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Der Schneesturm

Roman

Eine verzaubernde Parabel über das heutige Russland
Was beginnt wie eine Erzählung aus dem 19. Jahrhundert, entpuppt sich als fantastische Irrfahrt durch das ländliche Russland einer nahen Zukunft. Ein überraschend zartes Buch des bedeutendsten zeitgenössischen Schriftstellers Russlands.Garin, ein Landarzt, will so schnell wie möglich in den Ort Dolgoje, um die Menschen dort gegen eine rätselhafte Krankheit zu impfen, die jeden Infizierten zum Zombie macht. Doch es herrscht Schneesturm, Garins Pferde sind erschöpft, also heuert er den einfältigen Brotkutscher Kosma an, dessen Schneemobil von fünfzig winzigen Pferden gezogen wird. Und damit beginnen die Merkwürdigkeiten erst: Auf seiner Reise durch das unablässige Schneetreiben begegnet das ungleiche Paar Zwergen und Riesen, es gibt ein Radio mit »lebendigen« Bildern, eine Paste, die Filz »wachsen« lässt, eine Wunderdroge und vieles mehr - eine Märchenwelt mit Ingredienzien einer Hochtechnologie-Gesellschaft. Eingebettet in den erzählerischen Kosmos von Tolstoi, Tschechow und Gogol, versetzt »Der Schneesturm« ein grotesk-imaginäres Russland in den Abgrund zwischen den Zeiten - ein zugleich heiteres wie verstörendes Buch, das einmal mehr Sorokins herausragende Stellung unter den zeitgenössischen russischen Schriftstellern untermauert.
»Vladimir Sorokin ist eine Kultfigur in Russland.« Spiegel online
Rezension
»Mit sardonischem Witz, deftigem Sarkasmus, auch zarter Ironie zieht Sorokin alle Register der Weltliteratur [...].«
Portrait
Vladimir Sorokin, geboren 1955, gilt als der bedeutendste zeitgenössische Schriftsteller Russlands. Er wurde bekannt mit Werken wie »Die Schlange«, »Marinas dreißigste Liebe«, »Der himmelblaue Speck« und zuletzt »Der Tag des Opritschniks«, »Der Zuckerkreml« und »Der Schneesturm«. Zuletzt erschien von ihm der große polyphone Roman »Telluria«. Sorokin ist einer der schärfsten Kritiker der politischen Eliten Russlands und sieht sich regelmäßig heftigen Angriffen regimetreuer Gruppen ausgesetzt.
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Beschreibung

Produktdetails

Format ePUB i
Kopierschutz Ja i
Seitenzahl 208 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 16.08.2012
Sprache Deutsch, Russisch
EAN 9783462306101
Verlag Kiepenheuer & Witsch
Dateigröße 1544 KB
Übersetzer Andreas Tretner
Verkaufsrang 87713
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Buchhändler-Empfehlungen

Nina Warnke, Thalia-Buchhandlung Rostock

Unglaublich plastisch zeichnet Sorokin in dieser Novelle eine seltsame Parallelwelt durch die Kunst des vielschichtigen, niemals langweiligen deskriptiven Erzählens. Bleibt hängen!

Sabrina Mattes, Thalia-Buchhandlung Neu-Ulm

Ein sagenhaftes Märchen für Erwachsene. Absolut zum eintauchen.... Sehr lesenswert!

Kundenbewertungen

Durchschnitt
9 Bewertungen
Übersicht
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von einer Kundin/einem Kunden aus Erlangen am 19.06.2017
Bewertet: anderes Format

Ein Wintermärchen, das es in sich hat. So außergewöhnlich und so fantasievoll, dass beim Lesen aus dem Staunen nicht mehr herauskommt!

Der erstarrte Riese im Eis der Vergangenheit
von tinderness aus Wien am 14.12.2014
Bewertet: Einband: Taschenbuch

"Grundsätzlich ist es ja so, dass Russland in einer weit entfernten Vergangenheit lebt, und davon erzählt mein Roman", meint der Schriftsteller Vladimir Sorokin in einem Interview, das allgemein zugänglich ist. "In diesem Roman ist die eigentliche Hauptfigur der Schneesturm. Sie begleitet die beiden anderen Figuren stetig und vo... "Grundsätzlich ist es ja so, dass Russland in einer weit entfernten Vergangenheit lebt, und davon erzählt mein Roman", meint der Schriftsteller Vladimir Sorokin in einem Interview, das allgemein zugänglich ist. "In diesem Roman ist die eigentliche Hauptfigur der Schneesturm. Sie begleitet die beiden anderen Figuren stetig und von ihr hängt das Leben dieser beiden Figuren ab." Und weiter fährt Sorokin mit Bezug auf die unterschiedlichen Zeit- und Bewusstseinsebenen im heutigen Russland fort: "Wenn sie heute nur 70 Kilometer hinausfahren, aus Moskau zum Beispiel, speziell im Winter, dann finden Sie sich augenblicklich in einer anderen Zeit wieder. Sie verlieren die Orientierung, in welchem Jahrhundert sie sind und dort begegnen sie der russischen Metaphysik." Schließlich zur Kritik an den russischen Nomenklatura: "Wenn man heute die Machthaber in diesem Land sieht, die Elite Russlands, die fahren Mercedes, telefonieren mit Smartphones usw., aber mental und kulturell stehen sie im 16., 17. Jahrhundert. Ich habe den Eindruck, Russlands Zukunft, das ist unsere Vergangenheit plus Hochtechnologie. (...) Solche Prozesse wie jetzt gegen Pussy Riot wird es noch mehrere geben, für mich haben sie den Geruch von Mittelalter. Sie zeigen, dass sich an er Spitze unseres Landes, im Kreml, die Paranoia auszubreiten beginnt. (...) Ich denke nicht, dass es Veränderungen durch Straßenproteste geben wird, die Machtfrage wird im Kreml sehr plötzlich und unerwartet entschieden werden." Diese Aussagen des Autors sind für mich wichtige Hintergrundinformationen, um die Handlung des Romans zu entschlüsseln, eine Handlung, die eigentlich von großer Statik geprägt ist. Denn um die 17 Kilometer zu überwinden, die einen Arzt und seinen Kutscher von einem Ort trennen, in dem angeblich die "bolivianische Pest" ausgebrochen ist, scheint angesichts des ausgebrochenen Schneesturms fast eine Ewigkeit. Immer wieder hindert das Unwetter die beiden an der Weiterfahrt. Entweder man sucht Schutz in bewohnten Hütten und Zeltlagern an der Wegstrecke oder repariert im beißenden Schneetreiben auf offener Strecke die Kutsche. Die Reise "erfriert" zu einem hoffnungslosen Unterfangen. Zunächst denken wir uns in die Realität des 19. Jahrhundert zurückversetzt, durchwoben mit märchenhaften Zügen. Wir begegnen Zwergen und Riesen, beides in Menschen- und Tiergestalt. Aber auch diese Erfahrung wird empfindlich gestört, indem moderne Drogen, Hightech-Behältnisse und Mobiltelefone in die Handlung eingeführt werden und damit die Zeitebenen sprengen. Am Ende sind es sogar Chinesen, die mit riesigen Pferden den Arzt Garin vor dem Tod bewahren und so einen poetisch-politischen Schwenk in die Zukunft erlauben. Russland, erstarrt in einer politischen Eiszeit, aus der es sich alleine nicht befreien kann? Man kann das Buch auf verschiedene Weise lesen: als poetisch verschlüsselte Erzählung über die derzeitige politische Erstarrung in Russland, als Rekurs auf die Literatur eines Tolstoi oder Dostojewski, welche virtuos im Roman verarbeitet werden, oder als modernes Märchen, welches einprägsame Charaktere hervorbringt, wie den von seinem Scheitern besessenen und rücksichtslosen Arzt oder den gleichmütig - demütigen Kutscher. Auf alle Fälle wird uns die Sprache Sorokins begeistern, der die mehr als 200 Seiten ohne Kapitelüberschriften auskommt und in einem Guss erzählt, so als wäre dieses Buch ohne Unterbrechung entstanden. Ich habe mir gewünscht, in diesem Buch immer weiterlesen zu können, auch über sein Ende hinaus; einen Roman, der so grausam und beschwingt vom menschlichen Scheitern erzählt, in einer Welt der kleinen Perdchen und gestorbenenen Riesen, des pfeifenden Windes und der lähmenden Kälte. Irgendwo in Sibirien, wo die Zeiten durcheinandergekommen sind und sich Russen, Kasachen und Chinesen auf fast natürliche Weise begegnen können. Es ist gefählich kalt geworden, nicht nur dort in Russland, sondern auch in unserer Welt. Auch hier hat es den Anschein, als könnten wir die Aufgaben nicht mehr bewältigen, die uns die Zukunft für uns und unsere Nachfahren sichern. Starre und fröhlicher Untergang auch hier. Eindeutig große Literatur, die mehr LeserInnen verdient hätte.

Irrfahrt zwischen den Zeiten und Abgründen.............
von einer Kundin/einem Kunden aus Olten am 13.03.2014
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Unbedingt möchte Dr. Garin die Pferde wechseln um den Menschen eines Dorfes wegen einer Seuche schnellstmöglich zu Hilfe zu eilen. Trotzdem keine geeigneten Pferde da sind finden sich Helfer, aber eben solche die den hohen Ansprüchen der Reise durch schwere Schneestürme nicht gewachsen sind. Der Fahrer ist guten Willens, findet ... Unbedingt möchte Dr. Garin die Pferde wechseln um den Menschen eines Dorfes wegen einer Seuche schnellstmöglich zu Hilfe zu eilen. Trotzdem keine geeigneten Pferde da sind finden sich Helfer, aber eben solche die den hohen Ansprüchen der Reise durch schwere Schneestürme nicht gewachsen sind. Der Fahrer ist guten Willens, findet sich in der zugeschneiten Landschaft nicht zurecht und sein Fahrzeug ist eigentlich nicht tauglich dieser Reise standzuhalten. Die Reisenden kommen mal da mal dort an aber nie am wirklichen Ziel. Die Reise verläuft irgendwie nach dem Prinzip: "Und als sie das Ziel aus den Augen verloren hatten, verdoppelten sie ihre Anstrengungen.". In der schneeverwehten Landschaft mit nicht vorhersehbaren, noch nicht einmal vorstellbaren, Hindernissen scheitern die Reisenden und kommen nie an. Wer die eine oder andere Erzählung von Gogol gelesen hat dürfte wohl zu Recht an eine Parabel denken. Eine fantastische Irrfahrt durch die maskierte Realität nach Utopia. Ein absoluter Lesegenuss, keine Frage.