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Deutschboden

Eine teilnehmende Beobachtung

(6)
Willkommen in jenem unbekannten Land, das Deutschland heißt.
Moritz von Uslar geht in eine Kleinstadt im Osten Deutschlands, er bleibt drei Monate und kehrt mit dieser großen Erzählung, einer Geschichte der Gegenwart, die gleichzeitig Reportage und Abenteuerroman ist, zurück.
Draußen, vor der Großstadt, wo Hartz IV, Alkoholismus, Abwanderung und Rechtsradikalismus angeblich zu Hause sind: Hier beginnt diese Geschichte. Der Reporter sucht nach einem Ort mit Boxclub und Kneipe und findet ihn im Landkreis Oberhavel, gut eine Autostunde nördlich vor Berlin. Pension Heimat, Franky’s Place, Gaststätte Schröder: Pils am Tresen, Diktiergerät am Mann. Der Reporter hört zu, guckt zu, trinkt mit, trainiert mit, labert mit, und am nächsten Morgen steht er wieder da. Es erscheinen der Kneipenchef Heiko, der Geschichtenerzähler Blocky, der tätowierte Punk Raoul, und damit ist der Zugang eröffnet: zu den Proben der Band »5 Teeth Less«, zu Grillfesten mit Deutschlandfahne, zum Abhängen am Kaiser’s-Parkplatz und an der Aral-Tankstelle – und zum Alltag junger Männer, die vielleicht keine großartige Zukunft haben, aber einen ziemlich guten Humor.
Die präzisen Beobachtungen, im Wortlaut mitgezeichneten Gespräche, die Gags, Sprüche, Märchen und Blödeleien und die Fülle absurder, rührender und furchterregender Alltäglichkeiten entwickeln einen Sog, der den Leser hineinzieht in das Leben in der ostdeutschen Kleinstadt. Das ist klassisches und das ist modernes Reportertum.
Moritz von Uslar besitzt den Mut, die Ausdauer und das Einfühlungsvermögen, um zu zeigen, dass Wirklichkeit immer jener Ort ist, der jenseits der Erwartung liegt. In diesem Buch ist Platz für allerhand Abstrusitäten, bloß für keine Trostlosigkeit. Deutschboden leuchtet – es ist das Licht der Tankstelle an der Ausfallstraße nachts um halb eins.
Portrait
Moritz von Uslar, geboren 1970 in Köln, war Redakteur beim Magazin der Süddeutschen Zeitung und beim SPIEGEL und arbeitet heute bei der Zeit. Theaterstücke: »Freunde« (2000), »Freunde II« (2001), »Lulu« (2004); gesammelte Interviews: »100 Fragen an …« (KiWi 829, 2004); Roman: »Waldstein oder der Tod des Walter Gieseking am 6. Juni 2005« (2006); »Deutschboden. Eine teilnehmende Beobachtung« (2010), »99 Fragen an ...« (2014).
Zitat
"Das ist das erste moderne Buch über Ostdeutschland. Moritz von Uslar ist neugierig auf die Sprache, die Posen und Rituale der Menschen, die er in Eisdielen, Sportclubs und nachts an der ARAL-Tankstelle trifft. Es geschieht die ganze Zeit eigentlich nichts, aber wenn man darauf wie er mit solch offenen Augen schaut und es so kraftvoll und voll euphorischer Sympathie beschreibt, entfaltet sich plötzlich ein kleines Universum. Willkommen in dem unbekannten Land, das Deutschland heißt." Florian Illies
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz Ja i
Seitenzahl 384 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 22.09.2010
Sprache Deutsch
EAN 9783462300666
Verlag Kiepenheuer & Witsch eBook
Dateigröße 340 KB
Verkaufsrang 49.029
eBook
9,99
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Kundenbewertungen

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Kein Ort, nirgends?
von einer Kundin/einem Kunden aus Halle (Saale) am 17.04.2012
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Zehdenick in Brandenburg, Kleinstadt, (Ex-)DDR, Träume trotz einer Menge Perspektivenlosigkeit und ein (Wessi-)Reporter mit Klischees im Gepäck. Dabei geht es aber weit weniger darum, Vorurteile bestätigt zu finden oder aus dem Weg zu räumen. Der Reporter beobachtet, lernt kennen, verdaut, reflektiert (wenn auch im Niedergeschriebenen nicht besonders tiefgründig, aber vielleicht... Zehdenick in Brandenburg, Kleinstadt, (Ex-)DDR, Träume trotz einer Menge Perspektivenlosigkeit und ein (Wessi-)Reporter mit Klischees im Gepäck. Dabei geht es aber weit weniger darum, Vorurteile bestätigt zu finden oder aus dem Weg zu räumen. Der Reporter beobachtet, lernt kennen, verdaut, reflektiert (wenn auch im Niedergeschriebenen nicht besonders tiefgründig, aber vielleicht hinreichend). Wenngleich das Ende – der Abschied aus der Oberhavel-Kleinstadt nach etwa dreimonatigem Aufenthalt – beinahe etwas unglaubwürdig pathetisch ausfällt, so bleibt dem Leser – wie dem Autor auch – doch nicht allein der Eindruck der mehr als oft erwähnten Tristesse. Man mag vielmehr glauben, man hat etwas verstanden, Menschen verstanden in ihrem Lebensraum, in ihrem sozialen Gefüge. Vor allem darin liegt die Leistung von Uslars. Vorherrschendes Gefühl: "Was es nicht gibt, ist doch da." Seien es Klischees, Orte, Träume ... Die teilnehmende Beobachtung ist unterhaltsam geschrieben, frei heraus, und entlockt einem auch hier und da ein Grinsen. Dazu gibt es sowohl Lokal- als auch gewissermaßen Zeitkolorit.

Ein deutsches Seelenstück
von Benjamin Haase aus Bremen, Weserpark am 08.10.2011
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Moritz von Uslar reist nach Deutschboden, in den legendenumwobenen Osten Deutschlands, die Heimat des „Fight-Prolls“, für eine Feldstudie der besonderen Art: Milieutauchen und Assimilationsversuch in Dorfkneipen und Box-Clubs, bei Tankstellen-Gelagen und aus der Perspektive eines Proll-Mobils, in Gesprächen über pilzähnlich sprießende Nagelstudios oder der schlichten Bierverbrüderung und nähert sich... Moritz von Uslar reist nach Deutschboden, in den legendenumwobenen Osten Deutschlands, die Heimat des „Fight-Prolls“, für eine Feldstudie der besonderen Art: Milieutauchen und Assimilationsversuch in Dorfkneipen und Box-Clubs, bei Tankstellen-Gelagen und aus der Perspektive eines Proll-Mobils, in Gesprächen über pilzähnlich sprießende Nagelstudios oder der schlichten Bierverbrüderung und nähert sich so unerschrocken, betroffen und beteiligt einem (Quatsch-) Psychogramm, das so herrlich politisch inkorrekt ist, das einem (vor Lachen) die Tränen kommen…!

Deutscher Boden
von einer Kundin/einem Kunden aus Essen am 31.07.2011
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Von Uslar, der sein Handwerk in den letzten Jahren bei verschiedenen Zeitungen und Magazinen gelernt hat, greift in seinem Buch das Thema der ostdeutschen Provinz auf, und indem er die Geschichte der Einwohner einer vorgeblich typischen Stadt nördlich von Berlin erzählt, versucht er auch eine Geschichte über das Deutschland... Von Uslar, der sein Handwerk in den letzten Jahren bei verschiedenen Zeitungen und Magazinen gelernt hat, greift in seinem Buch das Thema der ostdeutschen Provinz auf, und indem er die Geschichte der Einwohner einer vorgeblich typischen Stadt nördlich von Berlin erzählt, versucht er auch eine Geschichte über das Deutschland knapp 20 Jahre nach der Wende zu erzählen. Im Vordergrund stehen dabei sein eigenes Verhalten und die Reaktion der Einwohner zu seinem Plan, als "Wessi" aus der Großstadt drei Monate bei ihnen zu leben und darüber eine Reportage zu schreiben. Auch wenn von Uslar die Auswirkungen der Kollision der Kulturen zuweilen überspitzt und zum Teil erfolglos versucht, durch vermeintliche "Gefahrensituationen" herbeizuschreiben, fühlt man sich durchweg unterhalten, findet die Gestalten des Buches häufig interessant und nimmt ihm seine ungespielte Sympathie ab.