Das Spinnennetz

Reclam Universal-Bibliothek 18684

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»Das Spinnennetz«, 1923 in der Wiener »Arbeiter-Zeitung« erschienen, ist ein unheimlicher Roman: Sein Thema ist die Formation von Rechtsextremismus und Antisemitismus, deren Verbreitung Roth in den Zeitungsbeiträgen dieser Jahre mit stetig wachsender Beunruhigung kommentierte. Während er als Journalist diese Vorgänge von außen verfolgt, schildert er sie in seinem Roman aus der Perspektive eines ›Täters‹, der sich im Netz der Geheimbünde, Organisationen und Fememorde verstrickt. Der Text wird hier erstmals in der Fassung der Zeitung wiedergegeben. Ein genauer Kommentar beleuchtet die historischen Hintergründe und Anspielungen.
Portrait
Joseph Roth, 2. 9. 1894 Brody (Galizien) – 27. 5. 1939 Paris.
Nach dem Besuch der jüdischen Gemeindeschule und des dt. Gymnasiums in Brody (1905–13) studierte der Sohn eines chassidischen Juden Germanistik und Philosophie in Lemberg und Wien. 1916–18 war er Soldat in Galizien und kehrte Ende 1918 nach Wien zurück. Er schrieb für Zeitungen in Wien, Berlin, Prag und Frankfurt; für das Feuilleton der Frankfurter Zeitung unternahm er verschiedene Reisen (Frankreich, Sowjetunion, Albanien, Italien, Polen). 1933 emigrierte er nach Paris, hielt sich aber auch längere Zeit in Amsterdam und Ostende auf. Nach einer Reihe von Zeitromanen im Umkreis der Neuen Sachlichkeit, beginnend mit dem 1923 nur als Zeitungsroman erschienenen Spinnennetz und mit Hotel Savoy, erzielte R. seinen literarischen Durchbruch mit Hiob, einem Roman der Heimatlosigkeit und der Glaubenskrise. R. erzählt vom Leben und von den Prüfungen Mendel Singers und von der sich allmählich auflösenden Welt des galizischen Judentums. Den Blick zurück teilt dieses Werk mit den folgenden Romanen Radetzkymarsch und Die Kapuzinergruft, die die Abwendung von der unmittelbaren Zeitgeschichte fortsetzen: Die Geschichte der Familie von Trotta von der Schlacht von Solferino (1859) bis zum 'Anschluss' Österreichs an das Deutsche Reich wird zu einem von Melancholie geprägten Abgesang auf die Donaumonarchie. Zugleich stilisiert R. hier wie in späteren Erzählungen die alte Ordnung zu einem Gegenbild der herrschenden Barbarei.

In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Herausgeber Konstanze Fliedl
Seitenzahl 160
Erscheinungsdatum 01.10.2010
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-15-018684-8
Verlag Philipp Reclam Jun.
Maße (L/B/H) 14,7/9,5/1 cm
Gewicht 77 g
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Kundenbewertungen

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Unter den unzuverlässigen und verdächtigen Spitzel war Benjamin Lenz......,
von einer Kundin/einem Kunden aus Olten am 13.03.2014
Bewertet: Kunststoff-Einband

....dessen Schlauheit - wie Theodor Lohse glaubt - ihm nützlich sein könne, der für ihn wirkt und ihn gleichzeitig auch verrät. Benjamin Lenz Skrupellosigkeit ist darauf zurückzuführen, dass er Bruder, Schwestern und seinen alten Vater ernährt. Lohse, eher mittelmässig begabt und ohne wirkliches Ziel,der feige, grausame, blutrünstige, beschränkte, ehrgeizige... ....dessen Schlauheit - wie Theodor Lohse glaubt - ihm nützlich sein könne, der für ihn wirkt und ihn gleichzeitig auch verrät. Benjamin Lenz Skrupellosigkeit ist darauf zurückzuführen, dass er Bruder, Schwestern und seinen alten Vater ernährt. Lohse, eher mittelmässig begabt und ohne wirkliches Ziel,der feige, grausame, blutrünstige, beschränkte, ehrgeizige Klassenmensch ist für ihn das junge Europa. National, selbstsüchtig und ohne Treue und Glauben. Für seine Zwecke ideal. Theodor Lohse, Sohn eines Wachtmeisters, ist Reserveleutnant während des ersten Weltkriegs. Besser, er wäre im Krieg gefallen, denn so war er seiner Familie nur lästig. Nach Kriegsende ist er nun an der Universität Hörer der Rechte. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er mit dem monatlichen Gehalt als Hauslehrer beim Juwelier Efrussi. Neidisch ist er allen Juden, weil sie aus seiner Sicht zu Unrecht alles viel leichter erreichten als er und kluge Köpfe; Dozenten, und der Rassenforscher Mannheim, bewiesen die Schädlichkeit der jüdischen Rasse in ihren Vortragsabenden beim Verein deutscher Rechtshörer. Im Buch 'Die Weisen von Zion' das die Mitgliedern des Reserveoffiziersverbandes erhalten hatten konnte man nachlesen, dass sie die Weltherrschaft anstreben würden. Im Hause der Effrusis lernt er Dr. Trebitsch - selber Jude - kennen und gerät so in eine rechtsradikale Organisation deren Zentrale in München ist mit Verbindungen zu Ludendorff und Hitler. Theodor Lohse ist einer der enttäuschten Mitläufer, er tötet sinn- und geistlos, schürt Hass, Verwirrung. Durch die Heirat mit Elsa von Schlieffen scheinen sich ihm Perspektiven zu eröffnen, der Weg nach oben scheint frei. Als er Benjamin Lenz eines Tages in seinem Büro vor offenen Aktenschränken ertappt, muss er erkennen, dass auch er nur eine Marionette ist. Benjamin Lenz, der doppelte Berichte geliefert hatte, der betrog wem er diente, verriet einen an den anderen und verdiente damit sein Geld. Lesender Weise gerät man mit Theodor Lohse mitten hinein in dieses fast schicksalhafte 'Spinnennetz' aus dem es keinen Ausweg gibt. Zeitlose Lektüre, ohne Zweifel, wohl aus der Perspektive des Erlebens geschrieben und daher unbedingt zu empfehlen.

Deutschland, Deutschland
von Polar aus Aachen am 08.12.2007
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Wie entwurzelt die Soldaten aus dem ersten Weltkrieg zurückkehrten, wie sie zur leichten Beute von Rechtsradikalen wurden, beschreibt Joseph Roth in seinem meisterhaften Roman Das Spinnennetz. Sein Erscheinungsdatum weist fast prophetisch in die düstere Zukunft, die Deutschland im Dritten Reich erwartete. Wer sich heute fragt, wie es in diesem... Wie entwurzelt die Soldaten aus dem ersten Weltkrieg zurückkehrten, wie sie zur leichten Beute von Rechtsradikalen wurden, beschreibt Joseph Roth in seinem meisterhaften Roman Das Spinnennetz. Sein Erscheinungsdatum weist fast prophetisch in die düstere Zukunft, die Deutschland im Dritten Reich erwartete. Wer sich heute fragt, wie es in diesem Land soweit hat kommen können, sollte Das Spinnennetz lesen. Der Riss, der nach dem ersten Weltkrieg sich durch Deutschland zog, und führte zu Kämpfen, in denen sich Gruppierungen und politische Parteien voller Haß begegneten. Die Rollen waren fest verteilt und die jeweilig andere Seite die Ausgeburt des Bösen. Wer wollte da abseits stehen? Nach der Entwurzelung des Kriegs keine neue Heimat finden? In der Person des Soldaten Lohse warnt Roth vor dem heraufziehenden Faschismus, deren Bodensatz die Enttäuschung, die Erniedrigung ihn zu einem Mitläufer vorherbestimmt. Diese Gefahr besteht zu allen Zeiten. Auch wenn die Geschichte uns eines Besseren belehren sollte. Damit wir das nicht vergessen, sollten wir immer wieder zu Büchern wie Das Spinnennetz von Joseph Roth greifen.