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  • Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend
  • Leseprobe

Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend

Buch (Taschenbuch)
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Eine Geschichte aus der beschaulichen deutschen Provinz voller Misshandlungen,
Demütigungen, bigotter, tätlicher Pfarrer und verkappter Nazis. Andreas Altmann erzählt von seiner Kindheit und Jugend. Und wie am Ende aus einem Opfer ein freier
Mensch wird.
Rezension
"Diese Lektüre tut weh. Vom ersten Satz an. Geht unter die Haut. Ans Herz. Mehr noch an die Nieren.", Badische Zeitung, 20.07.2013
Portrait
Altmann, Andreas
Andreas Altmann zählt zu den bekanntesten deutschen Reiseautoren und wurde u. a. mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis, dem Seume-Literaturpreis und dem Reisebuch-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen von ihm »Frauen.Geschichten.« sowie die Bestseller »Verdammtes Land. Eine Reise durch Palästina«, »Gebrauchsanweisung für die Welt« und »Gebrauchsanweisung für das Leben« und »In Mexiko«. Andreas Altmann lebt in Paris.
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 256
Erscheinungsdatum 09.10.2012
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-492-30179-4
Verlag Piper
Maße (L/B/H) 18,8/12/2,7 cm
Gewicht 250 g
Verkaufsrang 72863
  • Artikelbild-0
  • Für meinen Bruder, den einen, den Tapferen.
    DER KRIEG / Teil eins
    1
    Als ich zum ersten Mal in Paris lebte, hatte ich meine Wohnung in Deutschland vermietet. Ich war mir nicht sicher, ob mein Umzug nach Frankreich endgültig sein würde. Eines Morgens bestieg ich panikartig den Zug zurück nach M. Meine Untermieterin, so hatte ich nachts per Albtraum erfahren, war dabei, mein Hab und Gut zu ruinieren.
    Bis auf wenige Details war alles wahr. Ich klingelte und da stand die junge Frau. Wie immer schön und, wohl zufällig, nackt. Ich sah die Nackte und die Verwüstung. Die verschmierten Wände, das Geschirr im schwarzen Badewannenwasser, die Brandlöcher im Teppichboden, die Fliegen auf der verranzten Herdplatte, die angeschimmelten Lebensmittel, das unbetretbare Klo, die faulen Kartoffeln im Waschbecken, die Weinflecken auf dem Leintuch, ein Berg verstunkener Wäsche, unübersehbar, die fünfzig Quadratmeter waren zum Basislager der Heroinsüchtigen verkommen.
    Ich blieb erstaunlich ruhig, forderte Linda auf, sich anzuziehen, kündigte der 23-Jährigen fristlos und trug ihre Sachen hinunter auf die Straße. Zwei Stunden später war ich wieder Alleinmieter. Ich begann aufzuräumen, zuletzt waren es zwei Plastiksäcke voller Müll. Dann checkte ich die Bücherwand. Die einzig verdächtige Lücke fiel mir sogleich auf. "Mein Kampf" von Adolf Hitler fehlte. Aus dem Jahr 1939, mit der Unterschrift des Autors. Natürlich war Linda kein Naziliebchen. Aber wie alle Junkies brauchte sie Geld und mit der Souveränität eines jeden, der ununterbrochen nach Verwertbarem Ausschau hielt, fand sie das einzige Buch, für das es auf dem Flohmarkt mehr als fünfzig Pfennig gab. Etwa viertausend Mark war der damalige Schwarzmarktpreis. Das reichte für mindestens vierzig Spritzen.
    Seltsamerweise war mir sofort klar, dass dieses Buch die letzte (physische) Erinnerung an meine Eltern war. Sie hatten es, wie jedes andere Paar in jenen Zeiten, zu ihrer Hochzeit bekommen. Der Verlust stimmte mich froh. Nun war ich alles los, was mich an die beiden erinnerte. Nur um das Geld tat es mir leid, nicht um die Schwarte. Jeder Blick darauf hatte nur Hass ausgelöst. Nicht auf den massenmordenden Verfasser, sondern auf die zwei, die ich damals für das Unglück meines Lebens verantwortlich machte. Dafür gab es Gründe.
    2
    Ich kam mit einem Verzweiflungsschrei zur Welt. Er stammte von meiner Mutter. Sie sah mein Geschlecht und stieß diesen hysterischen Schluchzer aus. Als Zeichen grausamer Enttäuschung. Für sie war alles Männliche und was wäre männlicher als ein Schwanz Symbol von Niedertracht und Unterdrückung, ja, lebenslänglicher Ernüchterung. Nie war Sex imstande gewesen, sie zu begeistern, sie wegzutragen in einen Zustand seliger Benommenheit. Auch nicht neun Monate zuvor, als ihren Ehemann, meinen Vater, wieder einmal ein Bedürfnis überkam. Und er zufällig seine Frau neben sich fand. Sie ließ es zu, in der wilden Hoffnung, eine Tochter zu gebären: endlich nach drei Söhnen ein Wesen (der Erstgeborene starb kurz nach der Geburt), das keine Insignien der Gewalt mit sich herumtrug. Jetzt kam ich, der insgesamt fünfte Schwanz in der Familie, jetzt war das Maß voll. Jetzt und ich sollte erst viel später davon erfahren verlor sie die Nerven. Kaum war sie allein mit mir im Wochenbett, drückte sie das Kopfkissen auf mich. Lieber töten, als noch einen auszuhalten, der zum Unglück der Welt beitrug. Gerettet hat mich die Hebamme, die rechtzeitig wieder das Krankenzimmer betrat. So kam ich davon. Wenn auch mit der Ahnung im blauen Kopf, nicht willkommen zu sein.
    3
    Die nächsten vier Jahre sind schnell berichtet. Ich habe nicht die geringste Erinnerung daran. Nur, dass ich " Puppa " genannt wurde, wie Püppchen, wie Puppe. Denn so zeigen es die Fotos und so hat es Mutter später erzählt: Sie steckte mich in Mädchenkleider, um nicht daran erinnert zu werden, dass ich ein Mann werden würde, ein Schwein. Puppa klang mädchenhaft, ich s
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Buchhändler-Empfehlungen

Sich zwischendurch daran zu erinnern, dass es sich hierbei um eine Autobiographie handelt macht es zur harten Kost. Ein Kind, nicht geliebt, nicht gewollt, verlassen von einer, dem übermächtigen Vater gegenüber, schwachen Mutter. Erschreckend. Beeindruckend. Lesenswert.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
18 Bewertungen
Übersicht
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Eine grauenvolle Jugend in Altötting
von Xirxe aus Hannover am 27.01.2017
Bewertet: Hörbuch (CD)

Dass die Fünfziger Jahre aus Kindersicht nicht gerade eine Zeit waren, in der liebevolle und fürsorgliche Eltern (meist) eine Selbstverständlichkeit gewesen sind wie heutzutage, ist vermutlich nicht nur den entsprechenden Jahrgängen bewusst, sondern auch den danach Geborenen. Noch immer wirkten die Folgen des III. Reiches, es ha... Dass die Fünfziger Jahre aus Kindersicht nicht gerade eine Zeit waren, in der liebevolle und fürsorgliche Eltern (meist) eine Selbstverständlichkeit gewesen sind wie heutzutage, ist vermutlich nicht nur den entsprechenden Jahrgängen bewusst, sondern auch den danach Geborenen. Noch immer wirkten die Folgen des III. Reiches, es hatte Zucht und Ordnung in der Familie zu herrschen, der Vater hatte das Sagen im und die Kirche ausser Haus. Und den Nachbarn gegenüber musste stets die perfekte Welt dargestellt werden. Auch Andreas Altmann wurde in eine solche Welt hineingeboren und was er darüber erzählt, ist so grauenhaft, dass ich mir noch immer kaum vorstellen kann, dass es so etwas einmal gegeben hat (und entsetzlicherweise vielleicht noch immer gibt). Ein Vater, der gegenüber seiner Frau und seinen Kindern derart lieblos, jähzornig und auch brutal ist, dass Alle froh sind, wenn sie ihn nicht sehen und teilweise Mordgedanken hegen. Eine Mutter, die es nicht wagt, sich gegen ihren Mann zu erheben, auch nicht um ihre Kinder zu schützen und sich stattdessen in den Glauben flüchtet. Lehrer, die Freude daran haben, ihre Schüler zu quälen und ihnen Dinge einbleuen, mit denen sie ihr Leben lang zu kämpfen haben. Es ist ein Horror, der sich tagtäglich im Hause Altmann ereignet und in dem es hauptsächlich darum geht, irgendwie den Tag zu überstehen. Andreas Altmann liest das Hörbuch selbst und man merkt überdeutlich, wie er seinen Vater verachtet und noch immer zornig auf ihn ist. Seine rauhe Stimme mit dem leichten bayrischen Einschlag ist wütend, wenn er all die Erinnerungen wieder hervorruft und obwohl er versucht, ein gewisses Verständnis aufzubringen (der Vater als junger Mann im Krieg, ein frustrierendes Leben in Altötting) ist klar, dass er ihm nie verziehen hat und es auch nicht tun wird. Als Dreingabe zu diesen Jugenderinnerungen gibt es noch vier Erzählungen aus dem Buch 'Dies beschissen schöne Leben', ebenfalls vom Autor selbst gelesen. Insbesondere die Erste dürfe allen Bibliophilen ans Herz gehen ;-) Altmann schildert ausführlich den Beginn seiner Buch- und Lesebesessenheit, die ihn sogar kriminell hat werden lassen. Auch wenn nicht Alle so weit gehen würden wie er, dürften viele die Gefühle und Erfahrungen bekannt sein, die er uns mitteilt. Eine verwandte Seele ;-)

Erfahrungen aus dem scheinheiligen Altöttingen
von einer Kundin/einem Kunden am 17.01.2016

Altmann hatte es wahrlich nicht einfach in seinem Leben. Seine "eigene Scheissjugend" beschreibt er anschaulich in diesem Buch. Schläge vom Vater, die Mutter war in ihrer Apathie gefangen und liess sich auch vom Vater schlagen und erniedrigen, kirchlich-miefende Scheinheiligkeit, ein Nebel des Schweigens, erste Erfahrungen mit F... Altmann hatte es wahrlich nicht einfach in seinem Leben. Seine "eigene Scheissjugend" beschreibt er anschaulich in diesem Buch. Schläge vom Vater, die Mutter war in ihrer Apathie gefangen und liess sich auch vom Vater schlagen und erniedrigen, kirchlich-miefende Scheinheiligkeit, ein Nebel des Schweigens, erste Erfahrungen mit Frauen, das finale Entsagen von seinem Vater in einem "kinoreifen" Showdown. Dieses Buch hat alles was ein Roman ausmachte - nur ist es leider kein Roman, es ist Altmanns ganz persönliche, traurige Kindheit und Jugend, die es so wohl noch zu zehntausenden auf der Welt gibt. Tolles, ehrliches und spannendes Buch. Mag es Altmann so sehr gönnen, dass er seine Erfüllung im Schreiben gefunden hat.

Eine Scheißjugend, die sich zum Besseren wendet
von einer Kundin/einem Kunden aus Linz am 18.05.2015

Faszinierend, wie es Andreas Altmann schafft, nicht an seinem gewalttätigen Vater zu zerbrechen. Spät, aber doch, findet er seine Berufung. Für mich ein Beweis, dass es Kindern aus gewaltätigen Familien gelingen kann, ihr eigenes Leben in die richtige Richtung zu lenken.