Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes

Erzählungen. Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse, Kategorie Belletristik 2011

(13)
Eines Tages ist es da. Steht am Ende einer Sackgasse mitten in der Stadt. Es ist ein großes Kind. Den Blick hält es demütig zu Boden gesenkt, seine Haut ist rissig. Tagsüber versammeln sich die Bewohner der Stadt um dieses Kind, veranstalten Kundgebungen und Konzerte. Nachts schlagen sie auf es ein, mit Fäusten, Stöcken und Ketten – auf die Skulptur aus weichem, niemals trocknendem Lehm, auf das "Mahlstädter Kind". Der Künstler hat es ihnen zur Vollendung überlassen, hat ihnen die Aufgabe übertragen, es »in die allgemein als vollkommen empfundene Form eines Kindes zu bringen«.

Zuerst treibt die Kunstbegeisterung die Bewohner der Stadt, dann kommen sie als Pilger ihrer Wut, verlieren prügelnd die Kontrolle über sich und beinahe auch ihren Verstand.

Nach den beiden von der Kritik bejubelten und mit Preisen ausgezeichneten Romanen »Söhne und Planeten« und »Die Frequenzen« legt der österreichische Autor Clemens J. Setz nun einen Band mit Erzählungen vor. Es sind Geschichten gespickt mit grotesken Ideen und subtilem Horror, voller gewalttätiger Momente und zärtlicher Gesten. Wie in den Romanen präsentiert sich Setz auch in der kurzen Form als scharfer Beobachter der menschlichen Natur und einfühlsamer, geradezu liebevoller Porträtist ihrer Eigenarten.
Portrait

Clemens J. Setz wurde 1982 in Graz geboren, wo er Mathematik sowie Germanistik studierte und heute als Übersetzer und freier Schriftsteller lebt. 2011 wurde er für seinen Erzählband Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Sein Roman Indigo stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2012 und wurde mit dem Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft 2013 ausgezeichnet. 2014 erschien sein erster Gedichtband Die Vogelstraußtrompete. Für seinen Roman Die Stunde zwischen Frau und Gitarre erhielt Setz den Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2015.

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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 350
Erscheinungsdatum 16.04.2012
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-46335-2
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Maße (L/B/H) 18,8/11,8/2,5 cm
Gewicht 326 g
Auflage 3
Verkaufsrang 78.055
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Buchhändler-Empfehlungen

„Geschichten mit kafkaesken Zügen“

Andreas Hack, Thalia-Buchhandlung Bonn

In Clemens Setz' Geschichten ist die Welt ein gefährlicher Ort, voll böser Zufälle und tückischer Geschehnisse. Ohne Erklärung kippt bei ihm die Alltagswelt plötzlich ins Dämonische. Die Figuren in seinen Geschichten sind eher ungemütliche Zeitgenossen, sie sind bösartig, grausam, gierig, gewalttätig, mitleidlos und zu mörderischen Experimenten aufgelegt.
Besonders subtil ist dieses Buch also nicht, trotzdem war ich bei jeder Geschichte gespannt, was sich Setz dieses Mal hat einfallen lassen.
In Clemens Setz' Geschichten ist die Welt ein gefährlicher Ort, voll böser Zufälle und tückischer Geschehnisse. Ohne Erklärung kippt bei ihm die Alltagswelt plötzlich ins Dämonische. Die Figuren in seinen Geschichten sind eher ungemütliche Zeitgenossen, sie sind bösartig, grausam, gierig, gewalttätig, mitleidlos und zu mörderischen Experimenten aufgelegt.
Besonders subtil ist dieses Buch also nicht, trotzdem war ich bei jeder Geschichte gespannt, was sich Setz dieses Mal hat einfallen lassen.

„Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“

Markus Book, Thalia-Buchhandlung Wilhelmshaven

Literarische Kurzgeschichten fristen hierzulande ja eher ein Nischendasein. Clemens J. Setz' Buch ist aber auf jeden Fall die Lektüre wert! Den Leser erwarten 18 bemerkenswerte Geschichten, in denen eher die Themen (und weniger die Figuren) im Mittelpunkt stehen. Jede der Geschichten überzeugt auf ihre (teilweise hoch originelle) Weise und lässt viel Raum zum Nachdenken. Über die menschliche Psyche, über Liebe und (vor allem) Triebe und über die Welt. Interpretieren erwünscht! Literarische Kurzgeschichten fristen hierzulande ja eher ein Nischendasein. Clemens J. Setz' Buch ist aber auf jeden Fall die Lektüre wert! Den Leser erwarten 18 bemerkenswerte Geschichten, in denen eher die Themen (und weniger die Figuren) im Mittelpunkt stehen. Jede der Geschichten überzeugt auf ihre (teilweise hoch originelle) Weise und lässt viel Raum zum Nachdenken. Über die menschliche Psyche, über Liebe und (vor allem) Triebe und über die Welt. Interpretieren erwünscht!

„Ausgezeichnet“

Petra Dressing, Thalia-Buchhandlung Kaiserslautern

Grotesk, verstörend und absolut fesselnd: ein kleines Wunderwerk der Literatur! Obwohl die Geschichten teilweise abstoßend - oder zumindest sehr negativ - sind, gelingt es Setz trotzdem, den Leser bei der Stange zu halten und zum Nachdenken anzuregen. Selbst wenn die Erzählung nur eine halbe Seite lang ist...Seine wunderbare Sprache und seine wahnwitzigen Ideen und Einfälle machen dieses Buch wirklich zu etwas Besonderem und damit zu Recht Ausgezeichnetem. Grotesk, verstörend und absolut fesselnd: ein kleines Wunderwerk der Literatur! Obwohl die Geschichten teilweise abstoßend - oder zumindest sehr negativ - sind, gelingt es Setz trotzdem, den Leser bei der Stange zu halten und zum Nachdenken anzuregen. Selbst wenn die Erzählung nur eine halbe Seite lang ist...Seine wunderbare Sprache und seine wahnwitzigen Ideen und Einfälle machen dieses Buch wirklich zu etwas Besonderem und damit zu Recht Ausgezeichnetem.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
13 Bewertungen
Übersicht
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0
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fesselnd
von einer Kundin/einem Kunden am 19.11.2013
Bewertet: eBook (ePUB)

Nach "Söhne und Planeten" und "Frequenzen" nun Kurzgeschichten von Clemens J.Setz. 18 Erzählungen und jede einzelne davon geht unter die Haut. Fesselnd

Top!
von Anne Baldauf aus Leipzig am 20.06.2013

Im vergangenen Herbst hat der Grazer Autor Clemens Setz, Jahrgang 1982, mit seinem wunderschön aufgemachten Roman „Indigo“ Furore gemacht. Der Titel landete auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises, erhielt allerorten gute Besprechungen, und auch der im deutschen Feuilleton so beliebte „Wunderkind-Verdacht“ wurde in den letzten Jahren schon das ein... Im vergangenen Herbst hat der Grazer Autor Clemens Setz, Jahrgang 1982, mit seinem wunderschön aufgemachten Roman „Indigo“ Furore gemacht. Der Titel landete auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises, erhielt allerorten gute Besprechungen, und auch der im deutschen Feuilleton so beliebte „Wunderkind-Verdacht“ wurde in den letzten Jahren schon das ein oder andere Mal auf den kauzigen, fast ‚typisch‘ österreichischen Autor angewandt. Und ein Blick in die Vorgängertexte lohnt sich in der Tat. Wer vor dem fast 500 Seiten starken „Indigo“ zurückschreckt, kann sich wohl am besten mit dem 2011 erschienenen Erzählungsband „Die Liebe zu Zeiten des Mahlstädter Kindes“ einen Eindruck von Setz‘ Erzählkunst verschaffen. Geschichten von einer emotionalen Belanglosigkeit, wie sie viele junge Autoren in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten produzierten, findet man hier nirgends. In den 18 Erzählungen überwiegt das Skurrile, das Urkomische, nicht selten das Abgründige – und durchweg das Originelle. So rekonstruiert der Autor auf vier Seiten „Das Gespräch der Eltern in Hänsel und Gretel“ in der Nacht, bevor sie im Märchen ihre Kinder im Wald aussetzen, er berichtet in einer anderen Erzählung in nahezu wissenschaftlicher Form, inklusive fingierter Fußnoten, aus dem unglaublichen Leben eines mysteriumgebliebenen Computerspielentwicklers. Die vielleicht stärkste Erzählung heißt passenderweise „Das Herzstück der Sammlung“. Sie zeigt am konkretesten, was eine Setz-Geschichte ausmacht. An der grundlegenden Situation – eine Frau besichtigt das Werkarchiv eines Schriftstellers – scheint alles unauffällig. Der junge Mann, dem das Archiv untersteht, verhält sich allerdings merkwürdig, bis die Besucherin ihn darauf hinweist, dass er ihr „nicht alles“ gezeigt habe. Daraufhin begeben sich beide zu einer verschlossenen Tür, hinter der eine grunzende Gestalt mit greisenhafter Stimme in einem Gitterbett liegt. „Herr Setz“, sagt der Archivar zu der Gestalt, „Ich wollte ihnen nur sagen, dass wir dann abschließen.“ Wer Geschichten mit einer guten Prise Absurdität und Phantastik mag, ist bei Clemens Setz und seinem Erzählband „Die Liebe zu Zeiten des Mahlstädter Kindes“ genau richtig aufgehoben.

Ein breites Panorama menschlicher Merkwürdigkeiten
von einer Kundin/einem Kunden am 14.05.2012

Clemens J. Setz, der mit diesem Erzählband den Leipziger Buchpreis gewonnen hat, präsentiert uns in 18 Geschichten Einblicke in die Tiefen und Untiefen menschlichen Seins. Zwischen Groteske, wüsten Ausprägungen von Erotik, Gewalt und feinsinnigen Fantasien pendelnd wird dem Leser ein Spektrum menschlichen Verhaltens geboten, das man in dieser Dichte... Clemens J. Setz, der mit diesem Erzählband den Leipziger Buchpreis gewonnen hat, präsentiert uns in 18 Geschichten Einblicke in die Tiefen und Untiefen menschlichen Seins. Zwischen Groteske, wüsten Ausprägungen von Erotik, Gewalt und feinsinnigen Fantasien pendelnd wird dem Leser ein Spektrum menschlichen Verhaltens geboten, das man in dieser Dichte an Details und Anspielungen selten vorgesetzt bekommt. Großteils sehr gut erzählte Geschichten machen dank genauer und einfühlsamer Beobachtung die Lektüre zu einer abwechslungsreichen, unterhaltsamen und durchaus auch erschreckenden Angelegenheit.