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Die Obstdiebin oder Einfache Fahrt ins Landesinnere

Peter Handke

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Beschreibung


Als das »Letzte Epos« (mit großem »L«) hat Peter Handke seinen neuen Roman bezeichnet. Mit der Niederschrift begann er am 1. August 2016: »Diese Geschichte hat begonnen seinerzeit an einem jener Mittsommertage, da man beim Barfußgehen im Gras wie eh und je zum ersten Mal im Jahr von einer Biene gestochen wird.« Dieser Stich wird, wie der Autor am 2. August festhält, zum »Zeichen«. »Ein gutes oder ein schlechtes? Weder als gutes noch als ein schlechtes, gar böses – einfach als ein Zeichen. Der Stich jetzt gab das Zeichen, aufzubrechen. Zeit, daß du dich auf den Weg machst. Reiß dich los von Garten und Gegend. Fort mit dir. Die Stunde des Aufbruchs, sie ist gekommen.«

Die Reise führt aus der Niemandsbucht, Umwegen folgend, sie suchend, in das Landesinnere, wo die Obstdiebin, »einfache Fahrt«, keine Rückfahrt, bleiben wird, oder auch nicht? Am 30. November 2016, dem letzten Tag der Niederschrift des Epos, resümiert Peter Handke die ungeheuerlichen und bisher nie gekannten Gefahren auf ihrem Weg dorthin: »Was sie doch in den drei Tagen ihrer Fahrt ins Landesinnere alles erlebt hatte: seltsam. Oder auch nicht? Nein, seltsam. Bleibend seltsam. Ewig seltsam.«

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 559
Erscheinungsdatum 08.04.2019
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-46950-7
Verlag Suhrkamp
Maße (L/B/H) 19,3/11,9/4,1 cm
Gewicht 524 g
Auflage 2. Auflage
Verkaufsrang 177294

Buchhändler-Empfehlungen

Reise ins Innere

Laura Donauer, Thalia-Buchhandlung Landau

"Was sie doch in den drei Tagen ihrer Fahrt ins Landesinnere alles erlebt hatte: seltsam. Oder auch nicht ? Nein, seltsam. Bleibend seltsam. Ewig seltsam." Handke ist anders. Denkt anders, schreibt anders. Erzählt seine Geschichten anders. Und doch, wenn man ganz genau hinschaut, wenn man sich einlässt, auf das Geschehen, auf die Figuren, auf das langsame Vorbeigleiten des alltäglichen Lebens, dann erkennt man sie ganz deutlich: die Gemeinsamkeiten, die kleinen, winzigen Details unseres Lebens, die wir, in unserer Hektik, in der Schnelllebigkeit der Gesellschaft, immer wieder übergehen, fast nicht mehr wahrnehmen, denen Handke aber Aufmerksamkeit schenkt, denen er Seite um Seite widmet und sie in den Glanz das Außergewöhnlichen rückt. "Die Obstdiebin" ist kein einfaches Buch, dessen muss man sich bewusst sein. Es ist kein Buch, dass man nebenher lesen kann, dass man sich zu Hand nimmt, um abzuschalten und sich für einem Moment aus dem Alltag zurückzuziehen. Stattdessen fordert sie ein, diese Obstdiebin. Sie verlangt all unsere Aufmerksamkeit, zwingt uns dazu Sätze wieder und wieder zu lesen, zwingt uns dazu, zurückzublättern, zu wiederholen. Vor allem aber zwingt sie uns Innezuhalten. Nachzudenken. Zu reflektieren. Wir begleiten sie auf ihrer Reise. Sie, die Obstdiebin, Alexa. Wir begleiten sie auf ihrer Reise ins Landesinnere, nehmen die Welt aus ihren Augen wahr, die kleinen Dinge, die wir doch so gerne übersehen. Und gleichzeitig begleiten wir auch ihn, unseren namenlosen Erzähler, Handke nicht unähnlich, der sich zu derselben Zeit auf den Weg macht. Wir reisen mit ihnen, treffen auf ungewöhnliche Weggefährten und treffen, vor allem und hauptsächlich, auf das Menschsein an sich. Denn während wir zusammen Kilometer um Kilometer zurücklegen, reisen wir weit hinein in unsere eigene Existenz. Denn es ist weniger das Geschehen an sich, dass in der "Obstdiebin" im Vordergrund steht. Es ist das Existieren als Tätigkeit, viel mehr als nur als bloßer Zustand, das das zentrale Element des Buches ausmacht. Wieso bin ich? Wer bin ich? Und vor allem wie bin ich? Wie nehme ich die Welt um mich herum wahr? Was nehme ich wahr? Handke reißt uns heraus aus der Schnelllebigkeit der Zeit, aus der Effektivität als permanentes Bestreben und dem Profit als Gewinn in Aussicht. Und so treffen während der Reise schließlich die äußeren Begebenheiten auf die Inneren, das Wahrnehmen der Außenwelt auf das Empfinden an sich und der Kontrast zwischen beiden Zuständen tritt grell stechend zu Tage. Handke spielt mit der Sprache, baut ungestüme Satzkonstruktion auf ungestüme Satzkonstruktion, spielt mit Rhythmus, Syntax und stellt die Pragmatik auf ein ganz eigenes Level. Und genau das ist es, was das Lesen stellenweise etwas anstrengend macht, was eine Genauigkeit erfordert, die mitunter mühsam ist. Durch seine ganz eigene Art zu Schreiben zwingt uns Handke uns einzig und allein der Obstdiebin zu zuwenden, zwingt uns, alles andere beiseite zu legen, weil es sonst gar nicht möglich ist, dem Inhalt des Buches zu folgen. Dieser Aspekt ist es, der dieses Buch so außergewöhnlich macht, der ihm einen ganz besonderen Reiz verleiht. Es ist dieser Zwang, alles andere stehen und liegen zu lassen, um Alexa durch die französische Landschaft folgen zu können. Es bleibt dem Leser überhaupt nichts anderes übrig, als der Gleichförmigkeit des Alltages zu entfliehen. Handkes Spiel mit den kleinen Dingen und seine Angewohnheit, das Alltägliche in ein besonderes Licht zu rücken machen dieses Buch so unfassbar lesenswert macht, obwohl es den Leser hin und wieder durchaus an seine Grenzen führt. Auf Handke muss man sich einlassen - dann kann nur belohnt werden.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
5 Bewertungen
Übersicht
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1
1
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Mühsam
von einer Kundin/einem Kunden aus Bludenz am 19.12.2019
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Ich habe das Buch gekauft, weil Handke den Nobelpreis 2019 erhalten hat. Ich versuche, jedes Jahr ein Werk des aktuellen Nobelpreisträgers zu lesen. Mich interessiert, was das Besondere dieser Autoren ausmacht. Mit der Obstdiebin habe ich wohl einen Fehlgriff getan? Meine erste Frage: Wo ist die Handlung? Mir hat sich keine ers... Ich habe das Buch gekauft, weil Handke den Nobelpreis 2019 erhalten hat. Ich versuche, jedes Jahr ein Werk des aktuellen Nobelpreisträgers zu lesen. Mich interessiert, was das Besondere dieser Autoren ausmacht. Mit der Obstdiebin habe ich wohl einen Fehlgriff getan? Meine erste Frage: Wo ist die Handlung? Mir hat sich keine erschlossen! Das Lesen, überhaupt, bereitet ausgesprochen große Mühe! Satzkonstruktionen, die durchaus eine halbe Seite umfassen .... Meine zweite Frage: Warum soll man das Buch lesen? Mir fehlt die Antwort

Gemischte Gefühle
von einer Kundin/einem Kunden aus Bern am 15.04.2018
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Es braucht schon einige Geduld, um diese Erzählung zu lesen. Jenseits allen Mediengeschreis beschreibt der Autor romantisierend und ziemlich entschleunigend seinen Aufbruch zur Suche nach der Obstdiebin und deren Geschichte. Mir wurde es nach rund 100 Seiten doch etwas zu verträumt langweilig und zusehends befremdlich. Vielleich... Es braucht schon einige Geduld, um diese Erzählung zu lesen. Jenseits allen Mediengeschreis beschreibt der Autor romantisierend und ziemlich entschleunigend seinen Aufbruch zur Suche nach der Obstdiebin und deren Geschichte. Mir wurde es nach rund 100 Seiten doch etwas zu verträumt langweilig und zusehends befremdlich. Vielleicht eher für Leser mit einer Sehnsucht nach traditionellem Landleben? Bin schon etwas enttäuscht, kann mir aber einige Leser vorstellen, denen solch sisyphusartigen Texte zusagen.

Die Obstdiebin
von einer Kundin/einem Kunden aus Baden-Baden am 10.02.2018
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Die Geschichte beginnt an einem Spätsommertag mit einem Bienenstich. Der Ich-Erzähler macht sich auf den Weg und sucht die Obstdiebin...Es geht bei Handke nicht primär um die Handlung. Es ist eher die feine Wahrnehmung von Natur und Menschen. Ein großartiges Buch in sehr schöner Sprache. Literatur vom Feinsten!


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