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Die Tricks der Diva. Die Kleider der Frauen

Geschichten. Nachwort: Steinfeld, Thomas

Brigitte Kronauer ist zu gratulieren: zu ihrem unverwechselbaren Stil, zu ihrer Sprache, deren Beweglichkeit und Präzision in hochkomische Höhen führt, zu ihrer Scharfsinnigkeit, von der erkenntnislustige Leser/innen massenweise profitieren können – und zu ihrem 70. Geburtstag am 29. Dezember 2010!
Aus diesem Anlass vereinen wir die beiden Erzählungszyklen »Die Tricks der Diva« und »Die Kleider der Frauen« in einem Taschenbuch.
Portrait
Brigitte Kronauer, * 29. 12. 1940 Essen.
K. studierte Pädagogik in Köln und Aachen und war bis 1971 Lehrerin, zunächst in Aachen und dann in Göttingen. Seit 1974 lebt sie in Hamburg als freie Schriftstellerin. 2005 erhielt sie den Georg-Büchner-Preis. Ausgehend vom Nouveau roman, zeigt K. bereits in ihrem ersten Roman (Frau Mühlenbeck im Gehäus) anschaulich die Absichten ihres Erzählens. Es thematisiert durch die Gegenüberstellung zweier Perspektiven das Problem der Beschreibung von Wirklichkeit, bricht die üblichen Denk- und Sprachmuster und traditionellen Wahrnehmungsstrukturen auf und führt so gleichsam das Machen von Realität vor. Dieser Prozess der erzählerischen Kritik setzt sich in den weiteren Romanen K.s fort, die virtuos ein Mosaik von Bildern, von erinnerten, gedachten Realitätsbruchstücken, von Gedanken und Empfindungen entwerfen: kein ›realistisches‹ Bild der Welt, sondern eine – allerdings ungemein lebendige – Welt im Kopf. Bereits mit dem zweiten Roman, Rita Münster, deutet sich an, wie Momente der Erleuchtung die Protagonisten über ihre Wirklichkeitsbilder hinausführen. Zentral wird dieses Thema in dem Roman Berittener Bogenschütze, in dem der Held, Anglist und Interpret Joseph Conrads, Matthias Roth, blitzartig einen Zustand höchster Gefühlsintensität erlebt.

Der hohe Ton, in dem K. von den Ekstasen des Ästhetischen zuletzt noch in dem Roman Die Frau in den Kissen schrieb, machte in den folgenden Werken wie dem Roman Das Taschentuch und den Erzählbänden Schnurrer und Hin- und herbrausende Züge einer zunehmend ironischen oder leise satirischen Erzählhaltung Platz. Das gilt auch für den Roman Teufelsbrück, der zugleich aber tief in die Welt der deutschen Spätromantik eintaucht und mit seinen Lied- und Märchenzitaten, seinen Motivanklängen und seiner sprachlichen Mimikry eine den vorherrschenden ›realistischen‹ Schreibweisen konträre (und zerstörerische) Kunst- und Märchenwelt erstehen lässt – und dabei durch ironische und komische Brechungen jedes Pathos unterläuft. In einer Art Versuchsanordnung versammelt K. im Roman Verlangen nach Musik und Gebirge eine bunte, maskenhafte Urlaubsgesellschaft einschließlich eines Ensor-Doppelgängers im belgischen Seebad Oostende. Themen sind – von Opernklängen untermalt und mit einem in voller Länge abgedruckten Libretto der Erzählerin angereichert – vor allem die Liebe und die Sehnsucht nach dem Überwältigenden, allerdings immer wieder gebrochen durch Kommentare zu Geschichte und Gegenwart.

In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 250
Erscheinungsdatum 01.10.2010
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-15-020212-8
Verlag Philipp Reclam Jun.
Maße (L/B/H) 19,2/12/1,5 cm
Gewicht 216 g
Buch (Taschenbuch)
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