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Das flüssige Land

Roman.

Raphaela Edelbauer

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Beschreibung

»Unheimlich, spannend, aberwitzig und kaum zu fassen – einfach fantastische Literatur«
Jurybegründung Deutscher Buchpreis (Shortlist)

Ein Ort, der nicht gefunden werden will. Eine österreichische Gräfin, die über die Erinnerungen einer ganzen Gemeinde regiert. Ein Loch im Erdreich, das die Bewohner in die Tiefe zu reißen droht. In ihrem schwindelerregenden Debütroman geht Raphaela Edelbauer der verdrängten Geschichte auf den Grund.

Der Unfalltod ihrer Eltern stellt die Wiener Physikerin Ruth vor ein nahezu unlösbares Paradox. Ihre Eltern haben verfügt, im Ort ihrer Kindheit begraben zu werden, doch Groß-Einland verbirgt sich beharrlich vor den Blicken Fremder. Als Ruth endlich dort eintrifft, macht sie eine erstaunliche Entdeckung. Unter dem Ort erstreckt sich ein riesiger Hohlraum, der das Leben der Bewohner von Groß-Einland auf merkwürdige Weise zu bestimmen scheint. Überall finden sich versteckte Hinweise auf das Loch und seine wechselhafte Historie, doch keiner will darüber sprechen. Nicht einmal, als klar ist, dass die Statik des gesamten Ortes bedroht ist.

Wird das Schweigen von der einflussreichen Gräfin der Gemeinde gesteuert? Und welche Rolle spielt eigentlich Ruths eigene Familiengeschichte? Je stärker sie in die Verwicklungen Groß-Einlands zur Zeit des Nationalsozialismus dringt, desto vehementer bekommt Ruth den Widerstand der Bewohner zu spüren. Doch sie gräbt tiefer und ahnt bald, dass die geheimnisvollen Strukturen im Ort ohne die Geschichte des Loches nicht zu entschlüsseln sind.

»Raphaela Edelbauer überschreitet Grenzen und rückt in unerforschte Gebiete der Literatur vor.«
Jurybegründung Rauriser Literaturpreis

»Raphaela Edelbauer erzählt in ihrem Romandebüt eine unter die Haut gehende, magisch anmutende Geschichte, die sich im Fortgang als zunehmend realistisches Österreichbild entpuppt, in dem außer dem Ortsnamen nur wenig fiktiv zu sein scheint.«
Brigitte Proß-Klappoth, Literarisches Berlin, 08.04.2020

»Die Kraft dieses fantastisch schillernden Debüts liegt darin, dass der Hohlraum, um den alles kreist, so vieldeutig bleibt, sich nicht auf einen allegorischen kern reduzieren lässt.«Florian Keller, WOZ, 06.02.2020

»Dabei gestaltet sie Text und Handlung mit unerschrockener, packender Radikalität: toll. […] Die Autorin liefert mit ihrer klaren sorgfältigen und expressiven Sprache ein dermaßen greifbares Bild einer absurden Dorfszenerie, dass man das Gefühl der eigenen Orientierungslosigkeit bald vergisst. […] Der Roman fühlt sich ein bisschen an wie eine kalte Dusche: erst bibbert man, dann wird es richtig schön.«
Heiner Schultz, Gießener Anzeiger, 16.01.2020

»[…] sperrig und gefällig, avanciert und nonchalant.«
Christina Pfeiffer-Ulm, Büchereiperspektiven, Dezember 2020

»Dieses Buch ist fesselnd, verwirrend und phantastisch – eine Mixtur, wie man sie selten in die Hände bekommt. Wenn ihr in diesem Herbst nur ein Buch lesen dürftet, nehmt dieses! «
Stefan Härtel, booksterhro, 08.11.2019

»Das ist spannend, komisch, bisweilen absurd, tragisch, verblüffend, überraschend und natürlich in jeder Hinsicht abgründig! «
Markus Kranz, DRESDNER, November 2019

»Die Wienerin holt Leichen aus dem Keller – die Vergangenheit kommt hoch.«
Peter Pisa, Kurier, 01.11.2019

»Raphaela Edelbauer ist eine beeindruckende und phantastische Parabel gelungen, die den Umgang und die Verdrängungsmechanismen beim Thema nationalsozialistische Vergangenheit mit gruseligem Heimatfilmambiente gekonnt konterkariert.«
Arnulf Woock, Neumann, November 2019

»Eine imponierend reife, clever komponierte Geschichte.«
Michael Wolf, Neues Deutschland, 20.10.2019

»Es ist ein Roman, der der Tradition der Anti-Heimatliteratur eine innovative Note hinzufügt und beweist: hier schreibt eine, für die Form und Inhalt untrennbar miteinander verbunden sind, eine überdies, die mit einer großen Begabung zu Komik und Groteske ausgestattet ist.«
Christian Ankowitsch, 3sat – lesArt, 20.10.2019

»Wie seine Protagonistin saugt dieser Roman auch seine Leser förmlich ein, das dunkle Geheimnis von Groß-Einland zu lüften.«
Alois Knoller, Augsburger Allgemeine, 12.10.2019

»Raphaela Edelbauer legt in ihrem Romandebüt Schicht für Schicht ein Stück verdrängter NS-Geschichte frei und setzt Raum und Zeit dabei traumwandlerisch außer Kraft. […] Unverhohlen bricht Edelbauer gesamtösterreichische Verhältnisse auf die Kleinstebene herunter und inszeniert dafür ein Spektakel.«
Senta Wagner, Buchkultur, Oktober 2019

»Edelbauer erzählt großartig, man mag gar nicht aufhören: Als würde Thomas Bernhard „Alice im Wunderland“ neu schreiben.«
RP Online, 09.10.2019

»Edelbauer [...] offenbart sich nicht nur als Meisterin des Wortes, sondern auch der allegorischen Mystik.«
Frauke Kaberka, Dresdner Neueste Nachrichten, 07.10.2019

»Edelbauer winkt manchmal auch mit dem Zaunpfahl in Richtung NS-Vergangenheit, Globalisierung oder Klimawandel, aber sie ist klug und sprachgewaltig genug, die ernste Symbolik immer wieder ironisch zu verflüssigen. … Bürokratisch umständlich, steif und altfränkisch verschnörkelt, dann wieder verspielt und wortwitzig bringt sie die versteinerten Verhältnisse in Groß-Einland mit Sätzen […] ins Rutschen.«
Martin Halter, Stuttgarter Zeitung, 06.10.2019

»“Das flüssige Land“ ist ein stark surreales Werk. Ebenso abrupt, wie es einen einsaugt, spuckt es einen wieder aus. Dazwischen liegen 21 atemnehmende Kapitel irgendwo zwischen Fiktion, Historien-Roman und Dystopie, die schwanken machen zwischen Zweifeln und Zustimmung, zwischen Fantasie und Wirklichkeit. Raphaela Edelbauer brilliert mit ihrer Sprachkunst.«
Annte Büttner, sounds&books, 05.10.2019

»Dass der Debütroman der 29- jährigen Österreicherin so spannend zu lesen ist, liegt an der bizarren Mischung von konkreten Schilderungen einer kleinstädtischen, durchaus heutigen Realität und fantastischen Gegebenheiten, die wie Versatzstücke aus einer anderen, vergangenen Welt aufblitzen.«
Eva Pfister, Deutschlandfunk, 04.10.2019

»Zum Souveränen, zum Meisterlichen dieser Konstruktion, die keine debüthaften Unsicherheiten erkennen lässt, gehört die äußerst heutige, beherzte, vernünftige, wenngleich – möglicherweise durch ihren recht intensiven Medikamenten-Konsum – etwas unkonzentrierte Erzählerin Ruth.«
Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau, 04.10.2019

»In „Das flüssige Land“ [erzählt Raphaela Edelbauer] voller barocker Erzähllust […] mit ihr behandelt eine junge Autorin noch mal auf sehr eigenwillige Weise ein großes Thema der österreichischen Literatur nach 1945.«
Wiebke Porombka, Deutschlandfunk Kultur, 17.09.2019

»Krimihaft spannend, literarisch vielstimmig und anspielungsreich sowie sprachlich souverän führt Raphaela Edelbauer durch ein so magisches wie unheimliches Universum, das verstörend vertraut scheint«
Bernadette Conrad, Berliner Zeitung, 31.08.2019

»Edelbauer schöpft aus einem riesigen Wortschatz und stattet mit enormer Sprachmächtigkeit eine Parabel aus, die Österreichs verlogene Zeitgeschichte in einer noch nie gelesenen Weise decouvriert.«
Klaus Buttinger, Oberösterreichische Nachrichten, 31.08./01.09.2019

»"Das flüssige Land" ist ein großartig gebautes Spiel mit Versatzstücken von Heimat- und Antiheimat-Literatur … Als feingearbeitetes Sprachkunstwerk – und als zornige Bestandsaufnahme eines Landes, das sich in schiefer Idylle eingerichtet hat.«
Joachim Leitner, Tiroler Tageszeitung, 31.08.2019

»Eine Großmetapher, die funkelnd so unterschiedliche Themen wie Vergangenheitsbewältigung, Zeitphilosophie und Märchen zusammenbinden kann.«
Pascal Fischer, SWR2, 30.08.2019

»Der Roman […] setzt eine Traditionsspur der literarischen österreichischen Moderne fort und bohrt gleichzeitig in die Tiefe«
Wolfgang Huber-Lang, Austria Presse Agentur, 23.08.2019

»Nur wenige Autor*innen beherrschen die Erzählkunst einer Raphaela Edelbauer. Sie ist ein Ausnahmetalent unter Österreichs Schriftstellern […] Während der Lektüre von „Das flüssige Land“ verschwimmen Zeit und Raum zu einer Art Wunder.«
Susann Fleischer, literaturmarkt.info, 26.08.2019

»„Das flüssige Land“ [ist] eine abgründige und einfallsreiche Parabel auf Österreich und den Umgang mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit, ein philosophisch-phantastischer Roman, der sich auf die Tradition der Anti-Heimatliteratur bezieht … Anti-Anti-Anti-Heimatliteratur«
Florian Baranyi, ORF, 25.08.2019

»Den von ihr ausgebreiteten Schrecken konterkariert Raphaela Edelbauer mit Witz und Intelligenz. […] In ihren eindringlichen Bildern von Land und Leuten verbindet sie Grusel- und Heimatfilmästhetik […] Spalten und Löcher verwandeln das pittoreske Ortsbild in ein groteskes Zerrbild.«
Wolfgang Huber-Lang, Salzburger Nachrichten, 24.08.2019

»Wer es mit Kafka hält, dem würde ich Raphaela Edelbauer empfehlen. [...] Eine tolle Autorin, die etwas wagt, und die auch vollkommen gewinnt mit dem, was sie wagt«
Alf Mentzer, hr2 Kultur, 31.07.2019

»Dieser Text arbeitet im Kopf. Egal ob man Tage, Wochen oder Monate darin verschwunden war.«
Katia Schwingshandl, Literaturhaus.at, 28.08.2019

»Raphaela Edelbauer […] ist ein Ausnahmetalent unter Österreichs Schriftstellern. Ihre Romane verführen zu einem Leseerlebnis, das man sein Leben lang nicht mehr vergessen wird«
Susann Fleischer, literaturmarkt.info, 26.08.2019

»[…] Mystisch, surreal, grotesk, beklemmend am Beginn, immer entlarvender im Verlauf der Geschichte, die in etlichen Genres angesiedelt ist, vom Horror- bis zum Anti-Heimat-Roman. Enorm ist die Raffinesse, naheliegend sind Vergleiche mit Kafka, Borges oder Hans Lebert. Aber Raphaela Edelbauer verfügt über einen eigenen Erzählton mit langem Nachhall; er ist faszinierend und macht fassungslos.«
Werner Krause, Kleine Zeitung, 21.09.2019

Raphaela Edelbauer, geboren 1990 in Wien, wuchs im niederösterreichischen Hinterbrühl auf. Sie studierte Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst, war Jahresstipendiatin des Deutschen Literaturfonds und wurde für ihr Werk »Entdecker. Eine Poetik« mit dem Hauptpreis der Rauriser Literaturtage 2018 ausgezeichnet. Beim Bachmannpreis in Klagenfurt gewann sie 2018 den Publikumspreis. 2019 wurde ihr der Theodor-Körner-Preis verliehen.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 350
Erscheinungsdatum 24.08.2019
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-608-96436-3
Verlag Klett Cotta
Maße (L/B/H) 21,1/13,9/3,5 cm
Gewicht 507 g
Auflage 4. Auflage
Verkaufsrang 26981

Buchhändler-Empfehlungen

Coole Sache..

Pauline Haas, Thalia-Buchhandlung Bremen

Ich habe etwas länger gebraucht, um in die Story hineinzufinden, da alles ziemlich absurd dargestellt wird. Doch findet man seinen Weg hinein, ist der Roman wirklich etwas ganz besonderes.

Wenn die Grenzen der Realität & dem Surrealen verlaufen, dann ist nichts so wie es scheint

Tobias Groß, Thalia-Buchhandlung Gotha

Eine fantastische Geschichte über eine bizarre österreichische Kleinstadt, die in dieser Form gar nicht so existieren dürfte. Auf den ersten Blick ist in Großeinland nichts so wie es scheint und trotzdem ist alles echt. Oder vielleicht doch nicht? Wie lässt es sich sonst erklären, dass eine mysteriöse Gräfin die Stadt absolutistisch regiert, es unter den Bewohner*innen kein marktwirtschaftlich basiertes Geldsystem gibt und dieses Fleckchen Erde auf nicht einer einzigen Landkarte erscheint? Gibt es diesen Ort überhaupt? Oder existiert das alles nur in der Fantasie der Protagonistin Ruth und ist somit reine Einbildung? Und was hat es mit diesem unheimlichen Loch auf sich, was die gesamte Stadt regelrecht zu verschlucken droht? Raphaela Edelbauers ‘Das flüssige Land‘ ist ein utopisches, sprachlich starkes und herausragendes Debüt. Ein modernes Märchen, in welchem die Grenzen von Realität und Surrealität verlaufen. Angesiedelt in einer alternativen Gegenwart, ist dieser kluge Roman wunderbar verstörend und fesselnd bis zur letzten Seite. Völlig zurecht stand er sogar auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2019, hat hn am Ende jedoch nicht gewonnen. Das ist schade, aber bei dem Talent können wir uns sicher sein, dass Raphaela Edelbauer noch öfter für Deutschlands wichtigsten Literaturpreis nominiert sein wird.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
25 Bewertungen
Übersicht
9
7
7
2
0

Das flüssige Land - tiefer als so mancher glaubt
von einer Kundin/einem Kunden am 13.10.2020

Der neue Roman "Das flüssige Land" von Raphaela Edelbauer ging mir unter die Haut. Im Inhalt steckt so viel Tiefe und Recherche, dass kein Charakter oder Ort ohne Grund an dem Platz steht, wo er steht. Kein Wort ist ein Füllwort, mit dem nur Platz geschaffen werden soll, für die wirklich wichtigen Wörter. Als Ruth am Ende noch... Der neue Roman "Das flüssige Land" von Raphaela Edelbauer ging mir unter die Haut. Im Inhalt steckt so viel Tiefe und Recherche, dass kein Charakter oder Ort ohne Grund an dem Platz steht, wo er steht. Kein Wort ist ein Füllwort, mit dem nur Platz geschaffen werden soll, für die wirklich wichtigen Wörter. Als Ruth am Ende nochmal zurückblickt, rührte mich dies zu Tränen und ich brauchte erstmal Zeit, die vergangenen Seiten zu verarbeiten. Dieses Gefühl habe ich nicht oft bei Büchern. Es hat wirklich einige Zeit gebraucht, bis ich mich an ein neues Buch gewagt und meine Angst, davon enttäuscht zu werden, bewältigt hatte. Ich kann dieses Buch wirklich nur weiterempfehlen und vor allem jedem und jeder nur ans Herz legen, sich auch über die Hintergründe dieses Buches zu informieren.

von einer Kundin/einem Kunden am 08.06.2020
Bewertet: anderes Format

Ein faszinierender Roman einer jungen österreichischen Autorin. Eine Geschichte über den Mut sich ins Ungewisse zu wagen. Auch wenn hierbei manchmal die Grenzen zur Surrealität verschwimmen. Ein wahrhaft gelungenes Debüt.

Phantasievolle Geschichte mit starkem Gegenwartsbezug
von Xirxe aus Hannover am 03.02.2020

Als die promovierte Physikerin Ruth nach dem plötzlichen Tod ihrer Eltern sich auf der Suche nach deren früherem Leben macht, landet sie in Groß-Einland, wo die beiden aufgewachsen sind. Eine völlige Idylle, in der die Menschen praktisch unbemerkt vom Rest der Welt leben, da die Gemeinde nirgendwo verzeichnet und nur schwer zugä... Als die promovierte Physikerin Ruth nach dem plötzlichen Tod ihrer Eltern sich auf der Suche nach deren früherem Leben macht, landet sie in Groß-Einland, wo die beiden aufgewachsen sind. Eine völlige Idylle, in der die Menschen praktisch unbemerkt vom Rest der Welt leben, da die Gemeinde nirgendwo verzeichnet und nur schwer zugänglich ist. Dennoch verlängert Ruth ihren Aufenthalt dort eher widerwillig und fühlt sich überraschenderweise jedoch nach kurzer Zeit heimisch. Schnell ist sie Teil der Dorfgemeinschaft und die über allem thronende Gräfin gibt ihr zudem eine gute Arbeitsstelle. Doch es liegt Unheil über dem Dorf - Gegenwärtiges und Vergangenes. Ein riesiges Loch in der Erde droht Alles zu verschlingen, auch die Untaten während der Zeit des Dritten Reiches. Während Ruth versucht das Dorf zu retten, forscht sie gleichzeitig nach, was damals geschah. Was für eine verrückte Geschichte! In der Zusammenfassung mag sich dies nicht so lesen, doch es sind die Details des Ganzen, die einen ungläubig den Kopf schütteln, gleichzeitig aber gebannt weiterlesen lassen. Ein ganzer Ort versinkt mehr und mehr im Untergrund, aber das Leben geht sogar trotz Todesfällen weiter wie gewohnt. Es wirkt wie ein potemkinsches Dorf, das von einer mysteriösen Gräfin für die BewohnerInnen aufrecht erhalten wird. Sie selbst bestimmt über die gesamte Gemeinde, sogar der Bürgermeister hält bei Allem still. Literarisch gebildeten LeserInnen fällt natürlich bald auf, dass es sich hier um eine Parabel handelt. Wie im wahren Leben werden unschöne Dinge hier zwar nicht unter den Teppich, dafür aber in das Loch gekehrt - insbesondere Geschehenes während des II. Weltkrieges. Es wird geschwiegen um des lieben Friedens willen, denn wer hat schon etwas davon, wenn man die alten Dinge wieder hervorholt? Die Wahrheit ist zwar bekannt, doch hören geschweige denn aussprechen will sie niemand. Der Mensch an sich ist zudem bequem, weshalb also aufbegehren gegen etwas was einen nicht betrifft, solange man selbst es gut hat? Auch gegen die Gräfin, die trotz Abschaffung der Aristokratie über die gesamte Gemeinde bestimmt (auch, was es im Supermarkt zu kaufen gibt), gibt es keinen Widerstand, denn sie kümmert sich ja um Alle. Ruth ist die Einzige, die Fragen stellt und zweifelt, doch je mehr sie Teil der Gemeinde wird, umso schwieriger fällt es ihr, ihre Nachforschungen weiter zu betreiben. Als Lesende fühlt man mit ihr und ihren widerstrebenden Gefühlen, zwischen der Suche nach der Wahrheit und der Zuneigung zu den Menschen, die sie mit dieser Suche verletzt. Die Autorin packt eine Menge in diese Geschichte und gegen Ende ist es mir fast ein bisschen zu viel. Während ich mich zu Beginn noch völlig von den teils abstrusen Gegebenheiten faszinieren und unterhalten ließ, wurden die Andeutungen auf Konkretes jedoch ständig stärker und zahlreicher (zumindest kam es mir so vor), so dass das Faszinierende zusehends abnahm. Schade drum!

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  • Das Loch war von unbekannter Tiefe, Verästelung und Feuchtigkeit. Es zog sich wie ein unterirdisches Myzel unter den Bergkuppen und Siedlungen durch, brach in Röhrchen und Netzen an die Oberfläche und schob kontinentaldriftartig das nervöse Erdreich zu grobkörnig atmenden Halden zusammen, unter denen der faulige, pilznetzige Verfallsprozess sich eingenistet hatte. Der einzige Segen war, dass all das so unendlich langsam geschah, dass Generation um Generation sich die Sorge darum aufgeteilt hatte – und man alibihalber jede Woche Beton in Schächte kippen konnte und genug Zeit hatte, die zerbrechenden Fensterbretter, die sich den Absenkungen geschlagen gegeben hatten, zu tauschen, bevor die Kinder aus der Schule kamen. Das Ende des Winters und die Schneeschmelze vor ein paar Monaten hatten in kürzester Zeit die Hälfte der Stadt um über einen Meter tiefer sinken lassen und die Straßen in einen so desolaten Zustand gebracht, dass man beim Überqueren meinte, im Morast zu waten. Sämtliche Pflastersteine, die den historischen Belag der Stadt bildeten, waren von den Absenkungen geradezu fortgesprengt worden und lagen nun lose auf den Plätzen und Straßen. Zwar hatte man zwischendurch immer wieder versucht, sie anzubetonieren, doch lösten sie sich, sobald das Loch durch eine feuchte Nacht auch nur einen Millimeter absackte. Ganzjährig herrschte akute Rutschgefahr: Wir alle waren Meister darin geworden, uns dennoch fortzubewegen. Sogar die Greise, normalerweise kaum in der Lage, auf festem Untergrund im Equilibrium zu bleiben, streckten versiert den Gehstock von sich, als wären sie auf hohen Seilen unterwegs. Der Hauptplatz war das Zentrum des Einbruchs: Auf ihm waren die Steine nicht bloß lose, sondern in der Mitte geradewegs auf einen Haufen zusammengerutscht – trichterförmig fiel er zum Bildnis des ehemaligen Erzengels hin ab. Dort unten, also am Tiefpunkt der Parabel, hatte sich im vergangenen Monat der erste Durchbruch ins Bergwerk ereignet. Dünn wie ein Nadelöhr erst, dann bald faust- und beindick. Ich sah diese schwarze Leerstelle, von der ich durch meine Berechnungen wusste, dass sie über der tiefsten Senke des Loches lag, täglich auf meinem Weg zur Arbeit, und stellte mir vor, wie ein Stein, in diese Auslassung geworfen, hundertfünfzig Meter in den Berg einfallen würde. Fortbewegen konnte man sich über den trichterförmigen Hauptplatz nur mehr auf seinem steinernen Pizzarand. Ich und die anderen, die es dennoch tun mussten, schoben uns am schmalen Grat neben der Häuserfront entlang, einander höflich, wie auf einer Einfahrt, den Vorrang lassend – den Bekannten zuwinkend, wenn sie sich auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes an den Laternen entlanghangelten. Man stand auf derselben Struktur und war einander dennoch unerreichbar. Ich schob mich mit dem Rücken zur Wand an der Ostseite des Platzes vorbei, langsamer als sonst, weil um diese Zeit schon eine Gruppe Volksschüler, vorne und hinten mit Seilen an die Lehrerinnen gespannt, auf dem Weg zur Schule war. Trotz des desolaten Zustandes ihrer Stadt hatten die Groß-Einländer frohen Mutes Blumenzwiebeln in die Pflanzkästen gesteckt, deren ausbrechende Triebe sich nun in meinem Nacken rieben. Es fühlte sich an, als wäre man stundenlang damit zugange, diesen Platz zu überqueren, dabei dauerte es nur ein paar Minuten. Das vielleicht Merkwürdigste war überhaupt, wie sehr der Rhythmus der Einbrüche sich auf das Zeitgefühl aller Groß-Einländer übertrug: In Wochen, in denen die Einbrüche rasch vor sich gingen, schien die Zeit zu rasen und man hatte kaum Gelegenheit, die vielen Veränderungen im Ortsbild zu bemerken, sodass sich in wenigen Momenten die Verwitterung von Jahren zu ereignen schien. Blieb aber alles konstant, so nahm der Fluss der Dinge fast eine gewisse Zähigkeit an, und die Monate rollten in belangloser Indolenz über mich. Ich bemerkte dann kaum, wie ein ganzer Herbst vergangen war. So wie die Natur in der Taktung ihrer vier Jahreszeiten die Zeitwahrnehmung normalerweise beeinflusste, so sehr standen und flossen die Dinge hier mit den Absenkungen.