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Die Einsamkeit der Seevögel

Roman

Gøhril Gabrielsen

(17)
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Beschreibung

Eine Wissenschaftlerin reist mitten im Winter nach Finnmark, dem äußersten Zipfel Norwegens. Dort möchte sie das Schwinden der Zugvögelpopulationen und die Klimaveränderungen untersuchen. Fern jeder Zivilisation findet sie Freiheit und Luft zum Atmen, nach der sie sich in ihrer gescheiterten Ehe so gesehnt hatte.Ganz allein, umgeben von endlosem Schnee, tosendem Meer und rauen Naturgewalten, wartet sie auf die Ankunft der Vögel. Und auf ihren Geliebten, der mit ihr die Einsamkeit teilen will. Doch warum verschiebt er seine Ankunft? Woher kommen die seltsamen Geräusche in ihrer Hütte? Und war es der Wind, der ihr über den Körper strich, oder ist sie doch nicht allein? Als die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Wahn, Gegenwart und Vergangenheit immer mehr verschwimmen, muss sie sich endgültig dem stellen, was sie hinter sich gelassen hat.
Mit atmosphärischer Sprengkraft und Dichte erzählt Gøhril Gabrielsen von einer Frau, die sich in der Einsamkeit selbst zu verlieren droht – in einer Sprache klar und scharf wie ein Diamant.

Gøhril Gabrielsen, geboren 1961, ist eine norwegische Autorin. Sie wuchs in Finnmark auf, wo auch ihr Roman spielt, und lebt heute in Oslo. Für ihre bislang fünf Romane wurde sie von Literaturkritik und Publikum gleichermaßen gefeiert und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Aschehoug Debutant Preis 2006. Die Einsamkeit der Seevögel ist ihr erster Roman in deutscher Übersetzung.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 174
Erscheinungsdatum 12.08.2019
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-458-17780-7
Verlag Insel Verlag
Maße (L/B/H) 21,3/12,9/2,5 cm
Gewicht 308 g
Originaltitel Ankomst
Auflage 3
Übersetzer Hanna Granz
Verkaufsrang 119015

Buchhändler-Empfehlungen

Katja Bachmann, Thalia-Buchhandlung

Dieser dichte, unheimlich vielschichtige Roman ist kurz, aber die knapp 180 Seiten sind so intensiv & atmosphärisch, dass sie jede Naturgewalt in den Schatten stellen. Eine sehnsuchtsvolle Wintergeschichte, die dem Suchen und Finden, dem Ankommen bei sich selbst nachspürt. Lesen!

Flucht und Mission

Simone Büchner, Thalia-Buchhandlung Coburg

Geflüchtet vor ihrem Leben, hält sich seit Anfang Januar eine Wissenschaftlerin zu Forschungszwecken an einem Fjord in Norwegen auf. Isoliert vom Rest der Welt, auf sich allein gestellt, geht sie Alltäglichem nach, betreibt Feldforschung. Sehnsüchtig wartet sie auf die Ankunft ihres Geliebten, der die Reise immer weiter aufschiebt. So fordert Einsamkeit schon bald ihren Tribut… Ein atmosphärisch dichter Roman mit poetischem Schreibstil. Beunruhigend und Sogwirkung entfaltend. Insgesamt außergewöhnlich, wenn auch düster.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
17 Bewertungen
Übersicht
10
6
1
0
0

von einer Kundin/einem Kunden am 02.02.2021
Bewertet: anderes Format

Eine Frau fernab jeglicher Zivilisation, wunderschöne Natur, Kälte, Vögel und vor allem eins, sehr viel Zeit. Zeit für die Gedanken, Hoffnungen, Erwartungen und Ängste. Ein stilles, aber sehr intensives, atemberaubendes Buch. Mir hat es unglaublich gut gefallen.

Die Seevögel sind nicht einsam
von einer Kundin/einem Kunden am 27.10.2019

Sie lässt alles hinter sich: ihre Wohnung, ihre gescheiterte Beziehung, ihr Kind. In der Einsamkeit Nordnorwegens will sich die Protagonistin auf ihre Forschung konzentrieren und zu einem neuen Anfang finden. Nach wenigen Wochen soll ihr Geliebter nachkommen. Hinzu kommt, dass vor über 100 Jahren in einer Hütte unweit ihrer Fors... Sie lässt alles hinter sich: ihre Wohnung, ihre gescheiterte Beziehung, ihr Kind. In der Einsamkeit Nordnorwegens will sich die Protagonistin auf ihre Forschung konzentrieren und zu einem neuen Anfang finden. Nach wenigen Wochen soll ihr Geliebter nachkommen. Hinzu kommt, dass vor über 100 Jahren in einer Hütte unweit ihrer Forschungshütte eine Familie gelebt haben soll, deren Leben reich an Unglück und Entbehrungen war. In der Phantasie der Forscherin werden sie diese Menschen wieder lebendig. "Die Einsamkeit der Seevögel" beschreibt eindringlich und einigermaßen verstörend den Verlust von Identität und Sicherheiten. Je weiter die Erzählung voranschreitet, umso mehr verliert sich die Forscherin in der Einsamkeit der Landschaft und in ihrer Vorstellungskraft, denn in der Stille des Winters werden die Gedanken laut. Was hat sie getan? Wie konnte sie ihr Kind zurücklassen? Und warum kommt ihr Geliebter nicht? Und warum scheint ihr Leben auf seltsame Art und Weise mit jenem dieser Familie verknüpft zu sein? Zurückgeworfen auf sich selbst, muss die Erzählerin ihre eigenen Antworten auf die drängenden Fragen finden.

Sie ist bis ans Ende der Welt geflohen – selbst in dieser Einöde verfolgt sie toxische Männlichkeit. Atemberaubend, verstörend, intensiv.
von SternchenBlau am 24.10.2019
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

Wer bei „Die Einsamkeit der Seevögel“ eine pittoreske Naturmediation erwartet, ein Loblied auf die Symbiose von Mensch und Natur, ist hier falsch. Auch, wenn die Naturbeschreibungen der Autorin Gøhril Gabrielen absolut eindrucksvoll sind, ihre Sprache poetisch ist und sich wunderschön liest. Das Buch ist für mich atemberaubender... Wer bei „Die Einsamkeit der Seevögel“ eine pittoreske Naturmediation erwartet, ein Loblied auf die Symbiose von Mensch und Natur, ist hier falsch. Auch, wenn die Naturbeschreibungen der Autorin Gøhril Gabrielen absolut eindrucksvoll sind, ihre Sprache poetisch ist und sich wunderschön liest. Das Buch ist für mich atemberaubender als mancher Thriller, manchmal hat es mir schier die Luft abgeschnürt. Und gerade das Überraschende des Buches hat es für mich so eindrucksvoll gemacht. Die tiefe Bedeutung der Geschichte ist leider ein Spoiler und auch der Grund, warum ich dringend eine Content Note voranstellen muss. Erst recht, weil sich dieses Thema zunächst fast unmerklich einschleicht, bis man als Leser*in nach und nach erst das ganze Ausmaß begreift. Wer solch einer Content Note nicht bedarf und nicht gespoilert werden möchte, sollte nun nicht weiterlesen. CN / Content Note / Triggerwarnung: missbräuchliche, gewalttätige Beziehung, sexuelle Gewalt, PTBS Eine Wissenschaftlerin begibt sich in die Einsamkeit an den äußersten Zipfel von Norwegen, um das Verhalten der Seevögel zu untersuchen, denn diese werden durch die Klimakrise immer weniger. Schon durch diesen Fakt wird klar, dass selbst dieser abgeschiedene Winkel nicht unabhängig ist von dem Treiben der Menschen. Die Ich-Erzählerin ist es erst recht nicht. Sie ist bis ans Ende der Welt geflohen – und selbst in dieser Einöde verfolgt sie toxische Männlichkeit. Es überrascht mich zwar nicht, schockiert mich aber dennoch immer wieder, wenn wie hier deutlich wird, wie normal diese Erfahrung für viele Frauen ist. Die Autorin Gøhril Gabrielen nutzt diese Erfahrungen nicht einfach, um den Plot spannender zu machen oder der Protagonistin eine simple „Backstory-Wound“ zu verpassen, was leider in Literatur und Film noch viel zu oft passiert. Die Autorin beschreibt eine Erfahrung, die das Leben von Frauen und als Frauen gesehenen leider immer noch viel zu häufig ausmacht. Die Protagonistin, stellvertretend für diese gesamte Grupe, wird zu einer gefährdeten Art wie Dreizehenmöwe, Eissturmvogel oder Sturmmöwe. Und so liest sich das dann im Buch: „Darin steht nur ein Satz. Ein kurzer. Mir wird bewusst, dass ich ihn schon viele Male zuvor gelesen und gehört habe, wenn auch in anderen Variationen: Glaub nicht, dass du mir je entkommst.“ Wie die Klimakrise verseucht auch toxische Männlichkeit selbst jenen entrückten Ort. Wenn man sich den Hass gegen Greta Thunberg anhört, merkt man, wie sehr beide immer zusammenhängen. Der Kampf, der der Ich-Erzählerin aufgezwungen wurde, ist nicht der „Men versus Nature“. Die Ich-Erzählerin gibt sich ab und an sexuellen Tagträumen hin, die für mich absolut stimmig in die Erzählung passen. Aber ich kann mir vorstellen, dass diese für einige Leser*innen verstörend wirken können. Ebenso wie der Umgang der Protagonistin mit Mutterschaft, was sich viel aus ihrem Trauma erklärt. Die Autorin umkreist damit ebenso die Frage, warum wir in unserer Gesellschaft anderer Erwartungen haben als an Väter. Das Ende kann man als unbefriedigend empfinden, aber manches Trauma klärt sich vermutlich nie. Fazit „Die Einsamkeit der Seevögel“ finde ich ein sehr wichtiges Buch, poetisch und intensiv, aber auch atemberaubend und verstörend. Darum auf alle Fälle die Content Note beachten. Das Buch ist sicherlich nicht für jede*n etwas, aber ich möchte es wirklich empfehlen. 5 von 5 Sternen.


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