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Der scharlachrote Löwe / William Marshal Bd.2

Historischer Roman

William Marshal Band 2

Die Loyalität und der Heldenmut des jungen englischen Ritters William Marshal wurden mit dem Herz von Isabelle de Clare, der Erbin begüterter Ländereien, belohnt. In England endet mit dem Tod von Richard Löwenherz die Zeit der Stabilität. Widerstand regt sich in den Domänen, als John, Richards schwacher, aber machtgieriger Bruder, König wird. Um einen offenen Konflikt zu vermeiden, ziehen sich die Liebenden nach Irland zurück. John jedoch will deren Gefolgschaft erzwingen und nimmt Isabellas Ländereien und die Kinder als Pfand. Soll William dem begangenen Unrecht trotzen? Eine schwerwiegende Entscheidung, denn das Wohl seiner Familie steht auf dem Spiel ...
"Elizabeth Chadwick hat mit ihrer Gabe, Geschichten mit historischer Genauigkeit zu erzählen, und ihrer Fähigkeit, Figuren aus Fleisch und Blut zu gestalten, aufs Neue einen eindrucksvollen, exzellenten und fesselnden Roman geschrieben!" (The Historical Novels Review)
Rezension
"Nichts ist so groß wie der Mut eines Ritters." (Nottingham Evening Post)
Portrait
Elizabeth Chadwick lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Nottingham. Sie hat inzwischen über 20 historische Romane geschrieben, die allesamt im Mittelalter spielen. Vieles von ihrem Wissen über diese Epoche resultiert aus ihren Recherchen als Mitglied von »Regia Anglorum«, einem Verein, der das Leben und Wirken der Menschen im frühen Mittelalter nachspielt und so Geschichte lebendig werden lässt. Elizabeth Chadwick wurde mit dem Betty Trask Award ausgezeichnet, und ihre Romane gelangen immer wieder auf die Auswahlliste des Romantic Novelists' Award.
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  • Artikelbild-0
  • Isabelle de Clare, Countess of Leinster und Striguil und Ehefrau von König Richards hochrangigstem Ritter und Berater William Marshal, lag zum vierten Mal in ihrem Leben in den Wehen.
    »Mit dem Hinterteil vorneweg«, verkündete die Hebamme, während sie sich die Hände nach der Untersuchung an einem Tuch abwischte. »Wahrscheinlich ein Junge. Die machen immer die meisten Schwierigkeiten.«
    Isabelle schloss die Augen und sank erschöpft in die Kissen zurück. Den ganzen Vormittag über waren die Wehen immer stärker geworden. Und schmerzhafter. Irgendwann hatten die Frauen sogar abergläubisch ihre Zöpfe gelöst, damit das Kind nicht durch irgendwelche Knoten zurückgehalten wurde, und nun umflossen dicke Strähnen, so golden wie reifer Weizen, ihre Schultern und ihre prallen Brüste bis auf den gerundeten Leib hinab.
    Dabei hatte »er« bereits Verspätung. Gar zu gern hätte William Marshal seinen Nachkömmling noch begrüßt, bevor er zum Feldzug aufbrechen musste. Doch leider hatte er sich vor zehn Tagen nur auf Armeslänge von seiner Frau verabschieden können und sich mit einem Kuss über ihren dicken Bauch hinweg begnügen müssen. Inzwischen war es Mai. Und bis sie einander wiedersahen, würde es Herbst sein - sofern Isabelle diese Geburt überlebte und William den diesjährigen Sommerfeldzug heil überstand. Im Augenblick weilte er an der Seite seines Königs
    vermutlich irgendwo tief im Beauvais, und sie wünschte nichts sehnlicher, als meilenweit von diesem stickigen Zimmer und den Schmerzen der Geburt weg zu sein.
    Tief unten in Isabelles Leib begann ein neuer Krampf, der ihre Muskeln anspannte und verhärtete. Der Schmerz wuchs und wuchs, bis sie nach Luft schnappen und die Fäuste ballen musste.
    »Wenn die Kinder verkehrt herum zur Welt kommen, ist die Geburt sehr viel schmerzhafter.« Vielsagend sah die Hebamme Isabelle an. »Zum Glück ist dies nicht Euer erstes Kind, und Ihr wisst, was Euch erwartet. Wenn der Kopf zum Schluss kommt, ist das Kind in Gefahr. Ihr solltet lieber zu Saint Margaret beten, damit sie Euch beisteht.« Sie deutete auf eine kleine bemalte Holzfigur, die im Schein geweihter Kerzen auf der Truhe neben dem Bett stand.
    »Seit ich weiß, dass ich ein Kind erwarte, habe ich jeden Tag gebetet«, bemerkte Isabelle gereizt. Aber dass diese verspätete Geburt und die schwierige Lage des Kindes wohl kaum die rechte Belohnung für ihre Hingabe waren, sprach sie nicht laut aus. Sie betrachtete die Figur mit einer gewissen Abneigung. Der Künstler, aus dessen Händen die Schnitzkunst stammte, hatte ihr einen Gesichtsausdruck verliehen, der scheinheilig genug war, um ihn als spöttisches Grinsen zu deuten.
    Im nächsten Augenblick wurde Isabelle von einer Wehe gepackt, die sie zum Pressen zwang. Die Hebamme gab dem Mädchen, das ihr half, ein Zeichen und machte sich zwischen Isabelles Schenkeln zu schaffen. »Ihr solltet den Kaplan rufen lassen, damit er das Kind sofort taufen kann«, drang ihre Stimme undeutlich hinter dem Laken hervor. »Habt Ihr schon einen Namen ausgewählt?«
    »Wenn es ein Junge wird, soll er Gilbert heißen, ein Mädchen Isabelle«, stieß Isabelle während des Pressens zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Als die Wehe abebbte, ließ sie sich in die Kissen zurücksinken und bat eine ihrer Frauen unter Keuchen, Father Walter zu rufen und ihn im Vorzimmer warten zu lassen.
    Im selben Moment wurde sie von der nächsten Wehe überrollt, der gleich darauf eine weitere folgte und dann eine dritte. Mächtig und qualvoll kamen sie und ohne Pause, nun da ihr Körper das Kind mit aller Kraft loswerden und in die Welt hinausstoßen wollte. Unter Qualen schluchzte und schimpfte sie, die Sehnen in ihrem Hals traten hervor, und ihre Finger gruben sich so tief in die hilfreichen Hände ihrer Frauen, dass sie rote Eindrücke im Fleisch hinterließen.
    Urplötzlich spürte Isabelle einen heißen, feuchten Schwall zwischen ihren Beinen, und die Hebamme ertastete mit der Hand, was sie bereits spürte. »Aha«, merkte sie zufrieden an. »Ich hatte also Recht - es ist ein Junge. Haha, und was für hübsche Dingerchen! Da wollen wir uns aber Mühe geben, dass er am Leben bleibt, damit er sie später auch benutzen kann, nicht wahr? Na los, Mylady, presst noch einmal. Aber nein - nicht so stark. Nicht so hastig. Nur ganz leicht.«
    Isabelle biss sich auf die Lippen und mühte sich nach Kräften, nicht so stark zu pressen, wie ihr Körper das eigentlich wollte. Gekonnt fasste die Hebamme das Kind bei den Knöcheln und zog es sanft empor. Als Mund und Nase erschienen, befreite sie diese sofort von Blut und Schleim und hielt den kleinen Kopf dann behutsam und mit sanfter Hand, während sie das Kind auf dem Unterleib ihrer Herrin ablegte.
    Isabelle stützte sich auf die Ellenbogen und starrte auf das kleine Wesen hinunter, das so leblos wie ein schiffbrüchiger Matrose auf ihrem Leib lag. Die Haut des Kindes war graublau verfärbt, es bewegte sich nicht. Panische Furcht fuhr ihr in die Glieder. »Saint Margaret, ist er ...?«
    Daraufhin hob die Hebamme den Jungen an den Knöcheln in die Höhe, bis er frei in der Luft hing, und versetzte ihm einen Klaps aufs Hinterteil. Dann noch einen. Ein Schauer durchfuhr den kleinen Körper, die winzige Brust dehnte sich, und erstes Protestgeschrei erfüllte die Luft. Anfangs noch unsicher, doch gleich darauf schon energischer, bis sich die Haut des Kleinen mit einem gesunden rosigen Schimmer überzog.
    Mit dem Kind im Arm drehte sich die Hebamme zu Isabelle herum. Ein strahlendes Lächeln verschönte ihre faltigen Wangen. »Er hat nur ein wenig Nachhilfe gebraucht. Um ganz sicher zu gehen, solltet Ihr die Taufe trotzdem nicht unnötig lange aufschieben.« Sie hüllte den Jungen in ein angewärmtes Tuch und legte ihn der Mutter in die Arme.
    Nachdem die Nabelschnur durchtrennt war und man die Nachgeburt entfernt und weggebracht hatte, um sie zu vergraben, betrachtete Isabelle zum ersten Mal das faltige Gesichtchen ihres Sohnes. Noch immer leicht beunruhigt, lauschte sie seinen flachen Atemzügen. Ein fragender Ausdruck kräuselte seine fein gezeichneten Brauen, die Fäustchen waren geballt, als wollte der kleine Mann die gesamte Welt zum Kampf herausfordern, in die man ihn so ruppig hineingestoßen hatte. »Gilbert«, flüsterte Isabelle. »Ich bin gespannt, was dein Vater zu dir sagen wird.« Zart blies sie gegen seine Wange und reichte ihm den Zeigefinger, damit er seine winzigen Finger darum schließen konnte. Dann hob sie den Blick und sah zum Rundbogen des Fensters hinüber, der einen sanftblauen Himmel umrahmte. Ihre Qual war so gut wie überstanden, und mit Gottes Hilfe würde sich auch kein Kindbettfieber einstellen, und sie könnte bereits in wenigen Tagen wieder auf den Beinen sein. Bei Saint Margaret würde sie sich mit einer kleinen Gabe bedanken, ehe sie die kleine Figur wieder in die Truhe einschließen würde - bis zum nächsten Mal. Von nun an zählte nur noch das Wohlergehen ihres Mannes. Mit Hilfe ihrer Gebete würde er gesund und unverletzt heimkommen und seinen neuen Sohn begrüßen können.

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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 600
Erscheinungsdatum 09.02.2009
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-36904-1
Verlag Blanvalet
Maße (L/B/H) 18,1/12,6/4,6 cm
Gewicht 503 g
Originaltitel The Scarlet Lion
Abbildungen schwarz-weiss Illustrationen
Übersetzer Monika Koch
Verkaufsrang 47870
Buch (Taschenbuch)
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Kundenbewertungen

Durchschnitt
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sehr gut geschrieben
von einer Kundin/einem Kunden am 05.08.2009

ich war begeistert von diesem Buch, da Elizabeth Chadwick sehr gut dafür recherchiert hat.