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Und ich war da

Roman

Martin Beyer

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Beschreibung


Wie kommt es, dass der eine Widerstand leistet, während der andere zum Mitläufer wird?

August Unterseher haben sich im Laufe seines Lebens viele Möglichkeiten geboten, sich gegen das Nazi-Regime zu stellen. Doch keine davon hat er genutzt. "Und ich war da" ist die Geschichte eines Mannes, der hineinstolpert in die Dunkelheit seiner Zeit: erst in die Hitlerjugend, dann als Wehrmachtssoldat in den Russlandfeldzug. Und später, als Kriegsversehrter zurück auf dem Bauernhof seines Vaters, verdingt er sich als Henkershelfer der NS-Schergen bei den Hinrichtungen der Geschwister Scholl. Ein Mann ohne Eigenschaften, der am Ende seines Lebens zu verstehen sucht, weshalb alles so gekommen ist, weshalb er überlebt hat, wo andere gefallen sind, weshalb er zum Täter wurde, wo andere für ihre Ideale gestorben sind.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 192
Erscheinungsdatum 30.08.2019
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-550-20039-7
Verlag Ullstein Buchverlage
Maße (L/B/H) 20,4/13,7/2,7 cm
Gewicht 348 g
Auflage 1. Auflage
Verkaufsrang 110335

Portrait

Martin Beyer

Autor Martin Beyer, geb. im Dezember 1976 in Frankfurt am Main. Abitur am Adolf-Reichwein-Gymnasium in Heusenstamm im Frühjahr 1996. Noch während des letzten Schuljahrs erschien die Erzählung "Fragezeichen" als erste Buchveröffentlichung. Zur Zeit Studium in Bamberg.

Artikelbild Und ich war da von Martin Beyer

Buchhändler-Empfehlungen

Ein bittes Schicksal unter Tausenden.

Eine Buchhändlerin/ein Buchhändler, Thalia-Buchhandlung Rostock

Eigentlich aufgrund der Thematik eine Pflichtlektüre, leider wirkt der Roman an manchen Stellen zu sehr anhand einer Liste abgearbeitet, fast "zu durchdacht". Sehr schade, da das Erlebte, das Schicksal von August Unterseher exemplarisch für so viele andere dieser Zeit steht. Trotzallem sticht Martin Beyer's Schreibstil aus der Masse heraus und so sind die fast 200 Seiten trotzdem weiterzuempfehlen.

Kundenbewertungen

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Nicht mein Buch
von Elke Seifried aus Gundelfingen am 21.08.2020

„Ich stürzte mich in die Arbeit, legte als Buchhalter in einer Münchner Firma eine passable Karriere hin, und wenn ich nach Hause kam, schlüpfte ich in die Kapsel, war verschlossen, fahrig, bekam nicht viel mit, [...]meine Frau suchte sich ihre eigenen Wege, zog irgendwann aus, und ich verstand noch immer nicht, dass mein Leide... „Ich stürzte mich in die Arbeit, legte als Buchhalter in einer Münchner Firma eine passable Karriere hin, und wenn ich nach Hause kam, schlüpfte ich in die Kapsel, war verschlossen, fahrig, bekam nicht viel mit, [...]meine Frau suchte sich ihre eigenen Wege, zog irgendwann aus, und ich verstand noch immer nicht, dass mein Leiden und meine Weigerung, es zu teilen, längst nur noch selbstgefällig waren. Dass ich die Verantwortung einfach weitergegeben hatte, vor allem an meine Tochter, obwohl ich sie doch gerade davor bewahren wollte.“, gilt für August Unterseher nach dem Zweiten Weltkrieg. Um seine Tochter nicht auch noch zu verlieren, damit sie ihn endlich wirklich kennenlernen kann, versucht er nun diese Erinnerungskapsel zu öffnen und er beginnt Szenen zu schildern, bei denen galt Ich war da. Leichter fällt es ihm noch von der Vorkriegszeit zu erzählen. Er berichtet von seiner Kindheit am Hof und vom gewalttätigen Vater, „Er sagte kein Wort, ansatzlos schlug er mir in die Magengrube, ich knickte zusammen, dann packte er mich mit den Pranken, zog mich hoch, sagte nur: »Du widersprichst mir nicht mehr, nie mehr, hörst du?«, von den Treffen der HJ, die für ihn hauptsächlich Flucht vor der harten Arbeit auf dem Bauernhof sind. Zudem erfährt man von seiner Teilnahme an Pauls verbotenen Treffen einer Burschenschaft, die ihn uninteressiert daran, aber nicht zu einer ablehnenden Position bewegen können und auch für das Angebot einer befreundeten Schmugglerin, mit ihr nach Italien in den Widerstand zu gehen, fehlt ihm der Mut. Äußerst schwer fällt ihm der Bericht hingegen von seiner Zeit an der Front, die man in teils verworrenen Träumen, die Blitzlichter auf bedeutsame Szenen aus verschiedenen Perspektiven werfen, geboten bekommt. Nachdem der Bruder Konrad gefallen ist, verändert er sich, denn von nun an scheint er, „stellvertretend für den Bruder eine Verpflichtung zu haben: Wenn du schon lebst, dann mach wenigstens etwas daraus, mach irgendetwas, damit er stolz auf dich sein könnte. Denn eigentlich, das weißt du, ist der Falsche gestorben.“ Mit Selbstbewusstsein erzählt er deshalb im Anschluss daran von der Zeit zurück am elterlichen Hof. Noch ein einschneidendes Erlebnis ist sicher das Angebot des Scharfrichters, das er vielleicht vor allem deshalb annimmt, weil der Vater „in der Stube erschien (Zufall oder hatte er gelauscht?), und auf mich oder vielmehr: auf den zerschossenen Arm wies und sagte: »Der Guscht, der schafft ja nix<<. Begründete Trotzreaktion oder Rechtfertigungsversuch? Der Erzähler, der Jahrzehnte später auf seine Jugend im Nationalsozialismus zurückblickt, scheint da mitunter selbst unentschlossen, mal beschwichtigend, mal die eigene Rolle durchaus selbstkritisch einschätzend. Ich bin hin und hergerissen bei diesem Roman. Martin Beyer lässt in seinem Roman August von beklemmenden, schrecklichen Ereignissen erzählen, die mich tief betroffen gemacht haben, sei es wenn es heißt, die Gefangenen stehen vor der selbstausgehobenen „Grube, die SS-Leute postieren sich hinter ihnen, schießen ihnen ins Genick, und sie fallen hinein, dann wird die nächste Reihe aufgestellt. Ich bin unter den Schützen, dabei gehöre ich nicht zur SS, doch Jochen und Werner stehen neben mir, also wird alles seine Richtigkeit haben. Jochen atmet schwer, nur widerwillig lädt er nach, er scheint nicht genau zu zielen, und Werner blafft ihn an: »Du tust niemandem einen Gefallen, wenn du danebenschießt, so gut es auch gemeint ist.« oder auch wenn er von seiner Rolle bei der Hinrichtung von Hans und Sophie Scholl, sowie Christoph Probst erzählt. Stellenweise konnte er mich mit seinen Erinnerungen auch rühren, wenn er z.B. davon berichtet, dass er seinen Auftrag bei der HJ nicht befolgt, Paul nichts unterschiebt und das mit Brandblasen an den Füßen bezahlen muss. Nicht wirklich viel anfangen konnte ich hingegen mit zahlreichen Ausschweifungen, die z.B. von seiner Faszination für Kolkraben, von Erlebnissen bei der Vogelbeobachtung oder z.B. Ausflügen nach München in die Zoologische Staatssammlung berichten, auch wenn die vielleicht eine Demonstration davon, was ihm alles wichtiger war, wie politisch uninteressiert er eigentlich war, darstellen sollen. Auch wenn sicher viele Soldaten, die so wie er ihren Dienst an der Ostfront tun mussten, unter Alpträumen gelitten haben, hat mir die Art der Darstellung, der Versuch sich dem Damaligen über geschilderte Klarträume wieder anzunähern, ebenfalls nicht so zugesagt. Hier verschwimmt mir das Bild ein zu viel, denn es gilt, „bald waren es Traumlandschaften, alles nur mit groben Strichen angedeutet, und die Leere in all diesen Gegenden war– aber was hattest du erwartet, August, was?“ und auch der häufigen Wiederholungen hätte ich nicht bedurft. „Kein Richter war nötig, es war kein Oben, und es war kein Unten, es gab kein Richtig, und es gab kein Falsch.“, ein Satz den ich z.B. sehr oft gelesen habe. Zudem sind hier für mich viel zu viele Fragen offen geblieben, welches der drei Mädchen von denen er erzählt, hat ihm wohl letztendlich in den Arm geschossen, alle drei doch sicher nicht. Befremdlich haben auf mich zudem solch sexuell konnotierte Erinnerungen gewirkt, „Der Vater erwischte mich beim Onanieren. Hinterm Stall, praktisch in aller Öffentlichkeit. Mit der Ankündigung, er würde jetzt den Quark aus mir herausprügeln, verdrosch er mich und renkte mir dabei die Schulter aus […] Dass er mir abfaule, dass Gott mich strafen werde, dass ich nie eine Frau finden, nie Kinder zeugen werde, dass ich niemals ein ganzer Mann werden, mich die Kirche bald ausspucken würde wie einen gemeinen Ketzer.“, auch wenn das vielleicht die Abkehr vom Glauben bezeichnen könnte. Der Autor vermag sich durchaus geschickt und gewandt auszudrücken. Er lässt August aus der Ich-Perspektive mit vielen Bildern erzählen. „Der Erinnerungshund gibt mir keine genaue Auskunft, er nickt und bellt immer an den unerwarteten Stellen, er lässt sich zu nichts zwingen. (Doch was erwarte ich, das alles ist über fünfzig Jahre her!) Und dennoch glaube ich, dass sich Vergangenheit und Gegenwart wieder annähern, ich sehe ganz klar, und manchmal höre ich die Früheren sprechen, als wären sie eben erst an mir vorbeigegangen.“, sodass man sich sicher gut in ihn hineinversetzen kann. Dennoch hat mir der Stil der Gesamterzählung nicht so zugesagt, als dass Martin Beyer mich für den Roman einnehmen konnte.

War ich da?
von einer Kundin/einem Kunden am 08.03.2020

"Und ich war da" ist der berührende Bericht eines Soldaten im zweiten Weltkrieg, der Jahrzehnte später versucht, Worte für das Unsagbare zu finden, Worte für Geschehnisse, die er erlebt hat, ohne sie zu verstehen, und darüber den Willen verloren hat, weiterzuleben, aber zu wenig Antrieb hat, sich selbst das Leben zu nehmen. Er b... "Und ich war da" ist der berührende Bericht eines Soldaten im zweiten Weltkrieg, der Jahrzehnte später versucht, Worte für das Unsagbare zu finden, Worte für Geschehnisse, die er erlebt hat, ohne sie zu verstehen, und darüber den Willen verloren hat, weiterzuleben, aber zu wenig Antrieb hat, sich selbst das Leben zu nehmen. Er bleibt gefangen in einer schmerzhaften Zwischenwelt, die manchmal die Grenze zum Aushaltbaren überschreitet. Ein wertvolles, wichtiges Buch.

Und ich war da
von einer Kundin/einem Kunden am 04.12.2019

August Unterseher, bei Kriegsausbruch Anfang Zwanzig, hadert mit seinem Schicksal. Ohne zu wollen, aber auch ohne die Kraft, sich anders zu entscheiden, durchlebt er eine schwierige Herkunft, das Verschwinden von Freunden, die Kriegsgräuel im Osten und die Heimkehr als Kriegsversehrter. Der zweite Roman von Martin Beyer, Dozent... August Unterseher, bei Kriegsausbruch Anfang Zwanzig, hadert mit seinem Schicksal. Ohne zu wollen, aber auch ohne die Kraft, sich anders zu entscheiden, durchlebt er eine schwierige Herkunft, das Verschwinden von Freunden, die Kriegsgräuel im Osten und die Heimkehr als Kriegsversehrter. Der zweite Roman von Martin Beyer, Dozent für Kreatives Schreiben und Bachmannpreis-Teilnehmer 2019. Manchmal etwas musterhaft. Die Episode als Henkersgehilfe bei der Hinrichtung von C. Probst und der Geschwister Scholl unpassend. Habe das Buch aber trotzdem als Auseinandersetzung mit einer Zeit, in der es keine Kompromisse gibt, mit großem Interesse gelesen.


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