Warenkorb
 

Die Konspirateure

Der zivile Widerstand hinter dem 20. Juli 1944

Stauffenberg und die Wolfsschanze, der Ort des Attentats. Der Bendlerblock in Berlin, die militärische Schaltzentrale der Konspiration. Das ist die eine, weitgehend erforschte Seite des 20. Juli 1944. In diesem Buch geht es um eine andere, viel weniger bekannte Geschichte hinter dem Attentat. Es geht um beteiligte Nicht-Militärs und ihre heimlichen Treffpunkte. Es waren mutige Kaufleute, katholische Frauenrechtlerinnen oder links-sozialistische Pazifisten, die sich an verschwiegenen Orten trafen. Erzählt wird von den sogenannten „Leuschner-Leuten", von vielen hundert Gewerkschaftern und Sozialdemokraten, von Polizisten und Wettbürobetreibern. Von versierten Untergrund-Aktivisten, die sich darauf vorbereiteten, nach einem gelungenen Attentat auf Hitler öffentliche Verwaltungen und Rundfunkstationen zu besetzen. Marie-Christine Werner und Ludger Fittkau verfolgen vor Ort die Strukturen des zivilen Flügels des 20. Juli 1944 und erzählen die verschlungenen Schicksale der Beteiligten.
Rezension
»Die Autoren rücken weniger bekannte zivile Widerstandskämpfer ins Blickfeld, die mit den Organisatoren des Staatsstreiches vom 20. Juli verbunden waren.« Spiegel Geschichte

»Das Buch zeigt anschaulich, eine kleine Clique waren die Verschwörer gegen Hitler nicht.« (MDR)

»Durch die Verquickung der im Buch aufgeführten Konspirateure mit ihren Reisen, Treffen, Kontakten und Aktionen gelingt es den Verfassern, ein breit gefächertes Bild dieser oppositionellen Gruppe zu zeichnen (...). Die aufgrund vieler Recherchen gewährten biografischen und politischen Einblicke zeigen, dass die große Mobilität, die geheimen Kontakte zu Gestapo und SS, v.a. aber verlässliche Freundschaften als Grundstruktur anzusehen sind. - Aufschlussreiche, gut zu lesende Information!« Borromäusverein e.V.

»In dem Werk „Die Konspirateure“ erfährt man auch, wie gut vorbereitet die Zivilisten waren, um die Macht nach einem erfolgreichen Attentat übernehmen zu können - auch auf der lokalen Ebene. (…) Damit entreißen Fittkau und Werner 75 Jahre nach dem gescheiterten Attentat den zivilen Widerstand dem Vergessen, der so viel unbekannter ist als die Hollywood-taugliche Geschichte der Militärs um Stauffenberg.« Pitt von Bebenburg, Frankfurter Rundschau

»Das Buch ist inhalts- und materialreich, zugleich aber auch gut geschrieben. Wer jenseits der wissenschaftlichen Abhandlungen etwas über den Widerstand gerade in unserer Regeion erfahren will, ist mit diesem Werk bestens bedient.« (Gunnar Schwarting, conSens)

»Man erkennt in diesen prinzipientreuen, charakterstarken Menschen Deutsche, die es inmitten größter Gefahr für das eigene Leben riskiert haben, gegen die schlimmsten Gewaltverbrecher aufzubegehren. Das Buch setzt ihnen ein würdiges Denkmal.« (Allgemeine Zeitung)

»Faszinierend und unheimlich zugleich: die Geschichte eines poetischen Staatsstreichs, der alles vorwegnahm.« (Die Welt)
Portrait
Fittkau, Ludger
Der gebürtige Essener Ludger Fittkau, geb. 1959, studierte Sozialpädagogik. Ab Mitte der 80er-Jahre war er in der offenen Jugendarbeit in Essen und Oberhausen tätig, seit 1994 als freier journalistischer Mitarbeiter u. a. für den WDR und den Deutschlandfunk. An der Fernuniversität Hagen absolvierte er ein Studium der Sozialwissenschaften, 2006 wurde er im Fach Soziologie promoviert. Seit 2013 berichtet Ludger Fittkau als Landeskorrespondent aus Hessen für den Deutschlandfunk.

Werner, Marie-Christine
Die Deutsch-Französin Marie-Christine Werner, geb. 1971, studierte Komparatistik, Italianistik, Völker- und Europarecht in Saarbrücken, Seit 2000 arbeitet sie als Redakteurin und Moderatorin beim SWR in Mainz. Als Autorin auch längerer Sendungen hat sie sich immer wieder mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt..
… weiterlesen
  • Artikelbild-0
  • Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9

    1 Bahnhöfe in Frankfurt am Main, Essen, Heidelberg -
    Fries, Kettel und Henk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20

    2 Saarbrücken, Gutenbergstraße 11 -
    Christian Fries . . . . . . . 26

    3 Oberstdorf im Allgäu -
    Henk, Mierendorff und Haubach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33

    4 Darmstadt, Künstlerkolonie Mathildenhöhe -
    Wilhelm Leuschner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40

    5 Bad Ems bei Koblenz -
    Gustav Kettel und Hein Herbers . . . 48

    6 Frankfurt am Main -
    Fries, Steffan und die „verbissenen Nazigegner“ der Polizei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56

    7 Essen, Rolandstraße 24 -
    Gustav Kettel alias „Camphausen“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62

    8 Frankfurt am Main, Moselstraße 18 -
    Gustav Weigel . . . . . . 67

    9 Neu-Isenburg, Waldstraße 128 -
    Ulrich Boelsen und Hans Hayn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73

    10 Saarbrücken, Hindenburgstraße 48 -
    Bartholomäus Koßmann . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78

    11 Essen, Elsass-Straße 82 -
    Gustav Kettel . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85

    12 Heidelberg, Kaiserstraße 33 -
    Emil Henk . . . . . . . . . . . . . . . . . 90

    13 Frankfurt am Main, Kurfürstenstraße 3-5 -
    Margot und Christian Fries . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95

    14 Frankfurt am Main, Schillerstraße -
    Emil Carlebach gegen Christian Fries . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104

    15 Biesheim/Frankreich -
    Julius „Jules“ Leber . . . . . . . . . . . . . 110

    16 Darmstadt, Dieburger Straße 156 -
    Ludwig Bergsträsser 116

    17 Guntersblum, Julianenstraße 19 -
    Ernst Huhn . . . . . . . . . . . 130

    18 Seeheim-Jugenheim, Albert-Schweitzer-Straße -
    Christian Stock . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 138

    19 Bensheim, Erdloch im Baßmannpark -
    Weber, Como und Steffan . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 144

    20 Schweiz, Ferienhaus „Al Forno“ -
    Anna Beyer . . . . . . . . . . . 154

    21 Darmstadt, Schlossgartenstraße 69 - die „Rote Kapelle“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 165

    22 Bilthoven/Niederlande, Reformschule -
    Hein Herbers . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 173

    23 Oppenheim am Rhein, öffentlicher Platz -
    Jakob Steffan . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 180

    24 Undenheim, Wohnhaus und Friedhof -
    Ludwig Schwamb . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 188

    25 Mainz, Canisiusstraße 90 - Elisabeth Schwamb . . . . . . . . . 192

    26 Gönnersdorf, Frauenbergerhof - Mathilde Gantenberg . . . 199

    27 Mainz, Zanggasse 13 - Alfred Freitag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 205

    28 Dortmund, Rombergpark - Wilhelm und Elisabeth
    Gersdorff, Kayser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 210

    29 Darmstadt, Mierendorff-Straße 11 - Ruth und
    Artur E. Bratu, Höxter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 218

    30 Bochum, Zedernweg 15 - Ernst und Trude Volkmann,
    Änne
In den Warenkorb

Beschreibung

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 336
Erscheinungsdatum 01.03.2019
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-8062-3893-8
Verlag Wbg Theiss
Maße (L/B/H) 22,2/15,6/3,2 cm
Gewicht 548 g
Abbildungen 50 schwarz-weiße Abbildungen
Verkaufsrang 42272
Buch (gebundene Ausgabe)
Buch (gebundene Ausgabe)
25,00
25,00
inkl. gesetzl. MwSt.
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort lieferbar Versandkostenfrei
Sofort lieferbar
Versandkostenfrei
In den Warenkorb
PAYBACK Punkte
Vielen Dank für Ihr Feedback!
Entschuldigung, beim Absenden Ihres Feedbacks ist ein Fehler passiert. Bitte versuchen Sie es erneut.
Ihr Feedback zur Seite
Haben Sie alle relevanten Informationen erhalten?

Kundenbewertungen

Durchschnitt
1 Bewertungen
Übersicht
1
0
0
0
0

Gegen das Vergessen
von Igelmanu66 aus Mülheim am 13.03.2019

»Immer schauen, ob jemand gezielt hinter einem hergeht oder nicht. Die Bahnhöfe, die Züge bieten den Schutz der Menschenmasse, aber in der hektischen Menge lauert auch jederzeit Gefahr. Die Polizeistationen sind nicht weit von den Gleisen entfernt. Die Knotenpunkte werden von den Behörden überwacht, damals wie heute. Durchatmen ... »Immer schauen, ob jemand gezielt hinter einem hergeht oder nicht. Die Bahnhöfe, die Züge bieten den Schutz der Menschenmasse, aber in der hektischen Menge lauert auch jederzeit Gefahr. Die Polizeistationen sind nicht weit von den Gleisen entfernt. Die Knotenpunkte werden von den Behörden überwacht, damals wie heute. Durchatmen kann, wer weit draußen ist. Am Strand eines Seebades. Oder in den Bergen, wenn man beim Wandern genau sehen kann, dass einem niemand folgt.« Den Namen Claus Schenk Graf von Stauffenberg kennt vermutlich jeder und bringt ihn auch ohne Detailkenntnisse mit dem Attentat des 20. Juli 1944 in Verbindung. Der deutsche Widerstand war jedoch nicht auf diesen prominenten Namen beschränkt, es gab weitverzweigte zivile Widerstandsstrukturen, die wichtige Arbeit leisteten und ohne die ein erfolgreiches Attentat in der Folge nicht zum Ziel geführt hätte. Leider schwinden die Namen dieser zivilen Verschwörer aus der kollektiven Erinnerung immer mehr – wenn sie denn überhaupt je präsent waren. Dieses Buch hat sich die Aufgabe gestellt, gegen das Vergessen zu arbeiten und die vielfältigen Aktivitäten der Männer und Frauen (neu) bekannt zu machen. Es würde vermutlich kaum möglich sein, alle Widerständler namentlich zu erfassen, aber hier wird schon eine ordentliche Anzahl vorgestellt. Interessant ist dabei die Gliederung des Buchs nach Orten ihrer Aktivitäten. Einige davon befinden sich ganz in meiner Nähe, andere kenne ich von Reisen und ich muss sagen, es berührt mich auf eigenartige Weise, wenn ich mir vorstelle, dass sich nur wenige Straßen entfernt Menschen trafen, die aktiv und mutig gegen Hitler und sein Schreckensregime arbeiteten. Wer waren nun diese Menschen? Sie kamen aus verschiedenen sozialen Milieus, hatten teils große politische Differenzen, doch sie einte, dass sie »aus einem Geist heraus empfanden, dachten und handelten«. Wichtiger als Dinge, die Menschen sonst trennt, war das gemeinsame Ziel. Man begegnete sich mit Achtung, schloss Freundschaften und hatte großes Vertrauen zueinander. Wenn man sich vor Augen führt, wie gewaltig und gefährlich der Feind war, gegen den sie kämpften, war das auch unbedingte Voraussetzung. Sehr interessant fand ich auch die Ausführungen zu Frauen im Widerstand, die beachtliche Leistungen brachten! Die verschiedenen Vereinigungen waren in ihrer Größe sehr verschieden. Das Leuschner-Netz beispielsweise war sehr groß und weit verzweigt, umfasste im Wesentlichen den deutschen Südwesten, die Rheinschiene und Teile des Ruhrgebiets. Fasziniert las ich, wie Menschen ihr Leben ausrichteten, was sie alles (noch zusätzlich zur Gefahr) in Kauf nahmen, um bestmöglich agieren zu können. Da wurde der Beruf des Händlers ergriffen, um eine Rechtfertigung für die zur Kommunikation untereinander notwendigen häufigen Reisen zu haben. Da wurde auf Privatleben verzichtet oder – besonders heftig – Mitgliedschaften in der SS angestrebt, um Informationen über geplante Aktionen zu bekommen. Die schweren persönlichen Gewissenskonflikte, die so etwas mit sich bringt, kann man sich leicht vorstellen. Solche Widerständler landeten nach dem Krieg zudem in Internierungslagern der Alliierten und mussten um ihre Anerkennung als NS-Gegner kämpfen. Nicht immer erfolgreich. Das Verstecken von Juden, Verteilen von Flugblättern, die Pflege internationaler Kontakte und Pläne für die Zeit „danach“ bestimmten den Alltag der Konspirateure. Wäre das Attentat vom 20. Juli erfolgreich gewesen, wäre sogleich ein ausgeklügelter, flächendeckender Plan angelaufen, um Rathäuser, Radiostationen und Polizeiposten auch kleinerer Orte schnell von Regimegegnern zu übernehmen. Es ging schließlich nicht nur um den Tod Hitlers, sondern um die Beendigung des Kriegs und des Massenmords an den Juden. Viele der Akteure wirkten dann auch nach Kriegsende am Aufbau der Bundesrepublik Deutschland mit. Andere zahlten für ihre Arbeit einen hohen Preis, kamen ins KZ, wurden gefoltert und teils noch kurz vor Kriegsende hingerichtet. Trotz des schweren Themas liest sich das Buch sehr leicht. Kurze Kapitel unterstützen dies noch, eingestreute Fotos lockern weiter auf. Ein umfangreicher Anhang zeigt die gründliche Recherche-Arbeit der Autoren und bietet Kurzbiographien der im Buch vorgestellten Personen. Fazit: Ein wichtiges Buch! Diese tapferen Männer und Frauen haben einen Platz im kollektiven Gedächtnis verdient!