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Wahnsinn

Roman. Deutsche Erstausgabe

Schon bald nach ihrer Hochzeit entdeckt Liddy die sadistische Ader ihres Mannes Arthur. Nach der Geburt ihres Sohnes gerät er zunehmend außer Kontrolle. Er verletzt Liddy, schlägt und missbraucht sie. Um ihres Kindes willen erträgt sie zunächst schlimmste Demütigungen. Doch dann begreift Liddy, wie wahnsinnig Arthur tatsächlich ist, und nimmt den ungleichen Kampf auf.

Sie informiert die Polizei und reicht die Scheidung ein. Arthurs Anwälten gelingt es jedoch, Liddy als nicht zurechnungsfähig hinzustellen. Während Liddy um ihr Sorgerecht kämpft, werden weibliche Leichen gefunden, die Opfer eines äußerst brutalen Serienkillers.

Portrait
Ketchum, Jack
Jack Ketchum ist das Pseudonym des ehemaligen Schauspielers, Lehrers, Literaturagenten und Holzverkäufers Dallas Mayr. Er gilt heute als einer der absoluten Meister des Horror-Genres. 2011 wurde er zum Grand Master der World Horror Convention ernannt. Er erhielt fünfmal den Bram Stoker Award, sowie 2015 den Lifetime Achievement Award der Horror Writers Association.
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  • Ellsworth, New Hampshire • Ostern 1953

    Es reicht, dachte sie. Himmelherrgott, jetzt reicht's. Das Baby weinte.
    Das Baby wollte die Brust. Oder das Baby wollte auf den Arm genommen werden. Oder das Baby hatte sich vollgeschissen oder vollgepisst. Oder es wollte sie vollpissen oder vollscheißen. Vielleicht wartete es auch, bis sie in seine Windel sah, um ihr die ganze Scheiße, die es in sich hatte, ins Gesicht zu spritzen. Es wäre nicht das erste Mal gewesen.
    Sie stand auf und ging zum Gitterbettchen. Der Mann neben ihr schlief weiter.
    Sie nahm das Baby und fühlte an seiner Windel. Die Windel war trocken. Sie wiegte das Baby auf und ab. Es weinte noch lauter.
    Tja, die Brust würde es nicht bekommen.
    Ihre Nippel waren jetzt schon wund.
    Sie war immer noch eine gut aussehende Frau. Und das würde auch so bleiben.
    Ab morgen kriegst du die Flasche, dachte sie. Mir egal, was die Ärzte sagen.
    Ich kann mit dir machen, was ich will, dachte sie. Ist dir das klar? Du gehörst mir.
    Ihr war von dem vielen Portwein nach dem Abendessen immer noch ein bisschen schummerig. Sie hatte Kopfweh.
    Sie trank sonst nicht viel. Außer in letzter Zeit. In diesem Moment wollte sie nur noch zurück ins Bett und sich ausschlafen, aber nein, stattdessen musste sie sich wieder mit dem Baby befassen. Jede Nacht die gleiche verdammte Geschichte. Jede Nacht das Baby. Ihr Mann wurde nie wach. Gut, hin und wieder schon, aber dann drehte er sich bloß auf die andere Seite und teilte ihr mit, dass das Baby weinte. Als wüsste sie das nicht bereits. Als hätte sie nicht schon längst wachgelegen und darauf gewartet, dass das Baby sich wieder beruhigte.
    Anscheinend musste das Baby nicht pinkeln. Sie schon.
    Sie nahm das Baby mit in der Hoffnung, dass es vielleicht wieder einschlafen würde, wenn sie es hin und her trug. Man konnte ja nie wissen.
    Sie tappte den Flur entlang zum Badezimmer, zog ihr Nachthemd hoch und hockte sich mit dem Baby in den Armen hin. Sein Gesicht war vor Wut rot gefleckt, sein Mund stand weit offen und der Lärm, den es machte, schlug ihr ins Gesicht, beschallte den winzigen Raum, unaufhörlich, unerbittlich. Sie roch den strengen Duft ihres Urins und den warmen, eigenartig fleischigen Geruch des Babys. Selbst sein Geschrei schien einen Geruch zu haben.
    Manche Menschen mochten ja den Duft von Babys.
    Sie nicht.
    Für sie roch das Baby nicht mal menschlich.
    Als sie aufstand und spülte, schrie das Baby noch lauter.
    Schrie wie am Spieß.
    Sie schüttelte es. "Herrgott", sagte sie. "Wirst du um Himmels willen ruhig sein?" Das Baby weinte. Sie fühlte, wie der Zorn wie ein heißer Wind in ihr aufstieg. Ich werd dafür sorgen, dass du ruhig bist, dachte sie. Und zwar für immer.
    Sie klappte die Klobrille hoch, packte das Baby bei den Füßen und hielt es mit dem Kopf nach unten über der Schüssel. Hab ich wirklich vor, das zu tun?, dachte sie. Wirklich? Und die Antwort lautete: Ja, verdammt nochmal, und ob. Mir steht das Geschrei, das Jammern, Saugen, Sabbern, Pissen und Scheißen bis hier. Ich hab die Schnauze gestrichen voll.
    Sie tauchte seinen Kopf ins Wasser.
    Und hielt es so.
    Blubbern.
    Strampeln.
    Erbärmlich, kläglich.
    Spucken.
    Schwächer jetzt.
    Das Baby starb.
    Ihr Baby.
    Oh Himmel oh Himmel Gott oh Himmel.
    Sie zog es heraus. Es war tropfnass, die winzigen Augen aufgerissen, erstaunt. Aus dem weit geöffneten Mund strömte Wasser aus der Kloschüssel, und es war ruhig, einen schrecklichen Augenblick lang wollte es einfach nicht atmen, sein Mund stand offen, aber nichts passierte, und dann begann sie es zu tätscheln, klopfte ihm auf den Rücken, es hustete, dann schrie es, wie sie es oder überhaupt irgendetwas noch nie zuvor hatte schreien hören, starrte sie die ganze Zeit aus weit aufgerissenen Augen an, als würde der Kleine sie zum ersten Mal vor sich sehen und direkt in ihre kranke, wilde Seele blicken, so dass sie ihn fest an sich drücken musste, und sei es nur, um seinen Augen zu entgehen, dieser erstaunten Anklage, und so presste sie ihn an sich und dachte, was habe ich getan? Was, in Gottes Namen, habe ich getan? Baby, Baby, Baby, flüsterte sie.

    Kinder

    Wolfeboro, New Hampshire • Juni 1962

    Das kleine Mädchen hatte aufgehört gegen die Tür zu hämmern. Das brachte sowieso nichts.
    Sie konnte die da draußen nicht mal mehr hören.
    Die feuchte, stickige Luft in der Hütte roch schwer nach Erde und altem, fauligem Holz. Es wurde allmählich dunkel. Das Licht durch die Spalten in den fensterlosen Wänden wurde schwächer und schwächer.
    Sie hatten irgendwas in den Türrahmen geklemmt, ein Stück Holz oder so. Sie konnte die Tür keinen Zentimeter von der Stelle bewegen. Zusammengekauert saß sie gegen die schwitzende, glitschige Wand gelehnt, roch den feuchten Lehmboden und den vollen Moschusgeruch ihrer Tränen und dachte: Keiner wird mich finden.
    Sie stellte sich vor, wie sie irgendwo da draußen im Sumpf - gut möglich, dass sie inzwischen schon eine halbe Meile entfernt waren - durch flaches, schwarzes Wasser und Morast stapften, der einem die Gummistiefel von den Füßen ziehen konnte, und mit ihren zweizackigen Metallspießen nach Fröschen stachen. Jimmy hatte bestimmt schon ein paar beisammen, die jetzt tot oder sterbend in seinem Eimer lagen. Billy war nicht so schnell wie Jimmy und deshalb womöglich leer ausgegangen.
    Das musst du dir ansehen, hatten sie gesagt. Das ist cool.
    Die alte Blockhütte lag irgendwo am Ende der Welt. Ihr Daddy nannte so etwas ein scheußliches Bauwerk. Seit Jahren schon versank die Hütte langsam im Sumpf, und für Jagdausflüge wurde sie schon lange nicht mehr benutzt.
    Liddy war erst sieben.
    Sie hatte nicht reingehen wollen.
    Die Jungen, Jimmy und Billy, waren neun und zehn. Warum hatte sie also als Erste reingehen sollen?
    Warum immer sie?
    Das hatte sie sich insgeheim gedacht, war dann aber doch durch die offen stehende Tür gegangen. Schließlich durfte sie die Jungs nicht merken lassen, dass sie Angst hatte.

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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 352
Erscheinungsdatum 02.11.2009
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-453-67552-0
Verlag Heyne
Maße (L/B/H) 18,9/12/2,8 cm
Gewicht 290 g
Originaltitel Stranglehold
Übersetzer Ralf Schmitz
Verkaufsrang 10731
Buch (Taschenbuch)
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8,95
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Buchhändler-Empfehlungen

Wie weit würdest du gehen, um dein Kind zu schützen?

Eva Becker, Thalia-Buchhandlung Trier

Kaum ein anderer Autor vermag es, bei mir solche heftigen Emotionen auszulösen wie Jack Ketchum. Geradlinig und schnörkellos erzählt Ketchum uns die unfassbare Geschichte einer verzweifelten Mutter und ihren scheinbar hoffnungslosen Kampf gegen ihren wahnsinnigen Exmann und das amerikanische Justizsystem. Mit jeder Seite wuchs in mir eine ohnmächtige Wut angesichts so viel Ungerechtigkeit und gleichzeitig der unrealistische Wunsch auf ein Happy End, der leider, wie zu erwarten, nicht erfüllt wurde. Am Ende blieben Fassungslosigkeit und die erneute Erkenntnis, dass Ketchum weiß, wie er seinen Lesern unter die Haut geht, mit Geschichten, die auch nach Abschluss noch lange in einem nachhallen. Für alle Leser mit starken Nerven ist dieses Buch sehr zu empfehlen, alle anderen sollten einen weiten Bogen darum machen!

Eine Buchhändlerin/ein Buchhändler, Thalia-Buchhandlung Münster

Sehr spannend und fesselnd von Anfang bis Ende. Der Titel hält, was er verspricht.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
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Übersicht
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Eine bitterböse, packende, spannende und nervenaufreibende Story die realistischer kaum sein könnte
von Lines Books aus Nentershausen am 19.04.2019

Ziemlich lange stand "Wahnsinn" von Jack Ketchum auf meiner Wunschliste. Ich hatte einiges über dieses Buch gehört. Die Meinungen gehen weit auseinander und sind recht verschieden. Ausschlaggebend für mich war allerdings der Klappentext und auch die Leseprobe, diese haben mir auf Anhieb richtig gut gefallen. Ich freute mic... Ziemlich lange stand "Wahnsinn" von Jack Ketchum auf meiner Wunschliste. Ich hatte einiges über dieses Buch gehört. Die Meinungen gehen weit auseinander und sind recht verschieden. Ausschlaggebend für mich war allerdings der Klappentext und auch die Leseprobe, diese haben mir auf Anhieb richtig gut gefallen. Ich freute mich auf dieses Buch, das klingt vielleicht makaber, aber so war es nun mal. Meine Erwartungen waren dementsprechend hoch. Der Einstieg ins Buch fiel mir mehr als leicht. Man lernt Arthur kennen, der zu diesem Zeitpunkt noch sehr klein ist. Es gab immer wieder Zeitsprünge, dadurch lernte ich Arthur noch sehr viel besser kennen. Sympatisch würde ich ihn nicht nennen, doch er weiß haargenau wie er die Menschen um den Finger wickeln kann. Das tut er auch bei Lydia und so werden die beiden ein Paar. Anfangs läuft es richtig gut zwischen den beiden, doch als ihr gemeinsamer Sohn Robert das Licht der Welt erblickt verändert sich Arthur zusehends. Lydia ahnt das es etwas böses ist, denn schon bald kennen Arthurs Gewaltausbrüche keine Grenzen mehr. Lydia sieht keinen anderen Ausweg mehr als sich von Arthur zu trennen, die Ereignisse überschlagen sich doch Lydia kämpft unerbittlich weiter. Sie kämpft für ihren Sohn, für sich selbst und für die Gerechtigkeit.... Der Schreibstil des Autoren ist sehr locker und flüssig zu lesen. Er schreibt fesselnd, einnehmend und offen, er nimmt kein Blatt vor dem Mund und schreibt detailliert. Er greift hier einige Tabuthemen auf und schildert diese bewegend. Das ganze bescherte mir die unterschiedlichsten Emotionen. Ich wurde unglaublich wütend, es verschlug mir die Sprache und ich zitterte teilweise vor unterdrückter Wut. Dieses Buch brachte mich ganz klar an meine Grenzen, denn gerade wenn man selbst Kinder hat sieht man das ganze mit anderen Augen. Dieses Buch ist ein Weckruf. Man sollte genauer hinschauen und vor der alltäglichen Gewalt nicht die Augen verschließen. Wie viele Kinder erleiden das selbe Schicksal wie Robert? Warum bleiben die Täter unerkannt? Was kann man tun um Missbrauch zu verhindern. Das sind nur ein paar Gedanken die ich mir nach dem lesen machte. "Wahnsinn" war mein erstes Buch von Jack Ketchum doch es wird mit Sicherheit nicht mein letztes gewesen sein. Er schaffte es wie kein anderer mir den alltäglichen Wahnsinn vor Augen zu führen, er wagt ein Blick in die Abgründe der menschlichen Seele und schreckt nicht davor zurück. Für mich ist dieses Buch der absolute Wahnsinn, ich hatte hoche Erwartungen doch diese wurden bei weitem übertroffen. Natürlich kann ich euch dieses Buch empfehlen, doch zartbesaitete sollten die Finger davon lassen. Klare Kauf und Leseempfehlung! Fazit: Mit "Wahnsinn" gelingt Jack Ketchum ein Buch welches ich so schnell nicht vergessen werde. Eine bitterböse, packende, spannende und nervenaufreibende Story die realistischer kaum sein könnte. Dieses Buch bekommt von mir die volle Punktzahl.

von einer Kundin/einem Kunden am 01.12.2016
Bewertet: anderes Format

Ihrem Sohn zuliebe erträgt Liddy die brutalen Misshandlungen ihres Mannes, und erst viel zu spät merkt sie, welches Grauen dadurch ausgelöst wird. Fesselnd und verstörend!

Als wäre Ray zurückgekehrt...
von Navi aus Zürich am 17.10.2014

Den Einstieg macht Ketchum mit einem Prolog der von Ostern 1953 erzählt, wo eine verzweifelte Mutter mit dem Gedanken spielt ihr schreiendes Baby im Klo zu ersäufen, es schliesslich auch kopfüber in die Schüssel taucht... Weiter geht es mit Liddy's Kindheit, die einiges hübscher hätte sein können. Wir begleiten Liddy aufs Col... Den Einstieg macht Ketchum mit einem Prolog der von Ostern 1953 erzählt, wo eine verzweifelte Mutter mit dem Gedanken spielt ihr schreiendes Baby im Klo zu ersäufen, es schliesslich auch kopfüber in die Schüssel taucht... Weiter geht es mit Liddy's Kindheit, die einiges hübscher hätte sein können. Wir begleiten Liddy aufs College und zu ihrer Hochzeit mit einem Arschloch, von dem sie sich dann trennt, um später Arthur kennen zu lernen, zu heiraten und einen Sohn mit ihm zu zeugen. Arthur ist ganz der Psychopath und erinnert an so manchen Stellen an Ted Bundy, der möglicherweise als Vorbild für diese Figur galt. Hin und wieder fühlt man sich an "The Lost" erinnert, könnte Arthur doch gleich Ray's Bruder sein -_^ Arthur entwickelt sich vom schmalzigen Charmeur zum brutalen Schläger, was Liddy hinnimmt, bis sie - nach einer halben Ewigkeit - kapiert, dass Arthur nicht nur ihr, sondern auch dem Sohn Robert, Gewalt antut... Für die Polizei ist es nicht verwunderlich, dass Arthur seine Frau misshandelt hat, als diese ihn anzeigt, war er schon als Kind stetig ins Visier der Polizei geraten, die ihm allerdings nie etwas nachweisen konnten. Wir Leser erfahren von einigen Leichen, die auf Arthur's Konto gehen - die Polizei erfährt das jedoch nicht, was das Buch um so spannender macht. Es kommt wie es kommen muss: Der Showdown spielt sich im Haus von Arthur's Eltern ab, die ihn immer schon gedeckt hatten. Nach dem Blutbad ist man erst etwas enttäuscht über das Ende, da es kein Schluss à la Ketchum ist. Man blättert um und da steigt auch gleich Freude auf, es gibt einen Epilog! Man erfährt, wie es mit dem kleinen Robert weitergeht und kann dessen Geschichte gar nicht schnell genug lesen. So viel sei verraten: Mit dem Ende hat Ketchum sich selbst übertroffen!