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GRM

Brainfuck. Roman

Sibylle Berg

(57)
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Beschreibung

»Vermutlich war der Einzelne schon immer unwichtig. Es fiel nur weniger auf.«

Die Brave New World findet in wenigen Jahren statt. Vielleicht hat sie auch schon begonnen. Jeden Tag wird ein anderes westliches Land autokratisch. Algorithmen, die den Menschen ersetzen, liegen als Drohung in der Luft. Großbritannien, wo der Kapitalismus einst erfunden wurde, hat ihn inzwischen perfektioniert. Aber vier Kinder spielen da nicht mit – sondern gegen die Regeln. Und das mit aller Konsequenz. Willkommen in der Welt von GRM.

Sibylle Bergs neuer Roman beginnt in Rochdale, UK, wo der Neoliberalismus besonders gründliche Arbeit geleistet hat. Die Helden: vier Kinder, die nichts anderes kennen als die Realität des gescheiterten Staates. Ihr Essen kommt von privaten Hilfswerken, ihre Eltern haben längst aufgegeben. Die Hoffnung, in die sie sich flüchten, ist Grime, kurz GRM. Grime ist die größte musikalische Revolution seit dem Punk. Grime bringt jeden Tag neue YouTube-Stars hervor, Grime liefert immer neue Role-Models.

Als die vier begreifen, dass es zu Hause keine Hoffnung für sie gibt, brechen sie nach London auf. Hier scheint sich das Versprechen der Zukunft eingelöst zu haben. Jeder, der sich einen Registrierungschip einpflanzen lässt, erhält ein wunderbares Grundeinkommen. Die Bevölkerung lebt in einer perfekten Überwachungsdiktatur. Auf der Straße bleibt nur der asoziale, vogelfreie Abschaum zurück. Die vier Kinder aber – die fast keine Kinder mehr sind –, versuchen außerhalb des Systems zu überleben. Sie starten ihre eigene Art der Revolution.

»Umwerfend und radikal. Mit einem hypersensiblen Gespür für das Menschliche, für Verletzlichkeiten und für menschliche Abgründe.«

Sibylle Berg lebt in Zürich. Ihr Werk umfasst 25 Theaterstücke, 14 Romane und wurde in 34 Sprachen übersetzt. Berg ist Herausgeberin von drei Büchern und verfasst Hörspiele und Essays. Sie erhielt diverse Preise und Auszeichnungen, u.a. den Wolfgang-Koeppen-Preis (2008), den Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis (2016), den Schweizer Buchpreis (2019), den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor (2019), den Thüringer Literaturpreis (2019) sowie den Schweizer Grand Prix Literatur und den Bertolt-Brecht-Preis (2020). Zuletzt erschien ihr Interviewband »Nerds retten die Welt. Gespräche mit denen, die es wissen« (2020).

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 640
Erscheinungsdatum 11.04.2019
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-462-05143-8
Verlag Kiepenheuer & Witsch
Maße (L/B/H) 21,1/12,9/4 cm
Gewicht 768 g
Auflage 8. Auflage
Verkaufsrang 30391

Buchhändler-Empfehlungen

Es wird nicht schlimm. Nur - anders.

Paul Meichsner, Thalia-Buchhandlung Chemnitz

Es wird nicht schlimm. Nur - anders. Diese Warnung gibt Sibylle Berg uns Lesern vor der Lektüre mit und erwartet scheinbar ernsthaft, den Sturzflug ins Elend, auf dem wir uns ab der ersten Seite befinden, ein wenig abfedern zu können. Man wird in die englische Stadt Rochdale entfüht und begleitet vier Teenager, durch einen von Armut, Gewalt, Trostlosigkeit und Schicksalschlägen geprägten Alltag. In einer nahen Zukunft beschließen die Vier, nach London umzusiedeln, um sich, parallel zur Gesellschaft, die ihnen nichts zugesteht, mit einem Hackerkollektiv zusammenzuschließen. Sprachlich gibt Sibylle Berg ein gewaltiges Tempo vor: die Handlungstragenden, die von den vier Teenagern, hin zu Firmenchefs bis zu Haushaltsgegenständen reichen, übergeben sich die Erzählperspektive wie einen Staffelstab. Dadurch werden meisterhaft Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Leben und Perspektiven hervorgehoben. Die drastische und brutale Sprache sorgt manchmal dafür, dass man das Buch am liebsten weglegen möchte, um dieser realistischen und nachvollziehbaren Zukunftsvision zu entkommen und sich vor der Gewissheit zu vertecken, dass viele der angesprochenen Themen schon längst in unserer Realität angekommen sind. "Es wird nicht schlimm nur anders", unter dieser Agenda, geschrieben, verurteilt Sibylle Berg in ihrem Roman nicht. Sie beschreibt, erklärt und wütet durch verschiedene Leben - aber wertet nicht. Der Leser wird mit dem Buch allein gelassen. Und das ist auch ganz gut so.

Marion Raab, Thalia-Buchhandlung Nürnberg

Ein zutiefst zynisches, böses, sprachlich brillant-pointiertes Meisterstück der Gesellschaftskritik in welchem diese überspitzt weitergesponnen und pervertiert wird. Manchmal weiß man gar nicht mehr so genau was noch Fiktion und was schon Realität ist.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
57 Bewertungen
Übersicht
38
10
5
3
1

Packend und brisant
von Circlestones Books Blog am 28.12.2020

„Sie wussten, dass sie als Kinder keine Menschenrechte hatten. Wussten, dass auch Erwachsene keine Menschenrechte hatten und dass die Idee, sich wie ein Haustier einen Chip unter die Haut schieben zu lassen, befremdlich war.“ (Zitat Seite 239) Inhalt Sie sind noch Kinder, Don, Peter, Hannah und Karen. In Rochdale haben sie e... „Sie wussten, dass sie als Kinder keine Menschenrechte hatten. Wussten, dass auch Erwachsene keine Menschenrechte hatten und dass die Idee, sich wie ein Haustier einen Chip unter die Haut schieben zu lassen, befremdlich war.“ (Zitat Seite 239) Inhalt Sie sind noch Kinder, Don, Peter, Hannah und Karen. In Rochdale haben sie einander gefunden, da sie eines gemeinsam haben, in einem Großbritannien einer nahen Zukunft, wo die Gesellschaft weit auseinanderklafft, sind sie sogar auf der Seite der Sozialfälle Außenseiter, alleine und auf sich gestellt. Ihre Musik ist Grime, harte Beats, wütend, wie ihr Leben, das sie täglich neu erfinden müssen. Die vier sind jetzt eine Gruppe und gleichzeitig die einzige Familie, die sie noch haben. Sie gehen nach London, in der Hoffnung auf eine Zukunft. Doch Überwachungschip und Grundeinkommen gibt es nicht für Kinder, die nirgendwo registriert sind. Als sie eine leere Fabrikhalle entdecken, haben sie ein Zuhause und eine Basis für ein Leben und Überleben außerhalb des Systems. Thema und Genre Dieser Roman ist eine kritische, schonungslose Offenlegung unserer Zeit. Es geht um AI, Scheinwelten, Gier in allen Facetten, um Menschenwürde, die nicht nur am Einkommen gemessen wird. Gesellschaftskritik zum Nachdenken, die nicht als Dystopie verstanden werden will. Charaktere Die vier Hauptfiguren sind dem Alter nach Kinder, konnten jedoch nie wirklich Kind sein. Sie beobachten und versuchen, die Welt, die sie umgibt, zu verstehen und darin irgendwie einen Platz zu finden. Wir folgen ihrem Weg vom Kind zum Jugendlichen, zum Erwachsenen. Ergänzt werden sie durch Figuren, die jeweils klassentypisch für Gesellschaftsschichten unserer Zeit sind. Erklärt wird jeder einzelne neue Charakter durch aufgelistete Informationen, Daten, im omnipräsenten Überwachungssystem gesammelt. Handlung und Schreibstil Dieser Roman führt das auktoriale Erzählen in eine moderne, neue Form des Schreibens, lässt uns jede der Figuren in immer wieder neuen Facetten und Situationen erleben. Die Handlung ist fortlaufend, mit erklärenden Rückblicken und Erinnerungen. Sie setzt sich aus vielen aneinandergereihten Momentaufnahmen und Ereignissen zusammen, zieht uns sofort mit in einem soghaften Lesefluss zwischen tiefer Beklemmung, Schock, Spannung und lautem Lachen, denn plötzlich landen wir in skurrilen, sehr witzigen und ironisch-bösen Szenen. Die Sprache umfasst alles zwischen stichwortartig-kurz, atemlos, intensiv und detailliert beschreibend und einfühlsam-poetisch. Erschienen im April 2019, erhält dieser Roman im Corona-Jahr 2020 eine zusätzliche Komponente von erschreckend aktueller Realität. Fazit Getarnt als Geschichte einer möglichen Zukunft, ist dieser vielschichtige, gesellschaftskritische, brisante Roman ein packender Aufruf, auch hinter die schönen Fassaden zu schauen und nachzudenken, welche Welt wir unseren Kindern wünschen.

Schaler Nachgeschmack
von einer Kundin/einem Kunden aus Bern am 15.12.2020

Diese Teenager-Dystopie beginnt interessant, aber nach rund 200 Seiten versandet sie zusehends, wird arg gleichförmig. Alles in dieser Welt ist schlecht, die Personen dito, ja, wir wissens jetzt. Wo sind positive Anregungen? Fehlanzeige, es wirkt wie eine Aneinanderreihung negativer Boulevard-Meldungen. Das erschien mir zu billi... Diese Teenager-Dystopie beginnt interessant, aber nach rund 200 Seiten versandet sie zusehends, wird arg gleichförmig. Alles in dieser Welt ist schlecht, die Personen dito, ja, wir wissens jetzt. Wo sind positive Anregungen? Fehlanzeige, es wirkt wie eine Aneinanderreihung negativer Boulevard-Meldungen. Das erschien mir zu billig, hab mich dennoch bis zum Ende durchgerungen. Solche Radikalisierungen laufen besonders bei Jugendlichen, die sich in sowas suhlen, Gefahr, in faschistoide Niederungen abzugleiten, egal ob rechts, links, religiös oder anarchistisch. Erst Wut, dann Hass, dann Gewalt, die Gegengewalt auslöst. Habe schon besseres von Frau Berg gelesen. Mir ist nicht klar, warum sich die Autorin bei der teils faschistoiden Grime-Szene (englischer Hip Hop-Ableger) angebiedert hat. Nur eine schale PR-Masche? Wäre ein Trauerspiel. Auch die Location London und Umgebung erscheint unglaubwürdig. Da ist Irvine Welsch viel näher dran und was aktuelle Dystopien angeht, würde ich hier John Nivens "Die F*ck-it Liste" empfehlen; nur halb so lang wie GRM, harmlos beginnend, sich dann aber zu einer rabenschwarzen Satire auf die USA steigernd. Das ist von anderer Qualität.

Im wahrsten Sinne des Wortes Brainfuck!
von einer Kundin/einem Kunden am 03.04.2020

GRM liest sich im wahrsten Sinne des Wortes wie Brainfuck. Bei der düsteren, unerbittlichen Schilderung der nahen Zukunft dreht sich einem der Magen/das Gehirn um. Für mich war am schwersten zu verdauen, wie sich die Gesellschaft ändert (oder schon ist?), Mitgefühl und Solidarität sind ein Fremdwort und teilweise hatte ich sogar... GRM liest sich im wahrsten Sinne des Wortes wie Brainfuck. Bei der düsteren, unerbittlichen Schilderung der nahen Zukunft dreht sich einem der Magen/das Gehirn um. Für mich war am schwersten zu verdauen, wie sich die Gesellschaft ändert (oder schon ist?), Mitgefühl und Solidarität sind ein Fremdwort und teilweise hatte ich sogar ein schlechtes Gewissen, weil ich mich überhaupt dafür interessiere, wie es weitergeht, während den vier Kindern die schrecklichsten Dinge passieren. Wahrscheinlich ist man als Leser so erschüttert, weil Sibylle Berg gekonnt die neuesten Entwicklungen in der Politik weitergesponnen hat und man oft wirklich nicht weiß, ob es im Jetzt oder in der nahen Zukunft spielt. Ich finde, das Buch ist nichts für schwache Nerven, aber es lohnt sich es zu lesen. Die Autorin versteht es mit Sprache so zu spielen, dass manche Sätze ein echtes Meisterwerk sind, die man 2 oder 3 mal lesen muss!!!


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