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Ich will so werden, wie ich bin (Sonderausgabe)

Für Selberleber

Meine Arbeit frisst mich auf. - "Irgendetwas fehlt in meinem Leben." Warten Sie nicht darauf, dass Ihr Leben endlich beginnt - fangen Sie selbst damit an! Volker Kitz und Manuel Tusch zeigen mit Witz und Einfühlungsvermögen, wie wir heutzutage oft die Erwartungen anderer Menschen erfüllen, statt unser Leben zu leben, und wie wir Schritt für Schritt Zwänge abstreifen und unsere eigenen vernachlässigten Bedürfnisse wiederfinden können. Werden wir Selberleber!
Portrait
Dr. Volker Kitz studierte Jura und Psychologie und arbeitet heute als Anwalt und Coach in Köln. Dr. Manuel Tusch studierte Psychologie und Erwachsenenbildung. Er hat eine psychologische Praxis in Köln und leitet dort das Institut für Angewandte Psychologie (IfAP). Bekannt wurde das Autorenduo durch den internationalen Bestseller "Das Frustjobkillerbuch".
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  • Artikelbild-0
  • Spinne ich oder spinnen die anderen?
    Die Zwangserkrankungen unserer Gesellschaft
    Die Gesellschaft hat inzwischen ein so dichtes Netz aus Zwängen um uns herum aufgebaut, dass diese Zwänge jeden Winkel unseres Lebens bestimmen. Und wir selbst machen fleißig mit: indem wir diese Zwänge akzeptieren, leben, verfestigen, weitergeben. Und das, ohne es auch nur zu merken.
    Denn das Perfide ist: Viele dieser modernen Zwänge sind unter dem Deckmantel der Freiheit entstanden. Und sie blühen und gedeihen unter diesem Deckmantel. Formal betrachtet, war selten eine Gesellschaft so frei wie unsere heute. Formal betrachtet, konnten die Menschen noch nie so individuell leben und entscheiden wie heute. Formal betrachtet, standen uns noch nie so viele Möglichkeiten offen und waren wir noch nie so unabhängig darin, uns ein maßgeschneidertes Leben zusammenzustellen, das ganz und gar unseren Wünschen und Bedürfnissen entspricht.
    Formal betrachtet.
    Wir haben festgestellt: Die Freiheit hat den Zwang gebracht. Nie haben wir so unfrei gelebt wie heute.
    Dass mehr Freiheit mehr Unzufriedenheit bringen kann, klingt zunächst paradox. Aber jeder von uns kennt das zum Beispiel aus dem Restaurant: Gibt es im Bistro nebenan nur eine Tageskarte mit drei Gerichten, so sind wir mit unserer Wahl meist zufrieden, egal, wie sie ausgefallen ist. Brüten wir im China-Restaurant über einer Karte mit 200 Gerichten (jeweils mit oder ohne Knoblauch, mit weißem Reis oder Gemüsereis, gebraten oder gekocht …), so sind wir mit unserer Wahl in der Regel unglücklich, egal, wie sie ausgefallen ist. Ähnlich geht es uns, wenn wir unter 200 Handytarifen wählen sollen. Wir sind überzeugt, dass wir noch eine perfektere Wahl hätten treffen können, wenn wir nur auf alles geachtet und alle Regeln befolgt hätten. Mit steigender Auswahl sinkt die Zufriedenheit. Das "Paradox der Wahl" nennt es der Psychologe Barry Schwartz.
    Zahlreiche Studien belegen: Wir werden trotz immer mehr Freiheit immer unzufriedener. Eine der interessantesten davon ist eine Untersuchung über den Zusammenhang von Freiheit und Glück bei Frauen. Die Professoren Betsey Stevenson und Justin Wolfers von der Universität von Pennsylvania haben in ihrer Studie "The Paradox of Declining Female Happiness" herausgefunden: Obwohl sich die Situation der Frauen in den letzten Jahrzehnten immer mehr verbessert hat, obwohl Frauen im Vergleich zu früher viel mehr Eigenständigkeit und viel mehr Wahlmöglichkeiten haben, sind sie unzufriedener geworden.
    Dieses Schicksal hat uns heute alle ereilt, und es breitet sich dramatisch aus: Bei der Arbeit hetzen wir den Karriere-"Möglichkeiten" hinterher, selbstverständlich in "flexiblen" Modellen. Nach der Arbeit treiben uns die Freizeit-"Möglichkeiten", wir "gestalten" unser Leben "aktiv" mit Erlebnis-Sushi und haben im Terminkalender Zeit "für uns" beim Meditationskurs stehen. Doch "für uns" machen wir schon lange nichts mehr.
    Weil der Zwang seinen schillernden Deckmantel "Freiheit" trägt, merken wir oft gar nicht, dass wir nur noch funktionieren. Dass wir mit jedem Schritt, mit jeder Pore, nur noch äußeren Zwängen entsprechen. Dass wir unsere wahren Bedürfnisse schon lange nicht mehr gespürt haben.
    Sie glauben nicht, dass wir heute fast rund um die Uhr Zwängen folgen? Halten sich für einen freien Menschen in einer freien Zeit? Wir beweisen Ihnen das Gegenteil! Wenn Sie bis hierher gelesen haben, dann gehen wir davon aus, dass Sie die eingangs beschriebene Sehnsucht nach Ihrem Leben in sich spüren - sonst hätten Sie nicht weitergeblättert, wahrscheinlich dieses Buch erst gar nicht in die Hand genommen. Wenn Sie ständig den Eindruck haben, dass Ihr Leben immer noch nicht begonnen hat, und wenn Sie darüber unglücklich sind: Dann kann das gut daran liegen, dass Ihnen die glücklich machenden Selbstwirksamkeitserfahrungen fehlen, über die wir eben sprachen - die Erfahrung, Ihr Leben selbst in der Hand zu haben, Ihr Leben selbst nach Ihren Bedürfnissen und Wünschen zu steuern.
    Das liegt daran, dass Ihre inneren Wünsche durch äußere Zwänge ersetzt worden sind, dass das "Ich will" dauerhaft durch ein "Du sollst" überlagert ist.
    Wir zeigen Ihnen den Weg zurück zur echten Freiheit.
    Im Zusammenhang mit Zwangserkrankungen ist gut erforscht, wie sich Zwänge auf Menschen auswirken. Eine Zwangserkrankung liegt vor, wenn bestimmte Gedanken oder Handlungen bei Menschen immer wieder auftreten und dabei den normalen sozialen Alltag der Menschen beeinträchtigen - sodass die Menschen diese Handlungen oder Gedanken als quälend empfinden. Ein Beispiel ist der Kontrollzwang: Jemand verlässt das Haus, geht aber dann noch mehrmals zurück, um zu kontrollieren, ob er auch wirklich die Kaffeemaschine abgeschaltet hat. Je nach Ausmaß behindern solche Zwänge ein normales soziales Leben schwer oder machen es sogar unmöglich.
    Die Betroffenen leiden deshalb so sehr unter einer Zwangserkrankung, weil ein Teufelskreis dafür sorgt, dass sie sich immer weiter von sich selbst entfremden, dass sie den Kontakt zu sich selbst verlieren: Der äußere Zwang führt dazu, dass sie ihre wahren Bedürfnisse vernachlässigen. Das erzeugt Frust, macht unglücklich und unsicher. Als Folge suchen die Betroffenen Halt und Orientierung, orientieren sich noch stärker an äußeren Regeln. Dadurch entfremden sie sich noch weiter von sich selbst, nehmen ihre eigenen Bedürfnisse noch weniger wahr. Sie werden noch entscheidungsschwächer, noch unsicherer. Suchen noch stärker Halt in äußeren Regeln. Und der Kreislauf beginnt von vorn …
    Wie dieses Buch Ihr Leben verändern wird
    Je mehr also Zwang unser Leben bestimmt, desto weniger Selbstwirksamkeitserfahrungen machen wir, desto unglücklicher werden wir und desto stärker ziehen wir uns aus unserem eigenen Leben zurück - um dann wieder Halt und Orientierung in äußeren Zwängen zu suchen. Was uns dabei so unglücklich macht, ist die Entfremdung von uns selbst. Nicht ohne Grund leidet ein Großteil der Menschen mit Zwangserkrankungen auch an Depressionen.
    Genau der gleiche Teufelskreis kommt in Gang, wenn unser Leben ständig durch äußere gesellschaftliche Zwänge bestimmt wird. Mehr noch - wir behaupten: Unsere gesamte Gesellschaft leidet heute an einer Reihe von Zwangserkrankungen.
    Das fällt nur nicht weiter auf, denn wir haben ja gerade als wichtiges Kriterium für die Diagnose "Zwangserkrankung" genannt: dass der individuelle, von Zwängen geprägte Lebensstil eine Teilhabe am normalen sozialen Leben beeinträchtigt. Wer alle fünf Minuten zu Hause seine Kaffeemaschine kontrolliert, weicht eben stark von der sozialen Norm ab.
    Nun sind aber die modernen gesellschaftlichen Zwänge längst zur sozialen Norm geworden - deshalb sind sie so gut getarnt. Wie und warum diese Tarnung so gut funktioniert, das zeigen wir Ihnen in den nächsten Kapiteln. Es verhält sich hier genau umgekehrt: Die Zwangserkrankungen unserer Gesellschaft beeinträchtigen unseren individuellen Lebensstil.
    In diesem Buch helfen wir Ihnen, aus diesem Hamsterrad auszusteigen. Dabei gehen wir gemeinsam vier Schritte:

    Erstens identifizieren wir die Zwänge der modernen Gesellschaft, in verschiedenen Teilen unseres Lebens, beruflich und privat. Wir reißen den Zwängen den Deckmantel der Freiheit herunter und erkennen gemeinsam, wie fremdbestimmt dieses ach so freie Leben ist, das wir heute führen.

    Zweitens lernen wir, uns von diesen Zwängen zu befreien. Die Hauptarbeit hierfür haben wir bereits dadurch erledigt, dass wir die Zwänge als Zwänge identifiziert haben. Nun lernen wir die Gegenspieler der Freiheit kennen - wir sehen, dass uns paradoxerweise gerade das Bedürfnis, unser Leben zu kontrollieren, besonders anfällig für äußere Zwänge macht.

    In einem dritten Schritt holen wir uns das zurück, was uns heute so schmerzlich fehlt: den Kontakt zu unserem Innern, zu unseren Bedürfnissen. Wir lernen, unsere Wünsche wieder zu spüren. Und wir lernen wieder, dass es nicht nur eine Rolle spielt, was wir wollen, sondern dass dies die alles entscheidende Frage unseres Lebens ist - wenn es ein glückliches Le-ben sein soll.

    Viertens schneidern wir uns einen ganz eigenen Lebensentwurf auf den Leib, aus unseren neu entdeckten Bedürfnissen und Wünschen. Wir zeigen Ihnen: Für jedes Bedürfnis gibt es viele ganz unterschiedliche Arten, es zu befriedigen. Wenn wir als Kind nicht draußen Dreirad fahren konnten, weil es regnete, dann wussten wir zwar, was wir wollten - aber wir blieben frustriert zurück, wenn uns dieser konkrete Wunsch nicht erfüllt wurde. Als Erwachsene können wir ermitteln, welches Bedürfnis hinter diesem Wunsch steht - und uns für dieses Bedürfnis dann die Art der Befriedigung suchen, die unter unseren jeweiligen Lebensumständen machbar und auch mit den Bedürfnissen unserer Mitmenschen vereinbar ist. Wir haben eine Technik für Sie entwickelt, die Ihnen genau das ermöglicht.

    Aller guten Zwänge sind zwei - wie andere Ihr Leben steuern
    Wir unterscheiden in diesem Buch zwischen zwei Arten von Zwang: dem direkten Zwang und dem indirekten Zwang.
    Als direkten Zwang bezeichnen wir den Zwang durch eine unmittelbare körperliche Einwirkung. Diese Einwirkung bringt Sie dazu, etwas zu tun oder nicht zu tun. Ein paar Beispiele:
    Jemand schließt Sie in einem Zimmer ein.
    Jemand mischt Ihnen ein Schlafmittel in den Cocktail.
    Jemand führt Ihre Hand, während Sie Ihr Testament schreiben.
    Jemand fesselt Sie mit Handschellen und liefert Sie in einem Yoga-Kurs ab.

    Diese Art von Zwang können wir auch "absolute Gewalt" nennen. Sie führt nicht dazu, dass Sie Ihren Willen ändern: Der Eingeschlossene will weiterhin den Raum verlassen, der Betäubte aufstehen, die Testamentsverfasserin einen anderen Erben einsetzen, der Yoga-Besucher nicht zum Yoga gehen. Sind Sie Opfer eines solchen Zwangs, dann ist Ihr Wille unbeeinflusst. Sie können ihn aber nicht mehr verwirklichen. Der direkte Zwang ist also ein Angriff auf Ihre Willensverwirklichung; Sie handeln gegen Ihren Willen.
    Direkter Zwang vollzieht sich in zwei Akten:

    Ganz anders funktioniert der indirekte Zwang. Er geht einen Umweg über Ihren Willen; er verändert Ihren Willen. Indirekter Zwang funktioniert so: Jemand droht Ihnen mit einem Nachteil, wenn Sie sich in bestimmter Weise verhalten oder nicht verhalten. Zum Beispiel:
    Ihr Partner droht mit Liebesentzug, wenn Sie sich allein mit Freunden treffen wollen.
    Ein Verwandter wird Sie im Alter nicht pflegen, wenn Sie ihn nicht als Haupterben in Ihrem Testament einsetzen.
    Ihre Arbeitskollegin spottet über Sie, wenn Sie als Einzige aus der Abteilung nicht zum Yoga gehen.

    In all diesen Fällen können Sie Ihren ursprünglichen Willen grundsätzlich verwirklichen. Sie können sich auch gegen das entscheiden, was jemand von Ihnen verlangt. Sie nehmen dann das angedrohte Übel in Kauf: Sie können in die Kneipe gehen und damit rechnen, dass Ihr Partner schmollt, wenn Sie zurückkommen. Sie können Ihren Verwandten im Testament übergehen, dann müssen Sie sich aber möglicherweise im Alter nach einer anderen Pflegekraft umschauen. Sie können sich gegen den Yoga-Kurs entscheiden - und riskieren damit, von der Kollegin missachtet zu werden. Wenn Sie doch zum Yoga gehen, dann haben Sie Ihren Willen geändert, als bewusste Entscheidung, um drohende Nachteile zu vermeiden.
    Sind Sie indirektem Zwang ausgesetzt, dann handeln Sie also niemals gegen Ihren Willen, sondern stets mit Ihrem Willen. Je schlimmer das angedrohte Übel ist, desto stärker sind Sie aber darin eingeschränkt, sich einen freien Willen zu bilden oder Ihren freien Willen beizubehalten. Der veränderte Wille entspricht nicht mehr Ihrem ursprünglichen Willen, den Sie ohne die Zwangseinwirkung gehabt hätten. Der indirekte Zwang ist also ein Angriff auf Ihre Willensbildung; er verändert Ihren Willen.
    Indirekter Zwang vollzieht sich in drei Akten:

    Direkter Zwang bricht den Willen. Indirekter Zwang beugt den Willen.
    Wir haben Ihnen versprochen: Dieses Buch befreit Sie von Zwängen. Woran merken Sie denn nun überhaupt, dass Sie sich erfolgreich von einem Zwang befreit haben? Wenn Sie die jeweils letzte Stufe auf den beiden Schaubildern vermeiden: die erzwungene Handlung. Wenn Sie Ihren ursprünglichen Willen beibehalten und auch umsetzen. Das können Sie erreichen, indem Sie den Zwangsablauf auf einer der vorherigen Stufen durchbrechen.
    Sind Sie körperlichem Zwang ausgesetzt, so brauchen Sie eine Hilfe, die wir mit diesem Buch nicht direkt leisten können. Denn die Schaubilder zeigen: Beim direkten Zwang haben Sie nur einen einzigen Ansatzpunkt, das Geschehen zu durchbrechen. Aus körperlichem Zwang können Sie sich nur befreien, indem Sie die Quelle des Zwangs selbst ausschalten. Sie können sich also zum Beispiel körperlich wehren oder dafür sorgen, dass die Quelle des Zwangs aus Ihrer Umgebung verschwindet. Körperlicher Zwang ist leider verbreiteter, als wir denken. Wenn Sie dem ausgesetzt sind, können Sie zum Beispiel in Ihrem Umfeld oder bei staatlichen Institutionen um professionelle Hilfe bitten.
    Noch viel häufiger allerdings als körperlichem Zwang unterliegen wir indirekten Zwängen. Wir behaupten: Jeder leidet unter indirekten Zwängen! Sie hindern uns daran zu leben. Von diesen Zwängen befreien wir Sie in diesem Buch.
    Beim indirekten Zwang zeigt Ihnen das Schaubild: Es gibt zwei Ansatzpunkte, das Zwangsgeschehen zu durchbrechen.

    Kaufen Sie sich Popcorn und
    schauen Sie Ihrem Leben von außen zu
    Sie können auf der zweiten Stufe ansetzen. Beim indirekten Zwang ändern Sie bewusst Ihren Willen, um drohende Nachteile zu vermeiden. Sie können aber auch bei Ihrem ursprünglichen Willen bleiben. Sie können für sich abwägen und dann entscheiden: Was ist schlimmer - die drohenden Nachteile zu ertragen oder die erzwungene Handlung? Ist es schlimmer, mich am Abend mit Yoga zu quälen, obwohl ich das ursprünglich nicht wollte - oder die mitleidigen Blicke der Kollegin am nächsten Tag zu erdulden, wenn ich den Abend einfach mit einer Tüte Erdnuss-Flips vor dem Fernseher verbringe?
    Der Philosoph und Freiheitsdenker Reinhard K. Sprenger bringt das in seinem Buch Die Entscheidung liegt bei dir! mit dem Wort "Preisvergleich" nüchtern auf den Punkt: Wir wählen ständig zwischen Alternativen und vergleichen Preise.
    Welchen Preis hätte es, meinem Chef zu kündigen, über den ich mich jeden Tag so ärgere? Endlich meinen Traum wahr zu machen und nach Neuseeland auszuwandern? Und welchen Preis hätte es, in diesem Job zu bleiben? Jede Entscheidung lässt sich auf einen nüchternen Preisvergleich reduzieren, und wenn wir uns für die eine Alternative entscheiden, dann war uns der Preis für die andere zu hoch. Sprenger denkt diesen Gedanken konsequent zu Ende. Wer über Stress als Vater oder Mutter klagt und das mit der Verantwortung gegenüber seinem Kind begründet, dem entgegnet Sprenger: "Verantwortung ist wählbar. Und abwählbar."
    Wir setzen noch weiter vorne an, nämlich bereits auf der ersten Stufe des Zwangsgeschehens: bei der Quelle des Zwangs selbst. Auch von indirektem Zwang können Sie sich befreien, indem Sie den Zwang selbst ausschalten. Der indirekte Zwang entsteht dadurch, dass Ihnen jemand mit einem Nachteil droht, wenn Sie sich nicht in einer bestimmten Art und Weise verhalten.
    Wie schalten Sie diesen Zwang aus? Indem Sie dem Nachteil den Schrecken nehmen!
    Wenn Sie erkennen, dass der Nachteil ein Phantom ist, dass möglicherweise gar nichts geschieht, wenn Sie einfach das tun, was Sie wollen, dass zum Beispiel der mitleidige Blick der Kollegin Sie eher amüsieren als verunsichern sollte - dann haben Sie den Zwang gleich am Anfang k.o. gemacht. Dann brauchen Sie erst gar keine Preise mehr zu vergleichen.
    Diesen Weg gehen wir mit Ihnen in diesem Buch.
    Wir öffnen Ihnen die Augen dafür, wo in unserer modernen Gesellschaft überall indirekte Zwänge lauern. Wir haben ja bereits festgestellt: Viele moderne Zwänge kommen im Gewand der Freiheit daher. Aber wehe, wir nehmen diese Freiheit nicht so wahr, wie es sich geziemt! Vieles in unserem Leben tun wir, weil wir glauben, es entspreche der gesellschaftlichen Norm. Und die Gesellschaft bestrafe es, wenn jemand von der Norm abweicht. So reflexartig richten wir einen großen Teil unseres Lebens an dieser "Norm" aus, dass wir gar nicht mehr merken, wie fremdgesteuert wir dabei sind.
    Wir zeigen Ihnen, wie absurd diese modernen Zwänge sind - wie sie entstanden sind, wohin sie führen, was passiert, wenn wir sie konsequent zu Ende denken. Wir haben herausgefunden: Viele Zwänge und Einschränkungen haben sich im Arbeitsleben herausgebildet, sind dort gehegt, gepflegt und gehätschelt worden - und schließlich auch in unser Privatleben übergeschwappt. Wir strampeln inzwischen rund um die Uhr im Hamsterrad, das früher "nur" das Synonym für die Tretmühle am Arbeitsplatz war.
    Wir sind gefangen in einer Hamsterrad-Verschwörung.
    Wenn Sie lachen müssen, während Sie die nächsten Kapitel lesen, dann ist das beabsichtigt: Je mehr Sie erkennen, bei welch absurdem Zirkus wir mitspielen, desto leichter ist es, aus diesem Zirkus auszusteigen, sich eine Tüte Popcorn zu kaufen und das absurde Treiben amüsiert aus der Ferne zu verfolgen.
    Dann geschieht das Erstaunliche: Je mehr Sie erkennen, wie Sie sich von fremden Normen leiten lassen, wie absurd und ungerechtfertigt diese Normen aber sind - desto kraftvoller reift in Ihnen eine Erkenntnis. Diese Erkenntnis ist wunderbar befreiend. Sie lautet:
    Ihr könnt mich mal gern haben! Wenn ich diesen absurden Zirkus nicht mehr mitmache, passiert mir genau - gar nichts!
    Sie sehen plötzlich: Es drohen Ihnen gar keine Nachteile, wenn Sie sich von den modernen Normen verabschieden - wenn Sie nicht 238 Überstunden vor sich herschieben, wenn Sie nicht den neuesten Lippenstift in Quinacridone Magenta haben, wenn Ihre Kinder nicht schon im Mutterleib Chinesisch lernen! Viele unserer heutigen "Leitsterne" sind so absurd, dass es sogar das einzig Vernünftige ist, sich von ihnen ein für alle Mal zu verabschieden. Wenn wir das nicht tun, dann drohen die Nachteile!
    Legen wir los und schauen uns diesen absurden Zirkus an. Vorhang auf! Nehmen Sie Ihr Popcorn zur Hand …
  • Inhalt

    Nichts passiert zufällig 10

    Teil 1:
    Die Hamsterrad-Verschwörung

    1. Stellen Sie sich vor … 14

    Ein Gedankenexperiment, das Ihr Leben verändert 17
    Wunschlos unglücklich 23
    Spinne ich oder spinnen die anderen?
    Die Zwangserkrankungen unserer Gesellschaft 25

    Kaufen Sie sich Popcorn und schauen Sie Ihrem Leben von außen zu 31

    2.
    Warum wir ständig das fünfte Rad am Wagen anschrauben - Der absurde Leistungszwang 34

    Kleine Geschenke erhalten den Arbeitsplatz: die 105-Prozent-Lösung 35
    Schaffe, schaffe, Gräble schaufle 40
    Es muss in einem Leben doch mehr als alles geben 42

    3.
    Zu wenige Köche verderben den Brei - Der absurde Stresszwang 50

    Warum Sie Ihre Arbeit keinesfalls im Griff haben sollten 52
    Eine Hand stresst die andere 57

    Aktfotos beim Bierbrauen im Iglu - und wie war Ihr Wochenende? 62
    Nur wer Stress hat, hat auch Freunde 65

    4.
    Mit jedem Furz die Welt verändern - Der absurde Sinnstiftungszwang 70

    Die Arbeit: Vom Schmuddelkind zum Superstar 71
    Platzen Sie auch jeden Tag fast vor Spaß an Ihrer Arbeit? 75
    Sinn ohne Verstand 78

    5.
    Alle Wege führen nach Rom, aber nur einer ist am romsten - Der absurde Perfektionszwang 82

    Und was kostet Ihr Praktikum? 84
    Hässlich? Selber schuld! 87
    Das i-Tüpfelchen als Tor zur Hölle 88
    Abwarten und das Leben verpassen 95

    6.
    Arbeit an Leben: "Sind Sie öfter hier?" - Der absurde Balancezwang 98

    Warum zwei Probleme haben, wenn wir auch drei haben können? 99
    Balance is the new black 100

    7.
    Sei du selbst, sonst bist du gar nichts - Der absurde Selbstverwirklichungszwang 104

    Und was wollte ich gleich nochmal? 104

    Teil 2:
    Wie Sie das Hamsterrad zum Engelskreis machen

    8.
    Der Zwang zur Zwanglosigkeit 110
    Ratschläge sind auch Schläge 110

    Merci, dass es dich gibt. Die Schokoladenseite unseres Dilemmas 112

    Wie wir selbst wirksam werden - und unserem Unterbewusstsein ein Schnippchen schlagen 114
    Warum Dienst auch Schnaps sein kann 117

    9.
    Wie unsere innere Zerrissenheit uns kaputtmacht 120

    Konflikt ist geil! 120
    Ich denke, also stehe ich mir selbst im Weg 126
    Die Ursachen für unsere inneren Kämpfe 128

    10.
    Stimmen hören und trotzdem keinen Vogel haben - Von der Kunst, die inneren Streithähne auszusöhnen 138

    Ich bin ich - und zwar sehr viele. Unsere Rollenvielfalt 138
    Das Modell der Bedürfniskompensation 144
    Quo vadis, Wunsch? 154

    Macht's euch selbst - so lassen Sie Ihre inneren Streithähne sich gegenseitig befriedigen 157

    11.
    Wie Sie lernen, Ihr Leben zu lieben … ohne sich selbst zu verbiegen 168

    Design your life 168

    Jedem Tierchen sein Pläsierchen - wie Sie Ihre Toplösung finden 171
    Ihr Leben - ganz nach Ihrem Geschmack 175

    12.
    … acht, neun, zehn - ich komme! - Wie Sie Ihr neues Leben aus der Reserve locken 180

    Ich sehe was, was du (noch) nicht siehst - die Kraft der Visualisierung 182

    Nur Mut?… zur Muße. Wie uns die Langsamkeit schnell ein schönes Leben beschert 183
    Liebe dich selbst - und es kommt besser, als du denkst 186

    Anhang

    Bitte melden Sie sich! 196

    Unser Buch hat Ihnen gefallen? 198

    Ausgewählte Literatur 200

    Register 204
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Paperback
Seitenzahl 207
Erscheinungsdatum 20.06.2013
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-593-39935-5
Verlag Campus Verlag GmbH
Maße (L/B/H) 21,7/13,9/2 cm
Gewicht 289 g
Auflage 6. Auflage
Verkaufsrang 86661
Buch (Paperback)
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Buchhändler-Empfehlungen

Stimmen hören und totzdem keinen Vogel haben...

Manuela Quarz, Thalia-Buchhandlung Köln

Auf die innere Stimme hören , sein eigenes Ding machen und sich nicht von äußeren Zwängen ins Bockshorn jagen lassen....hört sich alles ganz einfach an. Ist es aber nicht, wie wir alle aus eigener Erfahrung wissen. Da es aber nicht so viele einsame Inseln gibt, um für alle Aussteiger Abhilfe zu schaffen und man mit innerer Kündigung in Beruf, Partner - oder Freundschaft auch nicht gerade sehr weit kommt, lohnt es sich in jedem Fall vor endgültigem Porzellanbruch vorher in dieses Buch zu schauen. Wenn man vielleicht auch nicht Schritt für Schritt mitgehen kann, gibt es hier brauchbare konstruktive Vorschläge für scheinbare Sackgassen, Abhilfe bei endlosem Tunnelblick und dauerhaftem Hamsterrad...einfach mal mitmachen, vielleicht entdeckt man ja doch noch die Schokoladenseite bei so manchem Dilemma !

Los gehts !

Monica Bödecker-Mertin, Thalia-Buchhandlung Hamburg

Ein sehr guter Ratgeber für alle , die in ihrem Leben etwas ändern möchten. Verständlich, unterhaltsam, gut umsetzbar - und sehr motivierend.

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