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Das Banner der Königin / William Marshal Bd.3

Historischer Roman

William Marshal Band 3


Historische Fakten, große Charaktere und ein faszinierender Einblick in den dramatischen Kampf um die englische Krone

Zu Beginn des 12. Jahrhunderts spaltet die Nachfolge König Heinrichs bereits zu dessen Lebzeiten den englischen Hof. Nach seinem plötzlichen Tod entlädt sich der erbitterte Kampf um seinen Thron in einem blutigen Bürgerkrieg. John FitzGilbert, der königstreue ehemalige Hofmarschall, zunächst auf der Seite Stephans, des Neffen des toten Königs, wird schon bald gezwungen, das Lager zu wechseln – zu Mathilde, der Königstocher. Seiner Vaterlandsliebe wird schließlich das teuerste Gut eines Vaters abverlangt: Er soll seinen eigenen Sohn für den Frieden Englands opfern …

Rezension
"Ein fesselnder, turbulenter historischer Roman." Financial Times
Portrait
Elizabeth Chadwick lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Nottingham. Sie hat inzwischen über 20 historische Romane geschrieben, die allesamt im Mittelalter spielen. Vieles von ihrem Wissen über diese Epoche resultiert aus ihren Recherchen als Mitglied von »Regia Anglorum«, einem Verein, der das Leben und Wirken der Menschen im frühen Mittelalter nachspielt und so Geschichte lebendig werden lässt. Elizabeth Chadwick wurde mit dem Betty Trask Award ausgezeichnet, und ihre Romane gelangen immer wieder auf die Auswahlliste des Romantic Novelists' Award.
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  • Vernon-sur-Seine, Normandie, Herbst 1130

    "Warum sind hier in der Abrechnung Zelter aufgeführt, obwohl ich im Stall nur ganz gewöhnliche Gäule vorgefunden habe?", fragte John FitzGilbert in eisigem Ton und bedachte seinen Stellvertreter dabei mit durchdringendem Blick. Seine Augen schimmerten so dunkel wie die Oberfläche eines im Schatten liegenden Wassers.
    "Mylord?" Unter dem linken Auge seines Gegenübers zuckte ein winziger Muskel.
    Herbstliches Sonnenlicht glitt über die Binsen, die als dicker Teppich den Fußboden der Halle in König Heinrichs Jagdhütte bedeckten, streifte das Eck einer Tischplatte und fiel auf das untere Drittel eines Schriftstücks, das die Hand des geübten Schreibers verriet. Sein goldener Schein wärmte Johns Handrücken und ließ die Tresse schimmern, die den Ärmel seiner Tunika zierte. "Einer lahmt, der andere hat räudiges Fell, und der Braune ist alt genug, um schon Moses auf dem Heimweg aus Ägypten getragen zu haben!" Heftig pochte er mit dem Zeigefinger auf die fragliche Stelle. "Hier steht, dass Walter Picot fünf Zelter übergibt, um seine Schulden beim König zu begleichen. Wenn diese Gäule Reitpferde sind, so pökle ich auf der Stelle meine Stiefel und fresse sie."
    "Mylord, ich ..."
    "Keine Ausflüchte, Ralph. Schickt die Klepper umgehend zurück und sorgt dafür, dass Picot entsprechend den Vorgaben Ersatz leistet. Falls er sich weigert, werde ich ihn mir vorknöpfen. Ich bin nicht gewillt, den Abfall anderer Leute unter dem Dach des Königs zu horten." Mit diesen Worten lehnte er sich zurück und legte die Hand in gebieterischer Pose auf den Knauf seines Schwerts. Als Marshal des Königs war John FitzGilbert für die Ordnung am Hof verantwortlich, daher war das Schwert für ihn ein unabdingbarer Teil der Ausrüstung und wurde nicht, wie von den anderen Höflingen, nur bei Zeremonien oder im Kampf angelegt. "Sollte sich jedoch herausstellen", fuhr er fort und strich dabei nachdenklich mit dem Daumen über die weiche Rundung des Knaufs, "dass Walter tatsächlich fünf gute Zelter geliefert und einer meine Abwesenheit vom Hof ausgenutzt hat, um den eigenen Beutel zu mästen und Picots Tiere gegen diese Klepper zu vertauschen ..." Den Rest des Satzes ließ er unausgesprochen in der Luft hängen.
    Ralph fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. "Ich bin sicher, dass Eure Befürchtung unbegründet ist, Mylord."
    Fragend zog John eine Braue in die Höhe. Dann beugte er sich vor und legte die Hand auf das Pergament, sodass sich seine schlanken Finger über den Zeilen bogen. "Von meinen Untergebenen erwarte ich uneingeschränkte Loyalität und Tüchtigkeit, wofür ich sie auch großzügig belohne. Doch wer mich hintergeht oder betrügt, wird seines Lebens nicht mehr froh werden, wenn ich ihm erst auf die Schliche komme - falls er die Sache überhaupt überlebt. Haben wir uns verstanden?" John FitzGilbert war kaum fünfundzwanzig, doch seine Stellung als oberster Sergeant des Königs verdankte er nicht nur seinem Erbrecht auf dieses Amt. Vor nunmehr drei Jahren hatte er außerdem eine Anfechtung seiner Position vor Gericht so überzeugend abgewehrt, dass seitdem niemand mehr an seiner Befähigung zum königlichen Marshal und an seiner Kampfkraft zweifelte.
    "Ich werde mich darum kümmern, Mylord", entgegnete Ralph mit bleicher Miene und verkniffenen Lippen.
    "Das will ich hoffen." John FitzGilbert richtete seinen Blick bereits auf den nächsten Eintrag. Dort war die Anzahl der Brote aufgeführt, die an die königliche Meute verfüttert worden waren. Für gewöhnlich hätte er diese Prüfung solcher Listen einem seiner Untergebenen überlassen. Aber da er dem Hof längere Zeit hatte fernbleiben müssen, um nach dem Tod seines Vaters die Belange seines Besitzes zu ordnen, hielt er es nun für geboten, als Bestätigung seiner Macht dem Amt erneut seinen Stempel aufzudrücken. Ganz so wie man ein Siegel in warmes Wachs presste.
    "Herr im Himmel, wie viele Laibe frisst eigentlich so ein Hund?" Als ein Schatten auf das Schriftstück fiel, hielt John inne und hob den Kopf. "Mylord?"
    "Lasst es für heute gut sein, FitzGilbert." Mit verschränkten Armen stand Robert FitzRoy vor dem Tisch und ließ sich seine blutrote Tunika von der Sonne wärmen. "Kommt lieber mit nach draußen. Dieses Schauspiel dürft Ihr Euch nicht entgehen lassen."
    Insgeheim seufzte John. Es war zwecklos, dem Earl of Gloucester erklären zu wollen, dass er die Abrechnung lieber bis zum Ende durchsehen wollte, ehe er sich anderen Dingen zuwandte. Robert FitzRoy, Earl of Gloucester, war als König Heinrichs ältester Sohn zwar von unehelicher Geburt, verfügte aber dennoch über größten Einfluss am Hof. Es lag also in Johns eigenem Interesse, sich gefällig zu zeigen; außerdem war Robert of Gloucester sein Bundesgenosse, Freund und Förderer.
    Er erhob sich. Gloucester war hochgewachsen, aber John überragte ihn noch um die Länge eines Zeigefingers. Die massige Gestalt des Earls machte den Vorsprung allerdings wieder wett, sodass beide Männer gleich groß wirkten. Wortlos nahm John seinen Hut von der Bank, zog ihn durch den Gürtel - und fand sich insgeheim damit ab, dass die Abrechnungen vermutlich bis nach dem abendlichen Mahl warten mussten.
    "Mein Cousin Stephan hat ein neues Pferd."
    John steckte seinen Umhang zusammen und kam hinter dem Tisch hervor. "Bringt alle diese Schriftstücke in mein Gemach", rief er Ralph über die Schulter zu. "Außerdem will ich die Liste der Einnahmen der Armee während der Monate meiner Abwesenheit sehen. Und bis spätestens morgen Mittag möchte ich hören, was aus dem vierbeinigen Hundefutter draußen im Stall geworden ist."
    "Ja, Mylord." Als sich sein Stellvertreter verbeugte, standen ihm winzige Schweißperlen auf der Stirn.
    Mit langen energischen Schritten eilte John hinter Gloucester her.
    "Sie bekommen zu spüren, dass Ihr wieder da seid", bemerkte Robert of Gloucester mit verstohlenem Grinsen.
    Um die Lippen des Marshals spielte ein sarkastisches Lächeln. "Das will ich meinen."
    "Und habt Ihr schon größere Missstände aufgedeckt?"
    Johns Lächeln wurde breiter. Dabei zeigten sich erste feine Linien auf seinen Wangen, die sich in späteren Jahren als harte Falten eingraben würden. "Außer ein paar fragwürdigen Rössern im Stall und Hunden, die offenbar Weizenbrote in Massen verschlingen, gibt es nichts, was ich nicht im Griff hätte."
    "Und wie steht es mit den Frauen?"
    "Für sie gilt dasselbe", bemerkte John trocken.
    Robert lachte laut und legte John seinen Arm um die Schultern.

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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 542
Erscheinungsdatum 07.12.2009
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-37235-5
Verlag Blanvalet
Maße (L/B/H) 18,2/12,6/4,3 cm
Gewicht 450 g
Originaltitel A Place beyond Courage
Abbildungen schwarzweisse Abbildungen
Übersetzer Monika Koch
Verkaufsrang 124670
Buch (Taschenbuch)
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8,95
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Ein Roman für ein Wochenende zum Abtauchen! Elizabeth Chadwick hat nach ihren beiden Romanen über den Ritter der Könige, William Marshal, jetzt eine wunderbare Geschichte über dessen Vater geschrieben. John FitzGilbert, Marschall am englischen Königshof, muß sich nach dem Tode König Heinrichs im ausbrechenden Erbfolgekrieg zwischen Loyalität und Ehre entscheiden. Diese Entscheidung wird für ihn zutiefst persönlich, als sein jüngster Sohn mit auf das große politische Schachbrett gestellt wird..... John FitzGilbert, der Geschichtsschreibung durch einige harte Worte bekannt, bekommt hier ein menschliches Gesicht. Unbedingt lesenswert!

Kundenbewertungen

Durchschnitt
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a place beyond courage
von einer Kundin/einem Kunden am 24.03.2011

... ist das Prequel zu den schon erschienenen zwei Romanen über William Marshal, nämlich über dessen Vater John - den Mann hinter der berühmt-berüchtigten Hammer-und-Amboß-Ansage. Ein sehr unterhaltsamer, gut recherchierter Roman - wenn auch sicher mit einer ordentlichen Portion dichterischer Freiheit - ist doch die tatsächliche... ... ist das Prequel zu den schon erschienenen zwei Romanen über William Marshal, nämlich über dessen Vater John - den Mann hinter der berühmt-berüchtigten Hammer-und-Amboß-Ansage. Ein sehr unterhaltsamer, gut recherchierter Roman - wenn auch sicher mit einer ordentlichen Portion dichterischer Freiheit - ist doch die tatsächliche Quellenlage zu ihm viel spärlicher als zu seinem Sohn. Ich bin mir ziemlich sicher, wer Rebecca Gablé mag, wird auch Elizabeth Chadwick mögen, wobei sich letztere in meinen Augen über die Zeit gesteigert hat, soll heißen, es gibt unter ihren früheren Büchern auch ein paar schwächere, dieses hier ist definitiv eines der absolut gelungenen, wie auch die beiden anderen Marshal Bücher (besonders das zweite). Das Tempo ist etwas gemächlicher als bei Gablé, was zum einen daran liegen mag, daß Chadwick sich (in diesen Büchern zumindest) ja auch an die Fakten der Biografien der Helden zu halten hat, zum anderen auch dazu führt, daß die Überraschungen und Wendungen nicht ganz so an den Haaren herbeigezogen und als Selbstzweck erscheinen, wie sie das anderswo gelegentlich tun... Was die Spannung aber nicht mindert. Auch ist John Marshal keiner dieser vermodernisierten Helden, sondern ganz wohltuend ein 'Mann seiner Zeit' - rücksichtslos, dennoch faszinierend, ach ja, und märchenhaft gutaussehend auch nur bis zur Mitte der Geschichte ;) Meine Bemängelung - wie immer Titel und Coverbild der deutschen Ausgabe, wenn auch nicht ganz so furchtbar wie bei 'The Greatest Knight' - 'Der Ritter der Königin'. Himmel, Blanvalet - die Hauptfiguren dieser Romane sind Männer! im besten Sinne des Wortes, und die Hauptleserschaft besteht - höchstwahrscheinlich, wenn auch vielleicht ungerechtfertigt - aus Frauen! Wo bitte ist da der Grund irgendwelche Frauentorsi aufs Cover zu bügeln?

Kampf um die Ehre
von Denise Fritschi aus Ludwigshafen am 11.01.2010

Alle die das Mittelalter in seiner ganzen Pracht erleben möchten wird dieser Roman begeistern. Als Geschenk oder zum eigenen Lesevergnügen ist der Roman "Das Banner der Königin" optimal. Tauchen Sie ein in die Geschichte des Ritters John FitzGilbert am englischen Königshof des frühen 12. Jahrunderts. Viel Spaß bei diesem histori... Alle die das Mittelalter in seiner ganzen Pracht erleben möchten wird dieser Roman begeistern. Als Geschenk oder zum eigenen Lesevergnügen ist der Roman "Das Banner der Königin" optimal. Tauchen Sie ein in die Geschichte des Ritters John FitzGilbert am englischen Königshof des frühen 12. Jahrunderts. Viel Spaß bei diesem historischen Lesevergnügen!