Ethik in Wort und Bild

Dirck Volckertszoon Coornhert und das moralisierende Emblembuch "De rervm vsv et abavsv". (Antwerpen 1575)

Das 1575 in der Offizin des damals wichtigsten europäischen Verlegers Christophe Plantin erschienene Emblembuch DE RERVM VSV ET ABVSV markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Emblematik. Deren Gestaltungsprinzip eines geistreichen Wechselspiels zwischen Text und Bild, das seit dem Gründungswerk der Gattung – Andrea Alciatos “Emblematum liber” (Augsburg 1531) – in den gelehrten Humanistenzirkeln der frühen Neuzeit als kunstvolles Mittel der Weltdeutung immer weiter verfeinert wurde, nutzt DE RERVM VSV ET ABVSV in völlig neuer Weise zur Auseinandersetzung mit einem sehr konkreten Problem, dem richtigen bzw. falschen Umgang mit dem irdischen Besitz. Es geht um Reichtum und Armut, Themen also, die in der von kriegerischen Auseinandersetzungen, religiösen Konflikten, sozialen Verwerfungen und ökonomischen Krisen gekennzeichneten Situation der südlichen Niederlande in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts von großer Aktualität waren.
Vor dem geistesgeschichtlichen Hintergrund des Antwerpener Humanismus geht die Autorin der komplexen Entstehungsgeschichte des Buches auf den Grund. Sie kann zeigen, daß der intellektuelle Kopf des Werkes nicht der auf dem Titelblatt genannte “auctor” Bernardus Furmerius ist, sondern vielmehr Dirck Volckertszoon Coornhert, ein vielseitig talentierter Niederländer, der mit bemerkenswerter intellektueller Unabhängigkeit auf literarischer, bildkünstlerischer und politischer Ebene engagiert für seine ethisch-moralischen Überzeugungen eintrat. Auf ihn gehen sowohl die Texte als auch die Konzeption der detailreichen Kupferstiche zurück.
Die Analyse des Emblembuchs führt Coornhert als einen Künstler vor Augen, der sich für seine Argumentation zur richtigen Verwendung des irdischen Besitzes des gesamten Repertoires antiker Topoi, christlicher Exempla, humanistischer Allegorie, aber auch sehr volkstümlicher Sprichworte souverän bedient. Die Quellen für die Texte und Bilder liegen in der niederländischen Tradition und sind geprägt von einer Rhetorik, die aus der moralisierenden Bildkultur hervorgegangen ist.
Sowohl thematisch als auch in der Anschaulichkeit der genrehaften Bildinszenierungen und im handwerklichen Niveau setzt das Buch neue Maßstäbe für die weitere Entwicklung der Emblematik, deren grundlegende Bedeutung für die europäische Kultur des 16. und 17. Jahrhunderts eine oft zitierte Bemerkung von Herder fokussiert, der dieses Zeitalter “beinahe das emblematische nennen möchte”
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Kunststoff-Einband
Seitenzahl 268
Erscheinungsdatum 05.03.2007
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-89235-805-3
Verlag Scaneg Verlag E. K.
Maße (L/B/H) 24,5/17,9/2,4 cm
Gewicht 934 g
Abbildungen LXIV, mit 80 Abbildungen 24,5 cm
Auflage 1
Buch (Kunststoff-Einband)
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