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Die Meerfrau

Roman

Geschenkausgabe im kleinen Format, bedrucktes Ganzleinen mit Lesebändchen.

Eine idyllische Insel vor South Carolina: Nach langen Jahren kehrt die 40-jährige Jessie Sullivan in ihre alte Heimat zurück, weil ihre Mutter sie braucht. Schon bald gerät ihr geordnetes Leben aus der Bahn: Die verheiratete Frau verliebt sich in einen Mönch, der kurz davor steht, sein ewiges Gelübde abzulegen. Jessie will ihre Ehe nicht aufs Spiel setzen. Doch die Sehnsucht nach einem Seelenverwandten, nach Sinnlichkeit und Spiritualität, droht über die Vernunft zu siegen …

Ausstattung: mit Lesebändchen

Portrait
Sue Monk Kidd hatte sich in den USA bereits mit dem Schreiben von Biografien einen Namen gemacht, ehe „Die Bienenhüterin“ erst zum Geheimtipp, dann zum großen internationalen Bestseller wurde, der sich allein in den USA über 6 Millionen Mal verkaufte und in England für den renommierten Orange Prize nominiert war. Auch „Die Meerfrau“ stand monatelang auf den Bestsellerlisten. Ihr lange erwarteter neuer Roman "Die Erfindung der Flügel" sorgte in den USA gleich nach Erscheinen für großes Aufsehen und stieg auf Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerliste ein. Die Filmrechte hat sich Oprah Winfrey gesichert. Sue Monk Kidd lebt mit ihrer Familie in South Carolina.
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  • Es kam aus heiterem Himmel. Meine Ehe war in ruhigem Fahrwasser vor sich hin getrieben, und mein Leben hatte darin bestanden, Ehefrau von Hugh und Mutter von Dee zu sein - ich war eine dieser farblosen, unauffälligen Frauen, die wohl kaum den Ehrgeiz entwickeln würden, sich störend im Weltenlauf bemerkbar zu machen - da habe ich mich in einen Benediktinermönch verliebt.
    Das war 1988 über den Winter und den Frühling, aber erst heute, erst ein Jahr später bin ich bereit und überhaupt in der Lage, darüber zu sprechen.
    Mein Name ist Jessie Sullivan. Ich stehe am Bug der Fähre und sehe über Bull's Bay hinüber nach Egret Island, der Insel der Reiher, dem winzigen Eiland, das der Küste von South Carolina vorgelagert ist. Hier bin ich aufgewachsen. Ich sehe die Insel schon von weitem, sie erhebt sich sichelförmig in warmem Rotbraun und kühlem Meergrün über dem Spiegel des Wassers. Der Wind ist gespickt mit den würzigen Gerüchen meiner Kindheit, das Wasser ist ultramarinblau, es schillert wie schwerer Seidentaft. Ich blicke erwartungsvoll zur Nordwestspitze der Insel: Noch kann ich die Turmspitze der Klosterkirche nicht sehen, aber ich weiß, sie ragt in den hellen Nachmittag.
    Ich staune selbst heute noch darüber, was für eine brave und anständige Frau ich doch war, bevor ich ihm begegnet bin, mit was für einem schlichten, leidenschaftslosen Leben ich mich beschieden hatte, die Tage glatt und ebenmäßig wie eine Perlenschnur, die kühl durch meine Finger rann. Wenige Menschen ahnen, wozu sie eigentlich fähig sind. Mit meinen zweiundvierzig Jahren hatte ich noch nie etwas getan, das mir den Atem geraubt hätte, und ich glaube, darin hat zumindest teilweise das Problem gelegen - in meiner vollkommenen Unfähigkeit, mich selbst zu überraschen.
    Und dann: Ich weiß das wohl, ich habe eine schöne Katastrophe angerichtet. Der Sünde hätte ich mich hingegeben, hat es geheißen, aber das ist noch harmlos formuliert. Ich habe mich ihr nicht hingegeben - ich habe mich in ihre Arme geradezu gestürzt.
    Vor sehr langer Zeit, als ich noch mit meinem Bruder in seinem kleinen Kahn durch das Labyrinth der winzigen Buchten auf der Insel gerudert bin, als ich noch wild und ungebändigt war und mir Spanisches Moos in die Zöpfe geflochten habe oder mit langem, wirrem Haar herumgelaufen bin, hat mir mein Vater von den Meerjungfrauen erzählt, die rings um die Insel lebten. Er hat behauptet, er hätte sie einmal von seinem Boot aus gesehen - in den rosaroten Stunden des frühen Morgens, wenn die Sonne wie eine satte Himbeere auf dem Wasser trudelt. Die Meerjungfrauen wären wie Delfine um sein Boot herumgeschwommen, so hat er gesagt, sie wären aus den Wellen aufgetaucht und wieder darin versunken.
    Ich habe ihm aufs Wort geglaubt. Ich habe ihm sowieso jede noch so ungeheuerliche Geschichte geglaubt. »Was haben sie denn gewollt? Ich dachte, Meerjungfrauen sitzen auf Felsen und kämmen sich ihr Haar?«, habe ich ihn gefragt. Allerdings gibt es auf der Insel gar keine Felsen, es gibt nur Marschland, dessen Gras sich im Kreislauf der Jahreszeiten färbt - von Grün zu Braun zu Gelb und wieder zu Grün - der ewige, unabänderliche Rhythmus der Insel.
    »Aber ja doch, natürlich sitzen Meerjungfrauen auf Felsen und richten sich ihr Haar«, hat mir mein Vater geantwortet. »Aber ihre eigentliche Aufgabe besteht darin, uns Menschen zu retten. Deshalb sind sie ja auch zu meinem Boot gekommen - um da zu sein, falls ich kentern sollte.«
    Am Ende haben ihn die Meerjungfrauen dann doch nicht gerettet. Aber ich frage mich, ob sie nicht mich gerettet haben. Ich kann nur so viel sagen - sie sind zu mir gekommen, in jenen rosaroten Stunden meines Lebens.
    Sie sind mein Trost. Ihretwegen bin ich getaucht, mit weit ausgebreiteten Armen, und ich bin tief getaucht. Als ich in die Fluten gesprungen bin, habe ich jeglichen Anstand, sämtliche Regeln hinter mir gelassen, aber dennoch war dieser Sprung unbedingt notwendig, und er hat mir auf wundersame Weise das Leben gerettet. Wie kann ich das jemals erklären oder gar rechtfertigen? Ich bin gesprungen, und als ich tiefer in das kühle Blau des Wassers gesunken bin, hat mich ein Paar unsichtbarer Arme umfangen.
    Die Arme haben mich umschlungen, aber sie haben mich nicht emporgetragen, sondern hinab, bis auf den Meeresgrund, und erst dann haben sie mich wieder ans Licht gehoben.
    Als die Fähre am Dock anlegt, trifft mich der Atem der Insel, Fischgeruch, das Flattern der Vögel und der grüne Hauch der Palmettopalmen, und schon jetzt spüre ich ganz deutlich, wie die Vergangenheit auf mich lauert, eine unheimliche Kreatur unter der Wasseroberfläche. Vielleicht kann ich ja diesmal mit ihr abschließen. Vielleicht kann ich mir ja diesmal verzeihen, und dann wird mich die Erinnerung an das, was geschehen ist, in ihren Armen wiegen und mich wärmen, solange ich lebe.
    Der Kapitän lässt das Schiffshorn tuten. Er kündigt unsere Ankunft an, und ich denke: Hier bin ich also wieder, die Frau, die bis in die tiefsten Tiefen hinabgetaucht und wieder emporgeschossen ist, zurück zum Licht. Die Meerfrau, die wie Delfine schwimmen, sich aus den Wellen heben und wieder ins Wasser stürzen wollte. Die nur sich selbst gehören wollte.

    Es war der 17. Februar 1988, ich schlug die Augen auf. Eine ganze Reihe von Geräuschen hatte mich geweckt: Erst hatte das Telefon auf der anderen Seite des Bettes angefangen zu klingeln, es hatte uns um 5.04 Uhr aus dem Schlaf gerissen, und das konnte eigentlich nur Unheil bedeuten. Dann hatte ich gehört, wie der Regen auf das Dach unseres alten, viktorianischen Hauses trommelte, wie das Wasser rauschend seinen Weg durch Rinnen und Rohre in den Grund fand, und schließlich war es das Pusten gewesen, das Hugh mit der Unterlippe macht, wenn er ausatmet, ein vollkommen gleichmäßiger Rhythmus, wie ein Metronom.
    Zwanzig Jahre regelmäßiges Pusten. Ich hörte es ja selbst dann schon, wenn er nicht schlief, wenn er nach dem Essen in seinem Ledersessel saß und sich durch den Stapel der Fachzeitschrift für Psychiatrie las, der vom Boden emporwuchs. Sein Pusten war der Takt, der mein Leben bestimmte.

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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 504
Erscheinungsdatum 19.04.2010
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-74107-6
Verlag btb
Maße (L/B/H) 15,3/10,1/3 cm
Gewicht 235 g
Originaltitel The Mermaid Chair
Übersetzer Astrid Mania
Verkaufsrang 85835
Buch (Taschenbuch)
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Buchhändler-Empfehlungen

Katja Engler, Thalia-Buchhandlung Berlin

Nicht der stärkste Roman einer empfehlenswerten Autorin. Allemal besser sind "Die Bienenhüterin" & "Die Erfindung der Flügel". Trotzdem finden sich auch hier sehr schöne Passagen.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
6 Bewertungen
Übersicht
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Ergreifend, einfach toll
von einer Kundin/einem Kunden aus Düsseldorf am 11.04.2012
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

Jessie ergreift nach 20 Jahren Ehe eine Unzufriedenheit und die Frage, ob das alles schon gewesen sei. Ihr Mann liebt sie, ist aber auch sehr bestimmend. Da muss sie in ihre alte Heimat, um ihrer Mutter zu helfen. Ihr Verhältnis zur Mutter ist sehr belastet, da Jessie glaubt, schuld am Tod ihres Vaters zu sein.Zuhause auf dieser... Jessie ergreift nach 20 Jahren Ehe eine Unzufriedenheit und die Frage, ob das alles schon gewesen sei. Ihr Mann liebt sie, ist aber auch sehr bestimmend. Da muss sie in ihre alte Heimat, um ihrer Mutter zu helfen. Ihr Verhältnis zur Mutter ist sehr belastet, da Jessie glaubt, schuld am Tod ihres Vaters zu sein.Zuhause auf dieser kleinen rauen Insel trifft sie nicht nur die ungewöhnlich lebenden Freundinnen ihrer Mutter, sondern auch einen Mann, der aufgrund schlimmer Erlebnisse vergeblich den Frieden im Kloster auf der Insel finden will. Ihre Wege kreuzen sich. Und was dann alles passiert, ist schön und schrecklich zugleich. Eine Frau am Scheideweg. ein tragischer Tod in einem packenden emotional geladenenen" Frauenroman".

Gefühlvoller und warmherziger Roman
von einer Kundin/einem Kunden am 05.05.2010
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Die Protagonistin Jessie entführt den Leser auf die kleine Insel ihrer Kindheit. Dort nimmt man teil an ihrer Familiengeschichte und erlebt Anfang und Ende einer verbotenen Liebe. Einer Liebe zwischen Jessie und Pater Thomas, der wie sie selbst noch auf der Suche nach seiner wahren Identität ist.

Unbedingt lesen
von einer Kundin/einem Kunden am 25.11.2008
Bewertet: Taschenbuch

Das Buch gibt viel mehr her als die Inhaltsangabe verspricht! Sehr schön geschrieben, man will es nicht aus der Hand legen, und es ist schade wenn man es ausgelesen hat.