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Murmeln und Granaten

Wie meine Familie vor dem Krieg davonlaufen wollte

Eckart zur Nieden ist sechs Jahre alt, als er mit seiner Familie vor dem Krieg flüchtet. Sein Vater ist gefallen, die Mutter hat mit den drei Kindern Berlin verlassen und bei ihren Eltern in Nordhessen Schutz gesucht. Aber weil die Bevölkerung mit dem Einmarsch der feindlichen Truppen rechnet, will die Familie sich in Sicherheit bringen und geht erneut auf die Flucht.
Diese Autobiografie basiert auf den Erinnerungen des Autors als Sechsjährigem, den Tagebuchaufzeichnungen der Mutter und den Berichten der heute 97-jährigen Tante. Sie ist ein berührendes Dokument, das zeigt, dass Gott selbst in den dunklen Zeiten seine Geschichte schreibt und schon früh im Leben von Eckart zur Nieden eine Spur des Glaubens gelegt hat. Im Rückblick erkennt der Autor: »Gott hat während unserer Flucht erste Strahlen seines Lichts in mein Leben fallen lassen.«
Portrait
Eckart zur Nieden arbeitete nach seiner theologischen Ausbildung in einem Missionswerk und dann 35 Jahre beim Evangeliums-Rundfunk (ERF) in Wetzlar. Er schrieb viele Bücher für Kinder und Erwachsene.
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  • Zögernd und unsicher trete ich aus der Haustür auf den gepflasterten Hof. Das ist ungewöhnlich, denn sonst springe ich unbefangen und fröhlich zum Spielen aus dem Haus. Wir wohnen hier noch nicht lange, erst seit wir Berlin verlassen mussten. Wegen der Bomben. Jetzt leben wir bei den Großeltern in dem Haus, das zu dem Fabrikgelände gehört. Großvater arbeitet hier als Prokurist. Zu dieser Zeit weiß ich natürlich nicht, was ein Prokurist ist.
    Nichts ist wie immer in diesen Tagen. Über allen liegt eine Angst, die ich nicht verstehe. Und eine Angst, die sich von den Erwachsenen auf die Kinder überträgt und die man nicht versteht, ist schlimmer als eine, die man beschreiben kann.
    Wie zum Beispiel der riesige Ofen. Ich schaue nach rechts. Dort steht das Haus, das ein einziger großer Ofen ist. Dort werden die Schmelztiegel gebrannt.
    Diese grauen Tiegel werden in der großen Halle gemacht. Riesige, dickwandige Töpfe, wie übergroße Blumenvasen. Ich könnte mich hineinhocken und wäre von der Seite nicht zu sehen. Aber natürlich darf ich das nicht, schon gar nicht, wenn sie noch nicht hart gebrannt sind.
    Alle paar Tage machen sie in dem Ofenhaus ein großes Feuer, um die Tiegel zu brennen und damit hart zu machen. Dann gibt es dort ein Angst einflößendes Feuer. Es ist so heiß und groß, dass oben aus dem Schornstein himmelhohe Flammen he- rausschlagen.
    Ich stehe dann immer in respektvollem Abstand und schaue zu, mit einer Mischung aus Furcht und Bewunderung für die Männer, die sich so nah herantrauen an dieses Höllenfeuer. Ich ahne nicht, dass ich bald Dinge erleben werde, die noch mehr an die Hölle erinnern.
    Heute ist der Brennofen nicht angeheizt. Auch sonst ist nichts los auf dem Fabrikhof. Vielleicht ist es noch zu früh.
    Die Leere auf dem Fabrikhof verstärkt das Gefühl, dass etwas ganz anders ist als sonst.
    Wie soll auch ein noch nicht Sechsjähriger verstehen, warum wir heute fliehen! Und wovor? Und wohin?
    Sie haben versucht, es mir zu erklären. Die Feinde kommen. Die einen von da drüben, wo der Hirschberg ist, aus dem sie den Ton für die Tiegel ausgraben, und der Pfaffenberg, wo die Hauptstraße herunterkommt. Das sind die Amerikaner. Und die anderen Feinde kommen von der anderen Seite, über den Schwarzenberg. Die heißen Russen.
    Aber ich verstehe nicht, warum die kommen und was die hier wollen. Ich verstehe auch nicht, warum den Erwachsenen die einen Feinde - die vom Pfaffenberg - lieber sind als die anderen. Warum? Wenn sie doch beides Feinde sind.
    Ich kann auch nicht verstehen, warum wir fliehen sollen. Wenn die Feinde von beiden Seiten kommen, erwischen sie uns doch auf jeden Fall. Wie beim Kriegen spielen. Da werde ich abgeschlagen, wenn die anderen von zwei Seiten kommen.
    Erst recht kann ich nicht verstehen, warum wir in Richtung Schwarzenberg fliehen wollen. Wenn doch von da die schlimmeren Feinde kommen! Wenn wir schon weglaufen, sollten wir dann nicht die Straße zum Pfaffenberg hinauffliehen, wo der Feind kommt, der uns lieber ist?
    Ich habe Mutti danach gefragt. Wir fliehen ja nicht zu dem Feind, hat sie gesagt, sondern in die Festung Harz.
    Das ist ein komisches Wort, "Festung Harz". Das haben sie aus dem Radio. Der Führer hat es gesagt, oder der andere, einer von denen, die immer so wütend sind, wenn sie im Radio reden.
    Großmutter hat das seitdem dauernd gesagt: Festung Harz. Da will sie hin. Mit uns. Und wenn Großmutter etwas will, dann kommt es meistens auch so.
    Ich weiß nicht, was das ist, die Festung Harz. Ich stelle mir so eine Art Ritterburg vor, mit dicken Mauern und hohen Türmen.
    Mutti kommt jetzt auch runter auf den Hof, mit meinen zwei Brüdern. Heinz Richard ist vier, Volker siebeneinhalb. Beide haben wie ich einen Rucksack auf. Mutti hat extra aus alten Decken drei Rucksäcke für uns genäht. Wir sollen mithelfen zu tragen, was wir für unsere Flucht brauchen. Ich weiß gar nicht so genau, was drin ist in dem Beutel auf meinem Rücken.
    Anfangs war ich
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Beschreibung

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 138
Erscheinungsdatum 01.01.2019
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-96362-053-9
Verlag Francke-Buchhandlung
Maße (L/B/H) 18,5/11,6/2 cm
Gewicht 192 g
Buch (gebundene Ausgabe)
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