Der Untertan

Roman

Heinrich Mann, Gesammelte Werke in Einzelbänden Band 10168

Heinrich Mann

(8)
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Beschreibung

Erstaunlich ist die Entstehungszeit des Romans (1906-1914): Die Krankengeschichte des Hohenzollern-Reiches ist also - was wesentlich leichter nachvollziehbar gewesen wäre - kein Obduktionsbericht, sie wurde verfaßt, als der Patient sich dem Anschein nach bei bester Gesundheit befand. Nur, der diagnostische Blick Heinrich Manns reichte tiefer. Heinrich Manns ›Untertan‹ ist der große satirische Gesellschafts- und Zeitroman in deutscher Sprache. Bis heute sind Heinrich Manns Befunde, wenn es um das Wesen des deutschen Spießers geht, nicht überholt.

Zuerst ließ Heinrich Mann diesen Roman in Fortsetzungen in einer Kulturzeitschrift erscheinen. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde der Vorabdruck abgebrochen. Zur ersten Buchausgabe schrieb Kurt Tucholsky: »Dieses Buch Heinrich Manns, heute, gottseidank, in aller Hände, ist das Herbarium des deutschen Mannes. Hier ist er ganz: in seiner Sucht zu befehlen und zu gehorchen, in seiner Roheit und in seiner Religiosität, in seiner Erfolgsanbeterei und in seiner namenlosen Zivilfeigheit. Leider: es ist der deutsche Mann schlechthin gewesen; wer anders war, hatte nichts zu sagen, hieß Vaterlandsverräter und war kaiserlicherseits angewiesen, den Staub des Landes von den Pantoffeln zu schütteln. [...] Ein Stück Lebensgeschichte eines Deutschen wird aufgerollt:

Diederich Heßling, Sohn eines kleinen Papierfabrikanten, wächst auf, studiert und geht zu den Korpsstudenten, dient und geht zu den Drückebergern, macht seinen Doktor, übernimmt die väterliche Fabrik, heiratet reich und zeugt Kinder. Aber das ist nicht nur Diederich Heßling oder ein Typ. Das ist der Kaiser, wie er leibte und lebte. Das ist die Inkarnation des deutschen Machtgedankens da ist einer der kleinen Könige, wie sie zu Hunderten und Tausenden in Deutschland lebten und leben, getreu dem kaiserlichen Vorbild, ganze Herrscherchen und ganze Untertanen. [...] Denn diese beiden Charaktereigenschaften sind an Heßling, sind am Deutschen auf das subtilste ausgebildet: sklavisches Unterordnungsgefühl und sklavisches Herrschaftsgelüst.« (1919)

Heinrich Mann, 1871 in Lübeck geboren, begann nach dem Abgang vom Gymnasium eine Buchhhandelslehre, 1891/92 volontierte er im S. Fischer Verlag. Heinrich Mann hat Romane, Erzählungen, Essays und Schauspiele geschrieben. 1933 emigrierte er nach Frankreich, später in die USA. 1949 nahm er die Berufung zum Präsidenten der neu gegründeten Akademie der Künste in Ost-Berlin an, starb aber 1950 noch in Santa Monica/Kalifornien.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 672
Erscheinungsdatum 01.06.1991
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-596-10168-9
Verlag Fischer Taschenbuch Verlag
Maße (L/B/H) 19,1/12,6/4,8 cm
Gewicht 392 g
Abbildungen mit Abbildungen
Auflage 12. Auflage

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Klassiker

Haike Zimmer, Thalia-Buchhandlung Dresden

Mit Ironie schildert Heinrich Mann die Geschichte des kaisertreuen Denunzianten und Emporkömmlings Dieterich Heßlings. Der Roman gehört zum Kanon der deutschen Literatur. Man braucht allerdings einen langen Atem beim Lesen.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
8 Bewertungen
Übersicht
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Beklemmend
von einer Kundin/einem Kunden aus St. Gallen am 17.05.2021
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Über dieses Buch gibt es nichts mehr anzufügen, was nicht bereits vielfach reflektiert wurde.

Ein Untertan in kaiserlichem Gewand
von einer Kundin/einem Kunden aus Hamburg am 21.02.2021
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Das Deutsche Reich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Der kleine Diederich Heßling wächst als Sohn eines Papierfabrikanten in der fiktiven Kleinstadt Netzig auf. Zuhause sieht er sich der Gewalt des Vaters ausgesetzt, in der Schule teilt er selbst lieber gegen die Schwächeren aus - der Grundstein einer Opportunisten-Kar... Das Deutsche Reich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Der kleine Diederich Heßling wächst als Sohn eines Papierfabrikanten in der fiktiven Kleinstadt Netzig auf. Zuhause sieht er sich der Gewalt des Vaters ausgesetzt, in der Schule teilt er selbst lieber gegen die Schwächeren aus - der Grundstein einer Opportunisten-Karriere, die Diederich nicht nur über das Militär und die Burschenschaften während seines Studiums, sondern vor allem auch später als Fabrik-Erbe skrupellos auslebt. Und während sich um die Jahrhundertwende im wilhelminischen Deutschland oppositionelle Kräfte bilden, entwickelt sich Diederich zu einem bedingungslosen Verteidiger des Kaisers - ohne sich um Freund und Feind zu scheren... Heinrich Mann hat in seinem kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs fertiggestellten und 1918 erstmals veröffentlichten Roman "Der Untertan" eine blitzgescheite Polit- und Gesellschaftssatire erschaffen, die längst als Klassiker gilt. Anlässlich des 150. Geburtstags Manns hat der Reclam Verlag nun eine wahrlich prächtige Neuedition herausgegeben. Angefangen beim bedruckten Buchdeckel über das silberne Lesebändchen bis zum informativen Nachwort und dem unglaublich umfassenden Kommentar - die neue "Untertan"-Ausgabe ist ein Fest für bibliophile LeserInnen. Das größte Plus sind dabei die detaillierten und liebevollen Illustrationen von Arne Jysch, die nicht nur das Romangeschehen an sich greifbarer machen, sondern auch einen fabelhaften Blick auf die Gesellschaft im wilhelminischen Zeitalter ermöglichen. Diederich erhält ein Gesicht, durch die Zeichnungen fühlte ich mich in einigen Szenen direkt in die Zeit zurückversetzt. Ganz ausgezeichnet gelingt es Jysch dabei, die Illustrationen gleichzeitig historisch wie modern aussehen zu lassen. Doch nicht nur wegen der Ausstattung lohnt sich diese Neuedition des "Untertans". Heinrich Manns fast schon prophetischer Blick auf die damaligen Entwicklungen hat an Aktualität kaum etwas eingebüßt. Auch wenn heutzutage wahrscheinlich kein Autor seine gesellschaftskritischen Dialoge so ausschweifen lassen würde wie Mann es in einigen Szenen tut; auch wenn kein zeitgenössischer Autor seinen Figuren so viele Zitate aufbürden würde wie Mann es Diederich mit den ganzen Kaiser-Wilhelm-Ausführungen zumutet - es lässt sich nicht leugnen, dass sich nicht wenige Themen wie Antisemitismus, Karrierestreben und (Neo-)Faschismus auch und gerade in der heutigen Gesellschaft wiederfinden. Deshalb sollte "Der Untertan" auch heute noch und wieder gelesen werden - nicht nur als historisches Zeugnis der Zeit vor den Weltkriegen, sondern auch mit kritischem und bissigem Blick auf die Aktualität. Fazit: Der Reclam Verlag hat den "Untertan" in ein geradezu kaiserliches Gewand gekleidet, das große Lust machen sollte, den Klassiker wieder- oder neu zu entdecken.

Eindrucksvoller und erschreckend aktueller Klassiker
von einer Kundin/einem Kunden am 14.04.2020
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Ein Klassiker der deutschen Literatur, der sich diesen Namen wirklich verdient hat. Denn trotz seines Alters wirkt der Roman erschreckend aktuell und bietet auch heute noch reichlich Gelegenheiten zum Nachdenken und Reflektieren. Eindrucksvoll schildert Heinrich Mann nicht nur das Bild der Gesellschaft im Kaiserreich, sondern au... Ein Klassiker der deutschen Literatur, der sich diesen Namen wirklich verdient hat. Denn trotz seines Alters wirkt der Roman erschreckend aktuell und bietet auch heute noch reichlich Gelegenheiten zum Nachdenken und Reflektieren. Eindrucksvoll schildert Heinrich Mann nicht nur das Bild der Gesellschaft im Kaiserreich, sondern auch mit einer Schärfe und ironischen Darstellung die traditionelle und gefährliche "Untertanenkultur" der Deutschen - die sich auch heute noch im erstarkenden Nationalismus finden lässt. Leider fallen die einzelnen Kapitel sehr lang und weitläufig aus, so dass Pausen in Handlungsstrang selten gegeben sind und die Lektüre zu einem Dauerlauf wird. Dennoch fesselt die Darstellung der Ereignisse schnell die Aufmerksamkeit und mit literarischem Geschick werden viele Zeilen zum künstlerischen Erlebnis.


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