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Der Colonel

Roman

Mahmud Doulatabadi

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Beschreibung


Eine pechschwarze Regennacht in einer iranischen Kleinstadt, ein altes Haus. Der Colonel hängt seinen Gedanken nach. Erinnerungen stürmen auf ihn ein. An seine Jahre als hochdekorierter Offizier der Schah-Armee. An seine Kinder, die ihren eigenen Weg gingen, sich den Revolutionsgardisten angeschlossen haben und in den Krieg zogen, in die Leidenschaften der Revolution und des Todes. Durch die Gassen werden die gefallenen »Märtyrer« getragen, in der Stadt werden ihnen Denkmäler gebaut. Es herrscht Krieg – »diese giftige, fleischfressende Pflanze«. Da klopft es an die Tür. Der Colonel wird abgeführt, zur Staatsanwaltschaft …

Mahmud Doulatabadi, der bedeutendste Schriftsteller des Iran, erzählt von den Umwälzungen, die den Iran bis in die Gegenwart heimsuchen.

Mahmud Doulatabadi, geboren 1940 im Nordosten Irans, arbeitete in der Landwirtschaft und als Handwerker. Später absolvierte er die Theaterakademie in Teheran und war eine Zeit lang Schauspieler. Aus politischen Gründen war er zwei Jahre in Haft. Mahmud Doulatabadi gilt als bedeutendster Vertreter der zeitgenössischen persischen Prosa; er lebt mit seiner Familie als freier Schriftsteller und Universitätsdozent für Literatur in Teheran.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 222
Erscheinungsdatum 08.07.2010
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-293-20499-7
Verlag Unionsverlag
Maße (L/B/H) 19/11,3/2 cm
Gewicht 230 g
Auflage 2. Auflage
Übersetzer Bahman Nirumand

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Der Colonel
von einer Kundin/einem Kunden aus Bergisch Gladbach am 09.08.2010

Mahmud Doulatabadis Roman “Der Colonel“ handelt von einem anderen Buch, in dem gerade eine Seite umgeschlagen wird, dem Buch der Geschichte des Iran. Solche Bücher werden vornehmlich mit Blut und Tränen geschrieben, umso mehr, wenn man sich am Ende eines Kapitels befindet. Als in einer regnerischen Nacht zwei Männer an die... Mahmud Doulatabadis Roman “Der Colonel“ handelt von einem anderen Buch, in dem gerade eine Seite umgeschlagen wird, dem Buch der Geschichte des Iran. Solche Bücher werden vornehmlich mit Blut und Tränen geschrieben, umso mehr, wenn man sich am Ende eines Kapitels befindet. Als in einer regnerischen Nacht zwei Männer an die Türe des pensionierten Colonels klopfen, macht er sich keine Gedanken darüber, was der nächtliche Besuch von ihm wünschen könnte, denn die Zeiten, sowohl die historischen Zeiten, in denen er lebt, als auch die Tageszeit zu der sich der Besuch anmeldet, können nur Schlimmes bedeuten. So gilt seine einzige Sorge der Haltung, dass er seine Fassung bewahren möge. Für Doulatabadi endet die Geschichte der persischen Könige nicht mit dem Sturz des letzten Schah oder mit seinem Tod, sondern erst zwei, drei Jahre später. Nicht der Zusammenbruch einer Gesellschaft markiert ihr Ende, sondern die Errichtung einer neuen Gesellschaft. Jede Revolution hat ihre Übergangsphase und die wartet Doulatabadi ab, ehe er die Handlung von „Der Colonel“ einsetzen lässt. Die zwei jungen Männer, die nachts an die Tür des Colonel klopfen, sind junge Revolutionäre, die ihn zum Staatsanwalt begleiten. Sie holen ihn ab, damit er im Schutze der Nacht seine jüngste Tochter begraben kann. Die war zwar noch nicht alt genug, um zu lieben, aber bereits alt genug, um für das Verteilen von Flugblättern und Zeitungen von der Revolution ermordet zu werden. Zwei Jahre nach dem Sturz des Shahs befand Ayatollah Khomeini, dass es Zeit sei die Revolution zu konsolidieren. Diejenigen Kräfte, die nicht seiner islamischen Republik folgen, werden gewaltsam beiseite geschafft. Der Colonel hat es kommen gesehen. „Nichts weckt bei Jungen soviel Leidenschaft wie eine Revolution. Wie die Taube zur Sonne fliegt, so hoch bis sie verbrennt. Ein solcher Akt ist für die Jugend der Gipfel der Wahrheit.“ Einen Sohn hat er schon begraben, ein anderer hat im Folterkeller der Geheimpolizei Verstand und Lebensmut verloren und den letzten verbliebenen Sohn wird er am Morgen zu Grabe tragen. Als Anhänger Khomeinis hatte er sich freiwillig gemeldet und ist zu einem der ersten Märtyrer im Krieg gegen Saddam Hussein geworden. Der Colonel klagt nicht über den Tod seiner Tochter, er empört sich auch nicht. Er weiß, dass er ein lebendiges Gespenst ist, das nur noch die Pflicht hat Haltung zu wahren. Es gilt noch die Kinder zu begraben, die Tochter heimlich und nachts, den Sohn am Morgen und in aller Öffentlichkeit. Dann, wenn alles erledigt ist, kann sein Kapitel iranischer Geschichte geschlossen werden.


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