt mit zwei Schüssen aus einer kleinkalibrigen Waffe -, fällt der Verdacht sofort auf seine wesentlich jüngere Frau Sanna. Sie lebt von ihm getrennt und scheint mehr als genug Gründe zu haben, ihm die Pest an den Hals zu wünschen. Dann sterben zwei Geschäftsleute auf ähnliche Weise wie Ceder - einer von ihnen hatte früher beruflich mit Sanna zu tun, verscherbelte gemeinsam mit ihr Luxusgüter über das Internet. Ist sie etwa ebenfalls in Gefahr? Oder ist sie viel raffinierter, als es den Anschein hat? Kriminalinspektorin Irene Huss nimmt die Ermittlungen auf - und stößt auf eine heiße Spur, die sie bis nach Paris führt. Dann wird auf einer Schäreninsel vor Göteborg die fast verweste Leiche eines Mannes gefunden, und die Karten scheinen völlig neu gemischt zu werden ...

"Fans von Anne-Holt-Krimis und Liza-Marklund-Romanen, die sehnsüchtig nach neuem Stoff gieren, werden Helene Turstens ,Der erste Verdacht' nur so verschlingen." Gala

Helene Tursten, geboren 1954 in Göteborg, arbeitet als Zahnärztin, ehe sie sich ganz auf das Schreiben von Kriminalromanen konzentrierte. Ihre Serie um die Göteborger Kriminalinspektorin Irene Huss hat nicht nur viele Fans, sondern wurde auch erfolgreich verfilmt. "Schneenacht" ist der dritte Fall für die junge Polizistin Embla Nyström. Helene Tursten lebt in Sunne/Värmland.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 381
Erscheinungsdatum 02.01.2007
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-73596-9
Reihe Die Irene-Huss-Krimis 5
Verlag btb
Maße (L/B/H) 18,7/11,6/2,9 cm
Gewicht 318 g
Originaltitel Guldkalven
Auflage 5. Auflage
Übersetzer Holger Wolandt
Verkaufsrang 134287

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Buchhändler-Empfehlungen

Thomas Canje, Thalia-Buchhandlung Krefeld

Packender Krimi aus Schweden. Irene Huss und ihr Team ermitteln wieder. Überraschende Wendungen und interessante Charaktere sorgen für Spannung bis zum Schluss.

Kundenbewertungen

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Ein Krimi der zum Teil langatmig ist
von Bookdragon am 21.06.2020

Der Hotelbesitzer Kjell Ceder wird von seiner viel jüngeren Frau Sanna in deren Haus erschossen aufgefunden . Sie hat zwar ein Alibi , aber Irene Huss und ihre Kollegen glauben dem ganzen nicht . Als dann noch zwei Geschäftsleute ermordet werden , stellt sich bald heraus dass Sanna früher geschäftlichen Kontakt mit ihnen hatte .... Der Hotelbesitzer Kjell Ceder wird von seiner viel jüngeren Frau Sanna in deren Haus erschossen aufgefunden . Sie hat zwar ein Alibi , aber Irene Huss und ihre Kollegen glauben dem ganzen nicht . Als dann noch zwei Geschäftsleute ermordet werden , stellt sich bald heraus dass Sanna früher geschäftlichen Kontakt mit ihnen hatte . Die polizeiliche Ermittlungen führen bis nach Paris ... Dieser Krimi spielt in Göteborg und teilweise in Paris . Es dauerte etwas bis ich ins Buch hineinkam . Der Schreibstil ist gut zu lesen , der Inhalt war in meinen Augen an einigen Stellen etwas langatmig . Zur Mitte des Buches wurde es aber dann doch um einiges spannender was aber rasch wieder abflachte . Die Charaktere passen gut zum Buch , nur hatte ich zu Beginn Mühe sie auseinander zu halten . Es spielen doch recht viele Personen mit . Fazit : Da es in diesem Krimi unter anderem auch um ein Boot handelt , passt das Cover gut zu diesem Buch . Die Spannung hatte für mich keine allzu großen Höhen und Tiefen . Zur Mitte hin wurde es dann nochmals spannend . Das ganze wirkte auf mich eher steril und kühl . Zum Schluss hin wurde die Story etwas verwirrend , weil die Spuren sich bis nach Amerika verfolgen ließen . Leider erfüllt dieser Krimi nicht ganz meinen Erwartungen . Dieses Buch ist der 5.Teil einer 12 teiligen Reihe . Es ist in sich abgeschlossen , der Leser braucht die Vorgänger Bücher nicht unbedingt zu kennen .

Großartig!
von einer Kundin/einem Kunden aus Eiselfing am 03.07.2017
Bewertet: Medium: Hörbuch-Download

Definitiv eines der besten Hörbücher die ich je gehört habe. Die außergewöhnliche Stimme von Andrea mach das Erlebnis noch viel besser!

sehr spannend
von Blacky am 30.05.2010

Kurzbeschreibung : Mord aus Leidenschaft oder eiskaltes Verbrechen? Die Göteborger Polizei stochert im Nebel. Als der fünfzigjährige Hotel- und Restaurantbesitzer Kjell B. Ceder in seiner luxuriösen Villa in den Schären tot aufgefunden wird - niedergestreckt mit zwei Schüssen aus einer kleinkalibrigen Waffe - fällt der Verdacht... Kurzbeschreibung : Mord aus Leidenschaft oder eiskaltes Verbrechen? Die Göteborger Polizei stochert im Nebel. Als der fünfzigjährige Hotel- und Restaurantbesitzer Kjell B. Ceder in seiner luxuriösen Villa in den Schären tot aufgefunden wird - niedergestreckt mit zwei Schüssen aus einer kleinkalibrigen Waffe - fällt der Verdacht sofort auf seine wesentlich jüngere Frau Sanna. Sie lebt von ihm getrennt und scheint mehr als genug Gründe zu haben, ihm die Pest an den Hals zu wünschen. Dann sterben zwei Geschäftsleute auf ähnliche Weise wie Ceder - einer von ihnen hatte früher beruflich mit Sanna zu tun, verscherbelte gemeinsam mit ihr Luxusgüter über das Internet. Ist sie etwa ebenfalls in Gefahr? Oder ist sie viel raffinierter, als es den Anschein hat? Kriminalinspektorin Irene Huss nimmt gemeinsam mit ihrer neuen Kollegin Kajsa Birgersdotter die Ermittlungen auf - und stößt auf eine heiße Spur, die sie bis nach Paris führt. Dann wird auf einer Schäreninsel vor Göteborg die fast verweste Leiche eines Mannes gefunden, und die Karten scheinen völlig neu gemischt zu werden... Ein sehr, sehr spannender Krimi. Wenn man als Leser glaubt den Plott durchschaut zu haben, tauchen wieder neue Erkenntnisse auf, die zu dieser Theorie dann wieder gar nicht passen. Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint. Es bleibt spannend bis zum Ende und die Lösung des Falles ist genial.

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  • ROLOG

    Februar 2000

    Verschwommene Bilder, von der Überwachungskamera einer Bank aufgenommen, flimmerten über den Bildschirm. Drei maskierte Männer richteten ihre Waffen auf Kunden und Personal. Die Bankräuber waren identisch gekleidet, dunkle Overalls, schwarze Mützen und schwarze Lederhandschuhe. Ihre Augen ließen sich hinter den Löchern der Mützen, die sie bis über das Kinn gezogen hatten, nur erahnen. Einer der Männer stand hinter dem Schalter und warf der Kassiererin eine große Nylontasche zu. Mitten in der Schalterhalle lag ein Mann auf dem Bauch. Einer der Räuber zielte mit einem Gewehr auf seinen Kopf. Der dritte Bewaffnete hatte sich neben der Tür postiert und hielt nervös Ausschau. Er stand mit dem Rücken zur Kamera, seine Waffe war auf die Tür gerichtet. Plötzlich sah man am oberen Bildrand, wie die Glastür geöffnet wurde und jemand den Schalterraum betrat. Zwei dürre Schienbeine in bequemen halbhohen Lederschuhen erschienen in der Türöffnung. Der Vermummte an der Tür trat einen Schritt vor und zerrte eine ältere Frau ins Bild. Er packte ihren Arm, sie machte eine Viertelumdrehung und stürzte kopfüber zu Boden.

    Alle drei Räuber bewegten sich ruckartig, als sei der Verlauf in Sequenzen gefilmt worden, um Videoband zu sparen. Trotzdem war deutlich zu erkennen, dass sie nach dem Sturz der alten Dame nervöser geworden waren, der Mann hinter dem Schalter bedeutete der Kassiererin mit bedrohlichen Gesten voranzumachen. Mit zitternden Händen versuchte sie, die Tasche der Räuber mit Scheinen zu füllen. Einige fielen daneben, was den maskierten Mann verärgerte. Unvermittelt versetzte er ihr mit dem Gewehrlauf einen Schlag ins Gesicht. Die Kassiererin sackte zusammen und verschwand hinter dem Schalter.

    »… diese brutalen Bilder stammen aus der Bank. Ein vierter Mann wartete vor der Tür mit dem Fluchtwagen. Laut Zeugenaussagen handelte es sich um einen roten Saab 9000. Nur wenige Stunden zuvor wurde ein entsprechendes Fahrzeug in Arvika gestohlen. Nach Ansicht der Polizei ist es mit großer Wahrscheinlichkeit mit dem Wagen der Bankräuber identisch. Eine landesweite Fahndung wurde eingeleitet. Die ältere Frau, die die Bank während des Überfalls betreten hatte, brach sich durch den Sturz ihren Oberschenkelhals. Sie steht unter Schock. Die Kassiererin verlor ihre Schneidezähne und steht ebenfalls unter Schock. Beide Frauen werden stationär behandelt. Den Geiseln und dem Bankpersonal steht ein Krisenteam bei. Die Beute soll dieses Mal über eine Million Kronen betragen haben. Es ist der vierte große Bankraub in diesem Jahr im Norden von Värmland. Für keinen der Überfälle konnte bislang ein Verdächtiger dingfest gemacht werden. Vermutlich kommt es deshalb so häufig zu Banküberfällen in den nördlichen Provinzen, weil hier die Polizeipräsenz äußerst gering ist. Wenn die Alarmglocken schrillen, ist es gut möglich, dass sich der einzige dienst tuende Streifenwagen bis zu fünfzig Kilometer vom Tatort befindet«, sagte die Stimme einer Reporterin aus den Lautsprechern des Großbildschirms.

    »Schweine!«, sagte der Mann auf dem Sofa und schaltete den Fernseher mit der Fernbedienung aus. Nachdem das Bild erloschen war, herrschte einen Augenblick Stille im Zimmer.

    »Wie schrecklich! Stell dir vor, da steht einer und richtet sein Gewehr auf deinen Kopf! Nicht auszudenken!«, erwiderte seine junge Freundin und lachte nervös.

    Dann verstummte sie und sah zu, wie er ihr Weinglas nachfüllte.

    »Andererseits, Philip, eine Million ist ja auch nicht gerade von Pappe. Vermutlich das beste Verbrechen, um zu Geld zu kommen«, sagte das Mädchen kichernd und nahm einen großen Schluck Rotwein.

    »Zu gefährlich. Man kann dabei erschossen werden.«

    Er hob sein Glas an die Nase und schnupperte lange und genüsslich.

    »Hm. Sonnengereifte Brombeeren und eine Spur Vanille. Hoffentlich erwischen sie die Gauner und sperren sie in den Bunker von Kumla. Da können sie verrotten«, sagte der Mann, der daran beteiligt gewesen war, hundert Millionen zu unterschlagen. Dollar, keine Kronen.

    1

    Die Kriminalinspektoren Irene Huss und Tommy Persson hielten hinter den beiden blauweißen Streifenwagen. Vor diesen stand das Auto der Spurensicherung, ein normaler Personenwagen. Die Garagenauffahrt des Hauses wurde von einem nachlässig abgestellten, silbermetallic lackierten Mercedes Cabrio mit geschlossenem Verdeck blockiert.

    Sie stemmten sich gegen den starken Wind, der vom Meer herwehte, und suchten sich vorsichtig ihren Weg zur Haustür. Der Neubau schien fertig gestellt zu sein, doch das Grundstück war noch eine einzige große Schlammwüste. Ein Tritt neben den Plattenweg, und schon blieb möglicherweise der Schuh im Lehm stecken. Obwohl der Garten noch nicht angelegt war, fiel Irene Huss die phantastische Lage des Hauses auf. Es thronte auf einer Anhöhe und bot eine weite Sicht über das Wasser des Askimviken. Wo bekam man nur so ein Baugrundstück her? Das Haus war aus terrakottafarbenen Ziegeln und viel Glas. Das von einem Stararchitekten entworfene Haus hatte mit Sicherheit ein Vermögen gekostet.

    Tommy Persson blieb stehen und betrachtete das Cabrio. Beeindruckt pfiff er durch die Zähne und sah Irene viel sagend an. Dann ging er weiter und klingelte an der Haustür. Sofort öffnete eine Polizistin in Uniform. Sie war jung und wirkte sehr ernst.

    »Hallo. Tommy Persson und Irene Huss vom Dezernat für Gewaltverbrechen.«

    »Hallo. Stina Lindberg. Die Spurensicherung ist auch gerade eingetroffen«, entgegnete ihre uniformierte Kollegin.

    Im Haus schrie ein Kind. Nervös schaute Stina Lindberg in die Richtung, aus der der Lärm kam, und versuchte, rasch zu erklären:

    »Das ist das Baby. Ihr Baby … seine Frau hat ihn gefunden … ihren Mann … als sie nach Hause kam.«

    Stinas bleiche Wangen und ihr verbissenes Ringen um Fassung verrieten, dass ihr die Situation zu schaffen machte. Ein Mord machte immer allen zu schaffen, aber noch schlimmer war es, wenn Kinder Teil des Szenarios waren.

    Ein hoch gewachsener Polizist mit Schutzkleidung über der Uniform trat in die geräumige Diele. Irene und Tommy kannten ihn gut. Sie begrüßten sich herzlich. Inspektor Magnus Larsson informierte sie über den Stand der Dinge, während sie sich ebenfalls Schutzoveralls sowie Hauben, Plastikhandschuhe und Plastikschlappen überzogen.

    »Die Frau alarmierte den Notruf und sagte, sie habe ihren Mann erschossen aufgefunden. Wir trafen etwa eine Viertelstunde später ein. Da war sie noch recht gefasst, aber kurz darauf erlitt sie einen Zusammenbruch. Die Telefonnummer ihrer Mutter war in ihrem Handy gespeichert. Ich hab sie bereits angerufen. Schließlich muss sich jemand um das Kind kümmern. Die Mutter ist unterwegs. Aber es wird noch dauern, sie kommt aus Borås.«

    »Wie heißen die Leute, die hier wohnen?«, fragte Irene.

    »Sanna Kaegler-Ceder und Kjell Bengtsson Ceder.«

    Irene meinte, beide Namen schon einmal gehört zu haben, konnte sie jedoch nicht einordnen. Tommy schien es genauso zu gehen. Fragen konnte sie ihn nicht, denn in diesem Moment plärrte das Baby im hinteren Teil des Hauses los. Alle drei Beamten eilten auf das Geräusch zu.

    Das Wohnzimmer mit seiner Fensterwand aufs Meer hinaus war überaus geräumig. Die Aussicht war wirklich phantastisch. Zusammengesunken saß eine junge Frau in einem drehbaren, eierschalenfarbenen Ledersessel. Sieben weitere solcher Sessel waren um einen elliptischen Glastisch gruppiert. Unter dem Tisch lag ein flauschiger Teppich, ebenfalls eierschalenfarben. Die helle Farbe kontrastierte eindrucksvoll mit dem dunklen, terrakottaroten Klinkerboden. Die Wände waren ein paar Nuancen heller als die Ledersessel. Ein großes modernes Ölgemälde bildete den Blickpunkt an der fast weißen Wand.

    Irene und Tommy begrüßten die beiden uniformierten Kollegen, die neben der Frau standen. Dann betrachteten sie die erstarrte Gestalt im Sessel genauer. Irene kam das Gesicht vage bekannt vor.

    Sanna Kaegler-Ceder starrte dumpf vor sich hin. Ihre bleiche Farbe und ihre versteinerte Miene verwandelten ihr Gesicht in eine Gipsmaske. Zu ihren Füßen stand eine Babywippe aus hellblauem Cord. Irene schätzte, dass das Kind höchstens ein halbes Jahr alt war. Es schrie aus Leibeskräften und war vor Anstrengung hochrot im Gesicht.

    An die Glaswand schloss sich ein mehrere Meter breiter Durchbruch in ein verglastes, achteckiges Zimmer an. Von diesem aus führte eine Wendeltreppe aus Stahl ins Obergeschoss. Der Ehemann von Sanna Kaegler-Ceder lag unter der Treppe. Die beiden Männer von der Spurensicherung, die neben der Leiche standen und ihre Fotoausrüstung wegpackten, nickten Irene und Tommy zu, ohne ihre Arbeit zu unterbrechen.

    »Wir brauchen noch eine Viertelstunde«, meinte der ältere.

    »Okay«, erwiderte Tommy.

    Irene trat auf Sanna Kaegler-Ceder zu und berührte sie sachte an der Schulter. Sie schien es nicht einmal zu spüren.

    »Hallo. Ich heiße Irene Huss. Glauben Sie, dass Sie Ihrem Kind etwas zu essen geben könnten?«

    Ein schwaches Zucken der Augenlider war die einzige Reaktion.

    Irene seufzte und nahm das kleine, verheulte Bündel hoch.

    Ein durchdringender Geruch stieg von dem Kind auf. Höchste Zeit zum Windelwechseln.

    »Komm, Tommy. Du musst mir helfen, den Wickeltisch und die Fläschchen zu finden«, sagte Irene energisch.

    »Bitte? Soll ich … sollen wir?«

    »Ja. Schließlich ist es noch nicht lange her, dass du bei deinen eigenen Kindern die Windeln gewechselt hast.«

    »Wie wahr. Natürlich werden wir dafür sorgen, dass der Kleine eine trockene Windel und einen Big Mac mit einer extra großen Portion Pommes und Ketchup bekommt.«

    Er schnalzte mit den Lippen und kitzelte den Bauch des Babys. Noch einmal schluchzte das Kind auf und hörte dann auf zu weinen.

    Nachdem sie verschiedene Türen geöffnet hatten, gelangten sie in ein großes Badezimmer, das bis zur Decke mit rosa Marmor verkleidet war. Auf einem riesigen Wickeltisch lag alles, was ein kleines Kind für seine tägliche Pflege brauchte. Irene wechselte die Windel und stellte fest, dass es sich um einen Jungen handelte. Diesen Verdacht hatte sie bereits beim Anblick der Babywippe und der Kleidung gehabt. Der Strampelanzug war aus superweichem Jeansstoff, und auf dem hellblauen Pullover stand in knalligen silbernen Lettern »Made in New York«. Als Irene den Kleinen vom Wickeltisch hob, begann er erneut zu wimmern. Jetzt, wo er trocken war, machte sich wieder der Hunger stärker bemerkbar.

    Tommy war in die Küche vorgegangen. Als es Irene mit dem Baby auf dem Arm ebenfalls gelungen war, sich zu orientieren, hielt er ihr bereits triumphierend ein gefülltes Fläschchen entgegen, das er im Kühlschrank gefunden hatte.

    »Jetzt gibt’s was zu futtern!«, meinte er gutgelaunt und stellte das Fläschchen in die Mikrowelle.

    Auf dem Arbeitstisch unter der Mikrowelle lag der Gummisauger, den Tommy mit einer raschen Handbewegung festschraubte. Routiniert überprüfte er die Temperatur, indem er ein paar Tropfen auf die Innenseite des Handgelenks spritzte. Dann reichte er Irene die angewärmte Flasche. Obwohl ein paar Jahre vergangen waren, seit seine Jüngste die Flüssignahrung hinter sich gelassen hatte, beherrschte er nach drei Kindern alles noch wie aus dem Effeff.

    Irene beobachtete das Kind, das gierig an der Flasche zog. Sie befanden sich noch immer in der ultramodernen Küche mit dem Steinboden, den Küchenmaschinen aus Stahl und den Glasvitrinen. Sie schaute sich nach einem Stuhl um, aber es gab nur ein paar hohe Barhocker an einer Theke. Irene lehnte sich gegen einen der Hocker, und der Junge trank laut schlürfend die letzten Tropfen. Dann lehnte sie ihn gegen ihre Schulter und klopfte ihm leicht auf den Rücken. Als Belohnung kam ein ordentliches Bäuerchen.

    »Möwenschiss auf der Jacke, Huss«, kommentierte Tommy.

    Es lokalisierte den Küchenkrepp in einem Stahlzylinder. Dann half er Irene, den Fleck wegzuwischen.

    Auf dem Weg ins Wohnzimmer schlummerte der Kleine ein. Er schlief schon tief, als Irene ihn wieder in die Babywippe setzte. Sie breitete eine weiche gelbe Decke über ihn, die über einem der Stühle hing.

    Sanna Kaegler-Ceder hatte sich nicht von der Stelle bewegt. Katatonisch saß sie in derselben Stellung da, in der sie sie zurückgelassen hatten. Sie trug eine hellbraune Wildlederhose und ein tief ausgeschnittenes kobaltblaues Top. In ihrem Ausschnitt funkelte ein großes, über und über mit funkelnden weißen und blauen Steinen besetztes Kreuz. Die intensiven Lichtreflexe konnten nur von echten Diamanten und Saphiren herrühren. Sanna Kaegler-Ceder trug ein Vermögen um den Hals. Und die Kapitalreserve funkelt am linken Ringfinger, dachte Irene, als sie den Blick auf Sannas Hände senkte.

    Åhlén, der Mann von der Spurensicherung, streckte seinen Glatzkopf durch den Durchgang zum Fensterzimmer. Er gab Irene und Tommy ein Zeichen. Sie gingen auf ihn zu, begrüßten ihn und warteten dann gespannt. Wie immer schob Åhlén seine Brille mit den dicken Gläsern mit dem linken Zeigefinger auf seiner Kartoffelnase höher, ehe er zu sprechen begann:

    »Ich habe der Gattin bereits die Fingerabdrücke abgenommen und ihre Jacke in Verwahrung genommen. Keine sichtbaren Schmauchspuren. Wir müssen die Analyse abwarten. Das Verbrechen fand hier statt. Waffen haben wir keine gefunden.«

    »Bist du dir ganz sicher, dass wir hier den Tatort haben?«, wandte Irene ein.

    »Zweifellos. Schau selbst«, antwortete Åhlén und deutete mit einer ausladenden Geste auf die Leiche.

    Das Opfer war schlank und trug einen dunklen Anzug. Die Stirn wies eine Schussverletzung auf, und der Kopf lag in einer Blutlache. In einigem Abstand von der Leiche lagen die Splitter eines Glases, und im Zimmer schwebte unverkennbar Whiskygeruch.

    »Er ist schon etliche Stunden tot. Die Leichenstarre ist bereits vollständig eingetreten«, fuhr der Mann von der Spurensicherung fort.

    »Hingerichtet mit mindestens zwei Schüssen in den Kopf«, stellte Tommy fest.

    Irene war erstaunt, dass Kjell Bengtsson Ceder so viel älter als seine Ehefrau gewesen war. Obwohl ein gewaltsamer Tod die Menschen nur in den seltensten Fällen schöner macht, war zu erahnen, dass er sehr gut ausgesehen haben musste. Das blutverkrustete Haar war dicht und stahlgrau. Plötzlich fiel es ihr wie Schuppen von den Augen, und sie wusste, wer er war: der Restaurantkönig Göteborgs. Da Irenes Mann Küchenchef eines Konkurrenzunternehmens war, hatte sie Ceders Namen schon öfters gehört. Krister arbeitete im Glady’s Corner, einem der besten Restaurants Göteborgs, ausgezeichnet mit einem Stern in einem internationalen Restaurantführer. Die beiden anderen Lokale mit Stern gehörten Kjell Bengtsson Ceder. Das eine lag im 28. Stockwerk des Hotel Gothenburg. Es war das größte Hotel der Stadt und befand sich ebenfalls in Ceders Besitz. Wenn Irene im Büro ihres Chefs Sven Andersson aus dem Fenster schaute, konnte sie seine imposante Silhouette sehen. Etwas weiter in südwestlicher Richtung standen die Zwillingstürme Gothia Towers beim Messegelände. Auch hier gab es ein Hotel und Restaurants, die wichtigste Konkurrenz des Hotel Gothenburg.

    »Die Stridner hat versprochen, gleich höchst selbst zu erscheinen. Ich glaube, sie ist gerade im Anmarsch«, teilte Åhlén mit.

    Irene und Tommy hatten das energische Geklacker von Absätzen auf Steinboden ebenfalls gehört. Nur die Professorin in Gerichtsmedizin Yvonne Stridner bewegte sich an einem Tatort in diesem Tempo.

    Sie rauschte in den gläsernen Anbau, stellte ihre Tasche ab und ließ ihren Blick rasch über den Ort des Geschehens schweifen. Ohne einen der Polizisten zu begrüßen, sagte sie laut vor sich hin:

    »Ist er wirklich ermordet worden?«

    Dem Mann von der Spurensicherung und den beiden Kriminalinspektoren blieb vor Erstaunen der Mund offen stehen. Die Frau Professor fragte sonst nie, sie neigte in der Tat eher dazu, unerschütterliche Behauptungen aufzustellen oder Kommandos zu erteilen.

    »Mit zwei Kugeln erschossen«, lautete Åhléns lakonische Antwort.

    Ohne weiteren Kommentar zog Frau Professor Schutzkittel, Handschuhe und Schuhschutz an. Typisch, dass sie die Schutzkleidung nicht schon bei Betreten des Hauses anlegt, dachte Irene.

    Nonchalant warf die Stridner ihren Mantel über einen Stuhl aus schwarzeloxiertem Stahl mit einem Sitz- und Rückenpolster aus weißem Leder. Vielleicht war er bequemer, als er aussah. Im Zimmer standen noch fünf weitere solcher Stühle sowie ein Tisch aus Stahl. Über dem Tisch hing ein Kronleuchter, der zu den Möbeln passte.

    Die Stridner ging auf das Opfer zu und begann mit ihrer Arbeit. Tommy stieß Irene mit dem Ellbogen an und sagte:

    »Komm. Wir versuchen noch mal, mit Sanna Kaegler-Ceder zu reden.«

    Irene nickte. Hier konnten sie ohnehin nichts mehr ausrichten. Solange die Leiche noch da lag, konnten sie auch nicht die Wendeltreppe hochgehen und sich das Obergeschoss ansehen.

    Sanna Kaegler-Ceder saß immer noch auf demselben Stuhl, wenn auch nicht in derselben Haltung. Sie hatte den Sessel zur Fensterwand, an der der Regen herablief, gedreht und starrte nach draußen in die zunehmende Dämmerung. Der kleine Junge schlief noch immer tief und fest in seiner Babywippe, in glücklicher Unkenntnis, dass er gerade vaterlos geworden war.

    »Entschuldigen Sie, dass ich Sie in Ihrer Trauer stören muss. Ich heiße Tommy Persson und bin Kriminalinspektor. Glauben Sie, dass Sie mir ein paar Fragen beantworten können?«

    Sie bewegte sich nicht, sondern starrte weiter in das ungemütliche Herbstwetter hinaus. Als sie die Hoffnung bereits aufgegeben hatten, zu ihr durchzudringen, hob sie langsam den Kopf. Tommy deutete das als Nicken und schob rasch eine Frage nach, bevor sie ihre Entscheidung bereuen konnte:

    »Wann sind Sie nach Hause gekommen? Und wann haben Sie die Leiche Ihres Mannes gefunden?«

    Sie schluckte einige Male, bevor es ihr endlich gelang, die Antwort über die Lippen zu bringen:

    »Ich habe sofort … angerufen.«

    »Der Notruf ging um 16.23 Uhr ein«, warf Magnus Larsson ein.

    »Und der erste Streifenwagen war eine knappe Viertelstunde später da?«, wollte Tommy wissen.

    »Korrekt«, bestätigte der Beamte.