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Abschaffel

Roman-Trilogie

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Ein exemplarischer Angestellten-RomanKomisches Meisterwerk um einen kläglichen Helden und Angestellten und seinen Zwang, Mücken in Elefanten zu verwandeln.Abschaffel, Flaneur und »Workaholic des Nichtstuns« streift durch eine Metropole der verwalteten Welt. Mit innerer Phantasietätigkeit kompensiert er die äußere Ereignisöde seines Angestellten-Daseins. Das Aufbegehren der 68er ist vorbei, geblieben ist nurmehr private Trauer: Abschaffel schlägt alle Zerstreuungsangebote der Freizeitindustrie aus. Ein ganzer Katalog häuslicher Empfindlichkeiten tritt an die Stelle des nicht stattfindenden Lebens, dessen Mikro-Abenteuer aus Angst vor Mißdeutung vor anderen Personen geheimgehalten werden müssen. Im Verlauf der Trilogie unternimmt Abschaffel mehrere kläglich-komische Anläufe zum Ausbruch: Zum Beispiel versucht er sich selbst in der Rolle des Nutznießers von Ausbeutung: als Zuhälter nämlich. Zu guter Letzt jedoch zwingt ihn eine psychosomatische Krankheit zu einem mehrwöchigen Kuraufenthalt. Hier endlich eröffnet sich Abschaffel die Möglichkeit, das eigene innere Tricktheater zu reflektieren: In der letzten Szene des Romans sehen wir einen Abschaffel, der - immerhin - aus dem Fenster blickt.
Portrait

Wilhelm Genazino wurde 1943 in Mannheim geboren, arbeitete zunächst als Journalist, später als Redakteur und Hörspielautor. Als Romanautor wurde er 1977 mit seiner ›Abschaffel‹-Trilogie bekannt und gehört seither zu den wichtigsten deutschen Gegenwartsautoren.

Für sein umfangreiches Werk wurde er mit zahlreichen Preisen geehrt, unter anderem erhielt er 1998 den Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und 2004 den Georg-Büchner-Preis. 2007 wurde er mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet, 2010 mit dem Rinke-Sprachpreis. 2011 wurde Genazino in die Akademie der Künste gewählt. 2013 erhielt er den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor, 2014 den Samuel-Bogumil-Linde-Preis für sein literarisches Werk. Wilhelm Genazino lebt in Frankfurt am Main.

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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 576
Erscheinungsdatum 01.12.2002
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-423-13028-8
Verlag dtv
Maße (L/B/H) 19,1/12,1/3,2 cm
Gewicht 345 g
Auflage 6. Auflage
Buch (Taschenbuch)
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Unermessliche Alltagszeit
von Michael Lehmann-Pape am 06.07.2011
Bewertet: Buch (gebunden)

Das, worum es im Kern der, in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts in Frankfurt angesiedelten, Romantrilogie von Wilhelm Genazino geht, jene besondere Darstellung der „Dimensionen des Alltages“ (Angelika Reitzer auf readme), findet sich auf einer der ersten Seiten, die den Leser bereits unvermittelt mitten in das innere Geschehen... Das, worum es im Kern der, in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts in Frankfurt angesiedelten, Romantrilogie von Wilhelm Genazino geht, jene besondere Darstellung der „Dimensionen des Alltages“ (Angelika Reitzer auf readme), findet sich auf einer der ersten Seiten, die den Leser bereits unvermittelt mitten in das innere Geschehen des Herrn Abschaffel, der Hauptfigur der Trilogie, entführen und von der ersten Seite an, dicht gedruckt, wie atemlos, in einem unermesslichen Strom der Wörter aus dieser Mitte kaum mehr entlassen. „Denn er wusste nicht, dass Alleinsein darin besteht, dass der Alleinstehende alles Geschehen auf sich bezieht. Da nichts mit ihm zu tun hat, glaubt er, alles müsste etwas mit ihm zu tun haben; er ist ununterbrochen damit beschäftigt, Verbindungen zu toten Sachen herzustellen“. Der Büroangestellte Abschaffel hat nicht viel an äußerem Erleben in seiner Welt. Er pendelt zwischen Wohnung und Büro und ständig fließt der Fluss seiner Gedanken. Beobachtend, Bewertend, immer auf sich beziehend. Und häufig durchaus abwertend und bösartig. Da, wo der Kollege einen eher harmlosen Scherz macht und Abschaffel umgehend wenige Minuten später dessen Ehefrau verführt, eine Affäre des Kollegen andeutet, um noch leichteren Zugang bei der an sich bereits frustrierten Frau zu finden. Selbst aber während des kurzen Liebesaktes mäandern seine Gedanke hinfort und empfinden die Tagesdecke und die Waschmaschine als durchaus genauso einer Betrachtung wert, wie den nackten Körper der Frau. Abschaffel hat eben „nur seinen Kopf. Und es war nicht ungewöhnlich, dass in seinem Kopf nun der Einfall auftauchte, nicht mehr hier sein zu wollen“, wie es an anderer Stelle im Buch heisst. So tritt beständig eine Flut von Fantasien, ungerichtet, ohne Ziel, in sein Leben. Fantasien und Ideen, die beständig durch die ihm ebenso nichtssagende Außenwelt angeregt werden. Nicht umsonst wird die Geschichte des Mannes Abschaffel, erst dann einen anderen Verlauf nehmen können, nachdem er äußerlich ruhig gestellt ist. Während einer Kur, äußerlich zur Ruhe gezwungen, eröffnen sich auch innerlich Andeutungen anderer Lebensmöglichkeiten. Genazio gelingt es, unglaublich redegewandt und in einem faszinierenden, ständigen Fluss der Wörter des Leser tief in die Fantasiewelt, die Gedanken, die vorhandene Leere seines Protagonisten mit hineinzuziehen. Die Aufbruchstimmung der 60er Jahre ist vorbei, die Welt dreht sich weiter und folgt weiterhin geordneten Bahnen, die großen Träume erst einmal auf Eis gelegt. Eine ideologische und gedankliche Leere, die durchaus heute ebenso noch bekannt ist an vielen Orten, ebenso zu beobachten ist im Alltag, in der Politik, in der öffentlichen Diskussion und der Genazio mit seinem Abschaffel einen Namen, eine Person, ein Innenleben verleiht. Das durchaus modern zu nennende, mehr und mehr in den Raum tretende, „insuläre“ Leben, das „Alleinsein“ und daher „alles auf sich beziehen“, schrankenlos sich in Teilen auch surrealen Fantasien hingebend und dabei als Person so gut wie zu zerfließen, wenige Bücher haben diesen Zustand so sprachgewandt und ausführlich darzustellen verstanden, wie „Abschaffel“. Ein intensives Portrait rein Impulsgesteuerten Lebens und sozialer Isolation.

Wunderlicher Alltag
von einer Kundin/einem Kunden am 16.03.2005

ein wenig ein tragischer Held, der Abschaffel, wie er seinen Alltag bewältigt. Aber das Buch lässt den Alltag plötzlich als nicht mehr alltäglich erscheinen, was doch eine grosse Leistung ist.