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Salve Papa!

Wladimir Kaminer

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Beschreibung


Eins mit Stern: Kaminer macht Schule

Kinder ticken einfach anders. Sie klettern auf dem Bügelbrett durch die Wohnung, aber die Schwimmübung im flachen Wasser lehnen sie ab. Sie lernen dank mehrsprachiger DVDs nebenbei Finnisch, aber im Lateinunterricht ist nach dem ersten „Salve“ schon wieder Schluss. Sie versteigern ihre Lutscher auf dem Schulhof und verstehen die Gesetze der Marktwirtschaft nahezu intuitiv, nur mit dem Rechnen hapert es. Für Eltern ist es nicht immer ganz einfach, sich in der Welt ihrer Kinder zurechtzufinden. Um dabei nicht den Verstand zu verlieren, gibt es nur eins: Humor. Und davon hat Wladimir Kaminer eine ganze Menge …

Kinder, Chaos und der Kremlweihnachtsmann – der neue Kaminer ist eine Klasse für sich!

Wladimir Kaminer wurde 1967 in Moskau geboren und lebt seit 1990 in Berlin. Mit seiner Erzählsammlung »Russendisko« sowie zahlreichen weiteren Bestsellern avancierte er zu einem der beliebtesten und gefragtesten Autoren Deutschlands.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 222
Erscheinungsdatum 12.04.2010
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-54282-6
Verlag Goldmann
Maße (L/B/H) 18,7/11,8/1,8 cm
Gewicht 184 g
Abbildungen 2010. mit Illustrationen von Vitali P. Konstantinov. 19 cm
Illustrator Vitali P. Konstantinov
Verkaufsrang 146093

Kundenbewertungen

Durchschnitt
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Amüsant und witzig!
von einer Kundin/einem Kunden aus Linz Zentrale am 21.02.2011

Salve Wladimir Kaminer, optimus es! Welches Thema auch immer der russische Bestsellerautor behandelt: populus gaudet et ridet - das Volk freut sich und lacht! In seinem Buch „Salve Papa“ gibt Wladimir Kaminer ein weiteres Mal amüsante Einblicke in das Alltagsleben seiner Familie – gespickt mit den üblichen wohlbekannten (selbs... Salve Wladimir Kaminer, optimus es! Welches Thema auch immer der russische Bestsellerautor behandelt: populus gaudet et ridet - das Volk freut sich und lacht! In seinem Buch „Salve Papa“ gibt Wladimir Kaminer ein weiteres Mal amüsante Einblicke in das Alltagsleben seiner Familie – gespickt mit den üblichen wohlbekannten (selbst-)ironischen Bemerkungen, die man an ihm so liebt. Ein kurzweiliges Lesevergnügen und ein Muss für jeden seiner Fans!

Familienlustigkeiten
von Stefanie Strachotta aus Berlin am 05.09.2010

Ein bißchen Massenwahre geworden, amüsieren Kaminers Büch aber trotzdem. Kleine lustige Geschichten, die das Familienleben schreiben. Sympatisch, unterhaltsam und unbeschwert.


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  • Der Generationenvertrag

    Unsere Wohnung ist kaum mehr zu erkennen, die neue Generation ist hier seit einigen Jahren am Werk. Die Pokemon-Karten werden regelmäßig aus der Waschmaschine gefischt, im Kühlschrank steht Aquarellfarbe, unter meinem Tisch versammeln sich kaputte Flugzeuge und auf dem Fernseher liegt eine Scheibe Wurst, die auf die Katze wartet, wie meine Tochter es ausdrückt. Die Möbel werden laufend aufeinandergestellt, um die Höhepunkte der Wohnung zu besteigen. Außerdem baut mein Sohn derzeit gerne Brücken. Um seine täglichen Routen durch die Zimmer zu erleichtern, will er mit einem Bügelbrett das Tal zwischen dem Klavier und dem Sofa überbrücken, wobei jedem Erwachsenen beim Anblick dieser rutschigen Brücke sofort klar ist: Sie wird nicht halten. Abgesehen davon hat Sebastian auf dem Klavier nichts verloren. Wie kann ich ihm das erklären?
    Hier sollte eigentlich der Generationenvertrag in Kraft treten. Ich als belehrende Generation muss meiner moralischen und rechtlichen Verpflichtung nachkommen und der heranwachsenden Generation zurufen: Füße weg vom Bügelbrett, es wird nicht halten! Ich habe Erfahrung, ich war schon drauf, ich weiß es! Doch die heranwachsende Generation lehnt mein Wissen ab. Mit einer einzigen Handbewegung - »Stopp, Papa! Ich muss jetzt selbst!« - fällt die heranwachsende Generation mit großem Knall vom Bügelbrett, und das bereits zum dritten Mal innerhalb einer Woche.
    Trotzdem wird der Generationenvertrag auch jetzt noch nicht akzeptiert. Die schlichte Erkenntnis, dass alles auf der Welt schon zig Mal von den Altvorderen geklärt wurde und in unzähligen Schriften, aber auch mündlich seit Anbeginn der Zeiten weitervermittelt wird - diese Tatsache wird nicht zur Kenntnis genommen. Jede Generation will alles aufs Neue klären, das von den anderen längst Erkannte noch einmal selbst herausfinden. Und wenn sie von anderen zu lernen bereit ist, dann ganz sicher nicht von den lieben Eltern. Von Skywalker und den Pokémons, von dämlichen Schulkameraden, später vielleicht von den bösen Jungs von MTV. Die, die uns lieben, können uns nicht erziehen. Sie sind dazu verdammt, uns zuzuschauen.
    Oft kann ich nur raten, woher meine Kinder ihre Befehle zum Brückenbauen und zu anderem Quatsch erhalten. Sie können das doch unmöglich alles selbst erfunden haben. War es eine versteckte Stimme aus dem Fernsehen, für Erwachsene nicht hörbar? Während Eltern denken, ihre Kinder würden dem plüschigen kinderfreundlichen Winnie Puh zuschauen, werden gleichzeitig auf hohen Frequenzen, die für normal gewachsene Ohren nicht wahrnehmbar sind, Informationen gesendet:
    »Nehmt sofort das Bügelbrett und stellt es zwischen dem Sofa und dem Klavier auf. Steht es schräg? Sehr gut! Und jetzt draufklettern!«
    Und später, in der Pubertät, sagen andere Eltern, soll es sogar noch schlimmer werden.
    Der Generationenvertrag scheitert am Kommunikationsproblem. Manchmal ist es eine richtige Qual, in einer Welt zu leben, die ständig verbessert wird. Die Häuser werden modernisiert, Straßen neu asphaltiert, Kinos vergrößert, alles wird besser, nur man selbst nicht. Im Schulhort ist man anscheinend auch diesem Verbesserungswahn zum Opfer gefallen. Eine neue fortschrittliche Idee kursierte kürzlich in unserem Bezirk: Man beschloss, den Kindern für ein paar Monate ihr ganzes Spielzeug wegzunehmen. Dadurch, so lautete die Botschaft, würden sie gezwungen, wieder ihre Phantasie einzusetzen, mehr miteinander zu kommunizieren, neue Spiele zu erfinden, und letztendlich würden sie dadurch zu besseren Menschen. Die Kinder ohne Spielzeug durften dann zum Beispiel in der Küche nach einem Eimer oder Kochtopf fragen, und wenn sie den Pädagogen plausibel erklären konnten, wofür sie die Dinge brauchten, bekamen sie sie auch. Wäre ich ein Kind in einem solchen Hort, hätte ich wahrscheinlich als Erstes nach Streichhölzern und Benzin gefragt, um Revolution zu spielen.
    Die Idee der Spiele ohne Spielzeug brachte meine Tochter Nicole mit nach Hause. Zuerst spielten sie und ihr Bruder Sebastian Sport und schmissen dabei Kopfkissen im Wohnzimmer hin und her. Zu den wichtigsten Sportgeräten gehörte eine Flasche Mineralwasser, glaubte meine Tochter zu wissen. Die Flasche kippte natürlich um. Daraufhin fingen Nicole und Sebastian an, mit dem Mineralwasser den Boden aufzuwischen. Als ich sie dabei erwischte, war unser Wohnzimmer nicht mehr wiederzuerkennen.
    »Wir spielen >Der große Waschtag im Kinderheim««, verkündete meine Tochter. In ihren kleinen Plastiktöpfchen brachten die beiden immer neue Portionen Leitungswasser herbei und kippten sie auf den Boden. Danach zogen sie ihre Arbeitsklamotten an, nahmen unsere Bettlaken als Waschlappen und fingen an, das Wasser durch das Zimmer zu jagen.
    »Sag bitte Mama«, befahl mir Nicole, »sie braucht im Wohnzimmer nicht mehr zu putzen. Nur vielleicht ein wenig staubsaugen. Und morgen nehmen wir uns dein Arbeitszimmer vor, außerdem werden wir auch noch alle Spiegel waschen, und dann wird in der Wohnung alles perfekt sauber sein.«
    Als Hobbyerzieher sah ich mich total überfordert und dachte fieberhaft nach. Den Kindern den Arbeitseinsatz zu verbieten und die improvisierten Waschlappen wegzunehmen, wäre pädagogisch gesehen ein grober Fehler. Aber aufmunternd zuzusehen, wie sie konsequent die ganze Wohnung versumpften, hielt ich auch für falsch. Die Kinder waren in ihrem Arbeitseifer aber nicht mehr zu bremsen und trugen bereits ein zweites Eimerchen Wasser ins Schlafzimmer. Außerdem wollten sie ihren freiwilligen Einsatz von mir bezahlt bekommen, mit einem Mindestlohn von acht Euro fünfzig die Stunde.
    »Hier, siehst du? Alles sauber! Also her mit dem Geld«, sagte meine Tochter. Anscheinend war dieses kapitalistische Preis-Leistungs-Verhältnis der wichtigste Teil des Spiels »Großer Waschtag im Kinderheim«.
    »Weißt du«, sagte ich, »das Geld kannst du nur von Fremden verlangen, nicht aber von deinen eigenen Eltern. Deine Mutter und ich haben euch mehrere Jahre lang den Po abgewischt, ohne etwas dafür zu verlangen.«
    Meine schlaue Tochter dachte kurz nach und sagte dann: »Na gut, dann können wir das gegenrechnen. Wie viel möchtest du fürs Powaschen?«
    Ich wollte bei meinen Kindern nicht allzu billig wegkommen. »Tausendfünfhundert Euro im Monat für die ersten drei Lebensjahre!«
    Das haute sie um. »So viel?«
    »Dafür war ich aber rund um die Uhr im Einsatz, und das gleich für zwei«, erläuterte ich meinen Preis.
    »Trotzdem zu teuer«, erwiderte mein Sohn.
    Sie wollten mich runterhandeln. Diese verfluchte Erziehung machte mich fertig. Zum Glück kam meine Frau rechtzeitig nach Hause. Sie schluckte, als sie den Sumpf in der Wohnung sah, war aber pädagogisch wie immer unschlagbar.