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Nenn mich einfach Igel

Jacqueline Thör

(3)
Buch (gebundene Ausgabe)
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Beschreibung

“Eine intensive Geschichte über Identität, Freundschaft, Liebe und Verrat. Ein Debüt mit Stacheln.“

Als der Hermaphrodit Igel erfährt, dass die Insassin einer Jugendstrafanstalt zu ihm ins Wohnheim ziehen soll, ist er
entsetzt. Doch als Igel der Neuen zum ersten Mal begegnet, stellt er fest, dass diese ihm gar nicht so unähnlich ist: Ihre
Haare sind so kurzgeschoren wie die seiner rechten Schädelseite, sie trägt einen weiten Kapuzenpulli sowie sackartige,
herunterhängende Jeans und besteht darauf, dass man sie »Sascha« nennt statt Alexandra. Von Beginn an fühlt sich
Igel zu der androgynen, geheimnisumwobenen Schönheit hingezogen. Dennoch beschließt er, Sascha auf Distanz zu
halten. Immerhin hat er in seinem jungen Leben bereits auf vielfältige Weise zu spüren bekommen, dass den Menschen
nicht zu trauen ist – einem Ex-Häftling dann bestimmt erst recht nicht. Aber, was fast noch wichtiger ist: Sascha darf
auf keinen Fall erfahren, wie anders Igel tatsächlich ist ... Mit einer bildreichen, grenzüberschreitenden Sprache erzählt
Jacqueline Thör in „Nenn mich einfach Igel“, was passieren muss, damit ein Ich bricht.

Jacqueline Thör, geboren 1993, studierte Allgemeine
und Vergleichende Literaturwissenschaft, Germanistik
und Journalistik.
Ihren Master schloss sie 2016 mit Auszeichnung ab.
Nenn mich einfach Igel ist ihr erster Roman; journalistische
Texte veröffentlichte sie in der Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung, der Zeit sowie auf Zeit Online.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 188
Altersempfehlung 14 - 17 Jahr(e)
Erscheinungsdatum 04.11.2019
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-946989-21-9
Verlag Elifverlag
Maße (L/B/H) 20,5/14,4/2 cm
Gewicht 368 g
Auflage 1

Buchhändler-Empfehlungen

Gemischte Gefühle ...

Patricia Päßler, Thalia-Buchhandlung Dresden

(Spoilerwarnung für Teile der Rezension! Wirkliche Spoiler sind noch einmal extra gekennzeichnet, aber es kann sein, dass in der Rezension immer mal Dinge angedeutet werden, die handlungsrelevant sind. Anders lässt sich einiges an Kritik am Buch nicht formulieren.) Das Lesen flog auf jeden Fall nur so dahin. Ich war überrascht, wie schnell ich durch war und wie dünn das Buch dann letztendlich auch nur war. Und das bei einem so brisanten Thema! Erstaunlich, wieviel Input man auf so wenige Seiten bekommt. Andere Bücher sind 3 mal so dick und vermitteln 1/4 Botschaft. Ungeachtet der Dicke des Buches war es sprachlich aber auch wirklich sehr schön. Murakami wird manchmal damit verglichen, dass er schreibt wie frisch geduscht. Der Stil mit seinen relativ kurzen Sätzen hat mich daran erinnert. Schnörkellos und trotzdem lyrisch, auch durch die Gedichteinschübe. Ansonsten ist zu sagen, dass ich die guten Bewertungen im Netz durchaus nachvollziehen kann. Aber - großes ABER - mich persönlich hat das Buch inhaltlich weniger überzeugt als ich erwartet hatte. Ausgehend vom Klappentext hatte ich eine völlig andere Vorstellung von dem, was passieren würde, als es dann tatsächlich wurde. Ich hatte irgendwie die vage Erwartung, dass Sascha ein Transmann ist und Igel bei der Identitätsfindung hilft. Ein klassischer Coming of Age Roman eben, auch passend zur Altersgruppe 14-17 Jahre, für die das Buch empfohlen wird. Vielleicht sogar mit Happy End. Die allermeisten LGBTQI+-Romane sind ja doch sehr wertschätzend und positiv. (Was ich persönlich auch richtig finde. Es gibt überall Schattenseiten, aber dagegen wird von außen genug gehetzt. Die Community sollte sich dann nicht noch gegenseitig schlecht machen!) Und am Anfang hätte es ja auch wirklich so kommen können. Ich mochte Igel sehr gerne - bis auf die Tatsache, dass er tatsächlich Igelstacheln hat ... das war für mich zu sehr drüber. 150%, wo 100% locker gereicht hätten. Die Stacheln lenken fast zu sehr von der Intersexualität als Besonderheit ab! Hier hätten mir weniger Stacheln besser gefallen, stattdessen hätte ich einige Dinge mehr über Igel persönlich erfahren. Zum Beispiel, wie seine Intersexualität bei der Geburt bekannt wurde (wusste man es vorher, sah man es erst dann?), wie seine Eltern reagiert haben und wie die Ärzte. Welches Geschlecht hat er zugeteilt bekommen - wenn das denn passiert ist? Manchmal sieht man es ja erst in der Puberträt, wenn die Hormone wirken. Manchmal drängen die Ärzte dazu, sich schon im Babyalter zu entscheiden, das Kind in einem Geschlecht zu erziehen und es zu operieren. Wie hieß Igel? Wie wurde er/sie angesprochen? Mochte er/sie das oder gerade eben nicht? In welcher Zeit spielt das Buch? "Früher" musste man ja ein Geschlecht eintragen lassen und einen Namen, der eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden konnte. Das "divers" im Ausweis ist ja noch recht neu. Eigentlich ist eine solche Leidensgeschichte doch groß genug für ein Buch? Ach was für mehrere Bände! Sicher, Igel hat sich eingeigelt und das niemandem verraten. Vielleicht wurden wir Leser bewusst im Dunkeln gelassen deswegen? Aber ich als Leser hätte es spannend gefunden, wenn das nach und nach heraus gekommen wäre. Vielleicht nebenbei. Stattdessen - als wäre alles noch nicht schlimm genug - Igelstacheln. (Spoiler! Und Triggerwarnung!) *** Und Missbrauch in der Familie. Gut, ok, die Missbrauchssache könnte man passend hineinbringen irgendwie. Ist auch drüber, aber man könnte es glaubhaft in den Plot einbauen. Man hätte die Mutter einfach übermäßig am Geschlecht des Kindes sein lassen können. Schon übergriffig interessiert. So, wie man es erfahren hat, war es aber irgendwie nur nochmal ein Schocker auf den letzten Seiten und verpuffte damit in der Wirkung. Das war eine reine Effekthascherei, denn es scheint ja auf Igel keine Auswirkungen gehabt zu haben. Warum ich das denke, dazu gleich nochmal... Ich mochte die Beschreibung der Intimität zwischen Igel und Sascha. An der Stelle war das Buch tatsächlich so, wie man einen Wohlfühl-LGBTQI+-Liebesroman haben möchte. Ich fand es gut, wie vorurteilsfrei Sascha war und wie sie Igel bestätigt hat, dass jeder für sich schön ist... Bodyshaming ade. Auch hier braucht es wieder ein Aber. Zuerst einmal stößt mir etwas sauer auf, dass Sascha Igel offenbar nur wegen der Intersexualität schätzt. Mir kommt ein wenig zu kurz, dass sie auch die Persönlichkeit sieht und schätzt, statt nur des Körpers. Ist es nicht auch Diskriminierung, wenn man jemanden wegen etwas auswählt? Wie Ausgrenzung, aber in die andere Richtung? Wenn jetzt Igel ein etwas schüchterner junger Mann wäre, der in Sascha verliebt ist, würde sie dann auch auf diese Weise mit ihm schlafen? (Wir lassen Saschas unbekannte sexuelle Orientierung jetzt mal außen vor.) Vermutlich ja nicht :( Außerdem fand ich, dass die Sexszene zu schnell ging. Wenn Igel wirklich sexuell missbraucht wurde durch die Mutter, dann steckt es ihm nicht tief in den Knochen, weil es trotzdem schnell zur Sache geht ohne größere Bedenken? Das wirkt auf mich nicht wie ein Missbrauchsopfer. Selbst wenn es aktiv verdrängt wird, müsste es unbewusst während des Aktes - vor allem bei der Penetration! - hochkommen. Auch das Körperargument ist nach Saschas Beteuerung schnell vergessen. Wer von uns würde sich so schnell wirklich hingeben können, wenn er sich in seinem Körper nicht wohlfühlt? Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Sex mit einer nichtbinären Person, die ihre primären Geschlechtsorgane nicht mag, so leicht so normal wird. (Spoiler 2! Und Triggerwarnung!) *** Dafür spricht ja auch, dass sich Igel selbst kurzentschlossen die Genitalien entfernen möchte. Die Verunsicherung ist also noch da. Tatsächlich hätte man hier vielleicht lieber mehrere Sexszenen eingebaut statt dieser einen, in der alles liegen sollte - jeweils an den Stellen, an denen man bemerkt, dass sie für die Beziehung entscheidend sind und etwas vorwärts geht. *** Der für mich größte Kritikpunkt ist aber das Vorgehen von Sascha und der Mercur-Bewegung. Gewalt ist keine Lösung, Sascha sagt es sogar selbst einmal! Trotzdem steigern sie sich dahinein. Regelrecht scheinheilig, weil es ja für die gute Sache ist. Für mich ist Sascha eine weiße (vielleicht mit slawischen Einschlägen, wegen des Namens), bi- oder pansexuelle Cisfrau, im Auftreten her eine "Butch" (ja, ich weiß, dass das Wort an der Stelle in seiner eigentlich Bedeutung nicht passt), die sich in dem ganzen Schubladendenken verrannt hat. Als solche ist es für sie leicht, sich hinzustellen und zu tönen, dass sie etwas für eine gute Sache tun will und Geschlechterklischees abschaffen. Hier hätte es mir besser gefallen, wenn Sascha tatsächlich, wie anfangs von mir vermutet trans* gewesen wäre. Egal auf welchem Stadium des Weges. In der Situation hätte sie nach meinem Empfinden viel Gutes für Igel bewirken können. Sie hätte zeigen können: Für mich ist es noch schwerer, ich bin ganz und gar im falschen Körper. Aber du, du hast die Anlagen für beides und kannst dich frei entscheiden, was du möchtest. Und wenn du nichts willst, sondern dich mit dem Status quo arrangierst, ist es auch ok. So wirkt es aber nur, als würde sie Igel sowohl manipulieren, als auch benutzen. Und das ist für mich ein No-Go. Und das ist das Problem, was ich mit Sascha und den anderen habe: Sie verlieren sich in völlig unnötigen Details, über die sie sich nicht einmal untereinander einig werden. Statt Toleranz schüren sie nur noch mehr Vorurteile. Und statt die Chance zu ergreifen und Igel zu helfen. Igel wirklich zu helfen, zu sich selbst zu finden, herauszufinden wer Igel sein möchte ... machen sie ihn nieder, weil er nicht so mitmachen möchte. Warum? Igel hat genug eigene Probleme. Igel gibt selbst zu, dass er die Leute von Mercur in er und sie einteilt. Am Anfang hat mich das Misgendering immer zusammenzucken lassen ... aber klar, ich als Leser mache das auch. Muss es machen, weil unsere Sprache noch gar nicht so weit ist, dass es geschlechtsneutrale Anreden gibt. Die Sprache ist ein Problem, das Igel nicht wird lösen können. Auch die Mercurbewegung nicht. Also wieso giften sie dann an Igel rum? Niemand bringt einen Lösungsvorschlag, alle benennen nur Probleme und schreien sich gegenseitig an. Das bringt mich zu dem Punkt, wo ich ein Problem sehe. Nämlich eine Zielgruppe zu finden für das Buch. Es gibt Stellen, die triggern könnten. Triggern kann sogar ziemlich viel an dem Buch. Da müsste man aufpassen (Vergewaltigung. Selbstverletzung.). Man müsste aufpassen, dass man keinen Nerv trifft, der Jugendliche radikalisiert. Als erwachsener Leser vermute ich, dass das Buch einfach provozieren soll. Dass man merken soll, dass Saschas Weg der falsche ist. Aber ob das bei jemandem ankommt, der sich angesprochen und mitgerissen fühlt, so wie Igel in der anfänglichen Naivität? Schwierig. Es bleibt ein durchwachsendes Gefühl am Ende des Buches... Obwohl ich es für mich persönlich nicht schlecht fand und gerne gelesen habe, gab es halt auch durchaus einige Punkte, über die ich mir auch Tage später noch Gedanken mache und die mir Angst machen. Damit entschuldige ich mich für den halben Roman Rezension ;)

Kundenbewertungen

Durchschnitt
3 Bewertungen
Übersicht
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Leicht zu lesen, aber dennoch herausfordernd
von einer Kundin/einem Kunden aus Essen am 06.05.2020

Der Roman "Nenn mich einfach Igel" liest sich so weg, aber durch die Bilder, die Thematik, das Durchbrechen der Gattungen regt er dennoch zum Nachdenken an. Was ich vor allem faszinierend fand: Der Roman ist auf mehrfache Weise ein Schwellenroman. Ich würde ihn zwischen Jugend- und Erwachsenenroman einordnen, zwischen Prosa, Lyr... Der Roman "Nenn mich einfach Igel" liest sich so weg, aber durch die Bilder, die Thematik, das Durchbrechen der Gattungen regt er dennoch zum Nachdenken an. Was ich vor allem faszinierend fand: Der Roman ist auf mehrfache Weise ein Schwellenroman. Ich würde ihn zwischen Jugend- und Erwachsenenroman einordnen, zwischen Prosa, Lyrik und Dramatik (jedoch hauptsächlich Prosa), zwischen realer Geschichte und phantastischer. Und auch die Hauptfigur ist halb jugendlich, halb erwachsen, halb Mann, halb Frau.


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