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Die Lehre der Sainte-Victoire

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Die Erzählung Langsame Heimkehr endet, als das Flugzeug zur Landung auf dem Kontinent ansetzt. Der erste Satz der Lehre der Sainte-Victoire lautet: »Nach Europa zurückgekehrt, brauchte ich die tägliche Schrift und las vieles neu.« Aus Sorger, dem »Helden« der Langsamen Heimkehr, ist der Autor geworden, der sich nach dem Recht zu schreiben fragt. Nicht in Form eines Traktates, sondern als eine Erzählung von Wanderungen in der Provence – von den Auseinandersetzungen mit dem Mont Sainte-Victoire und dessen Abbildern, »Verwirklichungen«, auf den Gemälden Cézannes –, zum Mont Valérien in Paris oder »auf« den Havelberg in Berlin und – schließlich – im Morzger Wald bei Salzburg. Die zweite Begegnung mit der Sainte-Victoire und Cézanne, »dem Menschheitslehrer der Jetztzeit«, erlaubt es Handke, eine Poetik, seine Poetik, zu schreiben als die »Lehre« der Sainte-Victoire. Das »Recht, zu schreiben« gründet sich für ihn auf die Erfahrung des Zusammenhangs, der Verwandtschaft, zwischen dem Ich und den Dingen; Ziel des Autors Peter Handke ist es, »diesen Zusammenhang, in einer treuestiftenden Form!, weiterzugeben«.
Portrait
Peter Handke wird am 6. Dezember 1942 in Griffen (Kärnten) geboren. Die Familie mütterlicherseits gehört zur slowenischen Minderheit in Österreich; der Vater, ein Deutscher, war in Folge des Zweiten Weltkriegs nach Kärnten gekommen. Zwischen 1954 und 1959 besucht er das Gymnasium in Tanzenberg und das dazugehörige Internat. Nach dem Abitur im Jahr 1961 studiert er in Graz Jura. Im März 1966, Peter Handke hat sein Studium vor der letzten und abschließenden Prüfung abgebrochen, erscheint sein erster Roman Die Hornissen. Im selben Jahr 1966 erfolgt die Inszenierung seines inzwischen legendären Theaterstücks Publikumsbeschimpfung in Frankfurt in der Regie von Claus Peymann.

Seitdem hat er mehr als dreißig Erzählungen und Prosawerke verfaßt, erinnert sei an: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (1970), Wunschloses Unglück (1972), Der kurze Brief zum langen Abschied (1972), Die linkshändige Frau (1976), Das Gewicht der Welt (1977), Langsame Heimkehr (1979), Die Lehre der Sainte-Victoire (1980), Der Chinese des Schmerzes (1983), Die Wiederholung (1986), Versuch über die Müdigkeit (1989), Versuch über die Jukebox (1990), Versuch über den geglückten Tag (1991), Mein Jahr in der Niemandsbucht (1994), Der Bildverlust (2002), Die morawische Nacht (2008), Versuch über den Stillen Ort (2012), Versuch über den Pilznarren (2013). 

Auf die Publikumsbeschimpfung (UA, Theater am Turm Frankfurt / Main, 1966) folgt 1968, ebenfalls in Frankfurt uraufgeführt, Kaspar. Von hier spannt sich der Bogen weiter über Der Ritt über den Bodensee (UA, Schaubühne am Halleschen Ufer Berlin, 23.1.1971), Die Unvernünftigen sterben aus (UA, Theater am Neumarkt Zürich, 17.4.1974), Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land (UA Burgtheater Wien, 16.1.1990), Die Stunde da wir nichts voneinander wußten (UA, Wiener Festwochen, 9.5.1992), über den Untertagblues (UA, Berliner Ensemble, 30.9.2004) und Bis daß der Tag euch scheidet (Deutschsprachige Erstaufführung, Salzburger Festspiele, 9.8.2009) über das große Epos Immer noch Sturm, das am 12. August 2011 bei den Salzburger Festspielen seine Uraufführung hatte und 2012 mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet wurde, bis zum Sommerdialog Die schönen Tage von Aranjuez (UA, Wiener Festwochen, 15.5.2012).

Darüber hinaus hat Peter Handke viele Prosawerke und Stücke von Schriftsteller-Kollegen ins Deutsche übertragen: Aus dem Griechischen Stücke von Aischylos, Sophokles und Euripides, aus dem Französischen Emmanuel Bove (unter anderem Meine Freunde), René Char und Francis Ponge, aus dem Amerikanischen Walker Percy.

Sein Werk wurde mit zahlreichen internationalen Preisen geehrt. Die Formenvielfalt, die Themenwechsel, die Verwendung unterschiedlichster Gattungen (auch als Lyriker, Essayist, Drehbuchautor und Regisseur ist Peter Handke aufgetreten) erklärte er selbst 2007 mit den Worten: »Ein Künstler ist nur dann ein exemplarischer Mensch, wenn man an seinen Werken erkennen kann, wie das Leben verläuft. Er muß durch drei, vier, zeitweise qualvolle Verwandlungen gehen.«
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 108
Erscheinungsdatum 25.11.1984
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-37570-9
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Maße (L/B/H) 17,9/10,8/1,2 cm
Gewicht 101 g
Auflage 9
Verkaufsrang 108.170
Buch (Taschenbuch)
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In den Bergen
von Polar aus Aachen am 05.09.2008
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Peter Handkes Werk schwankt zwischen sprachlicher Vollendung und mythischem Überschwang, bei dem der Gegenstand seiner Betrachtung nicht selten überladen erscheint. Anders in Die Lehre der Sainte-Victoire, wo er sich einem Gemälde Paul Cézannes verschreibt und dessen Impressionismus sprachlich annähert. Er streift durch die Landschaft, dessen Gebirge Cézanne immer wieder... Peter Handkes Werk schwankt zwischen sprachlicher Vollendung und mythischem Überschwang, bei dem der Gegenstand seiner Betrachtung nicht selten überladen erscheint. Anders in Die Lehre der Sainte-Victoire, wo er sich einem Gemälde Paul Cézannes verschreibt und dessen Impressionismus sprachlich annähert. Er streift durch die Landschaft, dessen Gebirge Cézanne immer wieder zum Gegenstand seiner Betrachtung machte. Wo der Maler ein Bild für die Wirklichkeit zu finden suchte, bemüht sich Handke um einen sprachlichen Ausdruck. So entführt Handke uns aus der Hektik der modernen Welt zurück in die Beschaulichkeit eines Umherschweifens, des Flanierens, bei dem er Betrachtungen, wie Erfahrungen sammelt. Wie ein Maler scheint er den einen Augenblick zu suchen, den es festzuhalten gilt. Sprachlich virtuos, läßt der schmale Band Augenblicke der Muße zurück.