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Die Jagd

Roman. Deutsche Erstausgabe

Jody ist ziemlich clever für eine Sechzehnjährige. Nur deshalb ist sie noch am Leben – bis jetzt. Sie war zu Besuch im Haus ihrer Freundin Evelyn, als eine Bande junger Killer sie überfiel. Sie sah ihre Freundin aufgespießt auf einem Speer, aber es gelang ihr zu fliehen, zusammen mit Evelyns jüngerem Bruder Andy. Doch einer der Mörder hat sie gesehen und ist jetzt auf der Jagd nach ihr.

Rezension
Alex Dengler, Deutschlands führender Buchkritiker, denglers-buchkritik.de: Richard Laymon - das ist der Namen, der für Horror in seiner reinsten Form steht! Laute Schreie, literweise Blut und drastische Exzesse, bei Laymon gehört das zur Tagesordnung. Nehmen Sie an der Jagd teil?
Portrait
Laymon, Richard
Richard Laymon wurde 1947 in Chicago geboren und studierte in Kalifornien englische Literatur. Er arbeitete als Lehrer, Bibliothekar und Zeitschriftenredakteur, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete und zu einem der bestverkauften Spannungsautoren aller Zeiten wurde. 2001 gestorben, gilt Laymon heute in den USA und Großbritannien als Horror-Kultautor, der von Schriftstellerkollegen wie Stephen King und Dean Koontz hoch geschätzt wird.
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  • Jody wurde aus dem Schlaf gerissen.
    »Wach auf«, ertönte ein dringliches Flüstern. »Wach auf, Jody! Bitte!«
    Die Stimme gehörte Evelyn - wie höchstwahrscheinlich auch die Hand, die an Jodys Schulter rüttelte.
    Ach ja, fiel ihr ein, ich bin über Nacht bei Evelyn. Und versuche zu schlafen. Erfolglos, wie es aussieht.
    Sie öffnete die Augen, rieb sich über das Gesicht und gähnte. Das Zimmer war dunkel, aber sie konnte trotzdem Evelyn erkennen, die vom Bett auf sie heruntersah. Das Gesicht des Mädchens war nicht mehr als ein fahler, von Schatten verwischter Schemen. Der Arm, den sie nach Jodys Schlafsack ausgestreckt hatte, war etwas dunkler als die weißen Bettlaken. Ihre Hand hielt Jodys Schulter fest umklammert.
    Jody stöhnte auf. »Was ist denn jetzt wieder?«
    »Ich hab was gehört.«
    »Jetzt mach mal einen Punkt«, murmelte sie. »Ich hab gerade so schön geträumt. Und das würde ich jetzt gern wieder tun, wenn es dir nichts ausmacht. Mann.« Sie gähnte, und Evelyn schüttelte wieder ihre Schulter.
    »Das ist mein Ernst. Ich mach keine Witze. Ich habe wirklich etwas gehört.«
    »Und?«
    »Ich hab Angst.«
    Das wäre ja nichts Neues, dachte Jody, hielt aber den Mund. Evelyn hatte die Angewohnheit, sich ständig und über alles aufzuregen - trotzdem war sie seit Kindergartenzeiten Jodys beste Freundin. Jody hatte also über zehn Jahre Erfahrung im Umgang mit ihrer übertriebenen Vorsicht.
    »Da ist bestimmt nichts. Schlaf weiter.«
    »Jemand hat unten ein Fenster eingeschlagen.«
    »Aha.« Jody gähnte noch einmal. Jetzt war sie endgültig wach. Im Schlafsack war es viel zu heiß. Hatte Evelyns Vater vor dem Zubettgehen die Klimaanlage ausgeschaltet? »Ein Klirren?«, fragte sie. »Vielleicht ist deine Mutter oder dein Vater aufgestanden und hat was fallen lassen. Wie spät ist es eigentlich?«
    »Viertel nach eins.«
    »Himmel.« Sie tastete nach dem Reißverschluss des Schlafsacks und fand ihn neben ihrer linken Schulter. Die Hand auf ihrer Schulter zuckte, als Jody den Reißverschluss öffnete. »Das bin nur ich«, sagte sie.
    »Was machst du denn da?«
    »Ich sterbe vor Hitze.«
    »Wir müssen doch irgendwas unternehmen.«
    »Stimmt. Nämlich weiterschlafen.« Sie schlug den unangenehm dicken Schlafsack zurück, bis er nur noch ihre Knie bedeckte. Dann strampelte sie sich frei und streckte sich. Das war viel besser. Nur ihr Nachthemd umhüllte sie noch und hielt die angenehm kühle Luft ab. Zu Hause hätte sie es einfach ausziehen können. Hier ging das nicht. »Schaltet dein Dad eigentlich nachts die Klimaanlage aus?«
    »Oh Mann, Jody.«
    »Können wir nicht das Fenster aufmachen oder so?«
    »Die kann man nicht aufmachen.«
    Das hat man nun von diesen hochmodernen Häusern, dachte sie. »Deshalb haben sie es wahrscheinlich eingeschlagen.«
    »Ich finde das überhaupt nicht witzig.«
    Jody spürte, wie das Nachthemd ihren Körper hinaufglitt, als sie die Arme hob und hinter dem Kopf verschränkte. Jetzt konnte sie die kühle Luft auf ihren Schenkeln spüren. Sie ließ ein Bein zur Seite fallen.
    Viel besser.
    Ich muss nur vor morgen früh wieder in den Schlafsack schlüpfen. Evelyns Vater und ihr Bruder dürfen mich auf keinen Fall so sehen. Mann, das wäre peinlich. Ich könnte ja Mr Clark - Charles - nie wieder in die Augen sehen. Und bei Andy wäre es noch schlimmer. Sehr viel schlimmer. Er ist sowieso schon bis über beide Ohren in mich verschossen. Der kleine Rotzlöffel würde bestimmt einen Herzinfarkt bekommen - der erste Zwölfjährige in der Menschheitsgeschichte, der vor Aufregung einen Herzanfall bekommt.
    »Sollten wir nicht mal nachsehen?«, fragte Evelyn.
    »Du hast nur ein leises Klirren gehört? Glas?«
    »Ja.«
    »Das kann doch alles Mögliche gewesen sein. Vielleicht kam es von draußen. Jemand hat eine Flasche fallen lassen.«
    »Und wenn es ein Einbrecher ist?«
    »Wenn es ein Einbrecher ist, dann wäre er bestimmt nicht besonders begeistert, wenn wir ihn bei der Arbeit stören.«
    »Haha.«
    »Außerdem wäre dann doch die Alarmanlage losgegangen.«
    »Und wenn nicht?«
    »Dein Dad schaltet sie doch immer ein, bevor er ins Bett geht.« »Keine Ahnung.«
    »Mein Gott, Ev. Jedes Mal, wenn deine Eltern vor uns ins Bett gehen, warnt mich dein Dad, ja nicht die Haustür anzufassen. Oder traut er mir nicht? Vielleicht glaubt er, ich übe einen schlechten Einfluss auf dich aus und will dich dazu überreden, aus dem Haus zu schleichen und wilde Partys zu feiern.«
    »Nein. Er findet dich toll.«
    »Der Mann hat eine ausgezeichnete Menschenkenntnis.«
    »Aber die Alarmanlage muss doch nicht unbedingt losgehen. Nicht mal dann, wenn sie eingeschaltet ist. Diese Kriminellen haben Mittel und Wege, um ...«
    »Stimmt. Echte Profis schon. Aber Profis brechen nicht in Häuser ein, solange jemand daheim ist. Sie schlagen zu, wenn niemand da ist, um unnötige Scherereien zu vermeiden. Außerdem fällt die Strafe dann viel geringer aus, wenn man sie doch erwischen sollte. Wenn niemand zu Hause ist, ist es nur ein einfacher Einbruch. Und das ist was ganz anderes als ein Raubüberfall. Es könnte sogar ein bewaffneter Raubüberfall sein - wenn die Bösewichte Waffen dabeihaben. Das sagt jedenfalls mein
    Dad.«
    »Er trägt immer eine Waffe, stimmt's?«
    »Meistens, ja.«
    »Ich wünschte, er wäre hier.«
    »Verdammt noch mal, Ev. Wenn du dir wirklich solche Sorgen machst, dann sollten wir uns wohl doch mal umsehen. Oder wir rufen sofort die Polizei an.«
    »Keine schlechte Idee.«
    »Deinen Eltern würde das wahrscheinlich nicht so gut gefallen. Hör mal, wieso wecken wir nicht einfach deinen
    Dad?«
    »Klar. Der würde mich umbringen.« »Nicht, wenn ein Einbrecher im Haus ist.« »Und wenn nicht? Was, wenn ich ihn aufwecke, und alles war nur falscher Alarm?« »Du hast mich aufgeweckt.« »Das ist was anderes.«
    »Verstehe. Mich aufzuwecken ist also in Ordnung.« Evelyn schwieg für einen Augenblick. »Vielleicht sollte ich es doch tun.« »Was?«
    »Dad aufwecken.«
    Jetzt überkam Jody zum ersten Mal ein Anflug von Besorgnis. Obwohl Evelyns Vater ein echt netter Kerl war, hatte das arme Mädchen immer große Angst davor, ihn zu stören. Wenn sie jetzt bereit war, ihn sogar aufzuwecken, musste sie dieses Geräusch wirklich zutiefst erschreckt haben.
    Evelyn schwang ihre Beine aus dem Bett, stand auf und stieg mit einem großen Schritt über Jody hinweg.
    »Du willst ihn wirklich wecken?«, fragte Jody. »Ich komme mit«, fügte sie hinzu, ohne eine Antwort abzuwarten. Sobald ihr Evelyn nicht mehr im Weg war, richtete sie sich auf. Evelyn ging weiter. »Warte doch. Mann.«
    Sie blieb stehen.
    Jody stand auf. »Hast du einen Morgenmantel für mich?«
    »Ich dachte, dir ist so warm?«
    »Ist mir auch. Aber was, wenn Andy auch aufgewacht ist und hier irgendwo rumschwirrt?«
    »Keine Angst, der schläft tief und fest. So leicht wacht der nicht auf.«
    Evelyn lehnte sich mit der Schulter gegen die Zimmertür und drückte die Klinke herunter. Als sie zurücktrat, um die Tür zu öffnen, musste Jody einen Schritt zur Seite gehen, um nicht mit ihr zusammenzustoßen.
    Evelyn riss die Tür weit auf.
    Und grunzte.

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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 527
Erscheinungsdatum 02.02.2009
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-453-67542-1
Verlag Heyne
Maße (L/B/H) 18,8/11,9/3,6 cm
Gewicht 428 g
Originaltitel The Endless Night
Übersetzer Kristof Kurz
Buch (Taschenbuch)
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9,95
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Eine Buchhändlerin/ein Buchhändler, Thalia-Buchhandlung Oldenburg

Eine taffe Jugendliche macht sich auf den Weg, einen Mörder zu finden. Na dann mal los. Der Leser wird ihr auf jeden Fall folgen.

Elke Schröder, Thalia-Buchhandlung Dinslaken

Bin irgendwie gespalten: Sehr spannend, aber eben auch unglaublich grausam erzählte "Slasher"-Geschichte. Nichts für schwache Nerven und schon gar nichts für Jugendliche.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
22 Bewertungen
Übersicht
13
6
3
0
0

von einer Kundin/einem Kunden aus Darmstadt am 05.07.2017
Bewertet: anderes Format

Nur knapp können Jody und der Junge Andy einem Blutbad entkommen. Aber der Mörder hat sie gesehen und macht sich auf die Jagd nach der Beute, die ihm entkommen ist.

von Isabel Meiert aus Varel am 16.03.2016
Bewertet: anderes Format

Herzrasen ist absolut garantiert. Unglaublich rasant und packend.

von einer Kundin/einem Kunden aus Köln am 16.03.2016
Bewertet: anderes Format

Ein packender, spannender und blutrünstiger Thriller, der ganz sicher nichts für schwache Nerven, aber für alle Horror-Freunde ist.