Ewigkeitsfjord

Roman

Kim Leine

(8)
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Beschreibung


Ein Missionar in Grönland. Ein historischer Roman aus dem ewigen Eis.

Ende des 18. Jahrhunderts geht Morten Falck als Missionar nach Grönland. Mit Rousseaus Satz »Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten« auf den Lippen und mit einer Kuh im Schlepptau trifft er nach wochenlanger Seefahrt in der dänischen Kolonie ein. Hier prallen die Lebensweise der Eingeborenen und der Kolonisatoren in Eis und Finsternis gewaltsam aufeinander. Die zehn Gebote, die er predigt, wird Morten bald in vielfacher Hinsicht übertreten. Aber er gewinnt auch die Liebe einer Eskimofrau und findet völlig unerwartet eine abtrünnige Siedlergemeinschaft, die tatsächlich nach aufklärerischen Idealen lebt. Kim Leines meisterhafter Roman macht das Leben in Grönland zur damaligen Zeit mit allen Sinnen erfahrbar und erzählt zugleich eine ganz moderne Geschichte.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 640
Erscheinungsdatum 08.09.2015
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-74895-2
Verlag btb
Maße (L/B/H) 18,6/11,8/4 cm
Gewicht 436 g
Originaltitel Profeterne i Evighedsfjorden
Übersetzer Ursel Allenstein
Verkaufsrang 133072

Buchhändler-Empfehlungen

die unerbittliche Natur setzt Grenzen.

Beate Müller-Egberink, Thalia-Buchhandlung Landau

Grenzen im Geist, der Überzeugung und der Lebensweise. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bricht der Protagonist nach Grönland auf um in dieser feindlichen Umgebung seine Vorstellungen einer guten Lebensführung zu verwirklichen. Doch stößt er schon bald an seine Grenzen, konfrontiert mit der Lebensweise der Einheimischen, die so ganz andere Vorstellungen davon hat. Spannend, atmosphärisch, düster und packend. Man taucht frierend in diese andere Welt und Zeit ein und freut sich beim Lesen über eine wärmende Tasse Tee.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
8 Bewertungen
Übersicht
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Sehr spannend!
von einer Kundin/einem Kunden aus Meilen am 19.12.2018

Das Buch lässt den Leser eintauchen in die arktische Welt.

Anspruchsvoller Lesegenuss
von einer Kundin/einem Kunden aus Bergisch Gladbach am 31.12.2015

Der hierzulande kaum bekannte dänische Autor hat einen historischen Roman geschrieben, der die üblichen Regeln dieses Genres komplett ignoriert und stattdessen als anspruchsvolle Belletristik gelten kann. Hauptprotagonist des Romans ist der Pfarrer Morton Falck, Sohn eines Lehrers der im Jahr 1787 beschließt, als Missionar in... Der hierzulande kaum bekannte dänische Autor hat einen historischen Roman geschrieben, der die üblichen Regeln dieses Genres komplett ignoriert und stattdessen als anspruchsvolle Belletristik gelten kann. Hauptprotagonist des Romans ist der Pfarrer Morton Falck, Sohn eines Lehrers der im Jahr 1787 beschließt, als Missionar in die dänische Kolonie Grönland zu gehen um die einheimischen Inuit zum Christentum zu bekehren. Abenteuerlust und eine übereilte Verlobung mit der Tochter seines Vermieters treiben ihn aus Dänemark fort. Was ihn dort erwartet, kann man durchaus als das Herz der Finsternis bezeichnen. Ein selbstherrlicher Kaufmann fungiert als Kolonieverwalter, für den die dänischen Gesetze nicht zu gelten scheinen. Ehebruch mit Inuit Frauen ist an der Tagesordnung, ebenso Vergewaltigung und Betrug. Zunächst gibt Falck sein Bestes aber nach und nach erliegt auch er seinen eigenen dunklen Gefühlen und beginnt eine verhängnisvolle Liaison mit einer Grönländerin. Viel Düsternis bestimmt den Text. Die Menschen werden in ihrer Einsamkeit, ihrer Grausamkeit und existenziellen Nöten schonungslos beschrieben. Die indigenen Inuit sind keineswegs die besseren Menschen, archaische Reste eines Naturvolkes prägen manche Verhaltensweise dieser weitgehend christianisierten Menschen. So kommt es manchmal zu Kindstötungen bei großer materieller Not. Und immer wieder taucht ein Satz von Rosseau auf, der sich als Leitmotiv durch das Buch zieht: Der Mensch ist frei geboren und liegt sein ganzes Leben in Ketten. 1793 verlässt Falck Grönland und kehrt nach Kopenhagen zurück, wo er den verheerenden Stadtbrand erlebt. Der Roman ist hochrealistisch in seiner Beschreibung menschlicher Schwächen und verzichtet auf jede Idealisierung. Ein sehr spannender Lesegenuss, der teilweise unter die Haut geht. Sprachlich kann der Roman ebenfalls überzeugen. Das historische Literatur nicht dem Kitschfaktor erliegen muss, wird mit diesem Buch eindrucksvoll bewiesen.

Ein Blick in menschliche Abgründe
von einer Kundin/einem Kunden am 03.03.2015
Bewertet: Medium: Hörbuch (CD)

Hörbuch, 11 Stunden, 09 Min, gesprochen von Rainer Strecker Rousseaus: „Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten“, der Leitspruch von Morton Falck, oft wiederholt im Text. Ein Roman, der an vielen historisch belegbaren Orten handelt und echte Personen mit einbezieht. Wir befinden uns am Ende des 18. Jahrhu... Hörbuch, 11 Stunden, 09 Min, gesprochen von Rainer Strecker Rousseaus: „Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten“, der Leitspruch von Morton Falck, oft wiederholt im Text. Ein Roman, der an vielen historisch belegbaren Orten handelt und echte Personen mit einbezieht. Wir befinden uns am Ende des 18. Jahrhunderts. Morton Falck möchte Arzt werden, sein herrischer Vater zwingt ihn zum Studium der Theologie. Heimlich schreibt er sich in Medizin ein, muss aber abbrechen, um dem Wunsch des Vaters nachzukommen, der den Unterhalt zahlt. Das Leben von Kopenhagen, wird ausgiebig geschildert, Menschen kopulieren an allen Ecken, die hygienischen Zustände lassen einen erschaudern. Man riecht die laute, dreckige Stadt, die aus jeder Pore stinkt, nicht nur dem Geruch nach. Morton ernährt sich von wässrigen Grützen, stopft lustlos Essen in sich hinein, nimmt, was er bekommen kann. Er vergeht sich an der Vermietertochter, ist gezwungen sie zu heiraten. Die unliebsame Verlobung löst er, da er eine seine Stelle als Missionar im hohen Norden nur ungebunden antreten darf. Morton flieht vor allem, was ihn belastet, Ketten, die angelegt werden, hofft in der Fremde die Freiheit zu finden. So wird er auch den harten Vater los. Er reist mit seiner Kuh Roselil an Bord nach Grönland, denn er weiß, wie wichtig Milch in der kargen Ernährung in Eis und Schnee ist. Die Schiffsreise wird ein Desaster. Die Mannschaft missbraucht der Reihe nach den minderjährigen Schiffsjungen und jagt ihn schließlich in den Tod. Morton ist angewidert. Auf Grönland angekommen, wird es nicht besser. Das Klima ist hart, es herrschen oft Hunger und Kälte. Die Menschen sind verlaust, die Läuse kriechen auf dem Tisch herum, Branntwein ist ein Hauptnahrungsmittel, Brutalität und schlechte Hygiene machen das Leben aus. Noch steht Morton über den Dingen, ein solches Subjekt wird niemals aus ihm werden. Die Kolonie ist ein einziger Sündenpfuhl: Vergewaltigung, Alkohol, Dreck. Doch auch Mortons Gesundheitszustand verschlechtert sich und er ähnelt tagtäglich mehr den anderen Bewohnern, greift zum Alkohol, hat sich nicht mehr unter Kontrolle. Dunkelheit und Einsamkeit machen die Menschen depressiv, aggressiv. Pfarrer Oxbøl, aus dem nahe gelegenen Holsteinsborg missioniert die Ureinwohnerinnen, indem er ihnen den Katechismus auf seine Art beibringt: Sie werden reihenweise schwanger. Am Ende wird die Kolonie durch Waffengewalt zerstört, da sie von der dänischen Regierung als Sündenort angesehen wird, Korruption herrscht. Morten Falck kehrt gescheitert, gebrochen und verarmt nach Kopenhagen zurück. Freiheit wird er in seinem Leben nicht mehr erlangen. Wer sich ekeln möchte, für den ist dies das richtige Buch. Die brutale Wirklichkeit wird in allen Einzelheiten geschildert, die Arroganz der Herrschenden, die Missionierung in Gottes Namen. Die eisige Kälte der Fjords zieht durch das Buch, gruseln inklusive. Allerdings hat mich die literarische Kraft dieses Buchs mich nicht bezaubern können. Klischeehafte, extrem kitschige Landschaftsbeschreibungen, unglückliche Formulierungen und merkwürdige Metaphern, die stocken lassen. "Ewigkeitsfjord" wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Preis des dänischen Buchhandels. Wofür ist mir nicht ganz klar. Auf jeden Fall nicht für die Sprachgewandtheit. Insgesamt ist es ein spannendes Buch, das sich mit der Kolonialisierung Grönlands befasst, schonungslos und offen.


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