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Gebrauchsanweisung für China

11. aktualisierte Auflage 2017

Nein, nicht in Italien: Chinakenner Kai Strittmatter weiß, wo Pasta und Fußball wirklich erfunden wurden. Wieso Sie China nie ohne Ohrenstöpsel betreten sollten. Wie Sie sich für Zufallsbegegnungen im Zug­abteil oder auf dem Plumpsklo wappnen. Weshalb Chinesen am liebsten in Scharen auftauchen und wieso sie sehr wohl das »r« rollen können. Warum sie uns plötzlich die Milch wegtrinken und was sie außer »Sissi« und Audis sonst noch an Deutschland mö­gen. Dass der Mao-Anzug in China gar nicht Mao-Anzug heißt und trotzdem ein Comeback als schickes Modezitat feiert. Wie die Kommunisten heute Kon­fu­zius und die Pandabären für sich einspannen und überhaupt die größte Fälschung des Landes sind. Und was bei alledem Frühlingsrollen und Weißwürste ge­meinsam haben.
Rezension
"Eine herzenswarme, kluge China-Einführung, virtuos aufgeschrieben.", GEO Special - Shanghai, Peking, Hongkong 20151120
Portrait
Kai Strittmatter, geboren 1965, aufgewachsen im Allgäu. Studierte von 1984 bis 1992 in München, vor allem Sinologie. Dazwischen zwei Studienjahre in Xi'an (Volksrepublik China) und Taipeih (Taiwan). Nach Studium und Journalistenschule 1994 angefangen in der Außenpolitik-Redaktion der "Süddeutschen Zeitung". Seit 1997 Korrespondent in Peking.
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  • Shi
    Der Anfang ...
    ... ist in diesem Buch da, wo in chinesischen Büchern traditionell das Ende ist. Seit Tausenden von Jahren lesen Chinesen von rechts nach links, also von hinten nach vorn. Was auch wieder Blödsinn ist, weil: Unser Hinten ist ihr Vorn. Wenn sie lächeln sollen für ein Foto, sagen Chinesen nicht auf Englisch "Käse", sondern auf Chinesisch "Aubergine". Sie "essen" ihre Suppe nicht, sondern "trinken" sie, und sie tun das nie vor, sondern stets nach dem Essen. Dafür stellen sie den Nachnamen vor den Vornamen. Im Herzen sitzt bei ihnen die Vernunft, und weiß ist die Farbe ihrer Trauergewänder. Amerika nennen sie das "Land der Schönheit" und Deutschland das "Land der Tugend".
    Höchste Zeit für einen Kompass.
    Zhi nan zhen
    Kompass.
    Oder: Am Ende trifft man sich doch
    Chinesische Erfindung wie auch Fußball, Buchdruck oder Papier (alles Altertum) und Obstsalat mit rosa Mayonnaise (Peking, Anfang des 21. Jahrhunderts). Wurde wie alle chinesischen Spielereien vom Abendland schamlos geklaut und nachgebaut, bekam jedoch von seinen Erfindern einen genialen Kopierschutz verpasst, den der Westen bis heute nicht knacken konnte weil er ihn noch nicht einmal bemerkt hat. An dieser Stelle sei das Geheimnis verraten:
    Der Kompass zeigt nach Süden.
    Zhi nan zhen ist die "Nadel, die nach Süden zeigt", und seit Jahrhunderten kichern sich Chinesen in den Bart, wenn sie Europäer mit dem Kompass in der Hand nach Norden laufen sehen. Die Nadel mag die gleiche sein, in ihrer Deutung gehen Ost und West diametral auseinander. Ähnliches lässt sich beobachten, wenn die beiden sich unterhalten: Man verwendet die gleichen Begriffe und denkt doch in entgegengesetzte Richtungen. Kommunismus ist eines dieser trügerischen Worte, manchmal auch Liebe.
    Können sie also je zusammenkommen, China und der Westen? Warum nicht: Letztlich haben sie das gleiche Ziel, die nach Norden und die nach Süden rennen solange die Welt nur rund bleibt.
    Zhong wen
    Chinesisch.
    Oder: Fremde Zeichen
    Einmal hatte ich im Zug von München ins Allgäu eine Begegnung mit einem jungen Burschen, der sich besoffen auf seinen Sitz warf, hernach das amerikanische Pärchen auf der anderen Seite des Ganges anpöbelte und ihnen zum Abschied neben den Rucksack kotzte, kurz: jemand, den wir in meiner Heimat ein "Mords-Rindviech" heißen, und es ist mir die Vorstellung doch unangenehm, der Amerikaner wäre zufällig Reiseschriftsteller gewesen und jener Betrunkene tauchte später in einem Buch über die Deutschen als Vertreter der bayerischen Lebensart auf.
    Obwohl.
    Es begibt sich aufs glatte Eis, wer die Chuzpe besitzt, aus zufälligen Erfahrungen und Begegnungen allgemeine Schlüsse zu ziehen. Gerade darum möchte ich beginnen mit sieben Widerreden gegen hartnäckige China-Gemeinplätze. Völkerverständigung ist ja nicht nur deshalb etwas Schönes, weil man im Zuge derselben viele hübsche fremde Frauen und Männer kennenlernen kann, die in einem solchen Falle stets das Prädikat "exotisch" tragen, sondern vor allem, weil sie hilft, "Vorurteile abzubauen".
    Der Leser leiste mir also Gesellschaft bei diesem löblichen Brauch und sehe es als eine Art vorbeugenden Ablasshandel gegen all die Sünden, deren ich mich in den folgenden Kapiteln schuldig mache. Folgendes, lieber Leser, sind Klischees und Märchen, die Sie bitte umgehend aus der "Ich sag jetzt einfach mal"-Windung Ihres Gehirnes streichen möchten:
    1. "Chinesen essen immer Reis." Das letzte Mal, als ich in meinem Lieblings-Nudelladen war, hörte ich bei einem Dutzend Sorten handgemachter Pasta auf zu zählen. Es waren mittelalterliche italienische Raubkopierer, die Nudel und Nudelverwandtes nach Europa entführt haben.
    2. "In China gibt es zwei Geschmacksrichtungen: Süß und sauer." Auf ihrem Rückweg ging den Italienern der Rest der chinesischen Küche leider verloren, weshalb Chinarestaurants in Europa auch heute noch ein Hort abgrundtiefer Tristesse sind.
    3. "Chinesen sind verschlossen, leise, h
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 269
Erscheinungsdatum 01.07.2008
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-492-27574-3
Verlag Piper
Maße (L/B/H) 19,3/11,8/2,7 cm
Gewicht 301 g
Auflage Nachdruck der überarbeiteten und erweiterten Neuausgabe 2008
Verkaufsrang 58739
Buch (Taschenbuch)
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Buchhändler-Empfehlungen

Sehr informativ

Marga Michaelis, Thalia-Buchhandlung Gera

Die Urlaubssaison geht langsam zu Ende.Halten Sie Ausschau nach neuen Reisezielen. Vielleicht hilft Ihnen diese Reiselektüre dabei. China ist hier nur ein Beispiel. Sehr unterhaltsam und mit viel Witz wird hier beschrieben, wie Sie sich in diesem Land bewegen und verhalten. Essen Chinesen wirklich nur Reis? Warum treten Chinesen immer in Massen auf? Warum bitte gibt es das Plumpsklo? Diese und viele andere Eigenheiten werden unter die Lupe genommen.

China ohne Fettnäpchen!

Saidjah Hauck, Thalia-Buchhandlung Köln, Rhein-Center

Als wir nach China geflogen sind, haben wir uns überlegt wie wir uns dem Land am Besten nähern könnten und sind auf die Gebrauchsanweisung gekommen. Die ganze Reihe ist Spitze und schafft es einem unterhaltsam und lehrreich fremde Länder nahe zu bringen. Habe ich mit Vergnügen gelesen weil durchaus mit Witz geschrieben.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
5 Bewertungen
Übersicht
3
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Ein Muss für jeden China-Kritiker
von einer Kundin/einem Kunden aus Hombrechtikon am 29.03.2019

Trägt viel zum besseren Verständnis einer fremden Kultur bei. Baut humorvoll Vorurteile ab und dafür auch neue auf.

Informativ
von einer Kundin/einem Kunden am 03.05.2013

Ich habe bereits mehrere Monate in China verbracht und bin bei vielen seiner Kapitel ins Schmunzeln gekommen. Gekonnt findet er Erklärungen für einige, uns nicht immer vertrauten, chinesischen "Phänomene". Einige seiner Kapitel würde ich sofort unterschreiben, andere kamen mir nicht bekannt vor. Hie und da ist sein Schreibst... Ich habe bereits mehrere Monate in China verbracht und bin bei vielen seiner Kapitel ins Schmunzeln gekommen. Gekonnt findet er Erklärungen für einige, uns nicht immer vertrauten, chinesischen "Phänomene". Einige seiner Kapitel würde ich sofort unterschreiben, andere kamen mir nicht bekannt vor. Hie und da ist sein Schreibstil etwas sprunghaft, so springt er von einem Thema zum nächsten innerhalb eines Kapitels. Auch darf man nicht vergessen, dass dieses Buch aus der Sicht eines Ausländers geschrieben ist und darum vielleicht nicht immer die Realität trifft. Ich nehme jedoch an, dass Strittmatter diesen Anspruch gar nicht erhebt. Alles in allem ist es eine gelungene Gebrauchsanleitung, die einem hilft, den kulturellen Unterschied zu verstehen. Sehr empfehlenswert für alle, die längere Zeit in China verbringen oder die Chinesische Kultur etwas besser verstehen möchten. Ich hätte eigentlich gerne 4.5 Sterne gegeben.

Informativ und Realitätsnah
von Stephanie Karrer aus St.Gallen am 24.05.2011

Ich bin grosser Fan der Gebrauchsanweisungen. Die Informationen zu China sind passend und gut zusammengestellt. Bei dieser Ausgabe vermisste ich den Wortwitz wie ich ihn aus anderen Ausgaben kenne (Irland ist zum Totlachen) und auch die vielen fremden Begriffe haben den lesefluss gestört. Lässt man sich davon nicht beirr... Ich bin grosser Fan der Gebrauchsanweisungen. Die Informationen zu China sind passend und gut zusammengestellt. Bei dieser Ausgabe vermisste ich den Wortwitz wie ich ihn aus anderen Ausgaben kenne (Irland ist zum Totlachen) und auch die vielen fremden Begriffe haben den lesefluss gestört. Lässt man sich davon nicht beirren, kann man dennoch viel lernen und sich in den alltäglichen Situationen zurecht finden ohne sich zu blamieren.