Pixeltänzer

Roman

Berit Glanz

(9)
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Beschreibung

Elisabeth, von allen nur Beta genannt, arbeitet in einem Startup: Ihr Alltag wird von Pitches und Teambuilding-Maßnahmen bestimmt; in ihrer spärlichen Freizeit entwickelt sie Tiermodelle am 3D-Drucker und probiert sich durch die Berliner Eisdielen. Als ein Fremder unter dem seltsamen Alias Toboggan sie über eine App kontaktiert, ändert sich ihr Leben. Sein Profilbild weckt ihre Neugier, doch anstelle einer Antwort schickt er sie auf virtuelle Spurensuche.
Sie führt Beta zu der Geschichte des Künstlerpaars Lavinia und Walter, das in den Zwanzigerjahren in grotesken Ganzkörpermasken Tanztheater aufführte und mit bürgerlichen Konventionen brach. Statt der erhofften Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen kommt es zur Tragödie, als Lavinia zur Waffe greift. Doch je mehr Beta von den beiden erfährt, sich in ihre Hingabe an die Kunst hineinversetzt und mögliche Auswege auslotet, umso stärker wird die Sehnsucht, aus ihrem eigenen oberflächlichen Dasein auszubrechen. Eine Reise nach Barcelona bietet ihr und ihrem Team die ungeahnte Möglichkeit, Technik ins Absurde oder doch in Kunst zu verwandeln - und Beta ergreift ihre Chance.

Berit Glanz, 1982 geboren, hat in München, Stockholm und Reykjavík studiert und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neuere Skandinavische Literaturen der Universität Greifswald. Sie war Finalistin beim 24. open mike und Teilnehmerin der Textwerkstatt Kölner Schmiede. Für ihr Romandebüt "Pixeltänzer" wurde sie 2017 mit dem Literaturpreis und dem Publikumspreis Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet.

Produktdetails

Format ePUB i
Kopierschutz Ja i
Family Sharing Ja i
Text-to-Speech Ja i
Seitenzahl 256 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 30.07.2019
Sprache Deutsch
EAN 9783731761679
Verlag Schöffling & Co.
Dateigröße 3816 KB

Buchhändler-Empfehlungen

Etwas Außergewöhnliches!

Anja Lindenau, Thalia-Buchhandlung Moers

Die Autorin hat mit diesem Roman etwas ganz besonderes erschaffen. Sie verbindet die Generation der Digital Natives mit der Geschichte eines expressionistisches Künstlerehepaares aus den 20er Jahren in spielerischer Perfektion. Der geschliffenen Sprache und der Spannung der Geschichte kann man sich nur schwer entziehen.

Eine andere Form von Beta-Version

Ingbert Edenhofer, Thalia-Buchhandlung Essen

Was liegt näher für eine Programmiererin namens Elisabeth, als Beta genannt zu werden? Sie arbeitte für ein Start-up und ist selber immer vorn dabei, wenn neue Apps getestet werden wollen. Über eine kommunikative Web-App gerät sie in den Sog einer alten Geschichte um Masken. Sie erfährt die Hintergründe und versucht, mit ihren Kollegen - die auch ihre einzigen Freund zu sein scheinen - eine absurde App zu programmieren. Sehr verschiedene Stränge führt Berit Glanz in ihrem Roman zusammen, und es liegt nicht notwendigerweise bei jedem Element direkt auf der Hand, wie es sich ins Ganze einfügt. So etwas kann frustrierend sein, wenn es zu opak bleibt, aber es kann auch einladen, die Verbindungen aufzuspüren. "Pixeltänzer" ist vielleicht kein Werk, das ich regelmäßig immer und immer wieder lesen wollen würde - es ist nicht wie "Gier" von Sarah Kane, aus dem die potenziellen Bedeutungen trotz intendierter Unklarheit nur so herauspurzeln - aber es ist ein ziemlich starker Debutroman, der neugierig auf das nächste Werk.

Kundenbewertungen

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Digitale Schnitzeljagd meets Expressionismus
von einer Kundin/einem Kunden aus Düsseldorf am 24.09.2019
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Elisabeth, die von allen nur Beta genannt wird, arbeitet in einem Berliner Startup als Programmiererin. Die Arbeitsatmosphäre ist jung und dymanisch, man setzt auf moderne Arbeitsmethoden und Teambuilding. Als sie die App Dawntastic entdeckt, die Weck-Anrufe aus der ganzen Welt anbietet, meldet sie sich kurzerhand an. Bei einem ... Elisabeth, die von allen nur Beta genannt wird, arbeitet in einem Berliner Startup als Programmiererin. Die Arbeitsatmosphäre ist jung und dymanisch, man setzt auf moderne Arbeitsmethoden und Teambuilding. Als sie die App Dawntastic entdeckt, die Weck-Anrufe aus der ganzen Welt anbietet, meldet sie sich kurzerhand an. Bei einem netten Gespräch mit einem Anrufer aus den USA, der aus Hamburg kommt, weckt sein Profilbild ihr Interesse. Es zeigt ein seltsames Wesen, doch auf ihre Rückfrage verrät er nur, dass es mit seinem Nutzernamen Toboggan zusammenhängt. Das ist für Beta der Beginn einer digitalen Schnitzeljagd, die sie auf eine Reise in die expressionistische Szene zu Beginn des 20. Jahrhunderts mitnimmt. Beta lässt den Leser an ihrem Alltagsleben teilhaben und ich fühlte mich ihr schnell vertraut. Ihren nerdigen Charakter mochte ich sehr und mir wurde ihre Faszination für Insekten, die sie zu Hause mit ihrem 3D-Drucker nachbildet, ebenso begreiflich gemacht wie ihr Interesse an der App Dawntastic. Nach dem Anruf mit Toboggan zeigt sie Einfallsreichtum und kommuniziert mit ihm auf überraschende Weise. Sie erhält von ihm Hinweise, die sie zu Orten in der realen Welt führen, und Texte, die ihr Stück für Stück mehr verraten. Ich fand es spannend, gemeinsam mit Beta in die Vergangenheit einzutauchen und mehr über das Schicksal einer expressionistischen Künstlerin zu erfahren. In der Gegenwart setzt die Schnitzeljagd etwas in Beta in Bewegung und lässt sie neue Wege gehen. Dabei kommt es zu zahlreichen amüsanten Szenen. Insgesamt konnte mich das Buch mit seiner nerdigen Protagonistin und dem ungewöhnlichen Thema der Spurensuche begeistern. Ich empfehle es sehr gern weiter!

Überraschend anders, überraschend gut
von Moni aus Fulda am 19.08.2019

Ich kann nicht sagen, was ich von dem Buch erwartet hatte, jedoch nicht das. Ich mochte wirklich alles an dem Buch, die Art, wie es geschrieben ist, die Einleitung der Kapitel, die unterschiedliche Begriffe aus dem EDV-Bereich erklären, die Geschichte von Beta an sich, mit der verrückten "Weck-App", die zu einer Parallelgeschich... Ich kann nicht sagen, was ich von dem Buch erwartet hatte, jedoch nicht das. Ich mochte wirklich alles an dem Buch, die Art, wie es geschrieben ist, die Einleitung der Kapitel, die unterschiedliche Begriffe aus dem EDV-Bereich erklären, die Geschichte von Beta an sich, mit der verrückten "Weck-App", die zu einer Parallelgeschichte in der Vergangenheit wird und zusätzlich noch die Teilnahme an einem Wettbewerb, die auch ganz anders läuft, als geplant. Das Buch beschreibt die heutige junge Generation gekonnt mit all ihren Gedanken und Eigenarten, die nicht zuletzt durch die fortschreitende Technologie geprägt sind. Wir finden in diesem Buch einen wundervollen Querschnitt durch eine Generation, die teilweise gelähmt ihr Leben lebt, gerne ausbrechen würde und doch einfach weitermacht wie bisher. Zu viele Möglichkeiten, zu viele technische Helfer sorgen für Passivität. Was zusätzlich noch etwas ganz besonderes bei diesem Buch ist, ist die interaktive Seite, da man die Recherche im Netz von Beta selbst im Internet nachvollziehen kann und sich so noch lebendiger mit dem Buch verknüpft fühlt. Eine Schnitzeljagd der anderen Art, welche mir wirkliches Lesevergnügen bereitet hat.

Glanzvoll und randvoll mit Anregungen
von einer Kundin/einem Kunden aus Viersen am 12.08.2019
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

"Pixeltänzer" ist das Debüt von Berit Glanz. Der Roman wirft einen Blick auf die Generation Y oder - nach Oliver Jeges - Generation Maybe, gut ausgebildet, aber ohne Plan und Mut. Ausgerechnet mit einer App, die zurückführt ins Analoge, nämlich ins Gespräch mit echten Menschen, beginnt die Verwandlung der Protagonistin Beta, Jun... "Pixeltänzer" ist das Debüt von Berit Glanz. Der Roman wirft einen Blick auf die Generation Y oder - nach Oliver Jeges - Generation Maybe, gut ausgebildet, aber ohne Plan und Mut. Ausgerechnet mit einer App, die zurückführt ins Analoge, nämlich ins Gespräch mit echten Menschen, beginnt die Verwandlung der Protagonistin Beta, Junior-Quality-Assurance-Testerin mit „Can-do-Ausstrahlung“, in eine junge Frau mit „Won’t-do-Entschluss“, die dem Anpassungsdruck ihrer Umgebung trotzt, und ihre eigenen Erwartungen an ihr Leben entwickelt. Von der Beta-Version zur Reife? Das wird das Leben weisen, denn in Beta sind zwar „alle wesentlichen Funktionen implementiert“, ein selbstbestimmtes Individuum zu werden, aber noch nicht vollständig im Hier und Jetzt getestet, also außerhalb der Blase, in der sie bisher zwischen IT-Start-up, Tinder und 3-D-Drucker ihr Dasein verpixelt hat. Worum geht's im Einzelnen? Über „Dawntastic“, besagte App, die Wake-Up-Calls vermittelt, wird Beta durch den anonymen User mit dem Nick Toboggan auf Lavinia Schulz und Walter Holdt gestoßen, expressionistische Maskentänzer aus der Zeit vor den Roaring Twenties. Fasziniert von deren Ganzkörpermasken sucht sie über eine eigens kreierte Homepage Kontakt zu dem Anrufer, um mehr zu erfahren. Betas Plan geht auf. Eine spannende virtuelle Schnitzeljagd beginnt (zur Nachverfolgung hat die Autorin die Homepage tatsächlich ins Netz gestellt), an deren Ende sie die so beeindruckende wie tragische Biografie der Tänzer kennengelernt und in Lavinia eine Art Vorbild erkannt hat. Deren Kunst war ihre Mission, kein Projekt, das man zwischen Teambuilding-Maßnahme und Schaffenspause im Ruheraum, equipped mit High End-Aquarium samt Big-Brother-Roboterfisch, in die Tastatur daddelt, damit aus Venture-Capital der Anleger nicht Adventure-Capital wird, bei dessen Versickern im Sand die Todesmelodie aus Pitfall ertönt. Vor allem Lavinias Konsequenz, ihre Kunst ohne Konzession an Verkäuflichkeit zu leben, hat sie einen hohen Preis gekostet. Hunger und Not waren nach dem Ersten Weltkrieg ihre ständigen Wegbegleiter. Sie wurde nicht bei Gotcha von einem Farbbeutel getroffen. Der selbstreflektierten Beta wird klar, dass ihre eigene Lebenszeit und ihre aktuellen Lebensumstände ein nicht selbstverständliches, gänzlich unverdientes Privileg sind: „Manchmal frage ich mich, ob mein Problem ist, dass ich nach etwas suche, was es nicht gibt für mich. Wie vermessen, dass ich etwas Unerwartetes tun will. Was sagt das aus über meine Langeweile? Sollte ich mich schämen, weil andere niemals die Chance bekommen, sich so zu langweilen wie ich?“ (S. 233 f.) Dass Beta ihr Problem erkennt, sagt über sie aus, dass ihr etwas Widerständiges gegen den Mainstream innewohnt. Sie „entwächst“ der „Wir-amüsieren-uns-zu-Tode-Gesellschaft“, wie sie Neil Postman 1985 - noch im analogen Zeitalter - beschrieben hat. Für ihn stellte die TV-Unterhaltung und die Macht der Bilder eine Bedrohung dar: „Fernsehen wurde nicht für Idio*** erschaffen – es erzeugt sie.“ Das www hat dem TV den Rang abgelaufen. Wir leben heute im Pippi-Langstrumpf-2.0-Zeitalter: „Ich downloade mir die Welt, wie sie mir gefällt“. Man kann „Pixeltänzer“ als Roman über die Vereinnahmung der Avantgarde durch den Kommerz lesen. Es schwingen jedoch viel wichtigere Themen mit, die unbedingt verhandelt werden müssen: Steuern wir auf die Brave New World nach Aldous Huxley zu, um hernach im Orwellschen „1984“ zu enden? Zuvörderst ist jedoch von jedem Einzelnen zu entscheiden: Wie lebe ich als selbstbestimmter Mensch in einer Welt, in der ich als digital steuerbare Biomasse begriffen und algorithmisch vermessen werde, mir wegen des 24-stündigen, ungehinderten Internetzugangs jedoch die freie (Aus-)Wahl vorgegaukelt wird? Was zeichnet mich als Individuum aus? Ist es das Unerwartete, das Unerwartbare, das ich tue? Oder ist es nicht vielmehr die Fähigkeit, die Virtualität von der Realität unterscheiden zu können, und der unbedingte Wille, zu hinterfragen, sich rückzubesinnen und in der Lage zu bleiben, Dinge zueinander in Bezug zu setzen, um sich eine Meinung zu bilden, die man äußert – als Wähler/in, Konsument/in, Arbeitnehmer/in etc.? Die Chance, einen Moment unbeobachtet und unerkannt inne zu halten und aus dem digital gesteuerten Schwarm auszubrechen, die sollten wir uns alle erhalten. Beta hat das begriffen. So will sie mit ihrem neuen Projekt eine Brandmauer ziehen, um einen solchen individuellen, privaten Schutzraum für diejenigen zu schaffen, die ihn für sich erhalten wollen. Zuerst war es eine Schnapsidee von Johannes, Lea und ihr, für einen Wettbewerb in den TechBus einzusteigen, um die nervigste und nutzloseste App ever zu entwickeln, eine die man nicht vermarkten kann. Sie und ihr Team müssen jedoch lernen, dass auch Scheitern gelernt sein will. Ausgerechnet Toboggan und sein Look bringen sie am Ende auf eine neue Projektidee, in der sich auch Lavinia und ihre Kompromisslosigkeit widerspiegeln. Definition of Done und Happy End für Beta? Vielleicht. Gesetzt ist das nicht. Für uns alle ist das Ende der Geschichte, vor allem der gute Ausgang, auch noch längst nicht gesetzt. „Pixeltänzer“ ist ein cleverer Roman, der geschickt drei Erzählstränge verbindet - den der Ist-Zeit mit Beta in ihrem beruflichen und privaten Umfeld, den der Schnitzeljagd mit Toboggan und den historischen rund um die Maskentänzer -, und der viel Trail-Mix (Studentenfutter) for Thoughts bietet. Und damit das Denken nicht zu anstrengend wird, darf auch zwischendurch schallend über die Heldin Beta gelacht werden, die eine goldige, nie verächtlichmachende Ironie an den Tag legt, und die durch Kimme und Korn auch auf sich anlegt. "Pixeltänzer" zu lesen, hatte für mich einen Mehrwert.

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