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Nachwendekinder

Die DDR, unsere Eltern und das große Schweigen

Lukas erfuhr erst vor kurzem durch den Anruf eines Unbekannten, dass sein Vater für das Regime spioniert hat. Maximilian fühlt sich wie ein Einwandererkind, dessen Herkunftsland seine Identität prägte, obwohl es nicht mehr existiert. Franziska ringt noch mit der Aufarbeitung der DDR-Geschichte in ihrer Familie.

Dem blinden Fleck in der Geschichte vieler ostdeutscher Familien spürt der preisgekrönte Hörfunk-Journalist Johannes Nichelmann in vielen Begegnungen nach. Die O-Töne wirken wie ein Echolot der problematischen Erinnerungskultur, aus der sich auch die Konstellation für aktuelle gesellschaftlich-politische Schieflagen im Osten speist. Es geht dem Autor um eine ehrliche Debatte, um ein lebendiges Erbe der Erinnerungen, das nicht schwarz-weiß gezeichnet ist, sondern auch Zwischen- und Grautöne kennt.

Portrait
Johannes Nichelmann, geboren 1989 in Berlin, studierte Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Seit 2008 arbeitet er als freier Reporter, Autor und Moderator für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Zunächst für die RBB-Jugendwelle "Fritz", später vor allem für Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur sowie zahlreiche ARD-Anstalten, ZDF und ARTE. Für seine Radiodokumentationen hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten, unter anderem den "Kurt-Magnus-Preis der ARD" für das "junge Lebenswerk" (2013), den "Robert-Geisendörfer-Preis" der Evangelischen Kirche (2014) und den "Deutschen Sozialpreis" (2018).
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Beschreibung

Produktdetails

Format ePUB i
Kopierschutz Ja i
Seitenzahl 250 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 06.09.2019
Sprache Deutsch
EAN 9783843721769
Verlag Ullstein Verlag
Dateigröße 2686 KB
Verkaufsrang 31012
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Buchhändler-Empfehlungen

Annette W. , Thalia-Buchhandlung Berlin

Eine Recherche über die Orientierungslosigkeit der Jugend nach dem Mauerfall, den offiziellen Alltag und den Familienalltag in der DDR. Sehr lesenswert!

Kundenbewertungen

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Super für Interessierte!
von Tine_1980 am 06.09.2019
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Lukas erfuhr erst vor kurzem durch den Anruf eines Unbekannten, dass sein Vater für das Regime spioniert hat. Maximilian fühlt sich wie ein Einwandererkind, dessen Herkunftsland seine Identität prägte, obwohl es nicht mehr existiert. Franziska ringt noch mit der Aufarbeitung der DDR-Geschichte in ihrer Familie. Viele ostdeutsc... Lukas erfuhr erst vor kurzem durch den Anruf eines Unbekannten, dass sein Vater für das Regime spioniert hat. Maximilian fühlt sich wie ein Einwandererkind, dessen Herkunftsland seine Identität prägte, obwohl es nicht mehr existiert. Franziska ringt noch mit der Aufarbeitung der DDR-Geschichte in ihrer Familie. Viele ostdeutsche Familien spüren diesen blinden Fleck und der Hörfunk-Journalist Johannes Nichelmann nimmt sich diesem Thema an. Es geht dem Autor um eine Aufarbeitung, eine ehrliche Debatte und um Erinnerungen, die nicht nur schwarz-weiß, sondern auch Zwischen- und Grautöne zeigen. Der Autor möchte Kindern die nach 1985 geboren sind den blinden Fleck ihrer Geschichte näher beleuchten und spricht dafür mit verschiedenen Personen über ihre Zeit und Erfahrungen in der DDR. Mein Mann ist auch ein „Ossi“, aber noch ein paar Jahre vor 1985 geboren. Doch auch bei ihm ist das Wissen über die Zeit seiner Eltern in der DDR sehr spärlich. Es wird kaum darüber gesprochen und wenn dann hört man von seinen Eltern immer nur die positiven Seiten. Ihn selbst hat die DDR nicht übermäßig beeinflusst, worüber ich sehr froh bin, er war einfach nur ein Kind, das leichte Berührungspunkte mit dem Land hatte. Anders seine Eltern, die ihr ganzes Leben darin verbracht haben. Ganz häufig frage ich mich, wie man in solch einem Land leben konnte, wie es einem gegangen sein muss, wenn man immer überlegen musste, was man äußert, da der nächste Spitzel gleich in der Nähe sein konnte. Wenn man nicht reisen konnte, wie man wollte, vieles nicht erhalten hat, da es nicht alle Artikel gegeben hat. Ich kann es mir nicht vorstellen, doch erhoffe ich mir auch für mich ein paar Antworten auf Fragen, die mir immer wieder im Kopf herumspuken. Wie muss es aber jemanden gehen, der dort seine Wurzeln hat? Der Autor gibt einen guten Einblick in die verschiedenen Schicksale, von Personen, die als Grenzsoldaten gedient haben, von Menschen, die sich für ihre Herkunft geschämt haben oder selbst erst damit zurechtkommen mussten. Er erzählt aber auch die Erfahrungen, wie es ist von der DDR nach Bayern zu ziehen und die daraus resultierenden Probleme und umgekehrt, der Umzug in den Osten. Beide Seiten haben noch immer solch große Vorurteile und ich bin gespannt, wann dies endlich endet. Vielleicht bekommt man so etwas mehr Verständnis, warum sich manche Menschen für die DDR entschieden und nicht rebelliert haben. Man bekam gewisse Sicherheiten, aber dennoch kann ich nicht alle Entscheidungen nachvollziehen. Dass es den Menschen schwer fiel, nach der Wende mit der neuen Unabhängigkeit zurechtzukommen, kann ich jetzt etwas besser nachempfinden. Doch finde ich es schade, dass es so viele Familien gibt, die sich im Schweigen hüllen, denn es geht doch auch etwas Geschichte verloren. In Nachwendekinder erhält man Informationen über das Leben in der DDR, facettenreich erzählt, persönlich und ehrlich. Ich fand es gelungen und sehr interessant und habe doch wieder einige Sachen abhaken können. Gerne hätten es noch mehr Geschichten von noch mehr Menschen sein können, da ich es toll finde, das Gute wie auch das Schlechte zu erfahren.