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Die Instrumente des Herrn Jørgensen

Roman

Richard David Precht, Georg J. Precht

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Beschreibung


Ein Buch über die Ordnung der Welt, die Macht der Phantasie und die Tragikomik des Lebens

Lilleø, eine kleine dänische Insel in der Ostsee: Für einen Sommer ist Kriminalassistent Ansgar Jørgensen auf das idyllische Eiland versetzt worden, um die Provinz kennenzulernen. Doch bereits am Tag seiner Ankunft wird er mit einem mysteriösen Todesfall konfrontiert – und der ist nicht das einzige Rätsel, das die malerische Kulisse verbirgt. Je tiefer Jørgensen in die dunkle Geschichte der Insel eindringt, desto verstörender ist das, was er entdeckt …

Ursprünglich unter dem Titel „Das Schiff im Noor“ erschienen, jetzt in überarbeiteter Neuausgabe.

"Ein wunderbar langsames, melancholisches Buch, kunstvoll versponnen und spannend wie selten ein Thriller, voller genauer Beobachtungen." Sächsische Zeitung

Richard David Precht, geboren 1964, ist Philosoph, Publizist und Autor und einer der profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum. Er ist Honorarprofessor für Philosophie an der Leuphana Universität Lüneburg sowie Honorarprofessor für Philosophie und Ästhetik an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. Seit seinem sensationellen Erfolg mit »Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?« waren alle seine Bücher zu philosophischen oder gesellschaftspolitischen Themen große Bestseller und wurden in mehr als vierzig Sprachen übersetzt. Seit 2012 moderiert er die Philosophiesendung »Precht« im ZDF.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 571
Erscheinungsdatum 09.03.2009
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-47115-7
Verlag Goldmann
Maße (L/B/H) 18,8/11,8/4,1 cm
Gewicht 458 g
Verkaufsrang 50033

Kundenbewertungen

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Die Instrumente des Herrn Jorgensen
von einer Kundin/einem Kunden am 09.10.2009

"Ein unaufgeregtes und tiefgründiges Buch. Prechts Sprache ist einfach lesenswert und so verzeiht man dem Buch auch einige Längen. Wer allerdings einen ""echten"" Krimi mit viel Aktion und Opfern erwartet, wird von diesem Buch eher enttäuscht sein. Es handelt sich bei diesem Buch um eine Art Antikrimi, eine detailreiche Milie... "Ein unaufgeregtes und tiefgründiges Buch. Prechts Sprache ist einfach lesenswert und so verzeiht man dem Buch auch einige Längen. Wer allerdings einen ""echten"" Krimi mit viel Aktion und Opfern erwartet, wird von diesem Buch eher enttäuscht sein. Es handelt sich bei diesem Buch um eine Art Antikrimi, eine detailreiche Milieubeschreibung einer kleinen Insel und die Antwort auf die Frage- ""was könnte passiert sein"". Diese Frage stellt sich der unfreiwillig auf die Insel versetzte Kriminalassistent Jorgensen und rollt mit Hilfe einer geheimnissvollen Bibliothek gleich mehrere Fälle aus der Vergangenheit auf- das Ganze unter den Augen der kritischen Landbevölkerung. Wer sich auf die mehrsträngige Handlung aus mehreren Perspektiven einl?sst, wird Freude an diesem Buch haben und nebenbei auch einige interessante historische Details mitbekommen."


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  • Hans Larsen wurde nur zweimal gewaschen - nach seiner Geburt und vor seiner Beerdigung, und jeder, der ihm etwas Gutes nachrufen wollte, konnte sagen, er habe diese Welt so sauber verlassen, wie er sie betreten hatte.
    So war es eine ziemlich ¿bertriebene Vorsichtsma¿ahme, da¿alle, die ihn kannten und ihm das letzte Geleit gaben, den angemessenen Abstand vom Sarg nicht nach der Piet¿ sondern dem Geruch bema¿n, den der Verstorbene zu Lebzeiten so reichlich verstr¿mt hatte. Der Pfarrer wu¿e, da¿die Totenfrau mit routinierter Gewissenhaftigkeit ihres Amtes gewaltet und sogar die doppelte Zeit f¿r das gleiche Geld auf ihre Bem¿hungen verwandt hatte, um Larsen wenigstens nach seinem Ableben wie einen normalen Christenmenschen riechen zu lassen, und gab der Gemeinde mit aufmunternden Gesten vergeblich zu verstehen, da¿alle, die Larsen im Leben unvorsichtigerweise einmal nahe gestanden hatten, doch n¿r treten m¿gen. Es fiel den Trauernden schwer, zu glauben, da¿der Verschiedene nicht mehr derselbe sei, der er im Leben gewesen war. Sie gingen davon aus, da¿eine jahrzehntelange Erfahrung sich nicht mit drei Eimern Wasser ausl¿schen lasse, selbst wenn Anne Kroman damit gewirtschaftet hatte, und hielten es f¿r besser, statt angemessenem Anstand abgemessenen Abstand zu wahren.
    Und w¿end sie dort standen, die K¿pfe gesenkt, erhob sich vom Kirchdach ein dunkler Schwarm Kr¿n und trieb mit dem Wind ¿ber Wiesen und Weiden dem Meer zu, wo ein neuer Tag anbricht und ein neues Kapitel seinen Anfang nimmt ...

    Die Schweinswale

    Die Sonne hatte sich wie schon so oft in der Geschichte langsam aus dem Meer erhoben, und ihre r¿tlichen Strahlen verliehen dem aufgehenden Morgen ein wenig von einem Romananfang. Der Mann im hellgrauen Trenchcoat, der an der Reling der Veteranf¿e 0en stand, wischte sich den Wind aus den Haaren. Sein Blick ruhte erwartungsvoll auf dem nun immer klarer erkennbaren Relief sorgsam gespachtelter Farben in ocker und ziegelrot, das sich einem Fremden beim Anblick der Hafenstadt Leby schon von weitem bietet.
    An diesem Morgen war Ansgar Jorgensen, Kriminalassistent beim Kommissariat f¿r Gewaltverbrechen in Kopenhagen, 38 Jahre und sieben Monate alt, und es schien gutes Wetter zu geben. Die F¿e hatte gedreht und glitt nun merklich langsamer. Alles war still, nur der Dieselmotor begleitete leise tuckernd die Morgenstimmung.
    Da stie¿das Schiffshorn sein Signal in den Himmel, erschreckend laut in der Leere des erwachenden Tages, und als w¿ dies der weckende Ruf, wurde der vor sich hind¿sende Hafen aus seinem Schlaf gerissen. Die M¿wen schwangen sich keifend in die Luft, Autot¿ren klapperten, zwei Burschen im Blaumann, die wie aus dem Nichts auftauchten, hantierten am Schaltkasten des Anlegers. Auf der herangleitenden 0en donnerten die Bugt¿ren zur Seite, Motoren sprangen an, winkende H¿e streckten sich in die Luft.
    Die F¿e n¿rte sich nun rasch der Anlegebr¿cke und bremste ihren Schwung mit r¿ckw¿s laufender Schraube. Das tr¿be
    Hafenwasser sprudelte auf und verlief in fl¿chtigen Schaumkronen; ein brackiger Geruch zog ¿ber den Kai.
    Es war ein sonniger und k¿hler Maimorgen des Jahres 1985. Malte Hansen hatte noch nicht gefr¿hst¿ckt. Erwartungsvoll stand er mit hochgezogenen Schultern an seinem Wagen und g¿te. Sein Blick fiel auf den schmutzigen Au¿nspiegel des alten 12M. Er kramte ein Taschentuch hervor, wickelte es um den Zeigefinger und begann mit der Reinigung. Zuerst zog er einen Kreis entlang der Chromfassung, ohne Erfolg. Geduldig suchte er eine weitere saubere Stelle auf dem Tuch, bespuckte sie fl¿chtig und begann, mit kurzen vertikalen und horizontalen Bewegungen die Spiegelfl¿e zu bearbeiten. Das Resultat war wenig befriedigend, der Spiegel verdreckte immer mehr. Jetzt versuchte er es mit dem ganzen Tuch und mit unwirsch kreisenden Bewegungen, aber auch das war so hoffnungslos, da¿Malte einen Moment nachdenklich innehielt. Dann stopfte er wieder seinen Zeigefinger in den Lappen, kniff die Augen zusammen und malte auf der tr¿ben Spiegelfl¿e kleine Schneckenmuster, Schleifen und Wellenornamente.
    In diesem Augenblick stie¿die 0en gegen die Fender, da¿die alten muschelverkrusteten Balken knirschten und ¿zten. Wie betrunken torkelte die F¿e von Pfahl zu Pfahl, bis sie endlich gegen den Anleger stie¿und langsam zur Ruhe kam.
    Malte Hansen war an diesem Morgen 63 Jahre und 10 Monate alt, und er hatte keine Ahnung, wie der Mann, den er hier heute morgen abholen sollte, aussah.
    Zwei Autos mit deutschen Kennzeichen, ein Volvo und ein VW-Bus, rollten aus dem Schiff. Dahinter tauchte ein Trupp Pfadfinder auf und trottete mit Fahrr¿rn und Handkarren munter durcheinanderrufend ¿ber die Br¿cke. Eine Familie lief sich mit ausgebreiteten Armen entgegen. Die Fischer, breitbeinig in den aufschaukelnden Booten bei ihrer morgendlichen Arbeit, lie¿n f¿r einen Augenblick ihre Netze sinken.
    Malte erkannte den Kollegen aus Kopenhagen sofort. Ein gro¿r hagerer Mann mit staksigen Beinen und Schnauzbart verlie¿die F¿e, der Wind verwirbelte ihm die Haare und klatschte ihm die Mantelsch¿¿ um Koffer und Beine. Nach ein paar Metern blieb er stehen und blickte suchend umher. Malte ging ihm entgegen.
    "Bist du Ansgar Jorgensen? ... Ich bin Malte Hansen, herzlich willkommen auf Lilleo ..."
    Jorgensen hatte einen Koffer abgesetzt; sie gaben sich die Hand. Er war gut anderthalb K¿pfe gr¿¿r als Hansen.
    "Mein Wagen steht dahinten, der blaue Ford. Warte, ich nehm dir einen der Koffer ab."
    Jorgensen nickte. Er war ein wenig irritiert und f¿hlte sich etwas verkleidet, so mit Trenchcoat und Krawatte, neben diesem untersetzten Inselpolizisten in alten Kordhosen von unbestimmbarer Farbe und Gummistiefeln, die aussahen, als h¿e er sie beim Entleeren einer Jauchegrube getragen.
    "Meine G¿te, hat der ein Gewicht; was hast du denn da alles mitgenommen?"
    "Vor allem B¿cher, da sind ein paar schwere B¿cher drin."
    "B¿cher? Ein Koffer voller B¿cher? Wir haben hier eine gro¿ Gemeindebibliothek. Es sind wohl Krimis, was?" Malte grinste. "Bist du das erste Mal auf Lilleo?"
    "Ja, dank diesem Sasowa-Erla¿ sonst w¿ ich wohl nicht so bald hierhergekommen. Meine Familie stammt aus Sjadland, wir haben hier unten keine Verwandten."
    "Dieser ... Erla¿...", Malte verstaute die Koffer im Wagen und kramte in der Hosentasche, als suche er dort nach den passenden Worten, zog statt dessen aber eine T¿te mit Lakritzbonbons ans Licht.
    "Willst du?"
    Jorgensen griff zu.