Meine Filiale

Eileiterschwanger

Anna-Maria Held

Buch (Taschenbuch)
Buch (Taschenbuch)
14,90
14,90
inkl. gesetzl. MwSt.
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort lieferbar Versandkostenfrei
Sofort lieferbar
Versandkostenfrei

Weitere Formate

Taschenbuch

14,90 €

Accordion öffnen

eBook (ePUB)

12,99 €

Accordion öffnen

Beschreibung

Für Anna-Maria und ihren Mann Lennert ist die Familienplanung mit zwei lieben, gesunden Kindern bereits abgeschlossen.
Doch dann passiert es, und Anna-Maria ist schwanger. Eileiterschwanger. Auf einmal wird die Hebamme selbst zur Patientin und wechselt die Perspektive. Das Schicksal trifft sie doppelt hart, denn beim notwendigen operativen Eingriff erleidet Anna-Maria nicht nur den unausweichlichen Schwangerschaftsabbruch, sondern büßt auch einen gesunden Eileiter ein.
'Um eine Ausschabung der Gebärmutter bin ich herumgekommen. Ich hatte nun wie eine alte Frau einen Wunddrainagebeutel. Unerträglich der Anblick. Und groß genug mein Gejaule, sodass er dann ein paar Stunden später von Ärztin Emma entfernt wurde. Dann begann die Heulerei und es heulte von ganz allein. Ich rief Lennert an, erzählte ihm kurz mit meinem Narkosekopf, was los war. OP fertig, ich wieder wach, linker Eileiter raus, alles doof. Mehr ging nicht. Und weil ich so am Heulen war, wollte ich auch nicht, dass Lennert mit den Kindern kam. Die hätten das überhaupt nicht verstanden. Denn wegen ‚eines Blinddarms‘ heult man eigentlich nicht.'

***

Anna-Maria Held wurde 1980 geboren. Sie arbeitet als freiberufliche Hebamme und wohnt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Norddeutschland. In ihrem Buch „Eileiterschwanger“ fasst sie das in Worte, was vielen Frauen bei einer Fehlgeburt und dem Verlust eines Kindes durch den Kopf gehen mag.

Anna-Maria Held wurde 1980 geboren. Sie arbeitet als freiberufliche Hebamme und wohnt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Norddeutschland. In ihrem Buch "Eileiterschwanger" fasst sie das in Worte, was vielen Frauen bei einer Fehlgeburt und dem Verlust eines Kindes durch den Kopf gehen mag. Mit ihrem Buch „Die Hebammenschülerin“ gewährt sie tiefe Einblicke in den Kreißsaal-Alltag und lässt auch andere an Presswehen, Stillbrüsten und Co teilhaben.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 88
Erscheinungsdatum 06.06.2014
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-902943-56-9
Verlag Edition riedenburg
Maße (L/B/H) 22,1/15,4/1,7 cm
Gewicht 155 g
Auflage 1

Kundenbewertungen

Es wurden noch keine Bewertungen geschrieben.
  • Artikelbild-0
  • Artikelbild-1
  • Dr. Wagner ging sehr behutsam vor, zeigte mir den Ultraschallbildschirm. Ich war errechneterweise in der sechsten Schwangerschaftswoche. Und mein Verdacht bestätigte sich. Da sah nämlich nichts aus wie in der sechsten Schwangerschaftswoche. Und es sah auch nichts nach einer intakten Schwangerschaft aus. Und nach einer Schwangerschaft an der richtigen Stelle sah es ebenfalls nicht aus.
    Ein verdickter rechter Eileiter war zu sehen, dort wurde die Schwangerschaft vermutet. Da tat's auch immer weh in der letzten Zeit. Aha. Daher also. Väterlich tätschelte mir Dr. Wagner den Arm. So väterlich wie vor zehn Jahren, als er zu Alexanders Geburt gerufen worden war und gesagt hatte: „Na? Sie leiden ja ziemlich ...“
    Litt ich jetzt auch? Nein, ich glaube, jetzt litt ich gerade nicht. Es war auch zu viel in zu kurzer Zeit an Emotionen aufeinandergepresst, als dass ich noch hätte leiden können. Von „Oh nein, ich bin schwanger, wie schrecklich!“ über „Wir werden auch dieses Kind lieben!“ bis hin zu „Doch nicht!“ ging das. Da kann man dann erstmal nicht leiden. Sondern muss es erstmal verstehen.
    Definitionsgemäß gehörte ich nun zu den Frauen mit einer Fehlgeburt. So war das also.
    Ich erinnerte mich in dem Moment an eine Fortbildung zum Thema „Leere Wiege“, wie man Eltern nach Fehl- und Totgeburten hilfreich zur Seite stehen konnte.
    Eine Frau sagte wohl einmal: „Du, heute geht’s echt gut. Ich fühle mich jetzt gerade nicht traurig.“ Die Hebamme ermahnte uns, bloß nicht zu sagen: „Ja, aber morgen, da wird’s kacke.“ Was aber sehr wohl der Fall sein könnte.
    Ich fühlte mich sehr merkwürdig. Sehr, sehr merkwürdig.
    Schwanger. Und dann irgendwie doch nicht. Noch nicht mal geplant. Ein kleines Geschenk von oben, und dann doch nicht.
    Ich fragte mich, durfte ich traurig sein? Durfte ich das? Durfte ich es wirklich, obwohl wir kein weiteres Kind wollten? Durfte ich es, vor allem wegen der Frauen, die sich sehnlichst ein Kind wünschten und keins bekamen oder Fehlgeburten erlitten? Durfte ich traurig sein? Hatte ich ein Recht dazu?
    „Ich fürchte mich vor dem, was kommt“, sagte ich Dr. Wagner. „Hormonelle Schwankungen ... Das ist immer schwierig zu ertragen für mich.“
    „Sie werden das besser schaffen, als Sie denken. Sie haben zwei Kinder, Sie stehen unter keinem Druck. Sie werden es sehen.“
    Lennert war immer noch nicht erreichbar. Oh je. Was musste er sich alles durchlesen. „Ich habe eine Eileiterschwangerschaft. Morgen OP“, gesellte sich als neue Nachricht dazu.
    Ich hätte direkt dableiben können und kurzzeitig war ich auch am Überlegen, ob ich das tun sollte. Aber andererseits wäre mir das zu überstürzt gewesen. Mein Eileiter schien noch nicht kurz vorm Platzen zu sein, da hätte das dann anders ausgesehen. Aber so hatte ich die Wahl. Und Dr. Wagner konnte das gut verstehen.
    Ich musste doch zumindest noch mal Lennert sehen und mit ihm sprechen. Ich musste ihm dringend eine Frage stellen und ihn dringend um etwas bitten. Ich musste mit ihm einen Plan aufstellen, weil ich mir zumindest theoretisch vorstellen konnte, was die nächsten Tage mit sich bringen würden. Eine sehr anstrengende Ehefrau nämlich, die nichts, nichts, nichts zu ertragen bereit war.
    Aufklärungen zur OP am nächsten Tag standen an.
    Anästhesiegespräch.
    Die für die Situation etwas zu gut gelaunte Anästhesistin hatte nicht verstanden, um was es ging. Sie glaubte an einen gewünschten Abbruch.
    „Es wird nur eine sehr kurze Maskennarkose sein. Ist ja nur ein sehr kurzer Eingriff. Eine Ausschabung und dann sind Sie nach zehn Minuten wieder raus aus dem OP.“
    Ausschabung ... Eine fürchterliche Vorstellung. Meine Erfahrungen aus dem gynäkologischen OP während meiner Ausbildungszeit, vor allem mit dem durchgeknallten, pathologisch narzisstischen Oberarzt waren mir noch sehr präsent.
    Ebenso mein Vorhaben, mich niemals, niemals, niemals gynäkologisch operieren zu lassen, was es auch sei.
    Ich wusste aber auch, dass eine Eileiterschwangerschaft immer eine Bauchspiegelung zur Folge hat, weil sie erstmal nur der Verdacht auf eine Eileiterschwangerschaft ist und man „suchen“ muss, wo sich nun diese Schwangerschaft im Bauch befindet. „Extrauterine Gravidität“ heißt es offiziell. Also eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter. Und die kann eben überall sein. Bloß in der Gebärmutter nicht.
    „Sind Sie sich sicher? Ich habe eine EU ... Das wird laparoskopisch gemacht...“ Was musste ich noch ertragen? Was?
    Die Anästhesistin hatte launenmäßig wirklich einen für sie erfreulich ausgesprochen guten Tag und prustete noch mal los.
    „DA ham'se aber lange hinterm Berg mit gehalten! Also DANN läuft es ja etwas anders.“
    „Ich weiß, ich bin Hebamme.“
    Da war das Gepruste erstmal vorbei.