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Das Spinnennetz

Roman

1923, drei Tage vor Hitlers Putschversuch in München erschienen, zeichnet ›Das Spinnennetz‹ das Porträt einer Gesellschaft von Mitläufern, die der Katastrophe entgegeneilt.
Portrait

Joseph Roth, geboren 1894 als Sohn jüdischer Eltern in Galizien. Nach Studienjahren in Wien und Lemberg war er im Ersten Weltkrieg Soldat. Danach lebte er, zunächst als Journalist und später auch als Schriftsteller, in Wien und Berlin. 1933 emigrierte Joseph Roth nach Paris, wo er 1939, verarmt und alkoholkrank, starb.

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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 176
Erscheinungsdatum 22.01.2010
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-257-23980-5
Verlag Diogenes Verlag AG
Maße (L/B/H) 17,9/11,3/1,6 cm
Gewicht 135 g
Auflage 1
Buch (Taschenbuch)
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Unter den unzuverlässigen und verdächtigen Spitzel war Benjamin Lenz......,
von einer Kundin/einem Kunden aus Olten am 13.03.2014
Bewertet: Kunststoff-Einband

....dessen Schlauheit - wie Theodor Lohse glaubt - ihm nützlich sein könne, der für ihn wirkt und ihn gleichzeitig auch verrät. Benjamin Lenz Skrupellosigkeit ist darauf zurückzuführen, dass er Bruder, Schwestern und seinen alten Vater ernährt. Lohse, eher mittelmässig begabt und ohne wirkliches Ziel,der feige, grausame, blutrün... ....dessen Schlauheit - wie Theodor Lohse glaubt - ihm nützlich sein könne, der für ihn wirkt und ihn gleichzeitig auch verrät. Benjamin Lenz Skrupellosigkeit ist darauf zurückzuführen, dass er Bruder, Schwestern und seinen alten Vater ernährt. Lohse, eher mittelmässig begabt und ohne wirkliches Ziel,der feige, grausame, blutrünstige, beschränkte, ehrgeizige Klassenmensch ist für ihn das junge Europa. National, selbstsüchtig und ohne Treue und Glauben. Für seine Zwecke ideal. Theodor Lohse, Sohn eines Wachtmeisters, ist Reserveleutnant während des ersten Weltkriegs. Besser, er wäre im Krieg gefallen, denn so war er seiner Familie nur lästig. Nach Kriegsende ist er nun an der Universität Hörer der Rechte. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er mit dem monatlichen Gehalt als Hauslehrer beim Juwelier Efrussi. Neidisch ist er allen Juden, weil sie aus seiner Sicht zu Unrecht alles viel leichter erreichten als er und kluge Köpfe; Dozenten, und der Rassenforscher Mannheim, bewiesen die Schädlichkeit der jüdischen Rasse in ihren Vortragsabenden beim Verein deutscher Rechtshörer. Im Buch 'Die Weisen von Zion' das die Mitgliedern des Reserveoffiziersverbandes erhalten hatten konnte man nachlesen, dass sie die Weltherrschaft anstreben würden. Im Hause der Effrusis lernt er Dr. Trebitsch - selber Jude - kennen und gerät so in eine rechtsradikale Organisation deren Zentrale in München ist mit Verbindungen zu Ludendorff und Hitler. Theodor Lohse ist einer der enttäuschten Mitläufer, er tötet sinn- und geistlos, schürt Hass, Verwirrung. Durch die Heirat mit Elsa von Schlieffen scheinen sich ihm Perspektiven zu eröffnen, der Weg nach oben scheint frei. Als er Benjamin Lenz eines Tages in seinem Büro vor offenen Aktenschränken ertappt, muss er erkennen, dass auch er nur eine Marionette ist. Benjamin Lenz, der doppelte Berichte geliefert hatte, der betrog wem er diente, verriet einen an den anderen und verdiente damit sein Geld. Lesender Weise gerät man mit Theodor Lohse mitten hinein in dieses fast schicksalhafte 'Spinnennetz' aus dem es keinen Ausweg gibt. Zeitlose Lektüre, ohne Zweifel, wohl aus der Perspektive des Erlebens geschrieben und daher unbedingt zu empfehlen.

Deutschland, Deutschland
von Polar aus Aachen am 08.12.2007
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Wie entwurzelt die Soldaten aus dem ersten Weltkrieg zurückkehrten, wie sie zur leichten Beute von Rechtsradikalen wurden, beschreibt Joseph Roth in seinem meisterhaften Roman Das Spinnennetz. Sein Erscheinungsdatum weist fast prophetisch in die düstere Zukunft, die Deutschland im Dritten Reich erwartete. Wer sich heute fragt, w... Wie entwurzelt die Soldaten aus dem ersten Weltkrieg zurückkehrten, wie sie zur leichten Beute von Rechtsradikalen wurden, beschreibt Joseph Roth in seinem meisterhaften Roman Das Spinnennetz. Sein Erscheinungsdatum weist fast prophetisch in die düstere Zukunft, die Deutschland im Dritten Reich erwartete. Wer sich heute fragt, wie es in diesem Land soweit hat kommen können, sollte Das Spinnennetz lesen. Der Riss, der nach dem ersten Weltkrieg sich durch Deutschland zog, und führte zu Kämpfen, in denen sich Gruppierungen und politische Parteien voller Haß begegneten. Die Rollen waren fest verteilt und die jeweilig andere Seite die Ausgeburt des Bösen. Wer wollte da abseits stehen? Nach der Entwurzelung des Kriegs keine neue Heimat finden? In der Person des Soldaten Lohse warnt Roth vor dem heraufziehenden Faschismus, deren Bodensatz die Enttäuschung, die Erniedrigung ihn zu einem Mitläufer vorherbestimmt. Diese Gefahr besteht zu allen Zeiten. Auch wenn die Geschichte uns eines Besseren belehren sollte. Damit wir das nicht vergessen, sollten wir immer wieder zu Büchern wie Das Spinnennetz von Joseph Roth greifen.