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Es klopft

Roman

Franz Hohler

(13)
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Beschreibung


Wie das Unerwartete das Leben beherrscht...

Das Leben hat es gut gemeint mit Manuel Ritter. Der erfolgreiche HNO-Spezialist ist glücklich verheiratet und Vater zweier Kinder. Bis sich eines Tages ausgerechnet bei ihm ein lästiger Tinnitus einstellt. Seitdem klopft es in seinem Ohr, und mit jedem Klopfgeräusch kommt die Erinnerung an einen längst vergangenen Fehltritt wieder, dessen Folgen ihn plötzlich einzuholen drohen.

Gerade hat der Hals-Nasen-Ohren Arzt Manuel Ritter nach einem Ärztekongress in seinem abfahrenden Zug Platz genommen, da klopft eine fremde Frau gegen das Fenster seines Abteils, als wolle sie ihm noch etwas Wichtiges sagen. Wenig später steht diese Fremde überraschend in seiner Praxis und hat einen unerhörten Wunsch, und Manuel Ritter kann sich, nachdem diese Frau wieder weg ist, fast nicht erklären, was mit ihm geschehen ist.

Über zwanzig Jahre sind seither vergangen, doch auf einmal wird das, was damals passierte, für Manuel Ritter wieder lebendig. Seit sein Sohn mit einer neuen Freundin zum ersten Mal bei ihm zu Besuch war, leidet er sogar unter zunehmend stärker werdenden Ängsten. Irgendetwas schwer zu Greifendes geschieht, denn die Freundin des Sohnes erinnert ihn auf eine merkwürdige Weise an die Frau von damals. Seitdem nimmt er in seinem Ohr Geräusche wahr, die außer ihm niemand hört: es klopft. Die alte Geschichte will ihn anscheinend nicht zur Ruhe kommen lassen.

Franz Hohler hat einen Roman voller Spannung und abgründiger Wendungen geschrieben. Sein Manuel Ritter verteidigt seine Biographie gegen alle Einbrüche des Unerwartbaren und Irrationalen. Er liebt das vermeintlich »normale« Leben und mag vor dem Unbekannten nicht kapitulieren. Dennoch üben die dunklen Kräfte des Lebens einen höchst verführerischen Sog auf ihn aus. Ein Sog, der auch den Leser von der ersten Seite an immer stärker in seinen Bann zieht.

„Mit Sinn für Wortwitz und Spannung hat der renommierte Schweizer Autor aus einer kleinen, geradlinigen Handlung eine aktuelle und sehr anrührende Geschichte konstruiert.“

Franz Hohler wurde 1943 in Biel, Schweiz, geboren. Er lebt heute in Zürich und gilt als einer der bedeutendsten Erzähler seines Landes. Hohler ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Alice-Salomon-Preis und dem Johann-Peter-Hebel-Preis. Sein Werk erscheint seit über vierzig Jahren im Luchterhand Verlag.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 174
Erscheinungsdatum 20.08.2007
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-630-87266-7
Verlag Luchterhand
Maße (L/B/H) 20,4/13,3/1,9 cm
Gewicht 277 g

Buchhändler-Empfehlungen

Dorothea Bereswill, Thalia-Buchhandlung Sindelfingen

Der beste Hohler schlechthin. Und ich liebe jeden einzelnen! Ein HNO- Arzt hat plötzlich auch Tinnitus, den er sonst bei seinen Patienten behandelt. Und das alles, weil es an seiner Tür klopft... Unbedingt lesen!

Christine Pajak, Thalia-Buchhandlung Lutherstadt Wittenberg

Spannend u. schnörkellos zeigt "Es klopft" wie sich ein Fehltritt ins Gewissen schleicht u. dort festsetzt. Mit der unausweichlichen Wendung am Ende, will man gleich nochmal lesen.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
13 Bewertungen
Übersicht
6
4
3
0
0

von einer Kundin/einem Kunden aus Erlangen am 16.03.2016
Bewertet: anderes Format

Das ist köstlich! Ein echtes Schätzchen. Viel zu schade, um es schnell zu lesen!

Überraschend wie das Leben
von einer Kundin/einem Kunden aus Schweiz am 07.02.2012
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Das Leben hat viele Geheimnisse. Faszinierend, wie Franz Hohler damit spielt und wir eine wirklich überraschende, packende Geschichte lesen dürfen.

Spannend bis zum letzten Satz...
von Helena Benade-Bruhin aus Rehoboth, Namibia am 29.01.2012
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Wau, kann ich nur empfehlen. Sowas kann im Leben passieren... und man fühlt so richtig mit. Total spannend und mit vielen Überaschungen...


  • Artikelbild-0
  • Seit einer Stunde lag er im Bett und konnte nicht einschlafen. Auf dem R¿cken nicht, auf dem Bauch nicht, auf der linken Seite nicht, und auf der rechten auch nicht. Das war ihm schon lange nicht mehr passiert. Er war neunundf¿nfzig, und gew¿hnlich war er am Abend so m¿de, dass er, nachdem er im Bett noch ein paar Zeilen in einem Buch gelesen hatte, die Nachttischlampe l¿schte, der Frau an seiner Seite einen Gute-Nacht-Wunsch zumurmelte und nach wenigen Atemz¿gen einschlief. Erst wenn ihn seine Blase um zwei oder drei Uhr weckte, konnte es vorkommen, dass er den Schlaf nicht gleich wieder fand, dann stand er auf, nahm das Buch in die Hand und schlich sich leise aus dem gemeinsamen Schlafzimmer in seinen Arbeitsraum, bettete sich dort auf seine Couch und las so lange, bis ihm die Augen zufielen.
    Er dachte an den morgigen Tag, es war ein Montag, das hie¿ dass ihn eine volle Praxis erwartete. Um halb elf waren sie beide zu Bett gegangen, nun zeigten die Leuchtziffern seiner Uhr schon fast Mitternacht, und er sah seine Ruhezeit dahinschrumpfen, denn morgens um sechs w¿rde mitleidlos der Wecker klingeln. Aufstehen und ins Arbeitszimmer wechseln, mit dem Buch in der Hand? Er f¿rchtete, dadurch seine Frau zu wecken, und er f¿rchtete ihre Frage, ob er nicht schlafen k¿nne. Warum, w¿rde sie dann fragen, warum kannst du nicht schlafen? Dann m¿sste er zu einer Notl¿ge greifen. Manchmal, wenn ihm ein Behandlungsfehler unterlaufen war oder wenn sich eine folgenschwere Komplikation eingestellt hatte, was zum Gl¿ck selten vorkam, stand der Patient nachts pl¿tzlich vor ihm mit seinem ganzen Ungl¿ck und wollte ihn nicht in den Schlaf entlassen. F¿r solche F¿e hatte er ein Sch¿telchen Rohypnol in seiner Hausapotheke, aber er hasste es, wenn er sich bet¿en musste, und zudem war er mit der Dosierung nie ganz sicher. Nahm er eine ganze Tablette, schlief er zwar gut ein, hatte aber gro¿ M¿he mit dem Erwachen und musste noch lange in den Vormittag hinein mit der Wirkung k¿fen, nahm er nur eine halbe Tablette, reichte diese unter Umst¿en nicht zum Schlafen und gab ihm dennoch am n¿sten Morgen ein dumpfes Gef¿hl. Es hing von der Schwere des Problems ab, ob er die ganze oder die halbe Pille schluckte.
    Und heute handelte es sich um ein schweres Problem.
    Schlie¿ich stand er leise auf und ging ins Badezimmer. Er nahm seine Zahnb¿rste aus dem Glas, wusch es aus, f¿llte es mit Wasser und nahm eine Rohypnol-Tablette aus der Wandapotheke. Einen Moment lang betrachtete er sie, dann stieg er die Treppe hinauf in sein Arbeitszimmer, das Glas in der einen, die Tablette in der andern Hand. Im sp¿ichen Streulicht, das von drau¿n hereinfiel, ging er vorsichtig zum Schreibtisch, stellte das Glas ab, legte die Pille daneben und dr¿ckte den Schalter der Tischlampe.
    Dann lehnte er sich zur¿ck und dachte nach.
    Wann genau war es gewesen? Vor 22 oder vor 23 Jahren? Er hatte es fast nicht begriffen damals, von sich selbst nicht begriffen. Nach und nach hatte er sich daran gew¿hnt, dass es geschehen war; ¿ern konnte er es ohnehin nicht mehr, erz¿t hatte er es niemandem, die fortschreitende Zeit schob es jeden Tag etwas st¿er in den Hintergrund, und so hatte er es schlie¿ich f¿r verj¿t gehalten. Heute war ihm auf einmal klar geworden, dass es eine Verj¿ung zwar in der Justiz geben mochte, niemals aber im Leben. Er mochte in mancher Hinsicht ein anderer gewesen sein seinerzeit, aber auf seiner Identit¿karte stand immer noch derselbe Name, Manuel Ritter, und diese seine Identit¿wurde jetzt aufgerufen. Er hatte anzutreten vor seiner eigenen Verantwortung, die hinter dem Gerichtspult sa¿und mit einem H¿erchen auf den Tisch schlug, wenn er zu seiner Verteidigung ausholte.
    Er atmete tief ein und ¿ffnete die Schublade seines Schreibtischs. Das alles war so lange her, dass er nicht mehr genau wusste, wo er den Umschlag aufbewahrt hatte.
    Er zog unter Dokumenten wie seinem Dienstb¿chlein, seinem Impfausweis und seinen Arbeitszeugnissen die Kopien seiner Diplome als Arzt und als Facharzt hervor, deren Originale in seiner Praxis hingen, und legte alles auf den Schreibtisch. Als er ein B¿ndelchen Briefe in der Hand hielt, trat seine Frau ein und legte ihm die Hand auf die Schulter.
    ¿Julia¿, sagte er, ¿du hast mich erschreckt.¿
    ¿Schau mal an¿, sagte sie, ¿meine Briefe.¿ Sie fuhr ihm mit der Hand ganz leicht ¿ber die Haare. ¿Besch¿igt es dich, dass unser Sohn so verliebt ist?¿
    ¿Tats¿lich¿, sagte er, ¿es ist ¿ es ist irgendwie eigenartig, dass wir eine ganze Generation vorger¿ckt sind.¿
    Heute hatte ihr Sohn zum ersten Mal seine neue Freundin nach Hause gebracht, von der er ihnen schon eine Weile vorgeschw¿t hatte.
    ¿Und¿, fragte sie, ¿was hab ich dir geschrieben?¿
    L¿elnd schaute sie auf die Briefe mit ihrer Schrift und den Briefmarken mit dem spanischen K¿nig.
    ¿Das wollte ich gerade ¿ das m¿chte ich lieber alleine lesen¿, sagte er.
    Sie legte ihm die Hand wieder auf die Schulter.
    ¿Hoffentlich kannst du dann noch schlafen¿, sagte sie.
    Er griff nach ihrer Hand.
    ¿Hast du denn auch noch die Briefe von mir?¿ fragte er.
    ¿Selbstverst¿lich¿, sagte sie, ¿aber vielleicht schluckst du doch besser deine Pille. Gute Nacht, Lieber.¿ Sie beugte sich ¿ber ihn und k¿sste seinen Nacken.
    Er lehnte sich zur¿ck und hielt ihren Kopf mit beiden H¿en.
    ¿Gute Nacht, Julia¿, sagte er.
    Als sie sein Zimmer verlassen hatte, f¿hlte er sich so allein, wie als Kind, wenn seine Mutter die T¿r hinter sich zugezogen hatte und er im Bett die Nacht erwartete.
    Dann schluckte er die ganze Tablette und trank das Glas Wasser leer.
    Es waren nicht die Briefe, die er gesucht hatte.
    Es war etwas anderes. Es war das einzige ¿erbleibsel einer Geschichte, die ihm pl¿tzlich wieder so lebhaft vor Augen stand, als sei sie gestern geschehen.
    Am 5. Mai 1983 betrat Manuel Ritter auf dem Bahnhof Basel ein Erstklassabteil des Zuges nach Z¿rich. Sobald er zwei freie Sitze sah, stellte er sein K¿fferchen auf den einen, zog seinen Regenmantel aus, h¿te ihn an den Haken dar¿ber und setzte sich dann, etwas keuchend. Er hatte sich versp¿t, aber beim Betreten der Bahnhofshalle war ihm auf der gro¿n Abfahrtstafel aufgefallen, dass der Zug, der eigentlich schon h¿e weg sein m¿ssen, doch noch nicht abgefahren war, und mit einem Laufschritt war er durch die Unterf¿hrung auf den Perron geeilt und eingestiegen.
    Als sich der Wagen nun in Bewegung setzte, klopfte es von drau¿n an sein Fenster, und eine Frau blickte ihn an, eindringlich, fast hilfesuchend, machte noch ein paar Schritte in der Fahrtrichtung, dann war sie aus seinem Gesichtsfeld verschwunden.
    Das ¿ere Paar auf der andern Seite des Mittelgangs schaute leicht verwundert her¿ber, Manuel zuckte l¿elnd die Achseln und sch¿ttelte den Kopf dazu.
    Dann lehnte er sich zur¿ck, und w¿end sich der Zug ¿ber verschiedene Weichen schob, als m¿sse er sich seinen Weg aus der Stadt suchen, streckte ihm von einer H¿erwand ein Cowboy seine durchl¿cherten Schuhe entgegen, mit denen er meilenweit f¿r eine Zigarette gegangen war.
    Schon wurde die Minibar hereingezogen, und ein fr¿hlicher S¿dl¿er rief ¿Caf¿Tee, Mineral!¿ durch den Wagen. Manuel konnte nicht widerstehen. Obwohl er heute sein Ma¿an Koffein schon konsumiert hatte, lie¿er sich einen Kaffee einschenken. Er bereute es schon nach dem ersten Schluck, lie¿eine Weile die ganze H¿lichkeit der Autobahnverschlingungen, Schallschutzw¿e und B¿rohochh¿er an sich vorbeiziehen, ¿ffnete dann sein K¿fferchen und holte eine Mappe mit Unterlagen heraus. Er war Hals-, Nasen-, Ohrenarzt, hatte seit drei Jahren eine eigene Praxis und kam von einem Symposium ¿ber Tinnitus. Zwei englische ¿zte hatten am Vormittag ¿ber ihre Arbeit mit Elektrostimulation berichtet, und am Nachmittag waren neue Ergebnisse medikament¿ser Therapien vorgestellt und diskutiert worden. Auf beiden Gebieten hatte er wenig Ermutigendes geh¿rt. Er schaute noch einmal die Tabellen mit den Prozentzahlen an und nahm die Stimme des Kondukteurs erst wahr, als sich dieser zu ihm herunterbeugte. W¿end er seine entwertete Fahrkarte zur¿ckerhielt, wurde an ihn offensichtlich noch eine Frage gerichtet, und auf sein ¿Bitte?¿ wurde die Frage wiederholt, n¿ich ob er sich noch nie den Kauf eines Halbtaxabonnements ¿berlegt habe. Manuel murmelte, er fahre fast nie Zug, worauf ihm der Kondukteur, ein junger Blonder mit einem Ringlein im linken Ohr, entgegnete, es gen¿gten schon drei solcher Fahrten innerhalb eines Jahres, damit es sich rentiere, und er gebe ihm hier einen Prospekt.
    Manuel nickte und las dann statt der Tabelle den Prospekt, der ihm nebst sch¿nsten Landschaften auch alle m¿glichen Sonderaktionen und St¿erabatte verhie¿ auf die einzugehen er keinen Anlass sah. Er fuhr mit seiner Frau und den Kindern regelm¿g in eine Ferienwohnung im Engadin, das war sein Erholungsort im Sommer und im Winter, und wenn man eine Familie mit ihrer ganzen Winterausr¿stung transportieren musste, war die Bahn f¿r diese Reisen nicht geeignet. Gestern Abend hatte er seinen Wagen zum Service gebracht, deshalb hatte er heute nach Basel den Zug genommen, aber bei seiner Heimkehr w¿rde das Auto bereits wieder vor seinem Haus stehen, auf seinen Garagisten war Verlass.
    Als er erwachte, fuhr der Zug in Z¿rich ein. Rasch versorgte er die ungelesene Mappe in seinem K¿fferchen, lie¿den Halbtaxprospekt liegen, nahm seinen Mantel ¿ber den Arm, stieg aus und begab sich dann zum Gleis 11, auf dem die Z¿ge vom rechten Ufer des Z¿richsees ankamen und abfuhren. Obwohl er in Basel mit Versp¿ng abgereist war, erreichte er noch den Anschluss, den er seiner Frau f¿r die R¿ckkehr angegeben hatte. Gerade kam der Zug an und entlie¿beachtliche Menschenmengen. Es ging gegen acht Uhr abends, die Stadt stie¿ihren Lockruf aus, der bis weit in die Orte der Umgebung drang und Vergn¿gungen versprach, die es dort drau¿n in dieser Dichte nicht gab, Filme, Musik, Tanz, Frauen, unberechenbares Leben.
    Der Drang zur Stadt hin war gr¿¿r als der, sie zu verlassen, und der Wagen, den Manuel bestieg, war halb leer. Goldk¿stenexpress war der Scherzname des Zuges, der aus lauter roten Wagen bestand und nur am rechten Z¿richseeufer verkehrte, welches als Wohnsitz des wohlhabenden Teils der Bev¿lkerung bekannt war. Als Manuel und Julia geheiratet hatten, lebten sie noch in einer Dreizimmerwohnung in Z¿rich, doch vor drei Jahren konnten sie ein Haus in Erlenbach beziehen und geh¿rten somit auch zur Goldk¿ste, ob ihnen das passte oder nicht. Vor allem Julia hatte manchmal etwas M¿he damit. Manuel schaute zum Fenster hinaus auf den Bahnsteig.
    Die Frau in Basel, was hatte sie von ihm gewollt? Hatte sie ihn gekannt? Die Situation, dass ihn jemand gr¿¿e, den er selbst nicht kannte, war ihm nicht ganz neu, manchmal handelte es sich um ehemalige Patienten, die er blo¿zwei- oder dreimal gesehen hatte, und heute w¿end der Tagung hatte ihn eine Kollegin aus seiner ersten Assistenzzeit angesprochen, die sich erst wieder vorstellen musste, bis er wusste, wer sie war. Solche Begegnungen waren ihm peinlich, er w¿ gern derjenige gewesen, der die andern mit seinem Ged¿tnis in Verlegenheit gebracht h¿e und in dessen Hirn die Menschen, mit denen er im Leben zu tun gehabt hatte, bereit sa¿n wie in einem gro¿n Wartezimmer, so dass er sie jederzeit mit ihrem Namen aufrufen konnte.
    Den Gedanken, die Frau k¿nnte bei der Tagung gewesen sein, verwarf er bald wieder, er konnte sich an kein solches Gesicht erinnern, und auch eine Patientin ihres Aussehens kam ihm nicht in den Sinn. Dunkle Haare hatte sie gehabt, reichlich, hinten irgendwie hinaufgebunden, und ein kleines rotes Band ¿ber den Fransen. Ihre Augen? Ebenfalls dunkel, zwischen braun und schwarz, und ihr Blick war nicht nur bittend, er war auch selbstbewusst, fordernd fast, als ob es um einen Notfall ginge. Aber woher sollte sie wissen, dass er Arzt war? Eine Engadinerin, die ihn aus den Ferien kannte? Das Ph¿men, dass einem ein Mensch, den man immer nur hinter dem Ladentisch oder hinter einer Empfangstheke sah, seltsam fremd vorkam, wenn er einem in Freiheit begegnete, war ihm vertraut. Dennoch konnte er die Frau weder einem Gesch¿ noch einem Restaurant zuordnen. Wenn sie ihn jedoch ganz und gar nicht kannte, was wollte sie denn von ihm? War ihm vielleicht etwas heruntergefallen, als er durch den Bahnhof gerannt war? Doch er vermisste nichts, und sie hatte auch nichts in den H¿en gehabt.
    H¿e er irgendwie reagieren k¿nnen? Um das Fenster zu ¿ffnen, war er zu verbl¿fft gewesen, und f¿r eine Bet¿gung der Notbremse war die Episode zu wenig dramatisch. Etwas daran gefiel ihm auch, es war wohl die Tatsache, dass eine durchaus anziehende Frau, ungef¿ in seinem Alter, unbedingt etwas von ihm wollte. W¿ es umgekehrt gewesen, h¿e die Frau im Zug gesessen und w¿ er auf dem Bahnsteig gestanden und h¿e an die Scheibe geklopft, w¿ es das gewesen, was man eine Anmache nannte. War es m¿glich, dass diese Frau ihn anmachen wollte? Was gab das f¿r einen Sinn, da doch der Zug schon fuhr? War es purer ¿ermut, oder war es Verzweiflung? Wurde sie verfolgt und suchte Hilfe? Sollte er gar die Polizei in Basel benachrichtigen? War sie manisch? Aus einer psychiatrischen Klinik davongelaufen? Oder hatte sie ihn einfach mit jemand anderem verwechselt?
    Manuel erschrak, als es an die Scheibe klopfte. Seine Frau stand mit dem kleinen Thomas an der Hand auf dem Perron in Erlenbach, und mit ein paar S¿en gelang es ihm gerade noch, die T¿r zu erreichen und auszusteigen, bevor der Zug nach Herrliberg weiterfuhr.
    ¿Julia¿, sagte er lachend und k¿sste sie auf die Wange, ¿das war knapp.¿ Dann nahm er Thomas auf den Arm: ¿Und du bist auch gekommen, Thomi? Das ist aber lieb.¿
    ¿Miam schl¿¿, sagte Thomas.
    ¿Woran hast du denn gedacht?¿ fragte Julia, ¿du warst ganz versunken.¿
    ¿An die Tagung¿, sagte Manuel, ¿es war sehr interessant.¿
    Julia ¿ffnete den Renault auf dem Bahnhofparkplatz; auf dem R¿cksitz lag die einj¿ige Mirjam in einer Babytrage und schlief.
    ¿Miam schl¿¿, sagte Thomas laut.
    ¿Pssst¿, sagte sein Vater und hielt einen Finger an die Lippen. Julia hob den Buben in sein Kindersitzchen und versuchte leise die T¿r zu schlie¿n, aber dennoch konnte sie einen kleinen Knall nicht vermeiden, der gerade stark genug war, Mirjam zu wecken. Die begann zu weinen.
    ¿Miam wach¿, sagte Thomas.
    ¿Macht nichts¿, sagte Manuel, der vorne eingestiegen war, lehnte sich ¿ber seinen Sitz nach hinten und sagte: ¿Mirjam, schau wer da ist! Miri, Miri, Miri!¿ Dazu bewegte er winkend seine Finger und zwinkerte ihr zu.
    Aber Mirjam schaute nicht, wer da war, sondern beharrte weinend auf ihrem Unbehagen.
    ¿Wir sind bald zu Hause!¿ rief die Mutter nach hinten und startete den Motor. Mirjam fuhr fort zu weinen.
    ¿Miam still!¿ befahl ihr Thomas.
    ¿Aber Thomas, so lass sie doch weinen, wenn sie will¿, sagte Julia leicht gereizt und bat dann ihren Mann, der Kleinen den Nuggi zu geben, der bestimmt irgendwo in ihrer Trage war.
    Manuel angelte mit seinem Arm ¿ber Julias R¿cklehne nach hinten, ohne den Schnuller zu finden.
    ¿Ich glaube, du musst anhalten¿, sagte er.
    ¿Ach nein¿, sagte sie, ¿es dauert ja nicht lang.¿
    Mirjam kr¿e.
    ¿Miam still sein!¿ kam es von hinten.
    Manuel versuchte ein Machtwort: ¿Aber Thomas soll auch still sein.¿ Das war zuviel f¿r diesen.
    ¿Toma nicht still!¿ schrie er und begann nun ebenfalls zu weinen, trotzig und zw¿elnd, und so fuhr der dunkelgr¿ne Wagen bergauf, mit wechselndem Motorenger¿ch und stetigem Kindergeheul; Vernunft und Unvernunft waren gleichm¿g ¿ber die vier Wesen im fahrenden Geh¿e verteilt, die vern¿nftigen hatten beide ein Studium hinter sich und besch¿igten sich heute mit der Struktur des Innenohrs und den Lautverschiebungen vom Lateinischen zum Spanischen, und sie verstanden nicht, warum sich die unvern¿nftigen ausschlie¿ich mit ihrem Missbehagen besch¿igten.
    Langsam wurden sie von ihrem franz¿sischen Auto auf den schweizerischen H¿gelzug hochgetragen, den der Linthgletscher vor zehntausend Jahren bei seinem R¿ckzug in die Berge als Seitenmor¿ hatte liegen lassen und der heute ¿bers¿war mit Terrassensiedlungen, Villen und Einfamilienh¿ern, ¿ber deren Z¿e sich bl¿hende Flieder-, Rhododendron- und Schneeballb¿sche neigten und aus deren G¿en aufsteigende Grillr¿hlein und das Brummen elektrischer Rasenm¿r einen friedlichen Abend Anfang Mai verk¿ndeten. Am fr¿hen Morgen, als Manuel weggegangen war, hatte es noch geregnet, jetzt warfen gerade die letzten Sonnenstrahlen ihre ¿berlangen Schatten auf D¿er, B¿e und Baugespanne, und alles lag wie frisch gereinigt da.
    Um ihre Garageneinfahrt zu erreichen, musste man von einer ansteigenden Nebenstra¿ scharf links abbiegen und ein kurzes St¿ck steil hinunterfahren. Thomas und Mirjam, die immer noch unerl¿st auf dem R¿cksitz jammerten, w¿rden sie sp¿r ¿das H¿llentor¿ nennen.
    ¿er der Einfahrt und ¿ber der bergseitigen Mauer verwehrte dichtes Busch- und Strauchwerk den Blick auf das Rittersche Wohnhaus.
    Es war in den drei¿ger Jahren so an den Hang gebaut worden, dass das unterste Geschoss nur die halbe Fl¿e der zwei oberen Etagen aufwies. Die Tiefgarage war erst sp¿r hinzugekommen, was zur Folge hatte, dass der abfallende Garten nun durch eine ebene begr¿nte Fl¿e unterbrochen wurde, die einmal ein beliebter Spielplatz der Kinder werden sollte.
    Ein turmartiger Vorbau auf der einen Seite des Hauses mit Erkerfenstern in jedem Stock war ein Versuch des Architekten gewesen, den Verdacht auf Biederkeit abzuwenden. Der Balkon im zweiten Stock war etwas zu eng, ihm fehlte, und das lie¿sich auch vom ganzen Haus sagen, ein St¿ck wirkliche Gro¿¿gigkeit. Julia hatte einmal gesagt, es sei wie ein Angestellter in einem etwas zu knappen Sonntagsanzug. Sie liebte solche Vergleiche.
    Trotzdem, es bot gen¿gend Platz f¿r sie alle, und das hatte sie, als sie vor drei Jahren m¿glichst rasch etwas brauchten, ¿berzeugt.
    Sie hatten das Haus kurz nach der Geburt von Thomas gemietet, als ihnen die Wohnung in Z¿rich zu eng wurde. Die Besitzerin war ins Altersheim gezogen, und niemand von ihrer Familie wollte es bewohnen. Ihr ¿erer Sohn, der die
    Liegenschaft verwaltete, hatte jedoch durchblicken lassen, es sei nur eine Frage der Zeit, bis sie diese verkaufen w¿rden, ihre Mutter h¿e momentan noch zu sehr daran, und im Mietvertrag war auch eine Klausel mit einem Vorkaufsrecht enthalten. Manuel war damals noch Oberassistent gewesen, seine Frau unterrichtete an der Kantonsschule Wetzikon Italienisch und Spanisch mit einem halben Pensum, und so war ihnen diese Abmachung sehr entgegengekommen. F¿r den Kauf eines Hauses h¿en sie die Mittel nicht gehabt. Ein Jahr sp¿r konnte Manuel eine Praxis ¿bernehmen, was nochmals mit Investitionen verbunden war, und zwei Jahre danach kam Mirjam auf die Welt. Nach weiteren drei Jahren war es dann soweit, dass sie das Haus erwerben konnten, aber das wussten sie jetzt, als sie auf das Tor zufuhren, noch nicht.
    Julia hielt an, w¿end sie die Garage mit der Fernbedienung ¿ffnete, und Manuel stieg aus, um seinen Kombi zu holen, der beim oberen Eingang ihres Hauses am Stra¿nrand stand.
    Als Manuel seinen Wagen behutsam zwischen dem seiner Frau und der Reihe von Skis und Schlitten an der Wand parkiert hatte, war Julia mit den Kindern schon ausgestiegen, und Thomas kniete neben der Trage am Boden.
    ¿Miam still¿, sagte er und zeigte seinem Vater sein Schwesterchen, das nun zufrieden am Schnuller saugte.
    ¿Und Thomas?¿ fragte Manuel.
    ¿Toma auch still.¿
    ¿Brav¿, sagte Manuel und nahm die Trage mit seiner kleinen Tochter in die rechte Hand. In der linken trug er seine Mappe, ¿ber die er noch den Regenmantel geworfen hatte.
    ¿Papi Hand geben¿, verlangte sein Sohn.
    Papi verwies ihn auf Mamis freie Hand, aber Thomas lehnte ab.
    ¿Papi Hand geben¿, wiederholte er und blieb stehen, w¿end sich sein Vater schon zur T¿re begeben hatte.
    ¿Papi hat nur zwei H¿e¿, sagte Julia und streckte ihm ihre Hand hin, ¿komm mit Mami.¿
    Aber Thomas war offenbar nicht zu Kompromissen aufgelegt und forderte erneut Papis Hand.
    Manuel fragte Julia, ob sie seine Mappe und den Regenmantel nehmen k¿nne, und Julia antwortete, man sollte dem Kleinen nicht immer seinen Willen lassen, und er k¿nne gewiss auch mit ihrer Hand zufrieden sein, worauf sich Thomas auf den Garagenboden setzte und seine Hand heulend zur¿ckzog, als sie seine Mutter ergreifen wollte.
    ¿Dann bleib halt hocken!¿, sagte Julia zu ihm und ging ebenfalls zur T¿re.
    Manuel hatte diese unterdessen mit dem linken Ellbogen ge¿ffnet und hielt sie mit dem Fu¿auf. ¿Und jetzt?¿ fragte er seine Frau, die begann, die Treppe hochzusteigen.
    Er solle wirklich hocken bleiben, sagte sie und stieg unger¿hrt weiter, der mache sie heute so was von fertig.
    Seufzend blockierte Manuel die T¿r mit seiner Mappe, ging zu seinem quengelnden Sohn und nahm ihn unsanft bei der Hand.
    ¿So, Schluss jetzt, steh auf¿, herrschte er ihn an, was dieser damit quittierte, dass er auf den Knien blieb.
    Als auch eine zweite Aufforderung nichts fruchtete, schleifte ihn der Vater ¿ber einen ¿fleck, den er zu sp¿sah, zur T¿r, welche inzwischen die Mappe an die Schwelle gedr¿ckt hatte, w¿end ein St¿ck des Regenmantels unter dem Spalt eingeklemmt war.
    Auch in der Trage regte es sich, denn Mirjam hatte ihren Schnuller wieder verloren, und, durch das Gebr¿ll ihres Bruders angestachelt, begann auch sie wieder zu kr¿n.
    ¿Julia!¿ rief Manuel die Treppe hinauf, ¿kannst du nicht schnell kommen?¿
    Aber Julia machte keine Anstalten zu kommen, gab nicht einmal Antwort auf seinen Hilferuf, der irgendwo in der Dreist¿ckigkeit des Hauses verloren gegangen war.
    Und so schleppte der Oto-Rhino-Laryngologe seine beiden kleinen Feinde der Vernunft allein die Garagentreppe hoch und fragte sich, wie das alles gekommen war und was er sich da eingehandelt hatte auf seinem Weg der medizinischen Erkenntnisse, der Forschung und der Heilung.
    Es war etwa eine Woche sp¿r, und ein anstrengender Tag n¿rte sich seinem Ende. Manuel hatte sich in Herrn Dr. Ritter verwandelt, hatte in H¿e, Nasen und Ohren geschaut, hatte entz¿ndete Stimmb¿er, gekr¿mmte Nasenscheidew¿e und ger¿tete Mandeln begutachtet, Audiogramme erstellt, Antibiotika verschrieben, einen H¿rsturz behandelt, einen Tinnitus besprochen und ein Kehlkopfkarzinom entdeckt und war dabei in R¿ckstand auf seinen Stundenplan geraten. Gerade hatte er in seiner letzten Konsultation des Nachmittags eine schwerh¿rige alte Patientin wegen eines H¿rapparats zur H¿rberatung weitergewiesen, mit der er zusammenarbeitete, als Frau Riesen, seine Praxishilfe eintrat, bereits in der Stra¿nkleidung, und ihn fragte, ob es in Ordnung sei, wenn sie jetzt in ihre Weiterbildung gehe. Selbstverst¿lich, sagte er, es sei ja niemand mehr da.
    Doch, sagte die Arztgehilfin, gerade sei noch eine Frau gekommen, die sich nicht habe wegschicken lassen. Sie wolle ihm von der Tinnitus-Tagung etwas bringen, es dauere nicht lang, habe sie gesagt, und sie sitze jetzt im Wartezimmer. Annette Riesen war die j¿ngere seiner beiden Praxishilfen, eine m¿henhafte Frau mit einem Pagenschnitt, die immer l¿elte und etwas M¿he hatte, die Autorit¿ die ihrer Stelle zukam, auch auszu¿ben.
    Dr. Manuel Ritter war erstaunt. Ob das eine Pharmavertreterin war, die ihm das Medikament mit der bescheidenen Erfolgsquote anh¿en wollte? Oder wollte sie ihn dazu bewegen, bei weiteren Applikationsversuchen mitzumachen? Jedenfalls war er entschlossen, auf nichts Derartiges einzugehen.
    Er ¿bergab seiner alten Patientin den Zettel mit der Adresse der H¿rberatung, die er in Blockschrift geschrieben hatte, begleitete sie in den Korridor, half ihr in den Mantel, verabschiedete sich und ¿ffnete ihr die T¿r.
    Dann ging er zum Wartezimmer, das offenstand, und erschrak.
    Unter seinen goldgerahmten eidgen¿ssischen Diplomen sa¿ mit ¿bereinandergeschlagenen Beinen, eine Frau in einer leichten, hellen Bluse und einem schwarzen J¿chen, mit einer ¿ppigen Halskette, einem roten Stirnband und nach hinten aufgebundenen Haaren, und es war ohne Zweifel die Frau, die in Basel an die Scheibe seines Zugs geklopft hatte. Da sa¿sie und schaute ihn an, mit denselben dunklen Augen und mit demselben eindringlichen Blick.
    Er z¿gerte einen Moment, dann sagte er, immer noch unter der T¿r, ¿Guten Tag, Frau
    ¿Wolf¿, sagte sie, ¿Eva Wolf¿, und machte keine Anstalten, sich zu erheben.
    ¿Bitte¿, sagte er und machte ihr das ¿Darf ich Sie in das Sprechzimmer bitten¿-Zeichen. Normalerweise hielt er dazu in der linken Hand die Patientengeschichte, die ihm die Praxishilfe bereit gemacht hatte, und winkelte die rechte einladend in Richtung Korridor ab. Hatte er nichts in der linken Hand, wie jetzt, imitierte er damit die Geste der rechten. Dazu machte er eine leichte Verbeugung.
    ¿Wir k¿nnen uns auch hier unterhalten¿, sagte die Frau, ¿ich komme nicht als Patientin¿, und lud Manuel ihrerseits mit einer einladenden Geste ein, sich zu setzen.
    Noch nie hatte er sich zu jemandem ins Wartezimmer gesetzt. Er z¿gerte wieder, dann setzte er sich zu ihr, aber so, dass noch ein Stuhl zwischen ihnen war, und musterte sie nochmals.
    ¿Das waren doch Sie¿, sagte er dann, ¿in Basel k¿rzlich, als ich schon im Zug sa¿¿
    ¿Ja¿, sagte die Frau und nickte, ¿das war ich.¿
    ¿Aber wir kennen uns nicht?¿ Ihre Stimme kam ihm eigenartig bekannt vor, obwohl sie nicht gesprochen hatte damals.
    Die Frau l¿elte. ¿Nein¿, sagte sie, ¿noch nicht.¿
    Mit der linken Hand begann sie, mit den Bernsteinen ihrer Halskette zu spielen, und fuhr fort, ihn anzuschauen. Manuel schaute sie ihrerseits fragend an und merkte dann, dass er direkter werden musste.
    ¿Und was wollten Sie von mir?¿
    Die Frau wickelte ein St¿ck ihrer Kette um den Zeigefinger. Dann hielt sie inne.
    ¿Ein Kind¿, sagte sie.
    Manuel hob die Augenbrauen und ¿ffnete seinen Mund zu einer Antwort, doch die Sprache lie¿ihn im Stich. Er blickte sie an, er starrte sie an, er ma¿sie mit den Augen, diese Frau, die hier vor ihm sa¿ in seinem Wartezimmer, aber dennoch weit entfernt vom Allgemeing¿ltigen.
    ¿Ein Kind?¿ wiederholte er dann langsam, als h¿e er nicht richtig geh¿rt.
    ¿Ja¿, sagte sie und schaute ihn so offen und r¿ckhaltlos an, dass er seine Augen senken musste.