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Coma

Roman

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Taschenbuch

Jetzt wird richtig zugeschlagen

Ein ganz spezielles Brüderpaar. Gary ist ein untalentierter Golfer, Lee ein untalentierter Gangster. Der eine wird von einem Golfball am Kopf getroffen und fällt ins Koma. Als er erwacht, spürt er den Drang zur öffentlichen Masturbation und leidet am Tourette-Syndrom. Aber er kann plötzlich Golf spielen. Der andere soll eine unschuldige Frau töten, um seine Schulden zu begleichen. Als sich die Wege der beiden kreuzen, kann das nichts Gutes bedeuten.

In Ardgirvan, einer kleinen Stadt an der Westküste Schottlands, leben zwei Brüder, die wenig miteinander zu tun haben, gemeinsam ist ihnen nur die Mittelmäßigkeit, in dem, was sie tun: Gary arbeitet seit seinem 17. Lebensjahr in der Verwaltung von Henderson’s Gabelstaplerwerk, seine größte Leidenschaft gilt dem Golf spielen, das er nicht kann, die zweitgrößte seiner Frau, ehemals Maikönigin von Ardgirvan, die ihn nicht lässt. Während er sich seinen neun Löchern widmet, betrügt sie ihn mit dem lokalen Teppichbaron. Lee ist ein untalentierter Gangster, der wegen eines geplatzten Drogendeals die berüchtigtste Verbrecherdynastie der Stadt am Hals hat. Als Gary von einem Golfball am Kopf getroffen wird und ins Koma fällt, nehmen die Ereignisse eine jähe Wendung. Gary erwacht und leidet fortan an einer speziellen Form des Tourette Syndroms: permanent spürt er den Drang, öffentlich zu masturbieren. Aber er kann plötzlich Golf spielen und qualifiziert sich für ein Turnier nach dem anderen. Währenddessen erhält Lee den Auftrag, eine unschuldige Frau zu töten, um seine Schulden zu begleichen. Auf verhängnisvolle und sehr komische Weise kreuzen sich die Wege der beiden Brüder, und alles läuft auf einen großen Showdown bei der British Open Championship zu.

Rezension
Alex Dengler, Deutschlands führender Buchkritiker, denglers-buchkritik.de, 25.01.10
Nach dem Kultbestseller Kill Your Friends über die dreckige Musikindustrie folgt nun der nächste Kultkracher von Engländer John Niven, Coma. Saucool, saukomisch, saumäßig versaut, literarisch gesehen ist Coma eine riesengroße Sauerei, eine Sauerei, die saumäßig Spaß macht sie zu lesen. Danach werden Sie Golf mit anderen Augen sehen. Und zudem noch alles über Golf wissen. Wenn Sie dann einer fragen sollte, woher Sie dieses Wissen haben, sollten Sie antworten: Das wollen Sie lieber nicht wissen. Coma ? eine Pflichtlektüre für alle, die dem Alltag mal den bösen Finger zeigen wollen.
Portrait
John Niven, geboren in Ayrshire im Südwesten Schottlands, spielte in den Achtzigern Gitarre bei der Indieband The Wishing Stones, studierte dann Englische Literatur in Glasgow und arbeitete schließlich in den Neunzigern als A&R-Manager einer Plattenfirma, bevor er sich 2002 dem Schreiben zuwandte. 2006 erschien sein erstes Buch, die halbfiktionale Novelle Music from Big Pink über Bob Dylan und The Band in Woodstock; 2008 landete er mit dem Roman Kill Your Friends – einer rabenschwarzen Satire auf die Musikindustrie – einen internationalen Bestseller. Es folgten die Romane Coma, Gott bewahre, Das Gebot der Rache, Straight White Male, Old School, Alte Freunde und Kill 'em all. John Niven schreibt außerdem Drehbücher. Er lebt derzeit in Buckinghamshire, England.
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  • SOWEIT GARY IRVINE SICH ERINNERN KONNTE, HATTE NOCH KEINER seiner Geburtstage erniedrigender begonnen.
    Schmerzhafter schon: beispielsweise sein zwölfter, als seine Eltern ihm den Wunsch nach einem Skateboard nicht erfüllen konnten. Stattdessen hatte sein Vater ihm eines gebaut. Er beklebte eine kurze Planke mit Gummireifenprofil und schraubte die Räder eines alten Rollschuhs auf die Rückseite des Bretts. Ohne die geringste Steuerungsmöglichkeit war Gary die Castleglen-Brücke heruntergebrettert, geradewegs in eine Bushaltestelle, und hatte dabei seine Schneidezähne verloren.
    Da waren haarsträubendere Geburtstage gewesen: sein achtzehnter, als er vom Gekreische seiner Mum erwacht war, nachdem sie ihn bewusstlos unten im Hausflur gefunden hatte. Seinen schwankenden Weg von der Haustür bis dorthin markierte eine Spur aus erkaltetem Erbrochenem, und auf seiner Stirn prangte ein krakelig aufgemalter Schwanz mit Eiern, der unmissverständlich deutlich machte, dass er nun das gesetzliche Mindestalter für den Konsum von Alkohol erreicht hatte.
    Und es hatte Geburtstage mit mehr Streitereien gegeben: etwa letztes Jahr, als Pauline ihm Egoismus nachsagte, weil er ihre Pläne für einen gemeinsamen Einkaufsbummel in Glasgow sabotiert hatte, um Golf spielen zu können.
    Aber der heutige war definitiv der erniedrigendste. Und so war es dazu gekommen:
    Pauline hatte früh an diesem Morgen los gemusst, da sie an einer Schule in der Nähe von Cumnock eine Show für ein paar Erstklässler veranstaltete. Obwohl er Geburtstag hatte, war Gary wie üblich vor ihr aufgestanden, um ihr das Frühstück zu bereiten.
    Um sechs Uhr dreißig schlüpfte er aus der warmen Geborgenheit des Bettes, und sein Golftraum (ein unter einem leuchtend blauen Himmel schnurgerade dahinfliegender Ball) verpuffte, bevor er sich gähnend und streckend die Treppe herunterquälte. Es war die zweite Aprilwoche, und die Frühlingssonne dämmerte bereits die Westküste Schottlands herauf, malte kraftlose, viereckige Lichtflecken an die Wände.
    Als er die Küchentür öffnete, sah er Bens leblosen Körper zusammengesunken in der Ecke liegen - die Schnauze tief in einem Sportschuh vergraben, als trüge er eine Sauerstoffmaske -, und einen kurzen Augenblick lang gab sich Gary der immer wieder erquickenden Vorstellung hin, das Monster wäre über Nacht endlich krepiert. Doch als er sich über ihn beugte, um es zu überprüfen, sah er, dass sich die Flanke des Hundes rhythmisch hob und senkte. Seine hochbetagten, ramponierten Lungen leerten und füllten sich. Bens Hinterbeine zitterten und zuckten, während er seinen Träumen (schrecklichen Ben-Träumen: Flüsse aus menschlichem Blut, Scheißhaufen, groß wie Städte) in die Morgendämmerung nachjagte.
    Ben witterte ihn und wälzte sich herum. Obwohl er noch nicht richtig wach war, verzerrte er bereits sein Gesicht zu einer gehässig knurrenden Begrüßung: seine instinktive Reaktion auf die Gegenwart eines jeden Menschen - außer Pauline. Während er sich ein letztes Mal streckte, bevor er vollständig wach war, verschärfte sich sein Knurren, um binnen kürzester Zeit jenen Level bodenlosen Hasses zu erreichen, der ausschließlich Gary, dem Schänder seines Frauchens, vorbehalten war, ehe es schließlich in einer Reihe kurzer, bissiger Kläffer kulminierte.
    "Och bitte, halt's Maul, Ben."
    Ben hörte auf zu bellen. Selbstverständlich nicht aus einem plötzlichen Gehorsamsimpuls heraus, sondern schlicht, um sich voll und ganz darauf zu konzentrieren, Gary zu fixieren; seine Lefzen hochgezogen, das schwarze und pinkfarbene Zahnfleisch und die karamellfarbenen Zähne zu einem drohenden Fletschen entblößt. Schweigend starrten Gary und Ben einander in die Augen, in denen jeder das entdeckte, was auch der andere sah.
    Gary sah einen siebzehn Jahre alten Mischling, das Ergebnis der Vereinigung eines Corgis mit einem Border Collie; jener unheiligen Allianz, in deren Schmelztiegel Bens einzigartige "Persönlichkeit" geformt worden war. Das Fell war überwiegend schwarz, mit weißen und hellbraunen Flecken, insbesondere im Gesicht, das halb weiß und halb schwarz war. (Die Farben suggerierten fälschlicherweise ein Yin und Yang der Seele, eine helle und eine dunkle Seite, dabei war da gar kein Yin: Bens Seele war durch und durch Yang.)
    Ben war klein oder, besser gesagt, kurz: Er sah aus wie ein normaler Collie, dem man unterhalb der Knie die Beine abgesägt hatte. Seine Augen, ehemals kohlrabenschwarze Teiche, waren von Rissen und Fissuren milchiger Katarakte durchzogen. In diesen Augen erblickte Gary nun das Gesicht eines Schotten, der an eben diesem Morgen dreiunddreißig Jahre alt geworden war. Er hatte einen dichten, jungenhaften Schopf rotbraunen Haares und rostfarbene Flecken in seinem Stoppelbart (in der Schule hatten sie ihn eine "Halbkarotte" genannt). Garys Augen waren blau und klar, die Augen eines Mannes, der jeden Morgen seine fünf Kilometer lief und nur selten Alkohol trank. Er besaß ein jugendliches Äußeres, obwohl er letztens, in den Vertiefungen neben seinen Nasenlöchern und in der Falte unter den Tränensäcken, vereinzelte Poren entdeckt hatte, die große Mengen wächsernen Eiters enthielten; ein posthumes Vermächtnis seines Großvaters, der zu seinen besten Zeiten ein Golfer mit Handicap zwei gewesen war und diesen Sommer bereits dreizehn Jahre unter der Erde lag.
    Mensch und Bestie verharrten noch einen kurzen Augenblick Auge in Auge - beide schienen damit zu rechnen, dass jede Sekunde neue Kämpfe ausbrechen würden -, bevor Gary die Hintertür öffnete und den Hund mit viel Mühe in den Garten bugsierte. Ben kam natürlich gar nicht bis zum Rasen, sondern pinkelte fröhlich drei Fuß von der Tür entfernt auf die Terrasse, sein hechelndes Gesicht in den Urindampf getaucht.
    Es folgte das Ritual: Paulines Porridge.
    Der Haferbrei war das Produkt intensiver Arbeit und großer Erfindungsgabe. Er wurde mit Milch gemacht und ganz genau dreieinhalb Minuten in der Mikrowelle erhitzt. Diese Zeitspanne garantierte die exakt richtige Konsistenz des Haferschleims und war das Ergebnis ausgiebiger Forschungs- und Entwicklungsarbeit, zu der Gary sich bemüßigt gesehen hatte, nachdem Pauline zu Beginn ihrer Ehe zahlreiche Schüsseln mit zu flüssigem oder zu festem Haferbrei keines Blickes gewürdigt hatte.
    Gary stand in Boxershorts und einem uralten Stone-Roses-T-Shirt in der langsam wärmer werdenden Küche, lauschte dem Summen der Mikrowelle und dem Rumpeln des Teekessels. Vor einem Jahr hätte er an dieser Stelle noch im Garten gestanden. Der Ausbau von Küche und Esszimmer - Paulines Projekt - war gerade erst beendet worden. Lange nach Plan und weit über Budget.
    Sie waren vor fünf Jahren in die kleine Neubausiedlung gezogen, die sein Bruder als "Tal des Büchsenfleischs" bezeichnet hatte.
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Herausgeber Tim Jürgens
Seitenzahl 397
Erscheinungsdatum 05.10.2009
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-453-67577-3
Verlag Heyne
Maße (L/B/H) 20,7/13,7/3,8 cm
Gewicht 514 g
Originaltitel The Amateurs
Übersetzer Stephan Glietsch, Alexander Wagner
Verkaufsrang 50652
Buch (Taschenbuch)
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Buchhändler-Empfehlungen

Eine Buchhändlerin/ein Buchhändler, Thalia-Buchhandlung Oberhausen

Ein Roman über Golf, der nicht nur urkomisch ist, sondern packend, sexy, brutal und skandalös zugleich. Immer bizarrer werdender Plot, jede Menge Humor. Total abgedreht!

Kerstin Senger, Thalia-Buchhandlung Sulzbach

Nicht nur für Golf-Fans... Auch Freunde der bösen Unterhaltung kommen auf Ihre Kosten!

Kundenbewertungen

Durchschnitt
15 Bewertungen
Übersicht
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Ein muss für Golf- Fans
von einer Kundin/einem Kunden am 11.04.2013

Vielleicht können nur Golfer, die wissen, wie nahe Ekstase und Verzweiflung auf dem Golfplatz liegen, die Leiden des Helden nachvollziehen. Punkten kann Nivens Sportroman auf jeden Fall mit einer Menge britischem Humor. Jedoch sind Grundkenntnisse der Golfregeln- und begriffe sehr von Vorteil.

Für ein blutiges Lächeln...
von Tobias Schröder aus Bayreuth am 29.04.2010

Selten war ein Buch so hart und witzig. Grundlegende Vorraussetzungen beim Leser sollten aber vorhanden sein und die wären: Hart im Nehmen, Freund des ur-englischsten Humors und kein Golfhasser. Alles erfüllt? Dann kann ich nur viel Spass wünschen bei "Coma", einem wirklich knallharten Thriller, bei dem das Schicksal zwei Brüder... Selten war ein Buch so hart und witzig. Grundlegende Vorraussetzungen beim Leser sollten aber vorhanden sein und die wären: Hart im Nehmen, Freund des ur-englischsten Humors und kein Golfhasser. Alles erfüllt? Dann kann ich nur viel Spass wünschen bei "Coma", einem wirklich knallharten Thriller, bei dem das Schicksal zwei Brüder auf zwei steinigen Wegen das Leben blutig scheuert und zusammführt. Ein Hole-In-One des englischen Humors.

lustig bis (fast) zum schluss
von einer Kundin/einem Kunden aus Tulln am 26.04.2010

auf jeden fall ist das buch ein guter nachfolger von john nivens kill your friends. genauso witzig, skuril und gleichzeitig manchmal auch brutal. es ist schonungslos geschrieben, die sprache wurde gut eingesetzt und so verfasst dass man die handlung leicht und gut mitbekommt, vor allem ist das buch stellenweise wirklich seeehr f... auf jeden fall ist das buch ein guter nachfolger von john nivens kill your friends. genauso witzig, skuril und gleichzeitig manchmal auch brutal. es ist schonungslos geschrieben, die sprache wurde gut eingesetzt und so verfasst dass man die handlung leicht und gut mitbekommt, vor allem ist das buch stellenweise wirklich seeehr fesselnd! mein einziger kritikpunkt ist, dass ich den schluss etwas lahm fand. so ein mehr oder weniger happy end hätte ich nicht erwartet, da hätte ich mir irgendwie mehr kreativität gewünscht. aber da der rest so unterhaltsam war, kann man das dem autor jetzt auch nicht wirklich übel nehmen. ich finde das buch auf jeden fall empfehlenswert.