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Umkämpfte Zone

Mein Bruder, der Osten und der Hass

Ines Geipel

(10)
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Beschreibung

Fremdenfeindlichkeit und Hass auf »den Staat«: Verlieren wir den Osten Deutschlands? Das Buch sucht Antworten auf das Warum der Radikalisierung, ohne die aktuell bestimmende Opfererzählung nach 1989 zu bedienen. Es erzählt von den Schweigegeboten nach dem Ende der NS-Zeit, der Geschichtsklitterung der DDR und den politischen Umschreibungen nach der deutschen Einheit. Verdrängung und Verleugnung prägen die Gesellschaft bis ins Private hinein, wie die Autorin mit der eigenen Familiengeschichte eindrucksvoll erzählt. Seit 2015 haben sich die politischen Koordinaten unseres Landes stark verändert - insbesondere im Osten Deutschlands. Was hat die breite Zustimmung zu Pegida, AfD und rechtsextremem Gedankengut möglich gemacht? Ines Geipel folgt den politischen Mythenbildungen des neu gegründeten DDR-Staates, seinen Schweigegeboten, Lügen und seinem Angstsystem, das alles ideologisch Unpassende harsch attackierte. Seriöse Vergangenheitsbewältigung konnte unter diesen Umständen nicht stattfinden. Vielmehr wurde eine gezielte Vergessenspolitik wirksam, die sich auch in den Familien spiegelte - paradigmatisch sichtbar in der Familiengeschichte der Autorin. Gemeinsam mit ihrem Bruder, den sie in seinen letzten Lebenswochen begleitete, steigt Ines Geipel in die »Krypta der Familie« hinab. Verdrängtes und Verleugnetes in der Familie korrespondiert mit dem kollektiven Gedächtnisverlust. Die Spuren führen zu unserer nationalen Krise in Deutschland.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 277
Erscheinungsdatum 16.06.2019
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-608-96372-4
Verlag Klett Cotta
Maße (L/B/H) 21,2/13,6/2,8 cm
Gewicht 405 g
Auflage 9. Druckaufl. Dez. 2019
Verkaufsrang 116667

Buchhändler-Empfehlungen

Nicht überzeugend

Karin Thuma, Thalia-Buchhandlung Dresden

Sehr informativ dargestellt ist im Anfangsteil des Buches die Verlogenheit der frühen Jahre der DDR, das konforme "Mitmachen" gewendeter ehemaliger Nazis, der Aufbau des "Buchenwald-Mythos", dessen Risse durch belegte Quellen zutage getreten sind. Allerdings sind mir die Deutungen für unsere Gegenwart zu einseitig und zu verallgemeinernd. Viele herangezogene Zitate überzeugen nicht. Das Spektrum im Osten ist wohl etwas breiter, es auf Haß und unbewältigte Vergangenheit zu reduzieren, ist zu einfach.

Gründungsmythen der DDR

Sophie Weigand, Thalia-Buchhandlung Lübeck

Ines Geipel, selbst aufgewachsen in der DDR, versucht in "Umkämpfte Zone" entlang ihrer Familiengeschichte auch eine Mentalitätsgeschichte der DDR zu erzählen. Die DDR, von Beginn an im offiziellen Narrativ als antifaschistischer Staat in die Position des "besseren" Deutschlands erhoben, hat die Aufarbeitung der Kriegserfahrungen und des Nationalsozialismus versäumt. Sie wurde ins Private verschoben oder gänzlich verschwiegen - im Antifaschismus gab es keine Faschisten. Tatsächlich gab es eine Kontinuität rechtsextremer Gesinnung in der DDR bis hinein in die Gegenwart. Nicht umsonst konnte der NSU sich vor allem im Osten Deutschlands entwickeln und auf eine feste Unterstützerszene bauen. Man muss nicht alle Deutungen Ines Geipels so übernehmen, um ihr Buch spannend, anregend und hochaktuell auch für derzeitige Debatten zu empfinden. Mit welchen Narrativen und Gründungsmythen (z.B. rund um das KZ Buchenwald) hielt die DDR sich aufrecht und inwiefern bedingen diese damaligen Entwicklungen die heutigen? Sehr lesenswert!

Kundenbewertungen

Durchschnitt
10 Bewertungen
Übersicht
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Eine Abrechnung
von einer Kundin/einem Kunden am 18.12.2020
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Erst 2006 vom Westen in den Osten gekommen, erlebe ich sehr häufig eine unterschiedliche Sicht auf die Sachlage des Alltags. Auch wenn die Grenze aus den Köpfen oft klein geredet wird, ist sie immer noch vorhanden. Warum das so ist, wollte ich mit diesem Buch erkunden. Ines Geipel, geboren 1960 in Dresden, beschreibt anhand i... Erst 2006 vom Westen in den Osten gekommen, erlebe ich sehr häufig eine unterschiedliche Sicht auf die Sachlage des Alltags. Auch wenn die Grenze aus den Köpfen oft klein geredet wird, ist sie immer noch vorhanden. Warum das so ist, wollte ich mit diesem Buch erkunden. Ines Geipel, geboren 1960 in Dresden, beschreibt anhand ihrer Familiengeschichte, was im Osten anders lief. Sie selbst hat ihrem Heimatland 1989 den Rücken gekehrt und lebt nach den Jahren in Westdeutschland, wo sie Philosophie und Soziologie studierte, als Professorin in Berlin. Sie hat bereits mehrere Bücher zur Geschichte des Ostens publiziert. In der „umkämpften Zone“ verarbeitet sie zum einen den Verlust ihres Bruders, der ihr in der Kindheit sehr nahe stand. Gerade die Szenen aus Dresden und dem Umland haben mich sehr berührt, da ich die Gegend sehr liebe. Wer Dresden kennt, dem wird das Herz beim Blick auf das Cover, das den Luisenhof und die Standseilbahn zeigt, aufgehen. Doch eigentlich geht es in diesem Sachbuch mit den vielen persönlichen Einflechtungen um eine Abrechnung der Autorin mit der DDR-Vergangenheit. Schon vor der Gründung der Republik begann das große Schweigen. „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben“, soll Walter Ulbricht gesagt haben (Seite 53). Die deutsche Nazi-Vergangenheit wurde niemals aufgearbeitet. Schon bald nach dem Krieg wurden jüdische Friedhöfe in Karl-Marx-Stadt und Zittau geschändet. „Die Öffentlichkeit durfte allerdings nicht davon erfahren.“ (Seite 135) So ging es weiter bis zur Wiedervereinigung. In den Augen der Autorin sind die über mehr als 50 Jahre durchgehende Diktaturerfahrung und die große Verunsicherung nach dem Mauerfall mit verantwortlich für die explodierenden Zeitbomben in Hoyerswerda (1991) und Rostock-Lichtenhagen (1992). In diesem Milieu fanden Reichsbürger, Pegida und AfD den idealen Nährboden. Ich habe in diesem Buch vieles erfahren, was mir bisher gar nicht bekannt war und möchte es all denen empfehlen, die mehr über die unterschiedliche Vergangenheit der Menschen in Deutschland wissen wollen. Vielleicht hilft gegenseitiges Verständnis eines Tages dazu, endlich die Grenze in den Köpfen fallen zu lassen.

Ostzone
von einer Kundin/einem Kunden aus Bremen am 06.12.2019

Dieses Buch hält mehr als es in der Vorschau verspricht. Der Titel trifft den Nagel auf den Kopf. Wenn Vergangenheit aufgearbeitet wird, dann so und nicht anders.

Erhellende Erklärungsansätze
von einer Kundin/einem Kunden am 08.03.2019

Ines Geipels Buch Umkämpfte Zone, mit den sprechenden Untertitel Mein Bruder, der Osten und der Hass ist alles andere als ein emotionsloses Sachbuch. Ausgehend vom Tod ihres jüngeren Bruders Robbie setzt sie ihre Familiengeschichte in den Kontext der Geschichte Deutschlands, insbesondere des Ostens und dem Aufschwung der AfD. Da... Ines Geipels Buch Umkämpfte Zone, mit den sprechenden Untertitel Mein Bruder, der Osten und der Hass ist alles andere als ein emotionsloses Sachbuch. Ausgehend vom Tod ihres jüngeren Bruders Robbie setzt sie ihre Familiengeschichte in den Kontext der Geschichte Deutschlands, insbesondere des Ostens und dem Aufschwung der AfD. Dadurch wird es ein sehr privates Buch. Und die Autorin spricht klare Worte. Eine Reizfigur ist der Vater, der über viele Jahre lang für den Osten spionierte und ein extremer Mensch war. Zwischen Ines und Robbie gab es unterschiedliche Auffassungen darüber, wie die Vergangenheit zu verarbeiten sei. Während Ines aufbegehrte, bevorzugte ihr Bruder die Form der positiven Verdrängung. Beides sind schwere Wege, die Beschädigungen nach sich ziehen. Ines ist schließlich 1989 in den Westen geflohen. Die Vergangenheitsbewältigung bleibt ein Thema.   Ines Geipel analysiert auf deutliche Art die Fremdenfeindlichkeit des Ostens. Ines Geipels Erklärungsansätze über den Zustand des Landes empfinde ich als erhellend und nachvollziehbar.


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