Heeresbericht

Reclams Universal-Bibliothek Band 19294

Edlef Köppen

(4)
Die Leseprobe wird geladen.
Buch (Taschenbuch)
Buch (Taschenbuch)
9,80
9,80
inkl. gesetzl. MwSt.
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort lieferbar Versandkostenfrei
Sofort lieferbar
Versandkostenfrei

Weitere Formate

Taschenbuch

ab 9,80 €

Accordion öffnen

gebundene Ausgabe

29,90 €

Accordion öffnen
  • Heeresbericht

    Tredition

    Lieferbar in 5 - 7 Tagen

    29,90 €

    Tredition

eBook

ab 4,99 €

Accordion öffnen

Hörbuch-Download

26,99 €

Accordion öffnen

Beschreibung

Vergessen war Köppens Roman »Heeresbericht« eigentlich nie, aber es braucht wohl den Hype um die Jahrestage des Ersten Weltkriegs, um sich wieder der herausragenden literarischen Qualitäten dieses erzähltechnisch fortschrittlichsten unter den Antikriegsromanen bewusst zu werden. Köppen meldete sich 1914 freiwillig, erlitt sowohl eine Schussverletzung als auch ein psychisches Trauma, verweigerte 1918 vor Kriegsende noch den weiteren Dienst und landete dafür in einer Irrenanstalt. Dieses Schicksal lässt der spätere Autor, Journalist und Lektor seine Hauptfigur nachleiden, und er konterkariert es mit einer Montage echter und fiktiver Dokumente zum Wahnsinn des Krieges und der propagandistischen Kriegshetze.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 439
Erscheinungsdatum 04.02.2015
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-15-019294-8
Verlag Reclam, Philipp
Maße (L/B/H) 14,9/9,8/2,5 cm
Gewicht 198 g
Verkaufsrang 128864

Weitere Bände von Reclams Universal-Bibliothek

Kundenbewertungen

Durchschnitt
4 Bewertungen
Übersicht
3
1
0
0
0

Trockener Kriegsbericht
von NiWa am 29.04.2018
Bewertet: Medium: Hörbuch-Download

Erster Weltkrieg. Adolf Reisiger meldet sich als Kriegsfreiwilliger. Anfangs noch begeistert, kommen ihm immer mehr Zweifel, ob der Krieg in Europa tatsächlich sinnvoll ist. "Heeresbericht" wurde in den 1930er-Jahren veröffentlicht und schildert damit das Kriegsgeschehen um den Ersten Weltkrieg zeitnah und gefühlt aus erster ... Erster Weltkrieg. Adolf Reisiger meldet sich als Kriegsfreiwilliger. Anfangs noch begeistert, kommen ihm immer mehr Zweifel, ob der Krieg in Europa tatsächlich sinnvoll ist. "Heeresbericht" wurde in den 1930er-Jahren veröffentlicht und schildert damit das Kriegsgeschehen um den Ersten Weltkrieg zeitnah und gefühlt aus erster Hand. Adolf Reisiger war einmal Student und ist jetzt Soldat. Trocken berichtet er vom Erlebten, angefangen von der Grundausbildung bis zum Schützengraben. Dabei ist Reisiger mit unverschämten Glück gesegnet. Je tiefer er im Kriegsgeschehen steckt, desto unverwundbarer scheint er zu sein. Links und rechts von ihm fallen die Kameraden, werden verwundet und regelrecht verstümmelt, während er selbst mit heiler Haut aus dem Gemetzel tritt. Jedoch empfindet Reisiger es zunehmend als Strafe, verschont zu bleiben. Wäre er nur tot, denn dann ist der Krieg für ihn vorbei. Als Leser wird man an die Seite Reisigers gestellt und erlebt mit ihm den Krieg aus erster Hand. Angefangen von blutigen Kampfsituationen, langen Märschen, strategischem Planen, langweiligem Verharren, erbärmlichen Frieren, bohrendem Hunger und scherzenden Kameraden - es ist alles dabei! Meiner Meinung nach bekommt man dadurch einen recht authentischen Eindruck vom Krieg. Es gibt etliche Szenen, in denen Reisiger um einen Kameraden oder Vorgesetzten beraubt wird. Meist tut er das mit einem "So ist der Krieg" oder "C'est la guerre" ab und wendet sich seinen Aufgaben zu. Je länger es dauert, desto mehr nagt dieses Leben an ihm und raubt ihm zusehends den Verstand. Grad, dass er keinen hysterischen Lachanfall bekommt, weil er nur mehr den Kopf seines Vorgesetzten sieht ... Zwischendrin sind Zeitungsartikel, Rundfunkmeldungen oder Briefe von der Front einmontiert, was dem Gesamtgeschehen Ausdruck verleiht. Weniger gefallen haben mir Lieder, die im Hörbuch gesungen werden. Das ist zwar gut umgesetzt, aber absolut nicht meins. Ich habe Reisigers Bericht meistens als sehr trocken empfunden, was wohl dem Naturell des Geschehens entspricht. Es ist ja kein Abenteuerroman sondern der Autor war damals selbst dabei und hat an der Figur des Kriegsgefreiten Reisiger seine Erlebnisse verarbeitet. Besonders gut kommen eine gewisse Fassungslosigkeit zur Geltung, die sich zwischen den Soldaten breit macht. Es wird ihnen nach und nach bewusst, wie unsinnig der Krieg ist, was das zu bedeuten hat und dass es keinem höheren Zweck dienen kann. Obwohl dieses Werk auf mich sehr authentisch wirkt und durch Zeitdokumente untermalt wird, kommt es meiner Meinung nach an „Im Westen nichts Neues“ nicht ran. Wer sich für den Ersten Weltkrieg interessiert, der sollte zuerst zu Remarques Klassiker greifen, weil er meiner Meinung nach mehr Gefühl für das Geschehen vermitteln kann. Nichtsdestotrotz ist „Heeresbericht“ ein interessantes Stück Zeitgeschichte, das durch das Soldatenleben im Ersten Weltkrieg führt und schon allein deshalb empfehlenswert ist.

im Trommelfeuer
von einer Kundin/einem Kunden aus Neresheim am 11.07.2014
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

Der 1. Weltkrieg aus der Sicht des Kanoniers Reisinger. Edlef Köppen schafft es mit eindringlicher Sprache den Leser ein Gefühl von dem zu vermitteln was sich zu jener Zeit in und um die Schützengräben abgespielt hat. Ganz klar 5 Sterne.

Der Krieg unglaublich nah und schrecklich grausam
von Vera Pestel am 22.06.2014
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

8 255 534. Damit endet der Roman. Eine unvorstellbare Zahl. Im Roman ausgeschrieben. Das sind die Menschen, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren haben. Er zählt auf, wie viele Deutsche unter ihnen waren, wie viele Franzosen, Amerikaner, Engländer usw. Wer hat die Toten gezählt, die Soldaten, die Zivilisten, die Menschen vo... 8 255 534. Damit endet der Roman. Eine unvorstellbare Zahl. Im Roman ausgeschrieben. Das sind die Menschen, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren haben. Er zählt auf, wie viele Deutsche unter ihnen waren, wie viele Franzosen, Amerikaner, Engländer usw. Wer hat die Toten gezählt, die Soldaten, die Zivilisten, die Menschen von nebenan, die plötzlich nicht mehr da waren? Mütter und Väter verloren ihre Söhne, Frauen ihre Männer, Kinder ihre Eltern. Und das oftmals freiwillig. Sie gingen freiwillig in den Krieg. Wie Edlef Köppen. Als er zurückkehrte, schrieb er seine Erlebnisse auf. Im Roman heißt er Adolf Reisiger. Adolf Reisiger zieht in den Krieg. Er hält es für notwendig, seinem Vaterland zu dienen. Wer sich drückt, gilt als Feigling. An die Westfront wird er geschickt, liegt im Schützengraben und fragt sich, wo der Krieg ist, wo der Feind ist. Was bedeutet eigentlich Krieg? Er lernt ihn kennen, als die ersten Kameraden neben ihm sterben, er selbst verwundet und später sogar einmal verschüttet wird. Er erlebt das Grauen und wird nicht von der Vorstellung geheilt, dass Krieg „normal" ist, dass Krieg eine Sache ist, die getan werden muss. Es wird nicht klar, ob Reisiger überhaupt weiß, wie es so weit kommen konnte. Die politischen Verstrickungen sind nicht Gegenstand des Buches, es sind die menschlichen Schicksale. Der Tod wird zum Alltag, die Menschen werden zum Material, das nach Belieben eingesetzt wird. Wie verarbeiten die Soldaten das Erlebte? Es wird nicht so recht klar. Köppen schreibt: „Ein Soldat redet nicht über das, was ihm befohlen ist." Von der Westfront wird Reisiger abkommandiert an die russische Front. Dort bleibt er nicht lange. Waffenstillstand. Für Soldaten gibt es nichts zu tun. Deshalb werden sie zurück nach Frankreich abkommandiert, dort soll etwas los sein. Reisiger schreibt Tagebuch und fragt sich immer öfter, wozu das Morden gut sein soll. Er schreibt zwei Gedichte, die in einer Zeitung veröffentlicht werden und sich kritisch mit dem Krieg auseinandersetzen. Er benutzt deutliche Worte. „..., dass ich den Krieg allmählich für die größte Sauerei halte, die es gibt." Das stößt auf Unmut bei den Vorgesetzten. Er wird strafversetzt und muss Schreibtischarbeiten verrichten, was ihm nicht zusagt. Er hadert mit dem Krieg, möchte aber nicht fern von ihm sein. Dann wird er befördert, soll dadurch von der Sache überzeugt werden, und wird nach Frankreich geschickt, wo die letzte Schlacht für ihn stattfindet, kurz vor dem Ende des Ersten Weltkrieges. Diese Schlacht erweist sich als besonders zäh, sie kann nicht mehr gewonnen werden. Edlef Köppen erzählt aus den Schützengräben. Das ist sein Schauplatz, sein Leben für viele Jahre. Man könnte meinen, dass diese Sichtweise auf ca. 300 Seiten (E-Book) irgendwann langweilig wird. Wird sie nicht. Er erzählt detailliert von den Schwierigkeiten im Schützengraben, von der Unsicherheit, der Angst. Seine Erzählkunst lässt uns weiterlesen, Schlachtszenen erleben wir atemlos, seine Worte bringen uns immer dichter heran, seine Figuren leben, sind menschlich und verdammt. Es gibt immer neue Aspekte und Nuancen des Grauens und der Sinnlosigkeit. Krieg in diesem Sinne ist für uns heute unvorstellbar, im Schützengraben, im Dreck, verlaust und hungrig, stinkend, es war ein Krieg mit einfachen Mitteln. Krieg passiert heute anders und überall, er ist mit den modernen Mitteln manchmal fast lautlos geworden. Die klassischen Schlachtfelder haben sich gewandelt. Gekämpft wird heute nicht nur mit der Waffe in der Hand, Soldaten sitzen am Computer und können Menschen mit Drohnen umbringen, Staaten und Geheimdienste überwachen uns, sammeln unsere Lebensdaten, Kameras hängen an vielen Orten. NSA ist auch Krieg. Das einfache Leben ist eine Illusion geworden. Krieg ist mittlerweile immer. Krieg ist Kampf. Krieg braucht einen Gegner. Und der lauert überall. Wir laufen glücklich und unwissend auf dünnem Eis. Wer weiß, wie oft wir uns am Rande einer Katastrophe befinden? Man sagt es uns nicht. Ruhe und Frieden herrschen niemals. Köppen zeigt uns einen rudimentären Krieg, der noch nicht live geführt wurde. Heute ist Krieg viel perfider und hat weniger Erdgeruch. Der Geruch ist aber unbedingt notwendig, damit wir uns ins Gedächtnis rufen, wovon wir reden, wenn wir über Krieg reden, oder von ihm hören. Im Schützengraben war es etwas übersichtlicher.


  • Artikelbild-0
  • Heeresbericht
    Erster Teil
    Zweiter Teil

    Nachwort