Das Ende der Illusionen

Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne

edition suhrkamp Band 2735

Andreas Reckwitz

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Beschreibung

Noch vor wenigen Jahren richtete sich die westliche Öffentlichkeit in der scheinbaren Gewissheit des gesellschaftlichen Fortschritts ein: Der weltweite Siegeszug von Demokratie und Marktwirtschaft schien unaufhaltsam, Liberalisierung und Emanzipation, Wissensgesellschaft und Pluralisierung der Lebensstile schienen die Leitbegriffe der Zukunft. Spätestens mit dem Brexit und der Wahl Donald Trumps folgte die schmerzhafte Einsicht, dass es sich dabei um Illusionen gehandelt hatte.

Tatsächlich wird erst jetzt das Ausmaß des Strukturwandels der Gesellschaft sichtbar: Die alte industrielle Moderne ist von einer Spätmoderne abgelöst worden, die von neuen Polarisierungen und Paradoxien geprägt ist - Fortschritt und Unbehagen liegen dicht beieinander. In einer Reihe von Essays arbeitet Andreas Reckwitz die zentralen Strukturmerkmale der Gegenwart pointiert heraus: die neue Klassengesellschaft, die Eigenschaften einer postindustriellen Ökonomie, den Konflikt um Kultur und Identität, die aus dem Imperativ der Selbstverwirklichung resultierende Erschöpfung und die Krise der Liberalismus.

Andreas Reckwitz, geboren 1970, ist Professor für Allgemeine Soziologie und Kultursoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sein Buch Die Gesellschaft der Singularitäten wurde 2017 mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet und stand 2018 auf der Shortlist des Sachbuchpreises der Leipziger Buchmesse. 2019 erhielt er den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Produktdetails

Format ePUB i
Kopierschutz Ja i
Family Sharing Ja i
Text-to-Speech Nein i
Seitenzahl 120 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 27.10.2019
Sprache Deutsch
EAN 9783518762127
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Dateigröße 2219 KB

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Kein Ende der Geschichte, Schumpeter macht weiter
von Hans-Peter Büttgenbach aus Langenfeld am 22.06.2021
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Fünf verflochtene Themenfelder machen für den Autor "das Ende der Illusionen" in der Spätmoderne aus: Kulturalisierung des Sozialen, neue Drei-Klassen-Gesellschaft, Strukturwandel des Kapitalismus, erschöpfte Selbstverwirklichung und Krise des Liberalismus sind offenbar "ungeplante" Entwicklungen, die der Idee eines stetigen ges... Fünf verflochtene Themenfelder machen für den Autor "das Ende der Illusionen" in der Spätmoderne aus: Kulturalisierung des Sozialen, neue Drei-Klassen-Gesellschaft, Strukturwandel des Kapitalismus, erschöpfte Selbstverwirklichung und Krise des Liberalismus sind offenbar "ungeplante" Entwicklungen, die der Idee eines stetigen gesellschaftlichen Fortschritts widersprechen. Das Ende der Geschichte ist also nicht in Sicht. Und Illusionen waren derer viele. Mehr Bildung ("Bildungsinflation") für viele verbessert nämlich nicht durchgängig Chancen, die Wissens- oder Dienstleistungsgesellschaft ist keine Befreiung von öder, harter Arbeit, Selbstverwirklichung ist kein Weg ins gelobte Land ohne Risiken, ökonomisches Kapital wird gar durch kulturelles Kapital entwertet. Dabei geht Reckwitz oft über gängige soziologische Ansätze hinaus - Bolte, Schelsky und Dahrendorf zur Schichtung, Weber und Huntington zur Kultur, Bourdieus Konzept der Kapitalien usw. - bindet sie ein Stück zusammen und denkt sie weiter. Hier und da schlagen festgestellte "Polarisierungen" (Marktanteile, Qualifikationen, Einkommen) nicht durch, weil es um einfache Verteilungen geht. Simple Kategorien - von "neoliberaler Steuerpolitik" über "Populismus" zur "Finanzialisierung" - stören das gute Gesamtbild ein Stück. Das beste Kapitel dieses gut lesbaren Buchs ist das zur Selbstverwirklichung, das zum Liberalismus bleibt undeutlich.


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