Leonce und Lena

Reclam Universal-Bibliothek 18248

(2)
Büchners einziges Lustspiel gehört zu den an Schule und Universität am häufigsten behandelten Stücken; auf der Bühne lebt es in immer neuen Inszenierungen fort. Die Textgestalt ist - wie bei Büchner immer - problematisch; diese Ausgabe durchleuchtet die Überlieferungsverhältnisse und legt die einzelnen Textschichten frei.
Portrait
Georg Büchner, 17. 10. 1813 Goddelau bei Darmstadt - 19. 2. 1837 Zürich. Seit der Ernennung des Vaters zum Assessor des Großherzoglichen Medizinalkollegs 1816 lebte die Familie in Darmstadt. Nach der Schulzeit ging B. 1831 zum Medizinstudium nach Straßburg; hier verlobte er sich 1832 heimlich mit der Pfarrerstochter Minna Jaeglé. Im Herbst 1833 setzte er sein Studium an der Landesuniversität Gießen fort, wie es die Gesetze des Großherzogtums erforderten. Er beschäftigte sich mit Philosophie und der Geschichte der Französischen Revolution, lernte den Butzbacher Rektor Friedrich Ludwig Weidig, den führenden oberhessischen Oppositionellen, kennen und entschied sich im Frühjahr 1834 für die sozialrevolutionäre Agitation (Gründung von Sektionen der geheimen Gesellschaft für Menschenrechte in Darmstadt und Gießen, Entwurf der von Weidig dann abgeschwächten und von den Gießener Sektionsmitgliedern verteilten Flugschrift Der Hessische Landbote). Angesichts der polizeilichen Verfolgungsmaßnahmen kehrte B. im September 1834 nach Darmstadt zurück, wo er sich äußerlich wissenschaftlichen Studien widmete, zugleich jedoch die Sektion der Menschenrechte leitete, mit dieser Pläne zur Gefangenenbefreiung vorbereitete und das Drama Dantons Tod schrieb. Nachdem er mehrere gerichtliche Vorladungen ignoriert hatte, ¿oh er im Frühjahr 1835 nach Straßburg. Hier verband er literarische Arbeiten (Übersetzung von Dramen Victor Hugos; Leonce und Lena, Lenz, Woyzeck) mit dem Studium der Medizin, der Naturwissenschaften und der Philosophie. Für die Abhandlung Sur le système nerveux du barbeau erhielt er am 3. 9. 1836 den Doktorgrad der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich. Im Oktober siedelte er nach Zürich über, wo er nach einer Probevorlesung Über Schädelnerven am 5. 11. 1836 als Privatdozent zugelassen wurde. Ende Januar 1837 erkrankte er an Typhus. Zu seinen Lebzeiten erschienen neben der revolutionären Flugschrift nur die Hugo-Übertragungen und, in einer von K. Gutzkow entstellten Form, das Drama Dantons Tod. Es behandelt, z. T. Quellenzitate montierend, einen Ausschnitt aus der Spätphase der jakobinischen Herrschaft, demaskiert die Motivationen, Selbsttäuschungen, Rollenspiele, die großen Gesten, die revolutionären Phrasen der Akteure und demonstriert zugleich den gräßlichen Fatalismus der Geschichte. Mit Leonce und Lena, aus Anlass eines Preisausschreibens des Cotta-Verlages 1836 entstanden, gelang B. eine die romantische Ironie potenzierende, anspielungsreiche, melancholische Literaturkomödie, die zugleich als Gesellschaftssatire zu verstehen ist. Fragment blieb der erst 1879 von K. E. Franzos in seiner Büchner-Ausgabe veröffentlichte Woyzeck (Franzos las fälschlich Wozzeck), ein in thematischer wie stilistischer Hinsicht revolutionäres Stück, das einen vorindustriellen Pauper, einen in die Psychose und zum Mord getriebenen Menschen zum Helden hat und die Frage nach der Verantwortlichkeit von Moral, Religion, Wissenschaft und Gesellschaft für diese Leidensgeschichte stellt. Wie Woyzeck beruht auch B.s einzige Erzählung, Lenz, auf historischem Material, der Krankengeschichte des Sturm-und-Drang-Dichters J. M. R. Lenz, von B. zu einem seelischen Seismogramm gestaltet und kunstvoll aus einer Perspektive erzählt, bei der die Grenzen von Innen- und Außenwelt, von Vernunft und Wahnsinn zu zer¿ießen scheinen. In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (.) - © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.
… weiterlesen
In den Warenkorb
Filialabholung

Versandkostenfrei

Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Herausgeber Burghard Dedner, Thomas Michael Mayer
Seitenzahl 88
Erscheinungsdatum 01.06.2003
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-15-018248-2
Verlag Philipp Reclam Jun.
Maße (L/B/H) 14,9/9,8/0,9 cm
Gewicht 54 g
Verkaufsrang 62.800
Buch (Taschenbuch)
3,80
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort lieferbar
Versandkostenfrei
In den Warenkorb
Filialabholung

Versandkostenfrei

Ihr Feedback zur Seite
Haben Sie alle relevanten Informationen erhalten?
Vielen Dank für Ihr Feedback!
Entschuldigung, beim Absenden Ihres Feedbacks ist ein Fehler passiert. Bitte versuchen Sie es erneut.

Andere Kunden interessierten sich auch für

Wird oft zusammen gekauft

Leonce und Lena

Leonce und Lena

von Georg Büchner
(2)
Buch (Taschenbuch)
3,80
+
=
Leonce und Lena. Erläuterungen und Materialien

Leonce und Lena. Erläuterungen und Materialien

von Georg Büchner
Schulbuch (Taschenbuch)
6,90
+
=

für

10,70

inkl. gesetzl. MwSt.

Alle kaufen

Weitere Bände von Reclam Universal-Bibliothek mehr

  • Band 18243

    4550026
    Parzival
    von Wolfram Eschenbach
    Buch
    4,80
  • Band 18244

    4188082
    Träumereien eines einsamen Spaziergängers
    von Jean Jacques Rousseau
    (2)
    Buch
    5,80
  • Band 18245

    4559973
    Drogen und Medikamente
    von Leslie Iversen
    Buch
    4,80
  • Band 18248

    3887729
    Leonce und Lena
    von Georg Büchner
    (2)
    Buch
    3,80
    Sie befinden sich hier
  • Band 18249

    3887722
    Süßapfel rot
    von Ulla Hahn
    Buch
    3,60
  • Band 18251

    3887724
    Klassische deutsche Kurzgeschichten
    von Werner Bellmann
    Buch
    9,80
  • Band 18252

    3887740
    Lustige Lyrik
    (1)
    Buch
    3,60

Kundenbewertungen

Durchschnitt
2 Bewertungen
Übersicht
2
0
0
0
0

Büchner für Jung und Alt!
von Henrik Nobis aus Dresden am 01.10.2013
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Am 17. Oktober 2013 jährt sich der Geburtstag von Georg Büchner zum zweihundertsten Mal. Pünktlich dazu gibt nun der NordSüd-Verlag aus Zürich (die Stadt, in der Büchner dreiundzwanzigjährig verstarb) dieses wundervolle Werk heraus! Die melancholische Geschichte über zwei sich fremde Königskinder, die vor der Verheiratung flüchten, sich dabei jedoch... Am 17. Oktober 2013 jährt sich der Geburtstag von Georg Büchner zum zweihundertsten Mal. Pünktlich dazu gibt nun der NordSüd-Verlag aus Zürich (die Stadt, in der Büchner dreiundzwanzigjährig verstarb) dieses wundervolle Werk heraus! Die melancholische Geschichte über zwei sich fremde Königskinder, die vor der Verheiratung flüchten, sich dabei jedoch begegnen und sich verlieben ist auch eine scharfe Satire auf die damalige Kleinstaaterei und das realitätsferne Gehabe am Fürstenhof. Büchner sendete seinen Text 1836 erfolglos (da zu spät) für ein Lustspiel-Wettbewerb des Cotta-Verlags ein. Erst 1895 - die Modernität des Autors wurde spät erkannt - kam das Stück zur Uraufführung. Der Text der vorliegenden Ausgabe wurde vom in diesem Jahr verstorbenen Schweizer Schriftsteller Jürg Amann bearbeitet und mit zahlreichen Illustrationen der mehrfach ausgezeichneten Lisbeth Zwerger versehen. Wer also jüngeren Lesern die Klassiker der deutschen Literatur näher bringen möchte oder ein passendes Geschenk für ältere Bücherliebhaber sucht, der sollte zu dieser attraktiv gestalteten Ausgabe von "Leonce und Lena" greifen!

Die LIebe und das Leben
von Polar aus Aachen am 10.05.2008

Eine unglückliche Liebe, die nichts voneinander weiß, sich auf die Flucht begibt, um zwangsverheiratet zu werden und tatsächlich festzustellen, dass es die Richtigen getroffen hat. Im Reiche Popo regiert die Posse. Im Reiche Pipi sieht es nicht besser aus. Dazwischen: die Regierung, ein absurder Staatsrath. Auch die Geistlichkeit in... Eine unglückliche Liebe, die nichts voneinander weiß, sich auf die Flucht begibt, um zwangsverheiratet zu werden und tatsächlich festzustellen, dass es die Richtigen getroffen hat. Im Reiche Popo regiert die Posse. Im Reiche Pipi sieht es nicht besser aus. Dazwischen: die Regierung, ein absurder Staatsrath. Auch die Geistlichkeit in Gestalt des Hofpredigers kommt nicht glimpflich davon. Erfahren, weise erscheint nur die zweite Reihe zu sein. Valerio, die Gouvernante, Rosetta wissen, wen sie vor sich haben und bedienen sich ihrer. Büchner hat ein groteskes Bild eines Hofes gezeichnet. Mit seiner wunderbaren Sprache gelingt es ihm ein Märchen zu erzählen, dass beinah gleichzeitig mit dem Woyzeck entsteht. Hier wie da spiegelt er die Gesellschaft, setzt sie der Lächerlichkeit aus. Doch im Gegensatz zum Woyzeck, wo es tödlich endet, geht Leonce und Lena versöhnlich aus. Bei Shakespeare trinken Romeo und Julia Gift. Das ist auch eine Tragödie. Bei Büchner sitzt das Gift im Amüsement. Die Liebenden finden wie Gefangene zu ihrem Glück, müssen sich von nun an Regeln zu beugen. Trotzdem läßt Büchner uns die Hoffnung, dass sie es vielleicht eines Tages anders machen werden.