Keinmaleins

Texte zu Celan

Klostermann RoteReihe Band 108

Werner Hamacher

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Beschreibung

Der 2017 verstorbene Werner Hamacher genießt auch über die engeren Grenzen seines Faches hinaus einen legendären Ruf. Durch seine Verbindung von solidester germanistischer Philologie und deutsch-französischer Philosophie hat er sich in seinen Texten eine einzigartige, international gehörte Stimme gegeben. Eine überaus entwickelte Selbstkritik hat ihn zu Lebzeiten davon abgehalten, seiner Bedeutung mit einer angemessenen Anzahl von Publikationen Nachdruck zu verschaffen. "Keinmaleins" bringt nun Hamachers Texte zur Dichtung Paul Celans; einer Dichtung, die Hamacher zeit seines Lebens erstaunlich intensiv interpretierte. Der Band wird von einem Vorwort des französischen Philosophen Jean-Luc Nancy eingeleitet.

"Erstmals liegen auch die gesammelten Aufsätze zu Celan von Werner Hamacher, dem 2017 verstorbenen Meisterphilologen, unter dem Titel "Keinmaleins" vor, anregend auf jeder Seite, deutungsdicht und dabei eminent lesbar; DAS eigentliche Geschenk zum Celan-Jahr." Rüdiger Görner, in: Die Presse

"Herausragende Zeugnisse der Lesekunst Hamachers [...] Die Akribie, mit der er jeder Spur nachgeht, erschließt die Gedichte deutend, ohne ihr dunkles Leuchten im triumphalen Licht eindeutiger Erkenntnis aufzulösen."
Gerhard Poppenberg, in: literaturkritik.de

The late Werner Hamacher enjoys a legendary reputation beyond the narrower limits of his trade. By combining the most solid German philology with his erudite knowledge of German-French philosophy, his texts acquire a unique voice, internationally acknowledged for its unparalleled sophistication. Highly self-critical, Hamacher was notoriously reluctant to allow more than a handful of his texts to be published during his lifetime. "Keinmaleins" finally makes available Hamacher's essays on the poetry of Paul Celan, whose work Hamacher kept interpreting with astonishing intensity throughout his life. The volume also contains a preface by French philosopher Jean-Luc Nancy.

Der Komparatist und Literaturtheoretiker Werner Hamacher (1948–2017) war Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Frankfurt am Main.

Produktdetails

Einband Kunststoff-Einband
Erscheinungsdatum 01.01.2019
Verlag Klostermann, Vittorio
Seitenzahl 256
Maße (L/B/H) 20,4/12,6/1,7 cm
Gewicht 269 g
Auflage 2019
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-465-04376-8

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Ein Riese der Literaturwissenschaft
von einer Kundin/einem Kunden am 03.03.2019

Wie Jean-Luc Nancy schreibt, war Werner Hamacher ein Riese, der sich über die Literatur, über die Gedichte und über die philosophischen Schriften, überhaupt über die geschriebene und gesprochene Sprache beugen konnte. Mit seinem mächtigen, jedoch zerbrechlichen Körper beugte er sich über die Bücher und entlockte den Texten, den ... Wie Jean-Luc Nancy schreibt, war Werner Hamacher ein Riese, der sich über die Literatur, über die Gedichte und über die philosophischen Schriften, überhaupt über die geschriebene und gesprochene Sprache beugen konnte. Mit seinem mächtigen, jedoch zerbrechlichen Körper beugte er sich über die Bücher und entlockte den Texten, den Phrasen und Sätzen, jene Fülle des Nichts, die – frei nach Friedrich Schlegel – gesagt werden muss. Es gab kaum jemanden, der wie Werner Hamacher die Mantik und Mantis (Thomas Schestag) der Semantik derart in die Sem/a der Wörter und Worte eintrug. Jeder Vortrag von Werner Hamacher, jede Sitzung und jede Diskussion, wurde zu einem ausufernden Ereignis: Und es war stets mehr als das. Mehr als ein Ereignis: Keinmaleins. Werner Hamacher studierte am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, das von Peter Szondi gegründet wurde. Später wurde er Professor an der John Hopkins University und an der Universität in Frankfurt am Main. 1978 erschien seine eindrucksvolle Studie „Pleroma“ zu Hegel. Es folgten zahlreiche Aufsätze und Vorträge u.a. zu Schlegel, Nietzsche, Schleiermacher, Benjamin, Celan, Heidegger, de Man, Blanchot, Adorno, Musil, Arendt, Hobbes, Freud, Nancy, Derrida und vielen anderen Autoren und Autorinnen. Einige dieser Schriften enthält das 1998 erschienene Buch „Entferntes Verstehen“. Werner Hamacher unterwarf sich so gut es ging nicht den Vorgaben technokratischer und ökonomischer Programme und Mechanismen. Die Präzision seiner Lesungen brachte es mit sich, dass er stets sein Augenmerk auf Macht- und Gewaltstrukturen warf: sei es auf jene Strukturen innerhalb des Politischen und der Institutionen (z.B. die der Universität), oder auf die Strukturen innerhalb des Phänomenalen, der Semantik und letztlich auf jene innerhalb der Sprache. Seine Vorträge und Aufsätze galten den Ungeduldigen als zu lang und zu langwierig. Sein Geschriebenes entfernte sich allzu oft allen Verwertungsinteressen. Hingegen war es Werner Hamachers Anliegen, die Fragen und Probleme am Material durchzuarbeiten. So erschienen auch seine Bücher zur Philologie „Für. Die Philologie“ und „95 Thesen zur Philologie“ in dem kleinen Verlag Urs Engeler. Und dennoch erscheinen jetzt nach seinem Tod in den unterschiedlichsten Verlagen eine Reihe von Publikationen, die Hamacher seinen Lesern und Leserinnen hinterließ: Im Suhrkamp Verlag erschien letztes Jahr das Buch „Sprachgerechtigkeit“, in diesem Jahr erscheinen „Keinmaleins“ (Klostermann Verlag), „Jean Daive: Fut bati / ward gebaut“ (Urs Engeler Verlag) und „Two Studies of Friedrich Hölderlin“ (Stanford University Press). In dem hier mit Dankbarkeit und mit Nachdruck empfohlene Buch „Keinmaleins“, das im Klostermann Verlag herausgegeben wird, widmet sich Werner Hamacher in sechs Schriften den Gedichten Paul Celans. Der lehrende Kreis um das Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft in Berlin kam wiederholt auf Paul Celan (vgl. Peter Szondi, Gert Mattenklott, Winfried Menninghaus) zu sprechen, so auch Werner Hamacher. Zwei von vier Studien zu Paul Celan in „Keinmaleins“ mögen dem Leser und der Leserin bekannt sein: „HÄM“ und „WASEN“. Die anderen vier Studien dürften weitestgehend unbekannt sein: In diesen geht es u.a. um bruchhafte Beziehung zwischen Paul Celan und Theodor W. Adorno, Edmund Husserl, Martin Heidegger und Jean Daive. Sofern es der Fall ist, dass es der Philosophie um das Erscheinende geht, erhebt sie auch den Anspruch eine Sprache zu sprechen, die sagt, dass das Erscheinende ist. In dieser Sprache spricht sich aber nicht nur der Anspruch, das Erscheinende aufzuzeigen und herzuzeigen, vielmehr möchte sie auch einen Zugang und eine Beziehung zu den Erscheinungen ebnen, die in ein gemeinsames Erscheinen kulminiert. Mit Martin Heideggers Formulierung vom „Haus der Sprache“ lässt sich dieser Anspruch in wohl prägnanter Weise aufweisen. Werner Hamachers diffizile Kommentierung der Gedichte Paul Celans und dessen Meridian-Rede weisen hingegen auf einen anderen Gedanken- und Sprachgang, der den Ansprüchen der Philosophie nah bleibt, um sich von ihnen zu entfernen. So schrieb Werner Hamacher: „Auf Heideggers Frage: Wo sind wir? In welcher Konstellation von Sein und Mensch? antwortet Celans Gedicht: durch jede Konstellation hindurch dort, wo keine ist, kein wir, kein sind, kein wo. Es antwortet, mit anderen Worten und anderem als Worten: entwo. Mit den Ort-, Wort- und Schweigeresten: --“ (S.207f).

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