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Jugend ohne Gott

Roman

Reclams Universal-Bibliothek Band 18612

In Zusammenarbeit mit dem Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, an dem zur Zeit die neue historisch-kritische Ausgabe entsteht, erscheinen Horváths wichtigste Werke jetzt in Reclams Universal-Bibliothek – in einer anhand der Originale revidierten, verlässlichen Textgestalt, zusammen mit den wichtigsten Vorstufen und Entwürfen und einem Kommentar auf neuestem Forschungsstand.

Wer hat den Schüler N ermordet? Ein Klassenkamerad, der ominöse Fremde oder Eva, die Bandenführerin? Vordergründig eine Kriminalgeschichte, ist Horvaths Roman aus dem Jahr 1938 vor allem Ausdruck der Verzweiflung über eine Jugend, die die Ideen des Nationalsozialismus verinnerlicht hat. Und er stellt Fragen: wie sich der einzelne in einer solchen Welt zu verhalten hat und wo in ihr noch Gott zu finden ist.
Portrait
Ödön von Horváth (9.12.1901 Sušak, heute ein Stadtteil von Rijeka – 1.6.1938 Paris) ist vor allem für seine sozialpolitischen Dramen und Romane bekannt. Der österreichisch-ungarische Schriftsteller geht u.a. der Frage nach der Verantwortung und Schuld innerhalb einer Gesellschaft nach. Zu seinen bekanntesten Werken zählen »Geschichten aus dem Wiener Wald« und »Jugend ohne Gott«.
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Herausgeber Klaus Kastberger, Evelyne Polt-Heinzl
Seitenzahl 194
Erscheinungsdatum 04.02.2009
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-15-018612-1
Verlag Reclam, Philipp
Maße (L/B/H) 14,7/10,2/1,2 cm
Gewicht 103 g
Verkaufsrang 25116
Buch (Taschenbuch)
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Was wird das für eine Generation? Eine harte oder nur eine rohe?

Laura Donauer, Thalia-Buchhandlung Landau

Es ist nicht nur eine ganze Generation, gegen die er sich stellt - Schüler, Eltern, Offziere. Es ist eine Weltanschauung, eine Ideologie, ein Glauben. Ein Glauben, den er nicht vertritt. Er kämpft, um sich nicht unterordnen zu müssen, seine eigene Meinung vertreten zu dürfen. Er kämpft, um selbst denken zu dürfen, hinterfragen zu dürfen. Aber er hinterfragt nicht nur den Glauben oder die Ideologie. Er hinterfragt auch die Religion, die Rolle des Staates und der Gesellschaft. Er hinterfragt seine Existenz. Er hinterfragt das ganze Sein. Er kämpft, bis er aufgibt. Bis er sich geschlagen gibt. Er kämpft, bis er nicht mehr kämpft. Es ist das Bild einer verkorksten Jugend, die von Horvath hier beschreibt. Einer Jugend, gnadenlos und eiskalt. Einer Jugend, geblendet von falschen Ideologien und Rassenvorstellungen. Geblendet von dem Glauben an die Überlegenheit der eigenen Rasse. Und es ist das Bild eines Mannes, der es sich zur Gewohnheit gemacht hat, über andere zu urteilen (zurecht, bedenkt man seinen gesellschaftlichen Kontext), aber sich bald eingestehen muss, dass auch er nicht völlig ohne Schuld ist. Dass vielleicht niemand völlig ohne Schuld ist. Und dass irgendwann der Moment kommt, an dem man sich fragen muss, wie man denn handeln möchte. Wie man denn sein möchte. Ob man weiter schweigen kann oder sich eingestehen muss, dass jeder Sklave seiner Handlungen und Entscheidungen ist. Und dass der Moment kommt, kommen kann, an dem man sich beugt. An dem man aufgibt. Auch wenn man es nicht möchte, auch wenn es den eigenen moralischen Vorstellungen widerspricht. Es kommt der Moment, an dem man sich beugt. Es ist eine klare, direkte Sprache mit der von Horvath die Entwicklung des Faschismus' der NS-Zeit beschreibt. Dabei kommt es durchaus auch vor, dass man lachen muss, weil man es einfach nicht glauben kann, dass erwachsene Menschen sich so leicht "verführen" lassen, einer Lüge so leicht aufliegen. Doch genau das war der Fall. Genau das war die Realität. Und wenn man das begrifft, sich dessen bewusst wird, Seite um Seite, dann vergeht das Lachen ganz schnell, weicht dem Entsetzen darüber, wie so etwas passieren konnte. Doch von Horvarths Buch ist so viel mehr als ein Anprangern der Kollektivschuld während des Regimes. Es ist vor allem ein Buch über die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, über die Rolle von Moral, von Verantwortung und Schuld. Es ist ein Buch, welches immer wieder die eine Frage stellt: Soll ich schweigen, um mich selbst zu schützen oder sage ich die Wahrheit, obwohl ich mich dadurch selbst in Gefahr bringe? Genau diese Frage ist es, die dieses Buch auch heute noch, obwohl bereits 1937 erschienen, mit einer Aktualität belegt, die seinesgleichen sucht. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklung und der Frage nach Anstand und Moral ist dieses Buch alles andere als ein eingestaubter Klassiker, sondern Pflichtlektüre und Lehre, wie man es nicht machen sollte. Lehre, wie schnell sich einzelne Ansichten zu einem Kollektiv entwickeln können. Lehre, wie schnell wir uns ihr hingeben, der Lüge, der Mutter aller Sünden.

Kundenbewertungen

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Generationen ohne Gott
von einer Kundin/einem Kunden aus %3B505031984854217 am 08.01.2013
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Die Plebejer sind an der Macht, sie feiern den Geburtstag des Oberplebejers und auch sonst folgen sie ganz unkritisch seinen Worten und den Reden seiner Unterstützer, die flächendeckend, das Land durch das Radio beschallen. Darin ein Lehrer der verzweifelt eine Nische für sich und seine Ansichten sucht. Auffallen will er um k... Die Plebejer sind an der Macht, sie feiern den Geburtstag des Oberplebejers und auch sonst folgen sie ganz unkritisch seinen Worten und den Reden seiner Unterstützer, die flächendeckend, das Land durch das Radio beschallen. Darin ein Lehrer der verzweifelt eine Nische für sich und seine Ansichten sucht. Auffallen will er um keinen Preis, seinen Schülern aber verkommene Werte vermitteln auch nicht, so windet er sich zwischen den Stühlen und scheitert wohl gerade durch diese Unentschlossenheit am Allermeisten. Als es auf einem Zeltlager zu einem tragischen Zwischenfall kommt verändert sich nicht nur für den Lehrer das komplette Denken und Handeln. Aus der Ich-Perspektive des Lehrers werden die Ereignisse geschildert, dabei tritt auch der Charakter dieser Person deutlich zu Tage. Klar und mit umsichtig gesetzten Worten führt uns Horvàth in die Lebenswelt des Protagonisten und macht ihn für uns mit allen seinen Schwächen und den wenigen Stärken, die er sein Eigen nennen mag lebendig. Mit „Jugend ohne Gott“ legte Ödön von Horvàth einen sozialkritischen Roman vor, der Seinesgleichen sucht. Auf 182 Seiten bemüht der Autor Metapher um Metapher, zitiert die Bibel und andere bekannte Schriften und spart nicht an kritischen und sarkastischen Aussagen. Kein Wunder, dass der Roman 1938 auf der „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ geführt wurde und im gesamten Reichsgebiet eingezogen wurde, zu offensichtlich waren die Vergleiche zum Deutschen Reich und seiner Propagandamaschinerie. Mehr als nur einmal fragt man sich bei „Jugend ohne Gott“, welche Generation Horvàth wohl gemeint haben mag, die gottlos durch ihr Leben geht. Die damaligen Jugendlichen, oder vielleicht doch die Erwachsenen, denen es nicht gelingt Verständnis für die Jüngeren aufzubringen und damit eine Brücke zu deren Einstellungen zu schlagen? Am Ende mag ich für mich herauslesen, dass jede Generation gottlos ist und es immer an uns selbst liegt, dies zu ändern oder noch zu verstärken. Im Kleinen wie im Großen.

Das Zeitalter der Fische
von Tanja Ciprian aus Vogel Thalia Winterthur am 30.06.2011
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Nach wie vor Schullektüre, ist dieses Buch ein Krimi der besonderen Art. Hier gilt es, einen Lehrer kennen- und bemitleiden zu lernen, der zu Zeiten Hitlers den Mord an einem seiner Schüler aufzuklären gezwungen ist. Auf der anderen Seite lernen Sie die Schüler kennen (allesamt nur mit dem ersten Buchstaben ihres Nachnamens bena... Nach wie vor Schullektüre, ist dieses Buch ein Krimi der besonderen Art. Hier gilt es, einen Lehrer kennen- und bemitleiden zu lernen, der zu Zeiten Hitlers den Mord an einem seiner Schüler aufzuklären gezwungen ist. Auf der anderen Seite lernen Sie die Schüler kennen (allesamt nur mit dem ersten Buchstaben ihres Nachnamens benannt), die intrigant, exzentrisch, gewalttätig, eigenbrötlerisch sind, und sich der Gruppendynamik nur schwerlich zu entziehen vermögen. Eine ganz persönliche Suche nach Gott, ein überraschend guter Krimi, aber vorallem eine grossartige soziologische Studie über den Faschismus und dessen Auswirkungen. Horvath ist ein zeitloses Meisterwerk gelungen, das durch absurd-geniale Vergleiche besticht - wie zum Beispiel der Vergleich immer wieder desselben Schülers mit einem Fisch... Stilistisch und inhaltlisch ein grandioses Werk in der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. Wie Hermann Hesse schon in einem Brief an einen Bekannten schrieb: "Ein kleines Buch empfehle ich Ihnen, eine Erzählung 'Jugend ohne Gott' von Horváth. Sie ist großartig und schneidet quer durch den moralischen Weltzustand von heute."

Nicht nur für den Schulunterricht
von einer Kundin/einem Kunden aus Hanau am 17.12.2010
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Ich vergebe für dieses Buch nur 3 Punkte, weil ich es selbst nicht gelesen habe (meine Tochter möchte selbst nicht bewerten). Sie musste dieses Buch für den Schulunterricht (Oberstufe) lesen. Sie fand es sehr Schade, dass sie es in einer verkürzten Zeit lesen sollte. Ihr Kommentar "Das Buch ist soo geil geschrieben, dass es eine... Ich vergebe für dieses Buch nur 3 Punkte, weil ich es selbst nicht gelesen habe (meine Tochter möchte selbst nicht bewerten). Sie musste dieses Buch für den Schulunterricht (Oberstufe) lesen. Sie fand es sehr Schade, dass sie es in einer verkürzten Zeit lesen sollte. Ihr Kommentar "Das Buch ist soo geil geschrieben, dass es eine Schande ist sich nicht mehr Zeit dafür zu nehmen. Ich werde es einfach nochmal lesen". Die Geschichte ist ihrer Meinung vom Autor gut erzählt und sehr interessant und sehr zu empfehlen.