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Co-Abhängigkeit

Diagnose, Ursachen und Therapie für Angehörige von Suchtkranken

Leben lernen Band 238

»In seiner Darstellung weist der Autor unmissverständlich darauf hin, dass Angehörige nicht bloß ein Anhängsel der Süchtigen sind, sondern eine eigene beratungs- und behandlungsbedürftige Problematik haben. Empfohlen sei das Buch zunächst Fachleuten aus den helfenden Berufen, die in einschlägigen Einrichtungen arbeiten. Lesenswert ist es aber auch für psychologisch Interessierte und alle nach Lösung ihrer Probleme Suchenden. Da das Thema durchaus auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Pflegesektor von Relevanz sein kann, sollte es in den Bibliotheken entsprechender Ausbildungseinrichtungen zugänglich sein.«
Dr. Hubert Kolling, Pflegewissenschaft, Februar 2012

»In diesem Buch geraten die Menschen in den Blick, die einem Suchtkranken nahestehen und ihm helfen wollen, sich aus der Sucht zu befreien. Ihre Erschöpfung und ihr Leiden werden bisher häufig übersehen. Das Buch nimmt diese Gruppe in den Blick, beschreibt typische Muster und Vertstrickungen, Symptome, Auffälligkeiten und spezifische Erkrankungen, welche in Folge von Angst, Scham, Verdruss oder einer immer wieder zerstörten Hoffnung und Enttäuschung, Ohnmacht und Verzweiflung entstehen. Darüber hinaus werden auch gesellschaftliche Aspekte und Defizite der Suchkrankenhilfe kritisch beleichtet. Des Weiteren wird an verschiedenen Beispielen aufgezeigt, wie man Angehörige von Suchtkranken über personenzentrierte Behandlungsangebote stabilisieren kann und damit letztendlich einen Beitrag zur Verbesserung der Qualität der Suchthilfe leisten kann.«
Sucht Aktuell, 2/2011

»Jan Flassbeck gelingt es klar und handhabbar das Lebensmuster von Süchtigen darzustellen, die Verantwortung für die eigene Person und das eigene Leben nicht anzunehmen ... In einem symptomatischen Abgleich von Co-Abhängigkeit versus Sucht gibt er eine praktikable Gegenüberstellung co-abhängiger und süchtiger Symptome, wo die offenkundige Übereinstimmung der Symptombilder sofort auffällt. Durch viele Fallbeispiele bringt er einen guten Praxisbezug, der sowohl für Betroffene als auch für Helfende Berufe die nötige Plastizität des Phänomens bringt. Ein sehr brauchbares Buch für Betroffene, Interessierte aber auch Experten.«
Lisa Tomaschek-Habrina, sowhat.at, August 2012
Portrait
Jens Flassbeck, Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut, Verhaltenstherapeut, Gesprächspsychotherapeut; freiberuflich in eigener Praxis tätig; Schwerpunkt in der psychotherapeutischen Arbeit mit co-abhängigen Angehörigen von Suchtkranken sowie komplex traumatisierten erwachsenen Kindern aus Suchtfamilien.
… weiterlesen
  • Artikelbild-0
  • Vorweg

    Sie sind als Sozialarbeiter, Arzt, Pfleger, Therapeut, Psychologe,
    Seelsorger oder Laienhelfer im Suchtbereich tätig? Sie beschäftigen sich
    als Wissenschaftler mit dem Thema Sucht? Oder Sie kümmern sich
    außerhalb der Suchthilfe um Angehörige und Kinder von Suchtkranken,
    vielleicht als niedergelassener Arzt oder Psychotherapeut, als
    Bewährungshelfer oder als Pädagoge in der Jugend- und Familienhilfe? An
    Sie richtet sich das vorliegende Buch vordringlich. Die heutige
    Suchthilfe, -prävention und -forschung ist eingenommen von dem Süchtigen
    und seinen Suchtmitteln. Dieses Buch ist dagegen ausschließlich den
    Angehörigen und ihrem Leiden gewidmet. Ich möchte Sie einladen, eine
    neue und ganzheitlichere Perspektive von (Co-)Abhängigkeit zu gewinnen.
    Auch werden sich Ihre Selbstsicht und Ihr Selbstverständnis als
    Suchthelfer verändern. Ihr persönliches co-abhängiges Risiko als
    professioneller Helfer wird aufgedeckt und hinterfragt. Obendrein wird
    Ihre Sicht geschärft, inwieweit Ihre Arbeitsstelle und Einrichtung in
    den Strukturen und Arbeitsabläufen co-abhängig verstrickt ist und wie
    Sie diesen institutionellen Verstrickungen durch geeignete Maßnahmen
    begegnen können.

    Sie sind neugierig und wollen sich über Sucht und Abhängigkeit
    informieren, vielleicht weil Sie gerade als Lehrer eine Unterrichtsreihe
    zum Thema Sucht vorbereiten, weil Sie als Pastor einen Suchtfall in
    Ihrer Gemeinde haben, weil Sie als Politiker oder Funktionär Einfluss
    nehmen wollen und an Entscheidungen beteiligt sind oder vielleicht weil
    Sie einen Freund, Kollegen oder Nachbarn haben, der Ihnen wegen
    Suchtproblemen aufgefallen ist? Lesen Sie weiter, Sie werden fündig
    werden. Dieses Buch bietet Ihnen Informationen und eine Perspektive von
    Sucht, die Sie nur schwer woanders finden werden. Das Thema
    Co-Abhängigkeit ist erstaunlicherweise selbst unter Suchtfachleuten
    recht unbekannt.

    Sie waren selber süchtig? Auch Ihnen möchte ich die Lektüre dieses
    Buches empfehlen. Den ersten Schritt aus der Sucht heraus, Ihren Konsum
    oder Ihr Suchtverhalten einzustellen, haben Sie vermutlich schon
    geschafft, sonst hätten Sie dieses Buch nicht in die Hand genommen. Aber
    haben Sie den zweitwichtigsten Schritt schon unternommen, nämlich nicht
    mehr ausschließlich um das eigene Selbst zu kreisen? Teil einer
    Suchtstörung ist es, dass man nur sich selber sieht, andere Menschen
    manipuliert und für die eigenen süchtigen Interessen einspannt. Lesen
    Sie bitte weiter. Die Lektüre wird Ihre soziale Wahrnehmung schärfen und
    Ihr Mitgefühl für die Menschen um Sie herum vertiefen. Ein
    wohlgemeinter Ratschlag: Sparen Sie sich jegliches schlechtes Gewissen!
    Schuldgefühle sind nur der Höhepunkt der süchtigen Selbstbezogenheit. -
    Sie haben Ihre Schuld schon durchgearbeitet? Noch besser! Dann sind Sie
    offen für die Angehörigenthematik.

    Sie haben als Kind, Partner, Eltern, Kollege oder Freund unter der
    Suchterkrankung eines Ihnen nahestehenden Menschen gelitten oder leiden
    noch? Angst, Scham, immer wieder zerstörte Hoffnung und Enttäuschung,
    Ohnmacht, Verdruss, Verzweiflung und Verbitterung - man kann Ihrem
    Leiden viele Namen geben. Sie wollen dem Sucht-kranken gerne helfen,
    machen sich viele Gedanken, wie Sie dem geliebten Menschen aus der Sucht
    helfen können, oder Sie haben sich bereits vielfältig gekümmert und
    alles Menschenmögliche unternommen. Sie wissen irgendwie nicht mehr
    weiter und sind verzweifelt. Trifft das weitgehend auf Sie zu, dann ist
    das vorliegende Buch Ihnen gewidmet. Dieses Buch kümmert sich
    solidarisch und ausschließlich um Ihre Belange als Angehörige eines
    suchtkranken Menschen.

    Einleitung

    Von Frosch, Prinzessin, Hoffnung und Küssen

    Sie kennen das Märchen vom Froschkönig, und vielleicht haben Sie
    schon davon gehört, dass dieser Text gerne als Illustration für Sucht
    genutzt wird? Der nasse, dicke und hässliche Frosch symbolisiert den
    Süchtigen.
  • Inhalt

    Vorweg 11

    Einleitung Von Frosch, Prinzessin, Hoffnung und Küssen 13

    Von gesellschaftlicher Routine und verkappter Menschlichkeit 14

    Abhängigkeitist ein soziales System 16

    Vom stillen Funktionieren und vergessenen Leiden 20

    Was Sie erwartet . 23

    Zum Gebrauch von Sprache 23

    Zu den Inhalten 25

    Was ist Co-Abhängigkeit? . 29

    1.1 Eine Ordnung: Drei Formen und drei Systemebenen 30

    1.2 Co-Abhängigkeit als co-abhängiges Risiko und persönliche Verstrickung 34

    Das stille Leiden . 34

    Helfen ist menschlich, aber »Perlen vor die Säue« 36

    Von Langmut und anderem persönlichen Zierrat 38

    Vom Wegschauen der anderen. 39

    Von Sprachlosigkeit und überwältigenden Gefühlen 41

    Zum familiären Zusammenhalt 44

    Eine Definition der co-abhängigen Verstrickung 45

    1.3 Co-Abhängigkeit als therapeutische Verstrickung 47

    1.4   Co-Abhängigkeit als Co-Abhängigkeitssyndrom 48

    Abhängigkeitsspezifische Symptome 50

    Schamkomplex und andere sozioemotionale Störungen 52

    Zusätzliche wichtige und typische Auffälligkeiten . 56

    Symptomatischer Abgleich Co-Abhängigkeit versus Sucht 58

    Operationalisierung der Diagnose 61

    1.5   Co-Abhängigkeit in Abgrenzung zu anderen Formen zwischenmenschlicher Abhängigkeit 62

    1.6   Co-Abhängigkeit in Wechselwirkung mit anderen psychischen Störungen 64

    1.7   Co-Abhängigkeit bei Kindern 68

    2.   Institutionelle Co-Abhängigkeit 70

    2.1   Institutionelle Diagnose . 72 Abhängigkeitsspezifi sche Auffälligkeiten 74

    Einseitige Solidarität und Überbetonung des Sozialen 78

    Weitere personelle und organisatorische Störungen 82

    2.2   In Kombination mit macht- und ökonomisch begründeter Abhängigkeit 84

    Zu den Machtaspekten 85

    Zu den ökonomischen Aspekten   86

    3.   Daten und Fakten 90

    3.1   Prävalenz . 91 Einige kritische Anmerkungen und Fragen . 92 Eine eigene nicht repräsentative Schätzung   94

    3.2   Ambulante Behandlungsquote . 97

    3.3   Zur Geschlechterasymmetrie . 98

    3.4   Zum co-abhängigen Risiko von Kindern aus Suchtfamilien    100

    3.5   Weitere Befunde zu Kindern aus Suchtfamilien   102

    3.6   Eine kleine Auszählung an Veröffentlichungen 103

    4.   Störungsbedingungen und Ressourcen . 106

    4.1   Der Schliffzur Prinzessin 107

    Von der Last, Prinzessin zu sein 108

    Mögen hätte ich schon gewollt, aber dürfen habe ich mich nicht getraut 111

    4.2   Die Prinzessin küsst sich zur Fröschin 113

    Vom übermäßigen Bedürfnis, gebraucht zu werden . 115

    4.3   Die Beliebigkeit der (co-)abhängigen Rollenverteilung 117

    4.4   Eine nicht alltägliche, irrationale und komplexe Belastung   119

    Spezifischer co-abhängiger Stress . 120 Unspezifischer Stress 122

    4.5   Vom kindlichen Trauma einer Suchtfamilie 123 Traumatisierende Bedingungen und ihre traumatischen Folgen 124

    4.6   Von Freiheit, Selbsterhaltung und Ressourcen 129

    5.   Institutionelle und gesellschaftliche Aspekte . 133

    5.1   Die systemimmanenteFehldynamik 134

    5.2   Das co-abhängige Dilemma von Konsequenz und Menschlichkeit 137

    5.3   Zum Mangel an offenem und kritischem Dialog 139

    5.4   Von positiven, doch inhaltsleeren Images 141

    5.5   Sucht ziehtnichtnur Süchtigemagisch an 144

    5.6   Aspekte der Arbeitszufriedenheit   148

    5.7   Abhängigkeit durch formale und informelle Macht 149

    5.8   Ökonomische Zwänge 152

    5.9   Zur Suchtgesellschaft . 154

    6.   Wo finden Angehörige Beratung und Therapie? 157

    6.1   Aufklärungund Prävention 157

    6.2   Beratung und Therapie 160

    6.3   Ineffektive und ineffizienteSuchthilfe 168

    7.   Leitthemen und Leitlinien der Behandlung 170

    7.1   Ein personzentriertes Behandlungsangebot 170 Psychotherapeutische Stoßrichtung 171

    Der Frosch muss an die Wand, viele Male! – zur Prozessorientierung   174

    7.2   Reden hilft 175

    7.3   ICH statt ER – Anstoßen der Selbstaktualisierung   176

      Wie geht es Ihnen?   177

      Der kleine Anfang, wieder etwas für sich zu tun 179

    Die berühmte Frage nach dem Warum 181

    Die Hoffnung stirbt zuletzt 184

    Aufhören zu lächeln 186

    Trennen oder Trennung 189

    Heilsame Verstörung des Mythos vom moralisch besseren Menschen 193

    Ehrgeiz entwickeln und die Therapie gut beenden . 197 Therapie klären oder zur Not vorzeitig beenden 198

    7.4   DU statt ER – Anstoßen der Beziehungsfähigkeit 202

    Nein sagen 203

    Scham überwinden . 206 Hilfebedürftigkeit eingestehen und annehmen 209 Auseinandersetzen und Auseinandersetzung 213

    Den Frosch an die Wand werfen – gesunde Aggressivität 220

    Angst vor Rückfällen 223

    Feste Kost für den großen Hunger nach Gebrauchtwerden     224

    7.5   Vermittlung von Wissen und Kompetenzen 226

    Sucht und der Umgang damit 227

    Sich und andere schützen 231

    Co-Abhängigkeit als Thema 233

    Die Ex-Coabhängige als Multiplikator 233

    7.6 Psychotherapie für Kinder in Suchtfamilien 235

    7.7   Zur Traumabewältigung einer Suchtfamilie 238

    Die Wiedererinnerung, so nebenbei (Schritt 1) 240

    Zusammenhänge zwischen Trauma damals und Leben heute (Schritt 2) 241

    Stabilisieren, stärken und selbst behaupten (Schritt 3) 243

    Das übersehene Kind bergen und Ressourcen aktivieren (Schritt 4) 245

    8.   Institutionelle Strategien und Maßnahmen . 249

    8.1   Allgemeine institutionelle Strategien 249

    Mit Bedacht reden 250

    Coaching   252

    Klarheit, Verbindlichkeit und Kontrolle 253

    Demokratisches, wertschätzendes und kritisches Arbeitsklima   254

    8.2   Institutionelle Maßnahmen in der Suchthilfe . 255

    Angehörigenangebote. 255

    Schritte zu einer angehörigenzentrierten Haltung 257

    Konzentration auf den Einzelfall und kleine, unabhängige Einrichtungen 262

    Kommunikation und Kooperation – Zauberwort Vernetzung 263

    Personelle Durchlässigkeit 264

    Wirtschaftliche Unabhängigkeit   265

    Resümee 266

    Literatur 268
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 271
Erscheinungsdatum 15.01.2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-608-89106-5
Verlag Klett Cotta
Maße (L/B/H) 21,1/13,9/2,3 cm
Gewicht 373 g
Auflage 2. Auflage
Verkaufsrang 77152
Buch (Taschenbuch)
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