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Der Besuch des Leibarztes

Roman. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Bücherpreis, Kategorie Internationale Belletristik, 2002

Zwei Jahrzehnte vor Ausbruch der französischen Revolution kommt der Arzt und Aufklärer Struensee aus Altona an den Hof des dänischen Königs Christian VII. Ein kleinwüchsiger, kranker Kinderkönig, der mit der dreizehnjährigen englischen Prinzessin Caroline Mathilde verheiratet wurde, die weinte, als sie nach Dänemark reiste. »Die Königen ist einsam. Nehmen sie sich ihrer an!« befiehlt der König seinem Leibarzt. Und die drei werden Figuren einer unaufhaltsamen und bewegenden Tragödie.
Portrait
Per Olov Enquist, geboren 1934 in Nord-Schweden, lebt in Stockholm. Er arbeitete als Theater- und Literaturkritiker und zählt heute zu den bedeutendsten Autoren Europas. Für seinen international erfolgreichen Roman ›Der Besuch des Leibarztes‹ (Bd. 15404) wurde er u.a. in Leipzig mit dem Deutschen Bücherpreis 2002 ausgezeichnet.
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  • 'König Christian VII. hatte bei seiner Thronbesteigung Anfang des Jahres von seinem Informator Reverdil einen Hund geschenkt bekommen, einen Schnauzer, an dem er schon nach kurzer Zeit sehr hing. Zu der Begegnung mit der kleinen Engländerin in Roskilde sollte er im Wagen eintreffen, mit großem Gefolge, direkt aus Kopenhagen. In der Kalesche des Königs saßen außer Christian ein ehemaliger Professor der Akademie Soru mit Namen Guldberg, der Lehrer des Königs, Reverdil, sowie ein Höfling namens Brandt, der im Verlauf der späteren Ereignisse eine bedeutungsvolle Rolle spielen sollte. Guldberg, dessen Platz unter normalen Umständen nicht in der Kalesche des Königs gewesen wäre, weil seine Position am Hof noch allzu unbedeutend war, begleitete den König aus Gründen, die noch zur Sprache kommen werden. Im Wagen fuhr auch der Hund mit, er saß die ganze Zeit auf Christians Schoß. Guldberg, der in der klassischen Literatur bewandert war, hatte nämlich aus Anlaß der Begegnung eine Liebeserkl ärun g verfaßt, die auf Passagen eines Dramas von Racine aufbaute, und hatte im Wagen "die letzten beruhigenden Instruktionen vor der Liebesbegegnung" gegeben, wie Reverdil es in seinen Memoiren nennt. "Beginnen Sie kraftvoll", hatte Guldberg der Majestät gesagt, die fast ganz abwesend zu sein schien und verzweifelt den kleinen Hund an sich drückte. "Die Prinzessin muß schon vom ersten Moment an die starke Passion Eurer Majestät erkennen. Der Rhythmus! Ich beuge mich dem Liebesgott ... ich BEUGE mich dem Liebesgott ... Der Rhythmus! Der Rhythmus!" Die Stimmung im Wagen war bedrückt gewesen, und die Tics und Körperbewegungen des Königs waren zeitweise unkontrollierter denn je. Bei der Ankunft hatte Guldberg angedeutet, daß der Hund nicht an der Liebesbegegnung der Königlichen teilnehmen könne, sondern im Wagen zurückbleiben müsse. Christian hatte sich zunächst geweigert, ihn loszulassen, war aber schließlich dazu gezwungen worden. Der Hund hatte gewinselt, und später sah man ihn he ftig bell end hinter dem Fenster der Kalesche. Reverdil schreibt, dies sei "einer der angsterfülltesten Augenblicke seines Lebens gewesen. Der Junge schien jedoch am Ende so apathisch, als ginge er in einem Traum". Das Wort "Schrecken" kommt oft vor. Am Schluß hatten die Prinzessin Caroline Mathilde und ihr Verlobter Christian VII. trotzdem alles fast perfekt gemacht. Ein Kammerorchester war neben dem Glaspavillon aufgestellt. Das Abendlicht war sehr schön. Auf dem Platz um den Pavillon hatten sich Tausende von Menschen versammelt; sie wurden von den Soldaten, die in doppelten Reihe die Wache bildeten, zurückgehalten. Im exakt gleichen Augenblick, und begleitet von der Musik, waren die beiden jungen königlichen Personen durch die Türen eingetreten. Sie hatten sich einander exakt so genähert, wie das Zeremoniell es vorschrieb. Die Musik war, als sie drei Ellen voneinander entfernt standen, verstummt. Die Prinzessin hatte Christian die ganze Zeit angesehen, doch mit einem Blick, der leblos zu sei n schien, als ginge sie- auch sie - in einem Traum. Christian hatte das Gedicht in der Hand gehalten, auf einem Bogen Papier. Als sie schließlich still voreinander standen, hatte er gesagt: "Ich will jetzt meine Liebe erklären, teure Prinzessin." Er hatte auf ein Wort von ihr gewartet, doch sie hatte ihn nur angesehen und geschwiegen. Seine Hände hatten gezittert, aber schließlich war es ihm gelungen, sich zu ermannen, und er hatte Guldbergs Liebeserklärung gelesen, die wie ihr literarisches Vorbild auf französisch abgefaßt war ...'
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 384
Erscheinungsdatum 01.02.2003
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-596-15404-3
Verlag Fischer Taschenbuch Verlag
Maße (L/B/H) 18,9/12,6/2,5 cm
Gewicht 287 g
Originaltitel Livläkarens Besök
Auflage 10
Übersetzer Wolfgang Butt
Buch (Taschenbuch)
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13,00
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Kundenbewertungen

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Es ist was faul im Staate Dänemark
von einer Kundin/einem Kunden am 21.06.2016
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Die ideale Lektüre für ihre Ferien in Dänemark! Schöne Sprache, historisch höchst interessant und spannend bis zum Schluss. Das Licht der Aufklärung im kleinen Staate Dänemark und teuflische Hofintrigen herausragend inszeniert vom schwedischen Autor Enquist. Hier in der hübschen praktischen kleinen Version der Fischer Taschenbib... Die ideale Lektüre für ihre Ferien in Dänemark! Schöne Sprache, historisch höchst interessant und spannend bis zum Schluss. Das Licht der Aufklärung im kleinen Staate Dänemark und teuflische Hofintrigen herausragend inszeniert vom schwedischen Autor Enquist. Hier in der hübschen praktischen kleinen Version der Fischer Taschenbibliothek, perfekt als Reiselektüre.

fesselndes, großes Leseerlebnis
von einer Kundin/einem Kunden am 12.03.2014
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

In " Der Besuch des Leibarztes" erzählt Per Olov Enquist die Geschichte des Grafen Struensee, Arzt und Aufklärer aus Altona. Dieser kommt zwei Jahrzehnte vor Ausbruch der französischen Revolution an den Hof des dänischen Königs Christian VII., eines kleinwüchsigen, kindlichen, kranken Königs, der mit der dreizehnjährigen engli... In " Der Besuch des Leibarztes" erzählt Per Olov Enquist die Geschichte des Grafen Struensee, Arzt und Aufklärer aus Altona. Dieser kommt zwei Jahrzehnte vor Ausbruch der französischen Revolution an den Hof des dänischen Königs Christian VII., eines kleinwüchsigen, kindlichen, kranken Königs, der mit der dreizehnjährigen englischen Prinzessin Caroline Mathilde verheiratet wurde. ...." Die Königin ist einsam, nehmen Sie sich ihrer an!" befiehlt der König seinem Leibarzt. Politik, Macht und Ohnmacht, Leidenschaft, Tragödie.....dieses Buch ist perfekte Leseunterhaltung.

Fessend, melancholisch, voller Sinnlichkeit und Verstand!
von Kristiana Kuini am 11.06.2012

Dem Autor ist ein Geniestreich mit dem Buch gelungen! Obwohl der erste Satz das vermeintliche Ende preiszugeben scheint, tut es der Handlung keinen Schaden. Die Zuspitzung am Ende will schier wahnsinnig machen. Per Olov Enquist schreibt mit einer Klarheit und Schönheit, die selten ist, sodass sie einen in den Sog ziehen. Das... Dem Autor ist ein Geniestreich mit dem Buch gelungen! Obwohl der erste Satz das vermeintliche Ende preiszugeben scheint, tut es der Handlung keinen Schaden. Die Zuspitzung am Ende will schier wahnsinnig machen. Per Olov Enquist schreibt mit einer Klarheit und Schönheit, die selten ist, sodass sie einen in den Sog ziehen. Das Buch ist nicht nur schön, es ist bedeutend! Das Buch brilliert mit seinem Glanz, seiner Melancholie, der Sinnlichkeit und der Tatsache, dass diese Geschichte ein historisches Ereignis als Inspiration hat. Hier sind die Linien zwischen Gut und Böse verschwommen. Was bleibt ist die Fassungslosigkeit und die offenen Fragen, die sich für immer im Schatten der Vergangenheit verbergen.