Vom werden des neuen Arztes

Medizinische Autobiografie

Als ethisch und naturwissenschaftlich engagierter Arzt und Wissenschaftler war Maximilian Bircher-Benner stets und unerschrocken auf der Suche nach der Wahrheit. Schon am Anfang des 20. Jahrhunderts erkannte er, was heute offensichtlich geworden ist: Die WHO-Statistiken zeigen, dass in allen Ländern, in denen unsere moderne Medizin verhütet, noch geheilt werden. Immer mehr Menschen leiden trotz eines immensen Aufwandes Leben an Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck, chronischen Magen-Darm Krankheiten, Allergien, Asthma bronchiale,
Leber-Gallenkrankheiten, Hautkrankheiten, Arthrose und Arthritis usw. bis hin zum Krebs. Dies zeigt, dass ein "Missverständnis" bestehen muss zwischen unserem aktuellen medizinisch-Wissenschaftlichen Paradigma und der Biologie des Menschen. Die Menschen erfahren nicht, warum sie krank geworden sind. Die Ursache werden meist nicht angegangen.

Portrait
MAX OSKAR BIRCHER-BENNER
Ein biographischer Abriß von Dr. Ralph Bircher
*22. August 1867 in Aarau, † 24. Januar 1939 in Zürich. Arzt, Gründer und Leiter der Klinik Bircher-Benner in Zürich.
Ausbildung am Gymnasium Aarau, an den Universitäten Zürich (Forel, Gaule) und Berlin (Rubner). Von klein auf gewillt, Arzt zu werden. Seine Jugendfreundin Sophie Haemmerli-Marti schildert den 18jährigen Maturanden den naturwissenschaftlichen und philosophisch-literarischen Fragen hingegeben, als Pianisten (Kaeslin-Schtiler, öffentliche Konzerte), als Kadetten-Artilleriehauptmann, als eine Persönlichkeit von eisernem Fleiß, vollkommener Hingabe, unerhörter Willenskraft und seltsamer »Wahrheitswitterung« für die Tiefen des Seins, allem billigen Trost abgeneigt, auffallend durch Erziehertalent, gewohnt, dem eigenen Gewissen Bedingungslos zu gehorchen und von anderen Gefolgschaft zu erhalten.
In den klinischen Semestern große Enttäuschung über die damalige Heilkunde, die zwar sehr viel Wissenswertes bot, aber auf die ihm wichtigsten Fragen, wie der Mensch krank wird und wie Gesundheit geschaffen werden kann, keine be-friedigenden Antworten wußte. Einen Stoß versetzten ihm die Witzeleien der Professoren und Regierungsvertreter über Forel und Gaulewegen ihres Nichttrinkens, die ihm als die einzigen wirklich genialen Dozenten erschienen, und die glänzende Replik Forels über die »Freiheit des Geistes«. Er trat zur Abstinenz über in einer Zeit, wo dies schwerste Nachteile mit sich brachte und wurde zu einem der bekanntesten Alkoholgegner des Landes.
Als 24jähriger gründete er eine große Praxis in einem Arbeiterviertel von Zürich, gab die geliehenen Studiengelder zurück und gründete eine Familie, die in kurzer Zeit auf 9, später sogar durch die Kinder einer in Rußland verstorbenen Schwester auf 13 Köpfe anstieg.
Im Jahre 1895 stieß er unerwartet auf die überlegene Heilwirkung ungekochter Pflanzennahrung, deren Entdeckung ihn am bekanntesten gemacht hat. Er bemühte sich mit größter Intensität in den folgenden fünf Jahren um eine stichfeste Arbeitshypothese und Erforschung dieser Wirkungen, arbeitete Fachliteraturen durch, reiste auf ein halbes Jahr nach Wien (zu Winternitz), Dresden (zu Lahmann), Berlin (zu Rubner), besprach seine Funde in vielen Sitzungen mit einem Dozenten der ETH, gründete eine kleine Privatklinik (1897) und glaubte gegen 1900 im Entropiesatz der Energetik die ausreichende Erklärung zu haben.
Darauf legte er der Zürcher Ärztegesellschaft seine Auffassung und seine Erfahrungen mit der Bitte um Prüfung und Hilfe vor, aber der Vorsitzende erklärte trocken: »Bircher hat die Grenzen der Wissenschaft verlassen.«
Auf sich selbst gestellt, gab er sich seinen Patienten hin. Seine kleine Privatklinik am Zürichberg wuchs rasch und zog bald Patienten aus allen Erdteilen an; denn seine Kuren waren bemerkenswert und oft dramatisch, weil er die Ursachen und nicht die Symptome behandelte und dabei außerordentlichen Mut zeigte. 1914 zählte die Klinik 80 Patienten, 5 Assistenzärz¬te (darunter Alpbons Maeder, der bekannte Psychotherapeut) und ein Pädagogium.
1903 erschien in Berlin sein erstes Werk, »Grundzüge der Ernährungstherapie auf Grund der Energetik«, worin er seine These, Diätetik und Ernährungslehre darlegte. Unsere Nahrung stammt danach letzten Endes von der Sonnenenergie — ein Gedanke, den schon Helmholtz ausgesprochen hatte. Die Vitaminlehre bestätigte später manches. Die Behandlung vieler Stoffwechselleiden erfordert nach ihm nicht die Schaffung vieler Teildiäten, sondern eine nicht denaturierte Pflanzenkost kann die Grundlage für alle diätetischen Maßnahmen sein. Insgesamt handelt es sich darum, im Kranken die gestörten Ordnungen wieder herzustellen — »das ist der natürliche Heilweg, die ursächliche Therapie, die Therapia magna: ich nenne sie Ordnungstherapie.«
Seine Lehre galt vor allem der Verhütung der Zivilisations-krankheiten. Sein Leben entsprach seiner Lehre. Er lebte den Patienten das Beispiel vor. Der seelische Einfluß, den er damit ausübte, und sein psychotherapeutisches Wissen und Können waren die zweite Grundlage seines Wirkens.
Für die Volksernährung lehrte er, daß ein hoher Anteil der täglichen Nahrung aus ungekochter Frischkost bestehen und daß der Mensch seine Lebensführung den Lebensgesetzen einordnen muß, wenn Geschmeidigkeit, Lebensfülle und Widerstandskraft erhalten werden sollen.
Forel hatte ihn in die Psychotherapie eingeführt, später Freud, Adler, Stekel und Jung. Um 1900 sah er: »Es gibt keine Krankheit, die nur die Seele erfaßt, und wenn der Schein noch so trügt. Stets sind Körper und Seele gemeinsam erkrankt, stets bedarf es der Wiederherstellung sowohl des Körpers wie der Seele.« Es schwebte ihm eine wissenschaftlich disziplinierte, umfassende Heilkunde im Dienste der Selbstheilkraft im Kranken vor.
Die relative Ruhe reduzierten Betriebes im Ersten Weltkrieg nutzte er zu einer Inventur, Revision und Vertiefung des Erreichten (siehe die Anstreichungen und Notizen in seiner großen Bibliothek!). 1924 gründete er die Monatsschrift »Der Wendepunkt«, nachdem er, um des Prinzips willen, 25 Jahre lang damit gewartet hatte. Jetzt mußte er sich, wenn auch ungern, direkt an die Leidenden wenden. Er tat dies mit der Reife des erzieherischen Wortes. Diese Hefte und die daraus hervorgegangenen Bücher (manche sind in vielen Sprachen und zahlreichen Auflagen erschienen) erzeugten eine Grundwelle und zwangen die Medizin, seine Lehre zu beachten. Ab 1929 wurde er herangezogen zur Mitarbeit an Fachbüchern und Kongressen.
Der große Wiener Internist von Noorden suchte ihn auf und erklärte beim Abschied: »Ich glaubte, einen einseitigen Fanatiker zu finden und fand einen Arzt, der tiefer und umfassender sieht als die meisten Kollegen!« 1934 lehnte er eine Berufung nach Deutschland ab, um seine Unabhängigkeit (trotz beruhigender Zusicherungen) zu wahren.
1937 berief eine britische Organisation den 70jährigen zur Mitwirkung am Regierungsfeldzug für die Volksgesundheit. Sir Robert McCarrison, der Oxforder Ernährungsforscher, nannte sein Lebenswerk einen der größten Dienste an der Menschheit. 1949 nannte ein offizielles schweizerisches Handbuch für Diätetik und Ernährung ihn einen Klassiker, von welchem die Diätetik entscheidende Impulse empfangen habe. 1937 bestätigten Kollath und 1944 auch der Nobelpreisträger Schroedinger seine Anwendung des Entropiesatzes der Energetik auf das Leben und die Ernährung. — 1937 stiftete ein dankbarer Patient die Mittel für ein Birchersches Volkssanatorium, das ebenfalls am Zürichberg steht und sich in seiner Linie weiterentwickelt hat.
Man muß seine Lehren, wie sie veröffentlicht wurden, vor allem vom volkserzieherischen Standpunkt aus sehen, um sie recht zu verstehen. Er sah das ungeheure Ansteigen der Degenerativkrankheiten, das die Welt besonders seit dem Zweiten Weltkrieg in steigendem Maße beunruhigt, schon fünfzig Jahre vorher kommen und wurde nicht müde zu warnen. Heupke schrieb im Nachruf der Münchner Medizinischen Wochenschrift: »Das Leben Bircher-Benners hat auf das Denken unserer Generation stärkeren Einfluß gehabt, als den meisten bewußt ist. Seine Schriften bergen ein Gedankengut von wahrhaft paracelsischer Fülle und Naturverbundenheit, welches seine Zusammenfassung in seinem schönen letzten Buch „Vom Werden des neuen Arztes" fand. Hier ist der beste Zugang zu dieser großen und vornehmen Persönlichkeit, die mit einer in der Geschichte der Medizin seltenen intuitiven Kraft Lebensgesetze erschaute, die für die wissenschaftliche Erkenntnis sich erst in dämmernden Umrissen abzeichnen.« Kollath in der Medizinischen Welt: »Von ihm ging ein Zauber aus, den man unwillkürlich mit dem Wirken eines Sehers verbinden mußte: seine leise Stimme, sein tiefes Verstehen menschlicher Schwächen auch bei seinen Gegnern, sein feiner Humor machten die Unterhaltung mit ihm unvergeßlich. Er sprach niemals etwas Unwesentliches; die kleinste Bemerkung zeigte eigenes Urteil. Er war der geborene Arzt, der in der Geschichte der Medizin unter die großen gerechnet werden wird.«
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Kunststoff-Einband
Herausgeber Andres Bircher
Seitenzahl 174
Erscheinungsdatum 01.07.2014
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-906089-00-3
Verlag Edition Bircher-Benner
Maße (L/B/H) 20/12,9/1,5 cm
Gewicht 250 g
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