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Zweig, S: Schachnovelle

An Bord eines Passagierdampfers von New York nach Buenos Aires gewinnt Dr. B. die Schachpartie gegen den amtierenden Weltmeister. Das Spiel jedoch lässt Erinnerungen an die Isolationshaft durch die Nationalsozialisten wach werden und gefährdet Dr. B.s Gesundheit.

Portrait

»Ich bin 1881 in einem großen und mächtigen Kaiserreiche geboren, in der Monarchie der Habsburger, aber man suche sie nicht auf der Karte; sie ist weggewaschen ohne Spur. Ich bin aufgewachsen in Wien, der zweitausendjährigen übernationalen Metropole, und habe sie wie ein Verbrecher verlassen müssen, ehe sie degradiert wurde zu einer deutschen Provinzstadt. Mein literarisches Werk ist in der Sprache, in der ich es geschrieben, zu Asche gebrannt worden, in demselben Lande, wo meine Bücher Millionen Leser sich zu Freunden gemacht. So gehöre ich nirgends mehr hin, überall Fremder und bestenfalls Gast; auch die eigentliche Heimat, die mein Herz sich erwählt, Europa, ist mir verloren, seit es sich zum zweiten Mal selbstmörderisch zerfleischt im Bruderkriege.« Stefan Zweig, Dichter, Biograph, Übersetzer, Bestsellerautor, Pazifist, Humanist, Europäer, schrieb diese Zeilen im brasilianischen Exil. Am 23.2.1942 schied er gemeinsam mit seiner Frau freiwillig aus dem Leben.

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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 112
Erscheinungsdatum 22.01.2013
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-257-24212-6
Verlag Diogenes Verlag AG
Maße (L/B/H) 18/11,3/1,2 cm
Gewicht 119 g
Auflage 2. Auflage
Verkaufsrang 12364
Buch (Taschenbuch)
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Wie wirkt sich staatliche Isolation eines Individuums auf dessen Psyche aus?
von einer Kundin/einem Kunden aus Wien am 26.11.2016

Die größte Folter des Dr. B. besteht in seiner Konfrontation mit dem Alleinsein und dem absoluten Nichtstun können. Als Einzelhäftling der Gestapo ist er in ein kleines, karges Hotelzimmer gesperrt, ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt und anderen Mitmenschen. Nach Monaten gelingt es ihm auf dem Weg zu einem seiner, immer wieder... Die größte Folter des Dr. B. besteht in seiner Konfrontation mit dem Alleinsein und dem absoluten Nichtstun können. Als Einzelhäftling der Gestapo ist er in ein kleines, karges Hotelzimmer gesperrt, ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt und anderen Mitmenschen. Nach Monaten gelingt es ihm auf dem Weg zu einem seiner, immer wieder zwischendurch stattfindenden Verhöre, ein Theoriebuch über 150 große Schachweltmeisterschaftspartien zu klauen. Mit diesem beschäftigt sich Dr. B. in seinem Zimmer so intensiv – nichts anderes bietet ihm auch nur irgendwie die Möglichkeit sich die schier endlos anhaltende Zeit vertreiben zu können –, dass er nach einiger Zeit alle in diesem Buch vorgestellten Spiele theoretisch in seinen Gedanken auswendig nachspielen kann. Als ihm dies keinen Reiz mehr bietet, versucht er seine Persönlichkeit zu spalten, um innerlich gegen sich selbst antreten zu können – Schwarz gegen Weiß. Dieser schizophrene Zustand führt aber bald dazu, dass er nur noch mehr, rund um die Uhr, in Schach denken und träumen kann. Als sich Dr. B. schließlich selbst verletzt ist seine Situation bereits eskaliert. Der Arzt diagnostiziert ihm eine Schachvergiftung und sorgt für seine Freilassung. Auf einem Passagierdampfer von New York nach Buenos Aires trifft Dr. B. zufällig auf den ihm bis dato unbekannten aktuellen Schachweltmeister Mirko Czentovic. Als er diesen auf einem mit physischen Figuren ausgestatteten Schachbrett, welches er in realer Form seit mehr als 20 Jahren nicht mehr zu Gesicht bekommen hat, besiegt, kommen in ihm seine Erinnerungen, an seine grauenvolle Einzelhaft in jenem Hotelzimmer wieder hoch. … Stefan Zweig schafft es auf nicht mal 100 Seiten die psychische Entwicklung eines Gefangenen in staatlicher Einzelhaft, basierend auf persönlichen Erlebnissen, aus soziologischer Perspektive packend und gleichzeitig erschreckend plastisch darzustellen. Dieses primäre Element kombiniert mit der fiktiven Geschichte rund um das zeitlose, königliche, die-Menschheit-wahrscheinlich-bis-in-alle-Ewigkeit-faszinierende Spiel des Schachs, macht die 'Schachnovelle' zu einem Meisterwerk.