Die feinen Unterschiede

Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft

Pierre Bourdieu

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Beschreibung


»Bourdieus Analyse des kulturellen Konsums und des Kunstgeschmacks ist trotz der hohen Anforderungen, die sie an den Leser stellt, nicht bloß für Sozialwissenschaftler, Kunstschaffende und Philosophen von Interesse, sondern für alle, die geneigt sind, ihre eigenen, meist als selbstverständlich aufgefaßten kulturellen Vorlieben und Praktiken zu prüfen. Auch wenn in unserem Land die Kultur einen weitaus geringeren Stellenwert hat als in Frankreich und die westdeutschen Klassenunterschiede weniger augenscheinlich sind als die französischen, sind doch die Strukturen der Distinktion überraschend ähnlich. Der Reiz und auch das Verdienst des Buches liegen darin, daß Bourdieu immer im Kontakt zur konkreten Alltagswirklichkeit bleibt. Dafür sorgen schon die zwischen die schwierigen theoretischen Ausführungen und die Masse des empirischen Materials häufig eingeschobenen Fallbeispiele. Sie laden den Leser zur Identifikation ein, so daß er nicht bloß außenstehender Beobachter bleibt, sondern sich selbst als Gegenstand der Analyse entdeckt. Dadurch wird die Lektüre der Feinen Unterschiede für alle, die sich darauf einlassen wollen, zu einem spannenden Selbsterfahrungsprozeß.« Joachim Weiner

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 910
Erscheinungsdatum 23.02.1987
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-28258-8
Verlag Suhrkamp
Maße (L/B/H) 17,5/10,8/3,5 cm
Gewicht 564 g
Originaltitel La distinction. Critique sociale du jugement
Abbildungen mit Abbildungen, 21 Diagrammen, 37 Tabellen, im Anhang 1 Fragebogen, 1 Beobachtungs Tabellen Tab.
Auflage 27.Auflage
Übersetzer Bernd Schwibs, Achim Russer
Verkaufsrang 24615

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Bourdieus Gesellschaftsanalyse
von Zitronenblau am 10.10.2010

Bourdieu ist ein Soziologe höchsten Formats. Sein Hauptwerk "Die feinen Unterschiede" - seine Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft - ist von unermesslicher Bedeutung für die Gesellschaftsforscher unserer Zeit. Besonders hervorzuheben ist die Form seiner Empirie. Mit wissenschaftlicher Methodik wie Korrespondenzanalysen und... Bourdieu ist ein Soziologe höchsten Formats. Sein Hauptwerk "Die feinen Unterschiede" - seine Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft - ist von unermesslicher Bedeutung für die Gesellschaftsforscher unserer Zeit. Besonders hervorzuheben ist die Form seiner Empirie. Mit wissenschaftlicher Methodik wie Korrespondenzanalysen und einem gewaltigen Volumen an empirisch erhobenen und ausgewerteten Daten gelingt es ihm mikrosoziologische Phänomene in einen makrosioziologischen Raum zu induzieren und kann Erklärungsmodelle heuristisch herleiten. Die Kritik der Urteilskraft ist an Kant orientiert und diese ex aequo kritisierend. Das vokabulare Portfolio greift Begriffe wie Habitus, Lebensstil, Distinktion, Klasse (expandiert aus dem ökonomischen in einen kulturellen Kontext) und Kapital (Bildungs-, symbolisches Kapital etc) auf. Habitus ist der Raum von z.B. Lebensstilen, Sprache, Geschmack etc. in dem das gesellschaftliche Individuum eingebettet ist, der so g. sozialisierende Hintergrund - vielleicht äquivalent zur Habermas'schen Lebenswelt -, der es beschränkt. Die Kapitalien sind die Vermögen Hinzugewinne und damit Klassenunterschiede zu generieren (Distinktionen). "Eine soziale Kasse ist vielmehr definiert durch die Struktur der Beziehungen zwischen allen relevanten Merkmalen." Der inkorporierte Klassenkörper ist "die unwiderlegbarste Objektivierung des Klassengeschmacks". Bourdieu reißt verschiedene Felder ab wie die "Titelsoziologie", Bildung im Kleinbürgertum oder das Konformitätsprinzip innerhalb der Klassen als Identifizierungsimperativ, "nicht aus der Reihe zu tanzen." Das Buch bietet noch viel mehr - ich selbst habe mich auch wiedergefunden, mich zugeordnet gewusst. Und doch muss als kleines Manko erwähnt werden, dass Bourdieu einen teilweise sehr idiosynkratischen Wertungs- und Beurteilungsduktus anschlägt, dem etwas von der wissenschaftlichen Stringenz und Sachlichkeit abgeht und der mitunter lyrische Züge trägt. Der Leser ist gefordert! Das Buch ist für jeden, der gesellschaftstheoretisch interessiert ist, ein Klassiker!


  • Artikelbild-0
  • Vorwort zur deutschen Ausgabe
    Einleitung 17
    ERSTER TEIL:
    GESELLSCHAFTLICHE KRITIK
    DES GESCHMACKSURTEILS

    1. Bildungsadel.- Titel und Legitimitätsnachweis 31

    Titel 39
    - Die Wirkung des Titels 47
    - Die ästhetische Einstellung 57
    - Reiner und "barbarischer" Geschmack 60
    - "Populäre Ästhetik" 64
    - Ästhetische Distanzierung 68
    - Eine anti-kantianische "Ästhetik" 81
    - Ethik, Ästhetik und Ästhetizismus 85
    - Neutralisierung und das Universum der Möglichkeiten 94
    - Die Distanz zur Notwendigkeit 100
    - Der ästhetische Sinn als Sinn für die Distinktion 104

    Legitimitätsnachweis 115
    - Stil und Erwerbsstil 120
    - Der "Gelehrte" und der "Mann von Welt" 125
    - Erfahrung und Wissen 134
    - Die angestammte Welt 136
    - Geerbtes und erworbenes Kapital 143
    - Die zwei Märkte 150
    - Faktoren und Kräfte 461

    ZWEITER TEIL:
    DIE ÖKONOMIE DER PRAXISFORMEN

    2. Der Sozialraum und seine Transformationen 171

    Klassenlage und soziale Konditionierungen 174
    - Variablen und Variablensysteme 176
    - Die konstruierte Klasse 182
    - Soziale Klasse und Laufbahnklasse 187
    - Kapital und Markt 193

    Ein dreidimensionaler Raum 195

    Die Umstellungsstrategien 210
    - Einstufung, Abstufung, Umstufung 221
    - Umstellungsstrategien und morphologische
    Veränderungen 227
    - Zeit um zu begreifen 237
    - Eine geprellte Generation 241
    - Der Kampf gegen die Deklassierung 248
    - Die Wandlungsprozesse im Bildungssystem 255
    - Die Konkurrenzkämpfe und die Verschiebung der
    Struktur 261

    3. Der Habitus und der Raum der Lebensstile 277

    Die Homologie der Räume 286
    - Form und Substanz 288
    - Drei Arten des Sich-Unterscheidens 298
    - Ungezwungen oder unverfroren? 311
    - Das Sichtbare und das Unsichtbare 322

    Die Gesamtbereiche der stilistischen Möglichkeiten 332

    4. Die Dynamik der Felder 355

    Das Zusammenspiel von Güterproduktion und
    Geschmacksproduktion 362
    - Die Wirkung der Homologien 367
    - Wahlverwandtschaften 373

    Die symbolischen Auseinandersetzungen 378

    DRITTER TEIL:
    KLASSENGESCHMACK UND LEBENSSTIL

    5. Der Sinn für Distinktion 405

    Aneignungsweisen von Kunst 416
    Die Varianten des herrschenden Geschmacks 442
    Der zeitliche Einschnitt 462
    Temporelle und spirituelle Größen 497

    6. Bildungsbeflissenheit 500

    Kennen und Anerkennen 503
    Der Autodidakt und die Schule 513
    Die Linie und der Hang 519
    Die Varianten des kleinbürgerlichen Geschmacks 531
    Das absteigende Kleinbürgertum 541
    Das exekutive Kleinbürgertum 549
    Das neue Kleinbürgertum 561
    Von der Pflicht zur Pflicht zum Genuß 573

    7. Die Entscheidung für das Notwendige 585

    Der Geschmack am Notwendigen und das Konformitäts-
    Prinzip 587
    Herrschaftseffekte 601

    8. Politik und Bildung 620

    Zensus und Zensur 624
    Statuskompetenz und Statusinkompetenz 632
    Das Recht auf Meinungsäußerung 642
    Die persönliche Meinung 648
    Produktionsweisen von Meinung 654
    Sinnverlust und Sinnentstellung 669
    Moralische und politische Ordnung 678
    Klassenhabitus und politische Meinung 686
    Meinungsangebot und Meinungsnachfrage 690
    Der politische Raum 707
    Der spezifische Laufbahneffekt 707
    Politische Sprache 719

    Schluß: Klassen und Klassifizierungen 727

    Inkorporierte soziale Strukturen 729
    Begriffsloses Erkennen 734
    Vom Interesse diktierte Zuschreibungen 741
    Der Kampf der Klassifikationssysteme 748
    Realität der Vorstellung und Vorstellung der Realität 752

    Nachschrift: Elemente einer "Vulgärkritik" der "reinen"
    Kritiken 756

    Der Ekel vor dem "Leichten" 757
    "Reflexions- Geschmack" und "Sinnen- Geschmack" 761
    Das verleugnete gesellschaftliche Verhältnis 768
    Parerga und Paralipomena 773
    Die Lust am Lesen 779

    Anhang I: Einige Überlegungen zur Methode 784
    Der Fragebogen 800
    Beobachtungsplan 809
    Anhang II: Zusätzliche Quellen 811
    Anhang III: Die statistischen Daten. Die Erhebung 821
    Anhang IV. Ein Gesellschaftsspiel 842
    Glossar 864

    Bildnachweise 875

    Verzeichnis der Tabellen und Diagramme im Textteil 876

    Namen- u