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Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind

Über zwei NS-Erziehungsbücher. Nachw. v. Gregor Dill

Sigrid Chamberlain

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Beschreibung

Adolf Hitler forderte bereits in 'Mein Kampf', daß schon in der 'frühesten Kindheit. die notwendige Stählung für das spätere Leben' zu erfolgen habe. Durch gründliche Ausbildung der Mütter müsse es möglich sein, 'in den ersten Jahren des Kindes eine Behandlung herbeizuführen, die zur vorzüglichen Grundlage für die spätere Entwicklung dient.'

Mit dieser 'späteren Entwicklung' ist vor allem das nahtlose Sich-Einfügen in die Ideologie und die Institutionen des NS-Staates gemeint. Darum geht es ausdrücklich auch der Ärztin Johanna Haarer, deren Bücher 'Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind' und 'Unsere kleinen Kinder' in vielen Familien während des Dritten Reiches und in den Jahren danach zur Richtschnur für den Umgang mit Babys und Kleinkindern wurden.

Nationalsozialistische Erziehung, basierend auf den sehr genauen Anweisungen von Haarer, war vor allem eine Erziehung durch Bindungslosigkeit zur Beziehungsunfähigkeit. Es liegt auf der Hand, dass nur der an keinerlei Werte und Moral, an kein Gewissen und an keinen Menschen gebundene faschistische Typus auch jederzeit für jeden Zweck und jedes Ziel einsetzbar war.

Es ist an der Zeit, sich auch mit diesem Erbe des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen, mit der Tatsache nämlich, dass der Großteil der im Dritten Reich und in den Nachkriegsjahren Geborenen ins Leben entlassen wurde mit frühen nationalsozialistischen Prägungen, ohne sich jemals dieser Tatsache und ihrer möglichen Folgen bewusst geworden zu sein.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 231
Erscheinungsdatum 01.01.1997
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-930096-58-9
Reihe psychosozial
Verlag Psychosozial
Maße (L/B/H) 21,1/14,9/2 cm
Gewicht 353 g
Abbildungen 4., korr. mit Abbildungen 21 cm
Auflage 5. Auflage
Verkaufsrang 46947

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  • Inhalt

    „Alles, was wir tun, tun wir letzten Endes für das Kind”
    1. Krieg gleich zu Beginn des Lebens
    2. Wie die Mutter sich das Kind vom Leibe hält
    3. Gedanken zur Kinderfeindlichkeit in Deutschland
    4. Mangelnder Halt und Grenzenlosigkeit
    5. Das verweigerte Antlitz
    6. Die Zerstörung des Dialogs
    7. Das Kind nicht riechen können
    8. Essen als Machtmittel
    9. Ställchen: Verhinderung der Neugier auf die Welt
    10. Exkurs: Kameradschaft versus Freundschaft
    11. Der fehlende Spielraum

    „Jedes Kind ist eine Schlacht”
    1. Zuschreibungen: Das Kind als Feind
    2. Über die Macht der Phantasien
    3. Die Unterwerfung des Kindes
    4. Das soldatische Kind
    5. Krankheit als Versagen
    6. Auseinandersetzungen der Mutter mit ihrer Umgebung

    „In der Freiheit fühlen sich die Menschen leicht verlassen”
    1. Klammern statt Gebunden-Sein
    2. Sucht nach Symbiose anstelle von Selbst-Vertrauen

    „Zum Sterben sind die jungen Leute doch da”
    1. Disziplinierung contra Autonomie
    2. Die Abwertung kritischen Denkens und sogenannter Halbheit
    3. Über Humor und Sich-Lustigmachen
    4. Sich-Wehren oder Untergehen
    5. Inneres Totsein und Todesbereitschaft
    6. Von der Ausweglosigkeit einer NS-Erziehung

    Folgen für die ehemaligen Kinder

    Über den nationalsozialistischen Typus

    Versuch einer Auseinandersetzung: Konnten überzeugte Nazis „liebevolle” Eltern sein?

    Anmerkungen zu Adolf Hitler

    Nachwort: Notizen zur Geschichte der Haarer-Bücher im Dritten Reich und nach Kriegsende von Gregor Dill