Warenkorb
 

Der frühe Wurm hat einen Vogel

Vermischte Schriften Band 1

Weitere Formate

Taschenbuch
gebundene Ausgabe

Wenn alle anderen joggen, bleibt Österreichs erfolgreichster Kabarettist auf der Couch. Anstatt in Aktien zu investieren, gibt er sein Geld für gutes Esses aus, und wenn er viel Arbeit hat, geht er seinem Hobby nach. Nicht aus Faulheit. Nein: aus purer Angst davor, vom frühen Vogel gefressen zu werden – so wie es dem Wurm passiert ist.

Portrait
Niavarani, Michael
Michael Niavarani, geboren 1968 in Wien, begann 1986 eine Schauspielausbildung bei Michael Mohapp und Dany Sigel. Nach vielen Auftritten im Graumann Theater wechselte er 1989 ins Kabarett Simpl, wo er 1993 die künstlerische Leitung übernahm. Michael Niavarani ist in zahlreichen österreichischen Fernsehserien, in Kinofilmen wie »Salami Aleikum« und »I love Vienna« und natürlich auch in seinen Kabarettprogrammen zu sehen. Er erhielt mehrere Auszeichnungen, unter anderem den österreichischen TV-Publikumspreis Romy als beliebtester Serienstar sowie als beliebtester Kabarettist. Neben seinen Büchern und Kabarettprogrammen schreibt er auch Theaterstücke. Er ist Mitbegründer des Bühnenverlags Schultz & Schirm sowie des Shakespeare-Theaters GLOBE WIEN. Michael Niavarani hat eine Tochter und lebt in Wien.
… weiterlesen
  • Artikelbild-0
  • Die erste Geschichte
    Dies ist also die erste Geschichte. Diese erste Geschichte
    schreibe ich nur aus einem einzigen Grund: Man hat
    mir abgeraten, mit der zweiten Geschichte zu beginnen. Ich
    selbst hätte nichts dagegen gehabt, aber von Seiten des Verlages
    meinte man, es würde ein wenig Verwirrung stiften,
    mit der zweiten Geschichte zu beginnen und dann erst als
    zweite Geschichte die erste Geschichte zu bringen. Wobei
    ich ja gestehen muss, ich habe keine erste Geschichte.
    Ich leide nämlich seit einiger Zeit an einer offensichtlich
    unheilbaren Krankheit: Ich kann nichts schreiben. Ganz
    ehrlich: Ich habe überhaupt keine Geschichten. Also im
    Kopf habe ich sie sehr wohl, aber nicht im Computer. Noch
    nicht.
    Ich habe schon eine Kieferknochenentzündung vorgetäuscht,
    um den Abgabetermin verschieben zu können. Zu
    allem Überfluss habe ich dann wirklich eine Kieferentzündung
    bekommen. Psychosomatisch sozusagen. Die Vortäuschung
    der Krankheit hatte einen umgekehrten Placebo-
    Effekt und so litt ich acht Wochen lang an unbändigen
    Schmerzen in meinem rechten Oberkiefer. Umgekehrt hat
    das leider nicht so gut funktioniert. Die Kieferknochenentzündung
    ließ sich zwar her-, aber nicht wegdenken. Zwei
    Wochen Antibiotika und entzündungshemmende Medikamente
    waren die Folge. Was lernen wir daraus? Man soll
    nur schmerzfreie Krankheiten erfinden, um Termine zu
    verschieben. Schnupfen, Fieber, eine Nierenkolik.
    Wobei
    die wahrscheinlich auch zu schmerzhaft ist.
    Liebe LeserIn, ich befürchte, das Buch, das Sie gekauft
    haben, ist leer. Ich kann Ihnen das zum jetzigen Zeitpunkt
    nicht hundertprozentig sagen, aber wenn es mit mir und
    meiner Schreibblockade so weitergeht, dann gibt es für
    Sie nichts zu lesen. Ich habe schon überlegt, ob es nicht
    einen anderen Weg gäbe, die Geschichten in meinem Kopf
    unter die LeserInnen zu bringen, aber nachdem es noch
    sehr lange dauern kann, bis wir in der Lage sind, Gedanken
    zu lesen, scheint es keinen anderen Ausweg zu geben: Ich
    muss schreiben.
    Oder auf die Bühne gehen. Aber deswegen
    schreibe ich ja, damit ich nicht auf die Bühne muss.
    Sie können das Buch aber auch gleich weglegen, wenn
    Sie wollen. Und in drei Wochen wieder reinschauen,
    vielleicht hab ich bis dahin etwas zustande gebracht. Ich
    habe ohnehin schon die letzten Tage in Ihrer Handtasche
    verbracht. War ganz nett übrigens. Möchte mich noch bei
    Ihnen bedanken, dass Sie mich nicht in der Toilette abgelegt
    haben, sondern mit mir unterwegs sind. Können Sie
    sich noch erinnern, liebe LeserIn, wie wir uns das erste Mal
    getroffen haben? Sie sind in der Buchhandlung gestanden
    und haben mich durchgeblättert. Sie haben wunderschöne
    Hände. Wie sehr ich es in diesem Moment bereut habe,
    nichts geschrieben zu haben und Sie enttäuschen zu müssen.
    Ich schwöre Ihnen, ich werde schreiben. Ich werde
    alles versuchen, um Ihnen Freude zu bereiten.
    Also dann. Ich schreibe jetzt. Oder kann ich Ihnen vielleicht
    auf eine andere Art Freude bereiten? Wollen Sie einen
    Strauß Rosen oder eine Bonboniere? Ja, eine Bonboniere ist
    vielleicht gar keine so schlechte Idee. "Der frühe Wurm hat
    einen Vogel" lauter kleine Milchschokowürmer, die von
    Vögeln aus Bitterschokolade aufgepickt werden. Das wär
    doch was! Aber woher nehmen jetzt? Unglaubwürdig.
    Okay. Okay. Ich seh schon, Sie haben ein Buch gekauft
    und Sie wollen ein Buch. Aber Buch hin, Buch her, ich kann
    nicht schreiben. Keine Ahnung, woran das liegt. Intellektuelle
    Impotenz. Im Kopf funktioniert es wunderbar, aber kaum
    gehts um was, versagt mein primäres Schreiborgan und ich
    liege reglos auf der Couch. Und denke mir, ich sollte mich
    ein wenig bewegen, der Gesundheit zuliebe. Wobei das mit
    der Bewegung ist ja nur eine Sache des Bezugssystems. Bewegung
    ist nur relativ zu einem Bezugspunkt nachweisbar. Wenn
    ich auf der Couch liege, bewege ich mich sogar sehr schnell.
    Und zwar mit der Erde, die sich mit circa 1.240 km/h um
    ihre eigene Achse dre
In den Warenkorb

Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 352
Erscheinungsdatum 15.10.2013
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-492-30236-4
Verlag Piper
Maße (L/B/H) 18,5/11,8/2,7 cm
Gewicht 250 g
Buch (Taschenbuch)
Buch (Taschenbuch)
11,00
11,00
inkl. gesetzl. MwSt.
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort lieferbar Versandkostenfrei
Sofort lieferbar
Versandkostenfrei
In den Warenkorb
PAYBACK Punkte
Vielen Dank für Ihr Feedback!
Entschuldigung, beim Absenden Ihres Feedbacks ist ein Fehler passiert. Bitte versuchen Sie es erneut.
Ihr Feedback zur Seite
Haben Sie alle relevanten Informationen erhalten?

Kundenbewertungen

Durchschnitt
10 Bewertungen
Übersicht
3
1
2
1
3

Sehr gute Kaffeehaus Lektüre
von einer Kundin/einem Kunden aus Wien am 18.11.2017

Wie auch die vorgehenden Bücher von Herrn Niavarani, ist auch dieses sehr gelungen! Trotz seiner anfänglichen Schreibblockade ist ihm doch noch ein tolles Buch gelungen! Danke Nia, weiter so!

Nur mäßig
von einer Kundin/einem Kunden aus %3B505031984854217 am 27.10.2013
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Im Rahmen von neun Kurzgeschichten nimmt uns Michael Niavarani mit auf eine abstruse Reise in das Land der Märchen, Probleme der ersten Welt und setzt sich mit quantenphysikalischen Besonderheiten auseinander. Wie auch schon in „Vater Morgana“ besticht das vorliegende Werk durch Niavaranis Gespür für Worte und Pointen. Kennt ... Im Rahmen von neun Kurzgeschichten nimmt uns Michael Niavarani mit auf eine abstruse Reise in das Land der Märchen, Probleme der ersten Welt und setzt sich mit quantenphysikalischen Besonderheiten auseinander. Wie auch schon in „Vater Morgana“ besticht das vorliegende Werk durch Niavaranis Gespür für Worte und Pointen. Kennt man ihn von der Bühne fällt es nicht schwer eine mögliche Intonation des Künstlers beim Lesen ins Ohr zu bekommen. Dabei fehlt dem Buch leider das Gespür für eine stimmige Gesamtkomposition. Zwar vermögen einzelne Geschichten die LeserInnern zum Schmunzeln, Lachen oder Nachdenken anregen, andere jedoch ziehen sich wie alter Kaugummi. Den vorgestellten Charakteren wohnt zumeist eine gewisse Liebenswürdigkeit inne und viele von ihnen teilen die Eigenschaft unfreiwillig oder freiwillig komisch zu sein, was noch für den einen oder anderen herzhaften Lacher sorgen mag. Insgesamt aber wirkt das Werk als habe der Autor aneinandergereiht, was ihm gerade so eingefallen ist und habe das ganze schließlich am Lektorat vorbeigemogelt. Das ist schade - sind doch einzelne Geschichten wahre Highlights.

eine wirkliche Empfehlung
von einer Kundin/einem Kunden aus Wien am 15.12.2012
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

wenngleich der thematische Bogen vielleicht ein wenig zu weit gespannt ist (deswegen nur 4 statt 5 Punkite), sprechen Lebensweisheit, Nachdenklichkeit und bestes Sprachgefühl aus Niavarini - ganz besonders bemerkenswert: "Die Leiter in der Hüpfburg".