Warenkorb
 

Vater eines Mörders

Eine Schulgeschichte

In seinem letzten vollendeten Werk, 1980 postum erschienen, kehrt Alfred Andersch in seine Jugend zurück. München, Mai 1928. Der Schüler Franz Kien erleidet eine Unterrichtsstunde bei Herrn Himmler, Direktor des Wittelsbacher Gymnasiums, Altphilologe, großbürgerlicher Katholik und Vater des späteren Reichsführers der SS. Im Nachwort stellt der Autor die Frage: ›Schützt Humanismus denn vor gar nichts?‹ Das literarische, moralische und politische Testament Alfred Anderschs.
Portrait
Stationen eines Lebens: geboren 1914 in München; Funktionär im Kommunistischen Jugendverband; nach dem Reichstagsbrand 1933 im KZ Dachau; 1943 in die Wehrmacht eingezogen, 1944 Desertion, Kriegsgefangenschaft in den USA; 1945 Redaktionsassistent Erich Kästners bei der 'Neuen Zeitung' in München; zusammen mit Hans Werner Richter Herausgeber des 'Ruf', 1947 Teilnahme an den ersten Tagungen der Gruppe 47; 1948 'Deutsche Literatur in der Entscheidung' (erste Buchpublikation); Gründer und Leiter des Abendstudios Frankfurt; 1952 'Die Kirschen der Freiheit', Herausgeber der Buchreihe Studio Frankfurt, Texte u.a. von Ingeborg Bachmann, Heinrich Böll, Wolfgang Hildesheimer, Arno Schmidt; ab 1955 Herausgeber der literarischen Zeitschrift 'Texte und Zeichen'; ab 1955 Leiter Radioessay des Senders Stuttgart, Assistenten Hans Magnus Enzensberger und Helmut Heißenbüttel; 1957 'Sansibar oder der letzte Grund'; 1958 Übersiedlung in die Schweiz; 1958 'Geister und Leute', 1960 'Die Rote', 1963 'Ein Liebhaber des Halbschattens'; 1967 'Efraim'; 1968 Nelly-Sachs-Preis, Prix Charles Veillon; wiederholte Reisen nach Italien, Skandinavien; 1972 Schweizer Staatsbürgerschaft; 1974 'Winterspelt'; 1976 'Artikel 3 (3)', gefolgt von heftigen Auseinandersetzungen; 1977 die gesammelten Gedichte 'empört euch der himmel ist blau'; 1980 gestorben in Berzona, posthum erschien die Schulgeschichte 'Der Vater eines Mörders'.
… weiterlesen
  • Artikelbild-0
In den Warenkorb

Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 88
Erscheinungsdatum 26.09.2006
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-257-23608-8
Verlag Diogenes Verlag AG
Maße (L/B/H) 18/11,1/1 cm
Gewicht 106 g
Auflage 11. Auflage
Verkaufsrang 82383
Buch (Taschenbuch)
Buch (Taschenbuch)
8,00
8,00
inkl. gesetzl. MwSt.
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort lieferbar Versandkostenfrei
Sofort lieferbar
Versandkostenfrei
In den Warenkorb
PAYBACK Punkte
Vielen Dank für Ihr Feedback!
Entschuldigung, beim Absenden Ihres Feedbacks ist ein Fehler passiert. Bitte versuchen Sie es erneut.
Ihr Feedback zur Seite
Haben Sie alle relevanten Informationen erhalten?

Kundenbewertungen

Durchschnitt
1 Bewertungen
Übersicht
0
0
1
0
0

Der Vater...
von Zitronenblau am 21.09.2010

Andersch' kleine Erzählung "Der Vater eines Mörders" ist autobiographisch gefärbt, denn der Erzähler Franz Kien ist Andersch selbst. Kien beschreibt die Momente einer Griechischstunde, in der der Direktor (der Rex) der Schule eintritt und die Schüler belehrt, d.h. bloßstellt, schikaniert und demütigt. Der Direktor ist der Vater ... Andersch' kleine Erzählung "Der Vater eines Mörders" ist autobiographisch gefärbt, denn der Erzähler Franz Kien ist Andersch selbst. Kien beschreibt die Momente einer Griechischstunde, in der der Direktor (der Rex) der Schule eintritt und die Schüler belehrt, d.h. bloßstellt, schikaniert und demütigt. Der Direktor ist der Vater von Heinrich Himmler. Was will Andersch also sagen? Will er etwas erklären, etwas verstehen? Ist diese kleine Stunde eine Mikrostudie über ein autoritäres Erziehungssystem - hier in Koinzidenz des schulischen Pädagogen und väterlichen Erziehers Himmlers -, die danach sucht, die Frage nach Mit-Verantwortlichkeit, Mit-Schuld oder Mit-Ursächlichkeit zu beantworten? Kaum... Der autobiographische Auszug ist kein Versuch eines Psychogramms des Vaters, er ist keine Analyse einer Repräsentation des Systems. Denn der kleine Franz beschreibt aus seinen Kinderaugen heraus. Es wird etwas wahrgenommen, aber die Evokation dieser Wahrnehmung mangelt an Tiefgründigkeit, folgerecht an den Konsequenzen. Aber kommen wir auf den Pfad des Verstehens?, den Pfad des Erklärens?, des Deutens? Vater Himmler bleibt in meinen Augen eine mystifiziert-diffuse Gestalt, eine Figur, die irgendwie mit ihrem Sohn zusammenhängt. Die Erzählung jedoch taugt nicht als Modell. Sie ist nur eine Erinnerung des Schriftstellers...